Wissenschaften im alten Schweden. Astronomie. Zeitrechnung

So sehr die Wissenschaften beiden Schweden in den frühern Jahrhunderten, als auch im Mittelalter, noch in der Kindheit waren, so hatten sie dennoch von einigen gewisse Begriffe; ja sie hatten in der Astronomie solche Fortschritte gemacht, die man nur von einem kultivierten Volke erwarten konnte. Es vereinigte sich bei ihnen so Vieles, um ihre Aufmerksamkeit auf das Firmament zu ziehen: die Lage ihres Landes, so nahe am Nordpol; der mehr wie bei andern Völkern verlängerte Anblick der Sonne im Sommer, und der größere Wunsch nach ihrer erwärmenden Wiederkehr im Winter; ein sternklarer Himmel; eine reine Luft; ein unbewölkter Mondschein; das Schneelicht, und die häufigen Nordlichter. Alles dieses machte hier die Nächte so hell, und lenkte die Augen der Einwohner nach den Himmelshöhen. Auch das Bedürfnis bei Menschen, die so viel auf dem Wasser lebten, und weit um den Küsten umher segelten, beförderte die, Sternkunde in Schweden. Auf solche Weise war es nicht zu verwundern, dass bei diesem rohen Volk die großen Gestirne schon von alten Zeiten her, ihre besondere einheimische Namen hatten, die sich bei dem gemeinen Mann, bis jetzt unverändert erhalten haben: als Karlewagnen, das ist der große Wagen (der kleine Bär) Friggeräcken (der Orion) Sinstiernan (das Siebengestirn) Wintergatan (die Milchstraße) und viele andre von besonderer, mit ihrer ältesten Tradition in Verbindung stehender, Beziehung, als Thiasses Augen, Orwandels Zehen, und mehrere, deren Bedeutung verloren gegangen ist.

Den ihnen über das Haupt schwebenden Nordstern kannten schon die Kinder, noch ehe sie reden konnten. Auch maßen die alten Schweden ziemlich richtig, die Jahreszeiten, die Monate, Wochen und Tage ab. Ihre Wochen hatten, so wie die unsrigen, sieben Tage; wovon drei den großen vergötterten, Weltkörpern, der Sonne, dem Monde und der Erde, und drei den Göttern Odin, Thor und Frygga gewidmet waren. Die Benennungen dieser Tage in der alten Septischen Sprache haben eine so große Ähnlichkeit mit unsren noch heut zu Tage üblichen Benennungen, dass ihr Ursprung unverkennbar ist: Söndag, Möndag, Tisdag, Odensdag, Thorsdag, und Fredag. Der siebente Tag heißt Lögerdag, und war der Ruhe gewidmet. Die Tageszeit teilten sie, in sechs Teile, die alle besondre Benennungen hatten, und so auch die Nacht. Da der Winter bei den Schweden so lang war, und ihre ganze Lebensweise bestimmte, so berechneten sie auch ihre Jahre nach Wintern und ihre Tage nach Nächten. So wie unsre neuen Dichter reden, so sprachen auch sie; statt zu sagen: nach drei Jahren; nach vierzehn Tagen; hieß es: nach drei Wintern, nach vierzehn Nächten; eine Gewohnheit, die, in Betreff der Nächte sich noch bis jetzt in Schweden erhalten hat. Statt des in vielen Ländern gewöhnlichen, Ausdrucks in den Gesetzen: innerhalb Jahr und Tag, heißt es: innerhalb Nacht und Jahr.
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Es ist sehr merkwürdig, aber aus den oben angeführten physischen Ursachen erklärbar, dass dies rohe Volk im höchsten Altertum schon ein überdachtes System vom Weltbau hatte; das nämliche, das nachher unter dem Namen des Ptolomäischen so bekannt, und von der Römischen Kirche als Ketzerei gestempelt wurde. In der Edda wird die Erde beschrieben, als rund, und von allen Seiten mit dem Meer umgeben; und das Firmament wurde in diesem heiligen Buche als eine Masse von teils festen, teils beweglichen Sternen bezeichnet, die über und um den Erdboden ihren gewissen Lauf hätten.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Geschichte Gustavs Wasa Königs von Schweden. Band 1