Juden und Christen oder die Zivilehe. Band 1

Eine Geschichte aus Hamburg
Autor: Elisa Baronin von..., Erscheinungsjahr: 1852
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Christen, Juden, Glauben, Konfession, Liebe, Religion, Hamburg, Sittenbild
Als meine Mutter sich verheiratete, bekam sie ein Kammermädchen mit; die gehörte mit zur Ausstattung und war vielleicht das beste Stück derselben; ihre Eltern hatten aus gutem Vorbedacht so gehandelt, und waren dadurch über die Abreise der Tochter so ziemlich getröstet. Den Schwiegersohn kannten sie wenig, aber die Kammerfrau destomehr, und so gaben sie die Tochter unter ihre Obhut und ihren Schutz. Sie erhielt die Zusicherung eines kleinen Jahrgehalts und außerdem das Versprechen, im Testamente dereinst mit bedacht zu werden; dergleichen Versprechungen waren aber kaum nötig, denn Christiane — so hieß die Kammerjungfer — war die Liebe und Treue selber und das Zutrauen, womit man sie beehrte, machte sie so stolz und flößte ihr einen, so hohen Begriff von ihrem eigenen Werte ein, dass sie von nun an meiner Mutter noch treuer und eifriger zugetan war, und obschon sie höchstens um einige Jahre älter war, sie doch recht mütterlich liebte. Christiane war die Tochter einer ehrsamen Wäscherin in Amsterdam; meine Großmutter hatte sie zu sich genommen, auf das bloße Aussehen, denn sie war eine ganz freundliche Jungfer, und verstand mit den Leuten zu reden, und je mehr sie sich in unserm Hause beliebt zu machen verstand, je mehr gewann sie an Ansehen, und es war kein geringes Opfer von Seiten meiner Großmutter, dass sie „die treueste Person im Hause“ wie sie sie nannte, von sich weg ließ und dem jungen Ehepaare mit nach Hamburg gab.

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In der alten Hansestadt Hamburg trifft man mitunter ganz eigentümliche Einrichtungen; in jeder Straße finden sich mehrere Sackgässchen, die man Höfe nennt, und die von ärmeren Leuten bewohnt werden, außerdem führen die Treppen zu den oberen Etagen von der Straße aus dorthin, und solche Wohnungen nennt man einen Saal; im übrigen Deutschland kennt man weder das Wort noch diese Einrichtung, und auch in Hamburg ist sie so weit verschwunden, als das Feuer seine verheerende Gewalt übte. Vor dreißig Jahren wohnte auf einem solchen Saal und in solchem Hofe ein junger Mann, der einen kleinen Handel mit allerlei Waren trieb, die er von den Großhändlern einmal in der Woche zu billigen Preisen ankaufte; er fuhr sie des Tages über auf einer Karre umher und am Sonntag Nachmittag — Winter und Sommer — konnte man den fleißigen Mann mit seiner Ware auf dem Platze vor dem Altonaer- oder Millern-Tor finden, weil hier ein größerer Zusammenfluss von Menschen den Handel ergiebiger machte. Dieser Mann war ein Jude, und da er als solcher an Ausübung eines zünftigen Handwerkes den Einrichtungen und Gesetzen der alten Hansestadt zufolge verhindert war, und seine Eltern in ihrer Armut auf seine Erziehung nicht viel verwenden konnten, hatte er sich dem Handel zugewendet. Durch Fleiß und Sparsamkeit hatte er sich ein kleines Kapital erworben, das er mit Einsicht und Sachkenntnis; anzulegen verstand, mit der Zeit immer größere Geschäfte machte, und jetzt finden wir Herrn de Castro in einem großen, schönen Hause wieder, an der Spitze eines der bedeutendsten Geschäfte und im Besitze eines außerordentlichen Vermögens.

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Hamburg Brandstwiete 1775

Hamburg Brandstwiete 1775

Blick auf Hamburg - Unterelbe

Blick auf Hamburg - Unterelbe

Blick auf die Hamburger Binnenalster

Blick auf die Hamburger Binnenalster

Hamburger Börse

Hamburger Börse

Lagerhäuser im Hamburger Freihafen

Lagerhäuser im Hamburger Freihafen

Hamburger Hafenbilder

Hamburger Hafenbilder

Hamburg Hafen mit Uferpromenade

Hamburg Hafen mit Uferpromenade

Hamburg Hafenpartie

Hamburg Hafenpartie

Hamburg Jungfernstieg 1830-1855

Hamburg Jungfernstieg 1830-1855

Hamburg Rathaus

Hamburg Rathaus

Hamburg Zollenbruecke 1888

Hamburg Zollenbruecke 1888