Die deutschen Ansiedlungen in Russland

Ihre Geschichte und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung für die Vergangenheit und Zukunft
Autor: Matthäi, Friedrich (?) Offizier der Königs. Sachs. Armee, Erscheinungsjahr: 1866
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Russland, Auswanderung, deutsche Kolonien, Kosaken, Militärkolonien, von Haxthausen, Bevölkerungsverhältnisse, Kirchspiele, von Hamm, Kolonisten, Wolga
Studien über das russische Kolonisationswesen und über die Herbeiziehung fremder Kulturkräfte nach Russland
Inhaltsverzeichnis
    Vorwort
  1. Der Bestand der deutschen Kolonien in Russland, ihre Bevölkerungsverhältnisse und ihre Geschichte.
  2. I. Der St. Petersburger Konsistorialbezirk
    Gouvernement St. Petersburg
    Geschichte der deutschen Kolonien im Petersburger Gouvernement nach P. v. Köppen
    Kirchspiele in den inneren Gouvernements
    Kirchspiele in Süd-Russland
    Bessarabien und die deutschen Kolonien
    Kolonien im Gouvernement Jekaterinoslaw
    Die Mennoniten-Kolonien
    Kolonien im Gouvernement Taurien
    Mennoniten-Kolonien an der Molotschna
    Separatisten-Gemeinden
    II. Moskauer Konsistorialbezirk
    Gouvernement Moskau
    Die Evangelisch-Lutherischen Kolonial-Gemeinden in Grusien
    Geschichte der Grusinischen deutschen Kolonien
    Probstei auf der Wiesenseite der Wolga, Gouvernement Ssamara
    Bevölkerung der deutschen Kolonien an der Wolga im J. 1861.
    Katholische Kolonien im Gouvernement Ssamara
    Mennoniten-Kolonien im Gouvernement Ssamara
    Zur Geschichte der deutschen Kolonien an der Wolga
    Kirchspiele in andern Gouvernements
    Hebräer-Kolonien im Cherson'schen und Jekaterinoslaw'schen Gouvernement
    Anhang 1. Die deutschen Kolonien in Neu-Russland
    Anhang 2. Jahresbericht an den Präsidenten der deutschen Kolonien, Staatsrat von Hamm, über die Zustände des Kolonialbezirkes Liebental im Gouvernement Cherson, verfasst von dem Schulzenamte
    Anhang 3. Die Mennoniten-Kolonien an der Molotschna nach Alex. Petzholdt
    Anhang 4. Über den Viehstand der Kolonialbezirke in Süd-Russland und an der Wolga im J. 1863
    Anhang 5. Über die Abgaben der Kolonisten in Süd-Russland und an der Wolga.
  3. Erfahrungen, gesammelt aus der Geschichte der deutschen Kolonisation in Russland
  4. 1. Stammangehörigkeit der Ansiedler
    2. Der Kolonist muss Landwirt sein
    3. Der Kolonist als Verbreiter landwirtschaftlicher Kenntnisse und Förderer der Landeskultur
    4. Eine gewisse Wohlhabenheit der Ansiedler als Grundbedingung des raschen Gedeihens der Kolonien
Vorwort

Vorliegendes Werkchen war nicht bestimmt, als selbstständige Arbeit vor das Publikum zu treten; einige Mitteilungen über die deutschen Kolonien in Russland sollten einem vom Verfasser in Angriff genommenen Reisewerke als Anhang beigegeben werden. Allein, wie es so häufig geht, der Stoff wuchs unter der Feder, neues interessantes Material wurde gesammelt und verwendet, und das Studium der Geschichte der deutschen Ansiedelungen in Russland führte um so mehr gleichzeitig auch zum Studium des gesammten Kolonisationswesens, — besonders in volkswirtschaftlicher Beziehung — als auch in Russland die Kolonisationsfrage in neuerer Zeit in den Vordergrund tritt und nach verschiedenen Seiten beurteilt wird. Wie alles Andere, so hat auch die Kolonisation ausländischer Kulturkräfte in Russland ihre Freunde und ihre Feinde, je nach dem Parteistandpunkte, und die Ansichten gehen ziemlich weit auseinander. Namentlich scheint man — im Gegensatze zu den früheren Kolonisationen auf Kronsländereien — auf Privatkolonisationen viel Gewicht zu legen und dieselben faktisch vorzubereiten, und doch halte ich gerade diese für nicht zeitgemäß, sondern für verfrüht und namentlich das Interesse einwanderungslustiger Deutscher gefährdend. Sobald man die Notwendigkeit einsieht, ausländische Kultur- und Arbeitskräfte in Russland anzusiedeln, — und diese Notwendigkeit scheint jetzt klarer hervorzutreten als je, — so ist kein Grund vorhanden, warum die Krone nicht ihrerseits die Initiative ergreifen und den Anfang mit Herbeiziehung solcher Kulturkräfte machen sollte, wie sie für Russland notwendig erscheinen. Sie wird nicht nur in der Lage sein, den Kolonisten weit mehr Garantien zu bieten, als der Privatmann, sondern sie wird auch selbst durch eine verständig geleitete Kolonisation in die Lage kommen, einen Teil ihrer ertraglosen Ländereien für den Staatsschatz angemessen zu verwerten, und damit sich und dem Lande einen großen Dienst zu erweisen. Durch die der neuern Zeit angehörenden gänzlich verunglückten Versuche von Privatkolonisationen hat sich des Auslandes mit vollem Recht ein solches Misstrauen gegen alle Ansiedelungen in Russland bemächtigt, dass selbst einige deutsche Regierungen sich veranlasst sahen, den Anwerbungen von ausländischen Kulturkräften für Russland entgegen zu treten. Dieses Misstrauen, das nichts weniger als ungerechtfertigt ist, kann meiner Ansicht nach nur dadurch gebannt werden, dass wie in früheren Zeiten, so auch heute die russische Regierung die Kolonisierung der Staatsländereien wieder in Angriff nimmt, und dadurch den Strom tüchtiger Kulturkräfte nach Russland wieder in ein geeignetes und vorbereitetes Bett leitet. Russland hat das Recht und die Pflicht, bestimmte Anforderungen an die nach Russland zu ziehenden Kulturkräfte zu stellen; die Regierung allein wird aber auch die Gelegenheit haben, den Bedürfnissen des Landes in dieser Beziehung gerecht zu werden, eine Gelegenheit, die dem Privatbesitzer vollständig abgeht. Schon aus diesem Grunde halte ich die Privatkolonisationen für verfrüht, ja sogar, mit Rücksicht sowohl auf die Kolonisten, als auch auf Russland für schädlich. Für die Kolonisten, weil der Privatmann ihnen keine Garantien, selbst wenn er dies wollte, für das Gedeihen ihrer Ansiedelungen bieten kann, — für das Land, weil es großenteils nur den Auswurf von Leuten erhalten würde, denen der Boden einer Existenz in ihrer Heimat ausgegangen ist. An Kolonisten, welche man in ein Land zieht, um dasselbe zu kultivieren, muss man heute ganz andere Anforderungen stellen, als vor hundert Jahren, denn die Verhältnisse haben sich wesentlich geändert. Durch die Aufhebung der Leibeigenschaft ist Russland in die Reihe der Kultur- und Rechtsstaaten getreten, und eine neue Basis für das sozial-wirtschaftliche Leben ist gewonnen worden.

Ich habe die Geschichte der deutschen Kolonisation, wie sie sich in den verschiedenen Zeitperioden entwickelte, nach den mir zu Gebote stehenden Quellen dargelegt. Ich habe nicht aus zehn Werken ein elftes gemacht, sondern es vorgezogen, die verschiedenen Mitteilungen über einzelne Kolonisationsgruppen dem Leser möglichst unverkürzt und im Originale vorzulegen. Besonders das Werk von Busch: „Materialien zur Geschichte und Statistik des Kirchen- und Schulwesens der ev.-luth. Gemeinden in Russland“ St. Petersburg 1862, — bot mir einen ausgiebigen Leitfaden, dem ich die neuesten Nachrichten über die ev.-luth. Kolonien entnommen habe. Die Mitteilungen über die katholischen deutschen Kolonien, sowie die als Anhang gegebenen Übersichten über die Viehstandsverhältnisse der südrussischen und der Wolga-Kolonien, sowie über die von den beiden letzteren Kolonisationsgruppen geleisteten Staatsabgaben, verdanke ich direkten Mitteilungen von Seite des „Kaiserl. Ministeriums der Reichsdomainen in St. Petersburg“. Außerdem benutzte ich zum geschichtlichen Teile dieses Werkchens nachstehende Quellen:

Über die Deutschen im St. Petersburger Gouvernement von P. v. Köppen. St. Petersburg 1850.
Rigaische Zeitung. Jahrgang 1862.
Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland von A. Ermann. 12. Bd. Berlin 1853.
Studien über die innern Zustände, das Volksleben und insbesondere die ländlichen Einrichtungen Russlands vom Frh. v. Harthausen. Hannover 1847.
Südöstliche Steppen und Städte. Von Dr. W. Hamm. Frankfurt 1862.
Reise im westlichen und südlichen europäischen Russland im Jahre 1855 von Alexander Petzhold. Leipzig 1864.
Wirtschaftskalender für deutsche Ansiedler im südlichen Russland auf das Jahr 1865. Odessa. Agronomische Zeitung. Red. v. Dr. W. Hamm. Leipzig 1860.


So großes Interesse auch die Geschichte der deutschen Kolonien in Russland an sich in vielfacher Beziehung bietet, so gewinnt deren Studium doch dadurch noch an Wert, dass wir die aus demselben resultierenden Erfahrungen und Lehren auf die Gegenwart und Zukunft anwenden. Um so gebieterischer trat aber die Notwendigkeit dieser Nutzanwendung an mich heran, als mir die verbürgte Nachricht zukam, dass Deutschland in nächster Zeit wieder von Einwanderungsagenten heimgesucht werden solle, welche einwanderungslustige Deutsche für Russland anwerben wollen. Schon jetzt treffen wir z. B. in der Berliner Nationalzeitung auf Annoncen, die in diesem Sinne zu wirken suchen. Es werden bald noch direktere Aufforderungen nachfolgen.

Ich beabsichtige nun, einwanderungslustigen Deutschen durch die Geschichte der früheren Einwanderer, und durch das Studium dieser Geschichte Anhaltepunkte zu bieten, welche ihnen die Verhältnisse des Landes, auf welches sie ihre Hoffnungen setzen, klar und unparteiisch darlegen. Ich halte allerdings Russland für vorzugsweise zur Kolonisierung geeignet, und glaube, dass die Ansiedelung ausländischer Kulturkräfte sowohl für diese selbst, als auch für das Land von großem Nutzen sein werde. Man würde sich aber dieses doppelten Vorteils berauben, wenn die beabsichtigten Ansiedelungen nicht planmäßig, nicht unter direkter Einflussnahme der russischen Regierung erfolgen würden, wenn man den Erfahrungen nicht Rechnung trüge, die man bei den früheren Kolonisationen in so reicher Fülle gemacht hat. Der Berücksichtigung dieser Umstände verdankt der zweite Teil dieses Werkchens sein Entstehen und habe ich demselben einen ausgearbeiteten Kolonisationsplan einverleibt, von dessen Durchführung ich mir die besten Resultate sowohl für die Krone und für Russland als auch für die Kolonisten verspreche. Meine deutschen Landsleute warne ich aber nochmals vor jedem voreiligen, unüberdachten Schritte!

Durch das Eintreten von Hindernissen, die außer der Berechnung des Verfassers und des Verlegers dieses Werkchens lagen, wurde das Erscheinen desselben um mehrere Monate verzögert. So unwillkommen uns diese Verzögerung an und für sich auch sein musste, so beklagen wir dieselbe doch jetzt um so weniger, als die sieben Monate, welche zwischen Vollendung des Werkes und seinem Erscheinen im Buchhandel liegen, uns den klaren Beweis geliefert haben, dass es höchst zeitgemäß ist, einen Gegenstand in ausführlicher Darlegung zur Sprache zu bringen, dessen sich ohnedem in neuester Zeit nicht nur die deutsche, sondern auch die russische Presse bemächtigt hat.

Im Laufe des verflossenen, Sommers lenkten zwei Ereignisse, die mit der Ansiedelung in Russland im engsten Zusammenhange standen, die Aufmerksamkeit deutscher und russischer Journale auf diesen Gegenstand. Im Nowgorod'schen Gouvernement hatte ein Herr Woldemar, früher Redakteur der Petersburger Lettischen Zeitung, Ländereien erworben, um sie an kurische Bauern parzellenweise zu Ansiedelungen zu verkaufen. Ob er sich, wie namentlich von Rigaer Blättern behauptet wird, unerlaubter oder wenigstens ungewöhnlicher Mittel bedient hat, um lettische Bauern nach Nowgorod zu locken, steht mir nicht zu, zu beurteilen, da die Sache noch nicht völlig ausgetragen ist; so viel steht aber fest, dass eine größere Anzahl, mehrere Hundert kurischer Bauernfamilien nach Nowgorod auswanderten, von dort aber in ganz gedrückter Lage und zum großen Teil ihrer baren Mittel beraubt, wieder in ihre Heimat zurückkehrten. Auch glaube ich behaupten zu können, dass der Preis, zu welchen Herr Woldemar sein Land verkaufte oder verkaufen wollte, 3 — 4 mal so hoch war, als der jetzt im Nowgorod'schen Gouvernement übliche, und dass die allgemeine Stimme sich ganz entschieden gegen den Unternehmer gerichtet hat. Mag nun diese Sache endigen, wie sie will, so viel steht fest, dass es für einen Privatmann ein sehr gewagtes, ja gefährliches Spiel ist, Leute zur Einwanderung nach Russland zu ermutigen, und zu einem Schritt zu veranlassen, der unglücklich enden muss, wenn er nicht sehr gut vorbereitet worden war. Leichtgläubige Einwanderer finden sich immer, allein nicht Derjenige, der sie zur Einwanderung veranlasste, sondern die Ersteren selbst müssen den Schaden tragen.

Der zweite eklatante Fall, der sich vor Kurzem ereignete, betraf eine Anzahl württembergischer Familien, die als Arbeiter auf ein russisches Privatgut engagiert waren, im Monat Juli aber in einem höchst bemitleidenswerten Zustande auf ihrer Rückreise aus Russland durch Leipzig kamen, wo ihr Elend die allgemeine Aufmerksamkeit auf sie lenkte, und von wo aus sie nur durch tatsächliche Intervention des württembergischen Konsuls in ihre Heimat befördert werden konnten. Jene Württemberger wanderten unter glänzenden Aussichten vor drei Jahren als Guts-Arbeiter in das Gouvernement Minsk. Sie fanden ihre Hoffnungen in keiner Weise gerechtfertigt, ja es scheint sogar, dass die Beamten des Gutes, auf welchem sie angesiedelt wurden, sie missbrauchten. Nachdem es ihnen unmöglich gewesen, unter diesen Umständen länger dort zu verweilen, und sie keine Abhilfe ihrer gerechten Klagen fanden, kehrten sie so gänzlich verarmt in ihre Heimath zurück, dass sie auf Kosten ihrer Regierung von Leipzig aus dahin befördert werden mussten.

Ein ganz ähnlicher Fall ereignete sich in der letzten Zeit u. A. auch im Orenburg'schen Gouvernement. Nachdem man schlesische Arbeiterfamilien unter an und für sich sehr günstigen Bedingungen und Vorspiegelungen für ein dortiges Privatgut engagiert hatte, stellte es sich heraus, dass der Gutsbesitzer nicht im Stande war, seine Verbindlichkeiten selbst nur teilweise zu erfüllen. Es scheint, dass diese schlesischen Familien in ihr Vaterland zurückkehrten, bevor sie gänzlich verarmt waren. Auch der dahin engagierte Forstmeister und der Obergärtner waren Ausländer, Sachsen; ich sprach den ersteren vor wenigen Tagen mit dem Verwalter des betreffenden Gutes, einem Kurländer. Beide kehrten ebenfalls in ihre Heimat zurück, da der Gutsbesitzer auch ihnen gegenüber seine Versprechungen nicht erfüllen konnte. Der Prozess, den sie gegen denselben eingeleitet haben, schwebt noch, daher musste sich auch hier die konigl. sächs. Gesandtschaft ins Mittel legen, um den Leuten das Geld für die Rückreise vorzuschießen.

Diese beiden Fälle, sowie auch die Reisen des sogenannten Generalagenten für Einwanderung in Russland nach Deutschland gaben der russischen, deutschen und schweizer Presse Gelegenheit, ihre Warnungsstimme erschallen zu lassen. Wohl gab es auch Zeitungen, die sich herbeiließen, — ob auf Anregung des oben erwähnten Generalagenten wissen wir nicht, — die Einwanderung nach Russland zu befürworten; allein die meisten Zeitungen sprachen sich doch entschieden und warnend dagegen aus, wenn sie auch durchaus nicht in Abrede stellten, dass eine wohlorganisierte Einwanderung nach Russland von Erfolg begleitet sein könne, aber nur dann, wenn, wie auch ich in meinem Werke ausgesprochen habe, die russische Regierung selbst die Sache in die Hand nehmen würde. (Siehe Nationalzeitung — Deutsche allgemeine Zeitung — Leipziger illustr. Zeitung u. A.). Fälle, dass durch Privatanerbietungen nach Russland gelockte Einwanderer hier ihre Rechnung nicht gefunden haben, und nach Verlust der wenigen Mittel, die sie vielleicht noch besaßen, in ihre Heimat zurückkehrten, sind so häufig wiederkehrende Tatsachen, dass man ihrer nur im Allgemeinen gedenken kann. Diese Fälle beweisen aber, dass in Russland einerseits das Bedürfnis nach ausländischen Kultur- und Arbeitskräften sich geltend macht, andererseits aber, dass es an deutschen Landwirten nicht fehlen wird, die dem Rufe zur Einwanderung nach Russland folgen, wenn er von der russischen Regierung ausgeht, und wenn die aus Deutschland Auswandernden sicher sein können, dass sie das wirklich finden, was man ihnen verspricht.

Die letzten Monate sind auch nicht vorübergegangen, ohne dass der Deutschen Kolonisation aus einem anderen Felde gedacht worden wäre. Man hat, in Folge der Reise des Kaisers Napoleon nach Algier, diesem die Idee untergelegt, deutsche Kulturkräfte zur Kultivierung des Landes nach Algerien zu ziehen. Da die guten Deutschen leicht zu bewegen sind, allenthalben hinzugehen, wohin man sie ruft, so zweifle ich gar nicht daran, dass sie auch dem Rufe des Kaisers von Frankreich folgen würden, wenn derselbe ernstlich die Absicht hegen sollte, deutsche Landwirte zur Kultivierung Nordafrikas zu benutzen. Sollte dieser nicht gerade unwahrscheinliche Fall wirklich eintreten, so wäre nur zu wünschen, dass das französische Gouvernement dem früheren Beispiele des russischen folgte; denn dann könnte man sich überzeugt halten, dass unsere deutschen Landsleute keiner sorgenvollen, sondern einer glücklichen Zukunft entgegengingen.

Ich habe in der Einleitung meines Werkes der russischen Militärkolonien im Nowgorod'schen und Charkow'schen Gouvernement Erwähnung getan und nach v. Haxthausen die daselbst aufgestellten Truppenkörper aufgezählt. Diese Kolonien gehören der Vergangenheit an. Zwar benutzt man die einmal errichteten Kasernen und sonstigen Militärischen Gebäude in jenen Kolonien noch teilweise zur Unterbringung von Truppenteilen, allein die Bauern sind in den Stand der Kronsbauern eingereiht worden und von den dort stationierten Truppenteilen nunmehr ganz unabhängig. Diese ganze Militärkolonisation ist als ein abgetaner kostspieliger Versuch zu betrachten, und hat demnach nur noch ein historisches Interesse.

Schließlich liegt mir noch ob, in Bezug auf die in meinem Werke angeführte Herrnhuter Brüder-Gemeinde zu Sarepta zu erwähnen, dass ich vor wenigen Tagen, also nachdem mein Werk bereits gedruckt war, eine Antwort auf meine Anfrage in Betreff der Verhältnisse jener Kolonie erhalten habe. Dieselbe rührt vom dortigen Schulinspektor und Hilfsprediger Herrn A. Glitsch her, der mich darin benachrichtigt, dass soeben von ihm ein Werk „die Geschichte des hundertjährigen Bestehens der Brüdergemeinde Sarepta“ im Druck erschienen sei, in welchem ich die meisten meiner an den dortigen Gemeindevorstand gerichteten Fragen beantwortet finden würde. Ich verweise also ebenfalls diejenigen, die ein besonderes Interesse an jener Kolonie nehmen sollten, auf das angezeigte Werk. Herr Schulinspektor Glitsch sagt am Schlusse seines Briefes:

„Die auf Ackerbau und Viehzucht bezüglichen Fragen finden auf uns so gut wie keine Anwendung, da beides, aus in meiner Geschichte angeführten Gründen, bei uns so gut wie nicht betrieben wird, und wir uns auf Professionen und Fabrikanlagen beschränken.“

St. Petersburg, im Oktober 1865.
Der Verfasser.

Pferdeschlitten

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Russischer Geistlicher

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Kosaken

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Mutterliebe

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Ganz privat - Teestunde am Samowar

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Eine Großrussin

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Russischer Dorfmusikant

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Bauernhochzeit

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Dostojewski, Fjodor Michailowitsch 1821-1881

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Turgenew, Iwan Sergejewitsch 1818-1883

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Russischer Gutsherr und Bauern

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Russischer Muschik

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Russische Bäuerin

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Tolstoi

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Moskau - Ein reicher Händler mit seiner Frau

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Moskau - Der Kreml

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