Waffen. Disziplin

Ihre Waffen waren das Schwerer, die Streitaxt, Helm, Schild, Panzer, Bogen und Pfeile. Das Schwert, das in einem Gürtel über die rechte Schulter hing, war kurz und meistens etwas gebogen; doch waren lange und gerade Schwerter auch nicht ungebräuchlich. Die Art war zweischneidig, um sie auf beiden Seiten zu gebrauchen. Sie hatte entweder einen langen oder einen kurzen Schaft; wurde sie an einem langen Schaft oder Spieß befestigt, so war es eine Hellebarde, die man noch jetzt in Rüstkammern, auch in den Händen von Hof-Trabanten, und bei altmodischen Prozessionen sieht. Die Axt mit einem kurzen Stiel wurde wie ein Schwert getragen, sowohl zum Hauen, als Werfen gebraucht, und war besonders eine Waffe der Reiterei. Weniger allgemeine, aber doch gebräuchliche Waffen, waren die Spieße, die Wurfspieße, die Saxe, eine Art kleiner streitenden Handgewehre, die Streithammer mit langen Stielen, die Mäcker, eine Gattung Dolche, und Kolben mit Nageln, oder auch mit eisernen Zacken beschlagen, die noch jetzt von den Dalecarliern gebraucht werden.

Die alten Schweden, so wie ihre Vorväter, die Scythen, waren auch sehr gute Bogenschützen. Diese suchten sich im Treffen immer Hügel aus, von wo sie den Feind beschossen. Oft drang ihr Pfeil durch den Schild. Sie dienten zu Fuß, und ein jeder von ihnen, wenn er für wohlausgerüstet gehalten sein wollte, musste sechs und dreißig Pfeile in seinem Köcher haben; auch hatten die Schweden bei ihren Armeen Schleuderer zu Steinwürfen.
Alle Titel aus dem Lexikus Verlag bei Amazon


Zu Verteidigungs-Waffen hatten sie Helme von Leder, von Eisen oder von Kupfer, die bisweilen auch vergoldet waren. Ihre Schilde hatten nichts bestimmtes, weder in der Form noch in den Bestandteilen; sie waren klein, rund und von vielfacher Art; von Weiden, von Baumrinden, von dickem Leder; manchmal mit Eisen- oder Kupferblech, und bei den Vornehmen mit dünnen Silberplatten überzogen, oder auch mit allerhand Farben willkürlich bemahlt. Mehrenteils aber waren sie schwarz, als die Farbe des Schreckens; so wie sie auch, in der Absicht ihren Feinden desto furchtbarer zu werden, den Gebrauch hatten, ihre Gesichter und Hände schwarz zu machen. Die Vornehmsten der Nation trugen auch Panzerhemden von Eisendraht, die den ganzen Leib bedeckten. Dies war eine Kriegstracht, die die Scythen nach Schweden brachten, bald in ganz Europa üblich wurde, und die noch jetzt bei den tapfersten Völkern, von einzelnen Kriegs-Befehlshabern als Privat-Gebrauch nicht verworfen wird.

Lange Zeit hielten es die Schweden, nach der alten Goten Weise, für schimpflich, einen Feind unversehens zu überfallen. Es mussten daher immer zuvor durch Trompeten und andre Feld-Instrumente laute Zeichen eines nahen Angriffs gegeben werden. Diese großmütige Maxime, die nicht immer ein glücklicher Erfolg bewährte, wurde noch bis auf die Zeiten Gustav I. beibehalten. Acke Johanson, Feldherr der Schweden unter dem Reichs-Vorsteher Sten Sture, griff im Jahr 1502 das Dänische Lager bei Elfsborg an. Es war Nacht, ein dicker Nebel, und der Feind zu keinem Gefecht vorbereitet. Der Sieg war auf diese Weise noch vor Anfang des Treffens ganz in der Schweden Hände, deren Anführer aber durchaus nichts von einem Überfall hören wollte. Es wurde zum Angriff geblasen. Das Glück belohnte diesen Edelmut nicht; eine Niederlage war das Los der Schweden.

Die Armeen der Schweden waren jedoch selten sehr zahlreich, so wie dies im ganzen Mittelalter bei allen Völkern, wegen der damit verbundenen großen Schwierigkeiten und Kosten, nur bei wenig Gelegenheiten statt hatte. Dieser Fall trat im Jahr 1452 ein, da der König Carl eine außerordentliche Kriegsrüstung gegen die Dänen veranstaltete. Im ganzen Lande mussten sieben Bauern immer den achten stellen, und zwar ausgerüstet mit Panzer, Schild, Helm, Armbrust, Streitaxt, Spieß und acht Pfeilen. So brachte Carl eine Schwedische Armee von mehr als 60.000 Mann zusammen, mit denen er in Schonen einfiel. — Gegen Ende eben dieses fünfzehnten Jahrhunderts wurden zuerst bei den, Kriegen das Pulver und die Feuergewehre in Schweden eingeführt.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Geschichte Gustavs Wasa Königs von Schweden. Band 1