Eisenbahn. - Pichelsberge. - Spandow. - Nauen, Paulinenau, Friesack, Fehrbellin, Neustadt, Dosse, Zernitz, Kyritz, Wittstock, Glöven, Havelberg, Wilsnack, Wittenberge, Warnow, Grabow, Ludwigslust, Wöbbelin. - Theodor Körner. - Hagenow, Brahlsdorf, Oeynhausen, Boitzenburg, Stecknitz, Lauenburg, Lübeck, Büchen, Schwarzenbeck, Friedrichsruh, Reinbeck, Bergedorf, Vierlanden, dänischer Sand.

Eisenbahn in 8 St. für Thlr, 7. 15, 5. 20 oder 4. 5 Sgr.
Die Bahn führt stets durch flaches Land, dürftige Aecker, meist über Heide, hin und wieder über Torfboden. In landschaftlicher Beziehung bietet die Gegend sehr wenig, erst wenn sie jenseit Büchen sich Hamburg nähert, wird sie anmuthiger.

An den Bahnhof zu Berlin grenzt rechts das Invalidenhaus und der Invaliden-Kirchhof (S. 25). links das neue Zellengefängniss und die Ulanen-Kaserne (S. 22). 1n der Nähe des Schlossparks zu Charlottenburg (S. 24) überschreitet die Bahn die Spree (im Hintergrund die Pichelsberge), bei Spandow (Adler) die Havel, die hier die Spree aufnimmt. Spandow ist stark befestigt. Die St. Nicolauskirche, ein hübsches Gebäude des 16. Jahrd., hat einige merkwürdige Denkmäler und ein sehr altes metallnes Taufbecken. Das neue Geschütz-Giesshaus tritt besonders hervor.
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Dann geht’s schnurgrade auf Nauen, Paulinenau und Friesack los. Zwei M. östlich liegt Fehrbellin, wo der grosse Kurfürst am 18. Juni 1675 mit 5000 brandenburg. Reitern das 11,000 Mann starke Heer der Schweden schlug.

Bei Neustadt (links ein grosses Gebäude, das Friedrich-Wilhelm-Gestüt) überschreitet die Bahn die Dosse. Zernitz (Station für Kyritz und Wittstock), Glöven (an der Strasse nach Havelberg), Wilsnack mit der ältesten Kirche des Landes, Wittenberge (gute Restauration) heissen die folgenden Stationen. Wittenberge liegt an der Elbe. Die Magdeburger Bahn (R. 12) mündet hier.

Zwischen Warnow und Grabow überschreitet die Bahn die Mecklenburgische Grenze. Dann folgt Ludwigslust (Hôtel de Weimar), kleine schnurgerade Sommer-Residenz des Grossherzogs von Mecklenburg-Schwerin. Im Schloss ist eine Gemäldesammlung (etwa 200 Bilder) mit einigen guten niederländischen, und eine Sammlung slavischer meist in Mecklenburg gefundener Alterthümer; neben dem Schloss grosse Park- und Gartenanlagen. Die russische Capelle enthält das Grabmal der Erbgrossherzogin Helene, Grossfürstin von Russland († 1803).

[Bei Wöbbelin, 1 M. nördlich von Ludwigslust, an der Strasse nach Schwerin, ruht unter einer Eiche Theodor Körner. Ein Denkmal von Gusseisen bezeichnet seine Ruhestätte. Er fiel bei Gadebusch, 4 M. westlich von Schwerin, am 26. August 1813. Den Platz neben der Eiche und einen umgebenden Raum schenkte. der Herzog dem Vater Körners. Körners gleichgesinnte Schwester Emma ruht unter demselben Grabhügel.]

Bei Hagenow beginnt die Mecklenburgische Bahn (R. 10), bei Brahlsdorf sieht man einen Landsitz des Grafen Oeynhausen. Bei Boitzenburg berührt die Bahn nochmals die Elbe, entfernt sich aber sogleich wieder von derselben, überschreitet bei Büchen die canalisirte Stecknitz, welche die Elbe unfern Lauenburg, wohin in ½ St. eine Zweigbahn von Büchen führt, mit der Ostsee bei Lübeck in Verbindung bringt (Zweigbahn nach Lübeck s. S. 47). Jenseit der Lauenburgischen Orte Büchen und Schwarzenbeck tritt sie in den durch seine stattlichen Buchen ausgezeichneten, von Schwarzenbeck bis vor Bergedorf sich erstreckenden Sachsenwald. Friedrichsruh und Reinbeck sind als Vergnügungsorte von Hamburgern viel besucht. Bei dem „beiderstädtischen“ (Hamburg und Lübeck gemeinschaftlich gehörenden) Bergedorf, wo Weiber und Mädchen in der dem Orte eigenthümlichen Tracht Blumen und Früchte anbieten, erreicht die Bahn die Vierlande, den Gemüsegarten Hamburgs; die Bewohner der Vierlande sind wahrscheinlich Abkommen holländischer Anzügler. Der ärmliche holsteinsche Ort gegenüber der dänische Sand genannt, ist Sammelplatz der Bettler aus dem südlichen Holstein. Vor Hamburg zeigt sich links der hohe Thurm der Wasserkunst (S. 41).