Das Jahr 1809. Große Volksbewegungen in Deutschland

Das Jahr 1809 ist in der Leidensgeschichte Deutschlands und auch Mecklenburgs von der höchsten Bedeutung, indem es die letzten, zum Teil wahrhaft heroischen Bewegungen des deutschen Volkes umfasst, welche zur Wiedereroberung des verlornen Kleinodes der Freiheit versucht wurden.

Österreich, der einzige Staat, welcher der drohenden Universalmonarchie Frankreichs noch Widerstand leisten konnte, war nach dem Frieden zu Preßburg wieder so vielfach von Napoleon gekränkt, dass es sich in schlagfertigen Zustand setzen musste, um neue Eingriffe in alte Rechte mit den Waffen in der Hand abwehren zu können. Am 15ten April verkündete ein österreichisches Manifest ganz Europa den Wiederausbruch des Kriegs: „weil sich Österreich nicht unbewaffnet dem Willen Napoleons habe ergeben wollen, und nach so vielen erlittenen Gewalttätigkeiten den unwürdigen Antrag, seine Verteidigungsanstalten einzustellen, verworfen habe, werde es von französischen Waffen bedroht.“ Am 9ten April erließ der Erzherzog Karl einen Aufruf an die deutsche Nation, das schmachvolle Joch zu zerbrechen; allein was ließ sich von den Fürsten des Rheinbunds erwarten? Österreich musste den Kampf allein bestehen; die Schlachten bei Tann und Pfaffenhofen, Abensberg und Eckmühl gingen verloren und der blutige fünftägige Kampf war misslungen. Dagegen verlor Napoleon die Schlacht bei Aspern und Eßlingen, musste unter schrecklichem Verluste mit dem Rest seines Heers die Flucht über die Donau suchen und stand sichtbar damals schon auf einem gefährlichen Wendepunkte seines Glücks. Endlich entschied die Schlacht bei Enzersdorf und Wagram, ein wahres Mordfest, zum Vorteil Napoleons.


Die nächste Folge dieses Krieges für Mecklenburg war der Abzug fast aller französischen Truppen aus seiner Nachbarschaft. Sie alle wandten sich gegen Süden, und das mecklenburg-schwerinsche Kontingent marschierte vom 13ten bis 15ten März nach Stralsund, zur Besetzung des verlassenen Schwedisch-Pommern.

Die deshalb an den Oberst von Holstein, Brigadier und Ches des mecklenburgischen Kontingents ergangene Kabinetsorder lautet: „Unserm Obersten von Holstein wird hierdurch die Order erteilt, sogleich nach Empfang dieses sich in den Stand zu setzen, um nach Schwedisch-Pommern aufzubrechen. — Das 2te Bataillon zu Rostock marschiert am 13ten dieses früh aus, hat Nachtquartier in Damgarten und geht mit forciertem Marsch am 14ten nach Stralsund.—Das 1ste Bataillon marschiert am 13ten von Wismar bis Neubukow, den 14ten nach Rostock, den 15ten bis Damgarten und den 16ten bis Stralsund. — Der Oberst von Holstein hat zur schleunigsten und pünktlichsten Vollziehung dieser Order alle nötigen Verfügungen zu treffen, und sich deshalb auch gleich nach Rostock zu begeben. Auch senden Wir Unsern Adj. Maj. von Boddin ab, um noch das Nähere zu überbringen, die Truppen nach Pommern zu begleiten und die etwanigen Anweisungen des dortigen französischen Kommandanten zu vernehmen. Der französische General-Gouverneur von Schwedisch-Pommern hat Uns die Anzeige gemacht, dass Unsere Truppen daselbst unter seinen Befehlen stehen und er mögliche Sorgfalt für deren Behandlung haben werde. Der Oberst von Holstein hat sich also an denselben bei allen Verkommenheiten zu wenden, auch beim Einmarsch sich bei ihm zu melden.“ — Zur Erleichterung der Rekrutierung, ward den Obrigkeiten vor der Aushebung die Gestellung freiwilliger Rekruten zum Militärdienst gestattet, und eine Konvention zwischen dem herzoglichen Ministerium und den Deputierten der Ritter- und Landschaft zu Schwerin getroffen, wornach eine allgemeine Landesrecepturkasse zur allmäligen Abtragung der Landesschulden errichtet ward, um in 30 Jahren aus einem, durch direkte und indirekte Steuern, Stempeltaxen und Imposten zu konstituierenden Fonds von jährlich wenigstens 300.000 Rthlr. zum Abtrag und zur einstweiligen Verzinsung der Schuld hinzuwirken. Das war die notwendige Folge der schweren Drangsale, die seit Jahren auf Mecklenburg gelastet hatten. Aber neues Kriegsunglück war vor der Tür und sollte die allgemeine Verarmung vergrößern und noch größere Kontributionen veranlassen.

Es fanden um diese Zeit durch ganz Deutschland Verbindungen und geheime Einverständnisse der einflußreichsten Patrioten zur Befreiung des Vaterlandes Statt, welche man mit dem allgemeinen, wenigstens in Preußen üblichen, Namen des Tugendbundes bezeichnete. Leider wurden die Hoffnungen dieser Edlen durch das abermalige Unglück Österreichs vernichtet, aber demungeachtet brach das unter der Asche glimmende Feuer der Volksrache schon damals, als mahnende Vorbedeutung einer spätern Ermannung, hin und wieder in lichte Flammen aus.