Kultur und Kunst der Renaissance in Italien. 1. Buch

Der Staat als Kunstwerk
Autor: Burckhardt, Jacob (1818-1897) Schweizer Kulturhistoriker, Professor für Kunstgeschichte, Erscheinungsjahr: 1900
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Renaissance, Kulturgeschichte, Kunstgeschichte, Italien, Baukunst, Malerei, Skulpturen, Sitten und Gebräuche, Religion, Reformation
In der Einleitung seines berühmten Werkes „Die Kultur der Renaissance in Italien“ bedauert Jacob Burckhardt das Fehlen einer Darstellung über die Kunst der Renaissance. Diesem von Burckhardt selbst empfundenen Mangel hilft der Verlag dadurch ab, dass er die beiden Standardwerke Burckhardts „Die Kultur der Renaissance in Italien“ und „Die Kunst der Renaissance in Italien“ in einem Band vereinigt. Die „Kunst der Renaissance“ ist 1867 u. ö. unter dem allgemeinen und eigentlich unzutreffenden Titel „Geschichte der Renaissance“ in Kuglers und Lübkes „Geschichte der neueren Baukunst“ erschienen. Die Ausgaben sind heute nur noch selten antiquarisch und zu hohen Preisen erhältlich. Lediglich die von der Burckhardt-Gesellschaft 1929 bis 1933 herausgegebene Gesamtausgabe der Werke Burckhardts nimmt die bedeutende Schrift des großen Gelehrten nochmals auf. Der Herausgeber Heinrich Wölfflin gibt dem Band bereits den richtigen Titel „Kunst der Renaissance in Italien“.

Der Verlag hat nun die beiden Werke unter dem gemeinsamen Titel „Kultur und Kunst der Renaissance in Italien“ vereinigt. Dazu berechtigte nicht nur die Zusammenstellung der beiden Werke, die einen Text von fast 800 Seiten ergaben, sondern vor allem die reichhaltige Illustration, die einen Querschnitt durch die gesamte Kunst der Renaissance vermittelt.

Über den Wert der beiden Werke noch etwas Lobendes zu sagen, erübrigt sich, sind sie doch längst als Juwelen der Kultur- und Kunstgeschichtsschreibung anerkannt. [Vorwort]

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Inhaltsverzeichnis
    Erster Abschnitt: Der Staat als Kunstwerk
  1. Einleitung: Politischer Zustand Italiens im XIII. Jahrhundert — Der Staat Friedrichs II. — Die Herrschaft Ezzelinos da Romano
  2. Tyrannis des XIV. Jahrhunderts: Finanzielle Grundlage und Verhältnis zur Bildung — Das Ideal des absoluten Herrschers — Innere und äußere Gefahren — Urteil der Florentiner über die Tyrannen — Die Visconti bis auf den vorletzten
  3. Tyrannis des XV. Jahrhunderts: Interventionen, Reisen und Kaiser — Ihre Ansprüche in Vergessenheit — Mangel eines festen Erbrechtes — Illegitime Erbfolgen — Kondottieren als Staatengründer — Ihr Verhältnis zum Brotherrn — Die Familie Sforza — Aussichten und Untergang des jüngeren Piccinino — Spätere Versuche der Kondottieren
  4. Die kleineren Tyrannien: Die Baglionen von Perugia — Ihre innere Zwietracht und die Bluthochzeit des Jahres 1500 — Ihr Ausgang — Die Häuser Malatesta, Pico und Petrucci
  5. Die größeren Herscherhäuser: Die Aragonesen von Neapel — Der letzte Visconti von Mailand — Francesco Sforza und sein Glück — Galeazzo Maria und Lodovico Moro — Die Gonzagen von Mantua — Federigo da Montefeltro, Herzog von Urbino — Letzter Glanz des urbinatischen Hofes — Die Este in Ferrara — Hausgräuel und Fiskalität — Ämterverkauf, Ordnung und Bauten — Persönliche Virtuosität — Loyalität der Residenz — Der Polizeidirektor Zampante — Teilnahme der Untertanen an fürstlicher Trauer — Pomp des Hofes — Das estensische Mäzenat
  6. Die Gegner der Tyrannis: Die späteren Guelfen und Ghibellinen — Die Verschwörer — Die Ermordungen beim Kirchgang — Einwirkung des antiken Tyrannenmordes — Die Katilinarier — Florentinische Ansicht vom Tyrannenmord — Das Volk, im Verhältnis zu den Verschwörern
  7. Venedig im XV. Jahrhundert: Die Einwohner — Der Staat und die Gefahr durch den armen Adel — Ursachen der Unerschütterlichkeit — Der Rat der Zehn und die politischen Prozesse — Verhältnis zu den Kondottieren — Optimismus der auswärtigen Politik — Venedig als Heimat der Statistik — Verzögerung der Renaissance — Verspätete Reliquienandacht
  8. Florenz seit dem XIV. Jahrhundert: Objektivität des politischen Bewusstseins — Dante als Politiker — Florenz, als Heimat der Statistik; die Villani — Die Statistik der höheren Interessen — Geldwerte im XV. Jahrhundert — Die Verfassungsformen und die Geschichtsschreiber — Das Grundübel des toskanischen Staates — Die Staatskünstler — Macchiavelli und sein Verfassungsprojekt — Siena und Genua
  9. IX. Auswärtige Politik der italienischen Staaten: Der Neid gegen Venedig — Das Ausland — Die Sympathien für Frankreich — Versuch eines Gleichgewichts — Intervention und Eroberung — Verbindungen mit den Türken — Die Gegenwirkung Spaniens — Objektive Behandlung der Politik — Kunst der Unterhaltung
  10. X. Der Krieg als Kunstwerk: Die Feuerwaffen — Kennerschaft und Dilettantismus — Kriegsgräuel
  11. Das Papsttum: Stellung zum Ausland und zu Italien — Römische Unruhen seit Nikolaus V. — Sixtus IV. als Herr von Rom — Pläne des Kardinals Pietro Riario — Der Nepotenstaat in der Romagna — Die Kardinäle aus Fürstenhäusern — Innocenz VIII. und sein Sohn — Alexander VI. als Spanier — Verhältnis zum Ausland und Simonie — Cesare Borgia und sein Verhältnis zum Vater — Seine letzten Absichten — Drohende Säkularisation des Kirchenstaates — Das Irrationelle in den Mitteln — Die Ermordungen — Die letzten Jahre — Julius II. als Retter des Papsttums — Wahl Leos X. — Seine gefährlichen politischen Pläne — Wachsende Gefahren von außen — Hadrian VI. — Klemens VII. und die Verwüstung Roms — Folgen derselben und Reaktion — Sühne Karls V. mit dem Papste — Das Papsttum der Gegenreformation
  12. Das Italien der Patrioten
Im wahren Sinne des Wortes führt diese Schrift den Titel eines bloßen Versuches, und der Verfasser ist sich deutlich genug bewusst, dass er mit sehr mäßigen Mitteln und Kräften sich einer überaus großen Aufgabe unterzogen hat. Aber auch wenn er mit stärkerer Zuversicht auf seine Forschung hinblicken könnte, so wäre ihm der Beifall der Kenner kaum sicherer. Die geistigen Umrisse einer Kulturepoche geben vielleicht für jedes Auge ein verschiedenes Bild, und wenn es sich vollends um eine Zivilisation handelt, welche als nächstes Muster der unsrigen noch jetzt fortwirkt, so muss sich das subjektive Urteilen und Empfinden jeden Augenblick beim Darsteller und beim Leser einmischen. Auf dem weiten Meere, auf welches wir uns hinauswagen, sind der möglichen Wege und Richtungen viele, und leicht könnten dieselben Studien, welche für diese Arbeit gemacht wurden, unter den Händen eines anderen nicht nur eine ganz andere Benutzung und Behandlung erfahren, sondern auch zu wesentlich verschiedenen Schlüssen Anlass geben. Der Gegenstand an sich wäre wichtig genug, um auch viele Bearbeitungen wünschbar zu machen, Forscher der verschiedensten Standpunkte zum Reden aufzufordern. Einstweilen sind wir zufrieden, wenn uns ein geduldiges Gehör gewährt und dieses Buch als ein Ganzes aufgefasst wird. Es ist die wesentlichste Schwierigkeit der Kulturgeschichte, dass sie ein großes geistiges Kontinuum in einzelne scheinbar oft willkürliche Kategorien zerlegen muss, um es nur irgendwie zur Darstellung zu bringen. — Der größten Lücke des Buches gedachten wir einst durch ein besonderes Werk über „Die Kunst der Renaissance“ abzuhelfen; ein Vorsatz, welcher nur geringerenteils hat ausgeführt werden können.
[Aus: Einleitung]

Burckhardt, Jacob (1818-1897) Schweizer Kulturhistoriker, Professor für Kunstgeschichte

Burckhardt, Jacob (1818-1897) Schweizer Kulturhistoriker, Professor für Kunstgeschichte