Abschnitt 3

I. Die Geschichte der Papierbereitung.


Sicher verbürgt als die erste Anstalt, die von sich reden macht, ist die im Jahre 1390 in Nürnberg vom Ratsherrn Ulman Stromer angelegte Papiermühle. Sie beschäftigte in den Jahren 1390-1394 nach den Aufzeichnungen Stromers selbsteine ganze Reihe von Arbeitern, unter ihnen drei Italiener, die sich eidlich verpflichteten, das Geheimnis der Papierbereitung bewahren und niemandem mitteilen zu wollen. Insbesondere die Italiener mußten schwören, daß sie „in allen teutschen landen hie disseits des Lampartischen Birgs niemandt khein Pappir machen“ würden als für Stromer und dessen Erben. Legen diese spärlichen Nachrichten nur dafür Zeugnis ab, daß wenigstens die Herstellung von Papier auf deutschem Boden begonnen hatte, so häufen sich in dem folgenden Jahrhundert die Nachweise über bestehende Fabriken. Weiß man auch über sie wenig und stehen nur geringe Anhaltspunkte zur Beurteilung des Umfanges und ihrer Bedeutung zur Verfügung, so daß man nicht gerade von einer Blüte sprechen darf, so lassen sie immerhin einen erfreulichen Umschwung erkennen.
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Im Elsaß sind es Straßburg, Thann und Sennheim im Oberelsaß, die die Aufmerksamkeit auf sich lenken. In Straßburg besaß um 1452 ein Heilmann, ein Bruder des mit Guttenberg in Verbindung stehenden Andreas Heilmann, die Papiermühle vor dem Weißenturmtore und in Thann wird 1500 ein Papiermacher Burchartt genannt. Ihm wird von Hans von Amerbach die Vollmacht gegeben, zwei Guthaben bei dem Papiermacher Lorentz in Sennheim im Oberelsaß einzuziehen.

In Bayern, wo Ulman Stromers Geschäft gegen 1463 sein Ende erreicht zu haben scheint, tut sich eine neue Mühle in dem Nürnberg benachbarten Schnigling auf. Wenigstens spricht eine urkundliche Notiz aus dem Jahre 1487 von der dortigen „bappyrmole“. Daran schließen sich die zu Augsburg, wo 1468 eine Mühle erbaut sein soll, zu Kempten 1477 und zu Wartenfels bei Kulmbach aus der gleichen Zeit.

Indes um diese Zeit haben nicht mehr der Süden und Südwesten allein das Privileg in der Herstellung von Papier. Auch Mittel- und Norddeutschland fangen an, auf diesem Gebiete sich lebhaft zu betätigen.

In Sachsen ließ Herzog Albrecht der Beherzte „zu Behuf und Nothdurft der Hofhaltung und Canzlei“ zwischen 1464 und 1500 an der Weißeritz vor Dresden eine Papiermühle erbauen Schon vorher war 1443 in der Oberlausitz in Bautzen eine Papiermühle eröffnet worden, und gegen den Ausgang des 15. Jahrhunderts treten die ersten Papiermacher in Leipzig auf. Ob Benedikt Moller daselbst zwischen 1478 und 1484 Papierhändler oder Papiermüller war, bleibt freilich zweifelhaft. Sicher aber waren Papiermacher um 1492 Merten Bauer und der später sich selbständig niederlassende, anfangs bei Bauer arbeitende Dominicus Gute oder Ponat von Epinal in Lothringen. Um 1498 wurde er bezeichnet als „Dominicus der papirmacher uff Merten Bawers moel“. Im Jahre 1510 wird einer Papiermühle zu Zittau Erwähnung getan, 1511 beginnt die Gründung der Mühlen in und bei Bautzen. Im Jahre 1537 erteilt Graf Hugo von Leisnig einem gewissen Burkhard Schmidt aus Glauchau, dem Stammvater der häutigen Patentpapierfabrik zu Penig, die Erlaubnis zum Bau einer Papiermühle, 1540 veranlaßte Herzog Heinrich der Fromme von Sachsen die Errichtung einer Papiermühle an der Mulde bei Freiberg durch Michael Schaffhirt den Jüngeren, den Sohn jenes gleichnamigen Mannes, der 1518 die Dresdner Mühle käuflich erwarb.

Vielleicht von Sachsen aus angeregt, wurde im 15. Jahrhundert zu Alt-Beckern bei Liegnitz eine Papiermühle erbaut. In Lübeck ist während der Jahre 1420 bis 1436 das Vorkommen von Papiermühlen urkundlich belegt. Endlich läßt sich gegen 1476 in Lüneburg eine solche Anstalt nachweisen.

Belegen diese Daten, daß die Papierfabrikation in Deutschland Eingang gefunden hat, so ist unverkennbar, daß im 16. Jahrhundert der Industriezweig zu großer Entwickelung gelangt ist. Die aus dem Kurfürstentum Sachsen mitgeteilten Daten griffen schon in das 16. Jahrhundert hinüber. Zu den genannten Etablissements kommen im Laufe der Jahre hinzu: 1552 oder 1543 Colditz, 1570 Zwickau, 1569 am Fuße des Königsteins an der Elbe, 1572 Oberschlema, vom Rate der Stadt Schneeberg erbaut, 1575 das Rittergut Knauthain, von wo später die Mühle nach Cospuden verlegt wurde, 1573 bei Obergurig bei Bautzen, 1586 Penig im erzgebirgischen Kreise, 1577 in Nieder-Zwönitz im Erzgebirge, 1598 und 1599 Plauen, 1593 in Bautzen selbst. Im Gebiete der Stadt Nürnberg lassen sich seit 1504 bis 1595 nicht weniger als 10 und im Gebiete des ehemaligen Burggrafentums Nürnberg zwischen 1567 und 1594 4 Papiermühlen, nämlich 2 im Markgrafentum Ansbach, 2 in Bayreuth, nachweisen. In der Umgebung von Kempten entstehen im Laufe des 16. Jahrhunderts mehrere Papiermühlen. Neben Sachsen fängt Thüringen an, sich auf dem Papiermarkte hervorzutun. Mit dem Papierhändler oder Papiermacher Hieronymus Daum in Erfurt zwischen 1550 und 1573, der Papier nach Magdeburg versandte, erscheinen nach und nach Papierverkäufer in Schleusingen 1582-1585, in Mülhausen spätestens 1579, in Tennstädt 1586, in Frankenhausen 1522, in Weida 1592.

Auch am Harze entwickelt sich die Papiermacherei. Seit 1544 erscheinen Papiere mit dem gräflich Stolbergschen Wappen und der Unterschrift „Wernigerode vorm Brocken“. Der Papiermacher Kohlmann verkauft 1538 dem Herzog von Celle seine Papiermühle in Celle. Östlich vom Kurfürstentum Sachsen erscheint Breslau als ein Ort, wo schon frühzeitig, spätestens im 16. Jahrhundert, Papier, wenn auch nicht immer gutes, gemacht wurde. Höher nach Norden hat 1588 der Besitzer der dortigen Herrschaft, Karl von Kittlitz in Spremberg, in der Niederlausitz eine Papiermühle erbaut, und auch in der Mark Brandenburg blieb man nicht zurück. In Neustadt-Eberswalde hatte 1532 Zacharias Beiger eine Papiermühle in Gang gebracht, aus der er Leonhard Thurneysser in Berlin bediente. Nach und nach hob sich die Fabrikation derart, daß dem steigenden Bedarfe des Landes genügt werden konnte. In Pommern werden Stolp, Stepenitz und Hohenkrug als alte Papierfabrikationsorte im 16. Jahrhundert erwähnt. In der Umgebung von Posen wurden 1538-1593 nacheinander 6 Papiermühlen privilegiert. Im Fürstentum Lippe fällt der Beginn der Papierfabrikation in das Jahr 1555, in dem die Papiermühle zu Bentrup entstand. Ihr folgte im Jahre 1584 die von Hillentrup.

Dieses Kapitel ist Teil des Buches Mecklenburgische Papiermühlen