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Die französischen Raubkriege.

Kaum aber waren die gräßlichsten Wunden vernarbt, kaum begannen die Menschen wieder freier zu atmen und zu hoffen, da kamen die Raubkriege Ludwig XIV. über Süddeutschland, die von 1672 an hauptsächlich über die Pfalz gingen, in denen Straßburg 1681 geraubt wurde. Mit dem berüchtigten Recht auf „Reunionen“ –das war ähnliches Recht, wie in unseren Tagen die Re­parationen – fielen die französischen Räuberhorden über die süddeutschen Länder her. Das Furchtbarste kam im pfälzischen Erbfolgekrieg, wo Ludwig XIV. den entsetzlichen Befehl gab, die Pfalz in eine Wüste zu verwandeln („Brûlez le Palatinat!“). Im März 1689 begann die bestialische Verwüstung. Der französische Heerführer Melac – sein Name wird immer Inbegriff rohester, verbrecherischer Banditenkriegsführung blei­ben – zerstörte am 2. März 1689 das prachtvolle Hei­delberger Schloß, am 5. März machten die Mordbren­ner Mannheim dem Erdboden gleich. Am 27. Mai wur­de den Bewohnern von Speyer verkündet, daß ihre Stadt niedergelegt würde, sie selber aber mit ihrer wertvollsten Habe abziehen könnten. Grausiger als Mongolen wüteten die Franzosen. Sie schändeten sogar den Dom, rissen dort beigesetzte deutsche Kaiser aus ihren Grüften und spielten betrunken und verroht Kegel mit ihren Schädeln. Die 400 Wagen, auf denen die Flüchtenden ihr Bestes gepackt hatten, wurden unter dem Hohne der „Sieger“ beschlagnahmt. Am 31. Mai wurde aus Worms ein Schutthaufen. Dann zogen die Räuberbanden sengend und plündernd über Bruchsal und Pforzheim nach Württemberg, wo die Ruine des herrlichen Klosters Hirsau noch heute Zeuge jener namenlosen Frevel ist. Obstbäume und Weinberge wurden umgehauen, und was irgend zu verwüsten war, wurde zerstört. Was schlimmste Verbrecherphantasie ersinnen kann, wurde ausgeführt. Als einst die unglücklichen Bewohner einer Stadt um Gnade flehten, zeigte der französische General mit den Worten: „Der König will es“, einen Zettel mit 4.200 Namen von Orten, die alle der Zerstörung geweiht waren.

Als nach einigen Jahren die Dörfer und Städte not-dürftig wieder aufgebaut waren, kamen die Räuberheere wieder. So wurde am 18. Mai 1693 Heidelberg wieder zerstört.


An die furchtbaren Raubkriege, den Pfälzischen Erb­folgekrieg von 1688–1697 schloß sich dann der Spani­sche Erbfolgekrieg von 1701–1714 an, der wiederum über Süddeutschland entsetzliches Elend brachte. Stuttgart erfuhr damals eine dreitägige Plünderung, und wieder mußten die armen Menschen Hab und Gut zurücklassen, ihr nacktes Leben retten in die schützenden Wälder.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches J. K. Weiser, Vater und Sohn