Die Wäringer, oder militärischen Wanderer nach dem Orient. Die Kreuzfahrer

Ein besonderer Umstand machte die Schweden schon in frühern Zeiten mit dem Orient bekannt, und beförderte ihre Seefahrten. Diese damals mit dem Namen der Scandier bezeichnete Nation, war, durch ihre Tapferkeit im Kriege und durch andre Eigenschaften, den Weltherrschern am Hellespont merkwürdig geworden.

Die Scandier waren es daher vorzüglich, die viele Jahrhunderte lang die Leibwache der Griechischen Kaiser formierten. Sie wurden, so wie in unsern Zeiten die Schweizer, als bewaffnete Trabanten, wegen ihrer Treue und Anhänglichkeit gebraucht; daher sie auch in den innersten Gemächern des kaiserlichen Palastes und an den Türen der Schlafzimmer des Monarchen die Wache hielten, ihn allenthalben begleiteten, und selbst in der Kirche ihn beständig umgaben. Ferner wurden ihnen dort wo der Kaiser sich befand, die Schlüssel zu den Stadttoren und zu den Toren des Schlosses übergeben.
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Im Felde war ihr Anteil an der Beute groß, dabei ihr Sold ansehnlich; ihre Speisen erhielten sie von der kaiserlichen Tafel; und wenn ein Kaiser starb, erbten sie alles, was im Schlosse beweglich war. Diese Vorteile waren für die Schweden ein großer Reitz zu Auswanderungen, die auch alle Jahre in Menge geschahen. Man nannte diese Leute Wäringer. Viele kamen mit Reichtümern nach ihrem Vaterlande zurück, und ermunterten dadurch ihre Landsleute zu ähnlichen Wanderungen. Diese dauerten siebenhundert Jahre lang.

Als sie endlich aufhörten, und die Wäringer nicht mehr nach Konstantinopel zogen, so fingen die Kreuzzüge gegen die Sarazenen, und die Pilgerschaften nach dem gelobten Lande an, die das ohnehin nie menschenreiche Schweden noch mehr entvölkerten. Auch auf die Überlebenden konnte man nicht rechnen. Tausende von ausgezogenen Schwedischen Kriegern sahen nicht ein mahl den Orient; angelockt durch die Reize Italiens, gingen sie nicht weiter; sie blieben hier, entsagten den Sarazenen und dem heiligen Grabe; so wie auch andre, die diese unsinnigen Feldzüge überlebt hatten, sich hier niederließen, und den Italienischen Himmel mit dem Schwedischen vertauschten.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Geschichte Gustavs Wasa Königs von Schweden. Band 1