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Verrat, Belagerung, Bündnisse, Vitalienbrüder, Albrechts Gefangennahme

Durch Verrat der schwedischen Großen war Margareta ins Land gerufen worden; durch Verrat hatte der unglückliche Fürst den Sieg und die Freiheit verloren; 1) jetzt ergriff der Verrat noch weitere Kreise; nicht nur dass Gerd Snakenborg und sein Geschlecht jetzt offen zu der Königin übertraten, es ließen sich auch die Söhne des gefallenen Vicko von Vitzen durch Geld bewegen, ihr Schloss Kalmar auszuliefern. Infolgedessen konnte sich auch die Stadt Kalmar nicht länger halten, sondern mußte der Dänenkönigin huldigen. Ebenso nahm Margareta mit Hülfe der Großen ohne Schwierigkeit das ganze Land ein. So konnte sie im Oktober des Jahres zu Söderköping einen großen Landtag abhalten, wo sie förmlich die Regierung antrat; die Verträge, die sie im März des Jahres vorher mit den Großen geschlossen hatte, wurden feierlich bestätigt und diese mußten ihr eine große Steuer bewilligen. Sie hatten also schließlich nur Nachtheil von ihrem Verrat. Auf diesem Tage scheint auch Jäppe Abramsson zu Margareta übergetreten zu sein, er mochte an dem glücklichen Ende des Kampfes für seinen König zweifeln, ja die Herrschaft desselben für allezeit beendigt halten, und wollte nun wenigstens die Schlösser, die er inne hatte, für sich und seine Schützlinge, Bo Jonssons Wittwe und Sohn, bewahren. Margareta glaubte, dass jetzt jeder Widerstand gebrochen sei, und für wie vollständig sie ihren Sieg hielt, beweist ihre Absicht, zum Dank für denselben im folgenden Jahre eine Wallfahrt nach Rom zu unternehmen. Daraus sollte freilich nichts werden, denn so ganz, wie sie gedacht hatte, war der Krieg keineswegs zu Ende. Von allen Städten im Lande blieb allein die Hauptstadt Stockholm ihrem rechtmäßigen Könige treu. Die Bürgerschaft, die zum größten Teile aus Deutschen bestand, beschloß in Gemeinschaft mit dem Befehlshaber des Schlosses, Herbert Königsmark, sich nicht zu ergeben sondern den Dänen Widerstand zu leisten. Alle dänisch gesinnten Einwohner wurden durch einen Gewaltstreich ausgetrieben.

1) An dem Verrat Snakenborgs ist wohl nicht zu zweifeln; stand doch schon vorher ein Verwandter, Johann Sn., in dänischen Diensten. Dass er nachher der erste deutsche Adlige ist, der auf Margaretes Seite tritt, spricht auch nicht zu seinen Gunsten.


Ein Angriff, der wie es scheint von den Dänen gemacht wurde, wurde abgeschlagen, und in den nächsten Jahren hielt sich die Stadt, die alle Schrecken der Belagerung erleben und außerordentliche Lasten auf sich nehmen mußte, mit einer Energie und Ausdauer, die bewundernswürdig ist. Allerdings ohne Unterstützung von außen wäre das doch wohl kaum möglich gewesen. Trotz König Albrechts und seines Sohnes Gefangennahme war die Herrschaft der Mecklenburger in Schweden der Idee nach keineswegs zu Ende, denn vor dem Kriege hatte der König für den Fall, dass ihm etwas zustoßen sollte, seinen Neffen Johann, Magnus' Sohn, zum Regenten Schwedens ernannt; für ihn sollte, da er noch unmündig war, so wurde am 26. August 1390 durch Familienbeschluss des mecklenburgischen Hauses festgesetzt, des Königs alter Oheim, Herzog Johann von Stargard, die Leitung übernehmen, und derselbe sollte mit allen Kräften für die Befreiung des Königs wirken. Vorher etwas zu unternehmen, war nicht möglich gewesen, da sich die Mecklenburger, trotz des Vertrages Albrechts mit Jobst, im Laufe des Jahres 1389 mit Brandenburg in eine Fehde verwickelt hatten. Als dann Markgraf Jobst selbst in der Mark erschien, wurde dieselbe beigelegt, 1) so dass sich Johann nun der Beschäftigung mit den schwedischen Angelegenheiten widmen konnte. Man beschloß, mit einem Heere den Stockholmern zur Hülfe zu kommen; und noch im selben Herbste ging Herzog Johann mit einer Flotte dahin ab; zwar verlor er ein Schiff durch Sturm, ein anderes durch den Verrat eines Schiffsführers, der es an die Dänen auslieferte, die anderen aber kamen glücklich hinüber. 2)

Im Verein mit den Stockholmern machten die Mecklenburger einen Streifzug ins Innere des Landes, zersprengten ein schwedisches Heer und zerstörten die Städte Enköping und Westerås. Nach einer späteren Nachricht sollen sie sogar bis Linköping vorgedrungen sein. Auf diese Erfolge hin scheinen die Mecklenburger mit der Befreiung der Gefangenen Unterhandlungen angeknüpft zu haben, die jedoch zu keinem Resultat führten. Da sah die Königin ein, dass sie energischere Maßregeln gegen Stockholm ergreifen müsse und sandte eine Heeresabteilung, die, um die Stadt von aller Zufuhr abzuschneiden, an der Einfahrt zum Hafen zwei Schanzen anlegte.

3) Das Bündnis von 1389 wurde am 3. Januar 1391 erneuert, M. U.-B. XXII, 12255.

5) Chron. svec. Wisb. in scr. rer. svec. I, 1, S. 45 f. Nach Erslev 176 und Daennell 79 soll Johann nicht nach Stockholm gelangt, sondern umgekehrt sein. Demgegenüber hat Girgensohn S. 162 a 4, wie mir scheint mit Recht, hervorgehoben, dass die Stockholmer ohne Johann wenn dessen Anwesenheit auch nicht ausdrücklich erwähnt wird, einen so erfolgreichen Zug schwerlich hätten unternehmen können.


Aber auch die Mecklenburger blieben nicht untätig. Im Mai 1391 schlossen die Herzöge Johann und seine Söhne Johann, Ulrich und Albrecht mit ihren Städten Rostock und Wismar, die sich bisher noch zurückgehalten hatten, sich nun aber besannen, was sie ihrem Herrn schuldig waren, ein enges Bündnis, dem alsbald die Ritterschaft der Vogteien Gadebusch, Grevismühlen und Schwerin, sowie die Städte Grevismühlen, Schwerin, Bützow, Sternberg und der Bischof 1) und das Stift Schwerin beitraten. Man wollte zur Befreiung des Königs und seines Sohnes im Kriege mit Dänemark alle Mittel versuchen. So griff man vor Allem zu einer Maßregel, ähnlich der, die in den siebziger Jahren im Kampf um die Erbfolge in Dänemark gute Dienste geleistet hatte: man beschloß wieder wie damals, im Kleinkriege zur See den Dänen auf alle mögliche Weise Schaden und Abbruch zu thun; aber man ging diesmal weiter als damals; in der richtigen Erkenntnis, dass die Kräfte Mecklenburgs allein nicht ausreichen würden, den Kampf mit allem Nachdruck zu führen, erließen die Herzöge mit den Städten eine Proklamation, wonach Allen, die dem Könige von Schweden helfen und für ihn auf eigene Faust den Krieg gegen die Dänen führen wollten, die mecklenburgischen Häfen geöffnet sein sollten. Dieser Aufruf hatte einen außerordentlichen Erfolg; aus ganz Norddeutschland strömten Scharen herbei, um an dem Kampfe mit Dänemark teilzunehmen. Es ist klar, dass sich unter diesen Leuten viel Gesindel befand, das nun, unter dem Vorwande, für König Albrecht zu kämpfen, für sich möglichst viel Beute machen wollte, und es deshalb nicht so genau nahm, ob es Schiffe der feindlichen Dänen, oder die unbeteiligter Dritter, der friedlichen hansischen Kaufleute, angriff. Streng von diesen zu unterscheiden sind aber diejenigen, die sich unter den Befehl mecklenburgischer Adliger oder der Herzöge selbst stellten, und die ihren ersten Zweck darin sahen, das belagerte Stockholm mit Zufuhr aller Art, besonders Lebensmitteln, zu versorgen, und die davon den Namen Vitalienbrüder, das ist: Viktualienbrüder, erhielten. Die Mecklenburger konnten natürlich nicht in jedem einzelnen Falle unterscheiden, zu welcher von beiden Kategorien die Leute gehörten, denen sie ihre Häfen öffneten.

Dass sie aber zunächst keineswegs daran dachten, mit Leuten der ersten Art, die gemeine Seeräuber waren, gemeinsame Sache zu machen, beweist der Umstand, dass im Jahre 1392 die Gerichtsvögte von Wismar einen gewissen Albrecht vom Sande und Genossen wegen Seeräuberei verfesteten. Die hansisschen Kaufleute freilich machten keinen Unterschied zwischen diesen beiden Arten mecklenburgischer Parteigänger, den echten und den angeblichen, machten vielmehr für den Schaden, den sie von letzteren, den Piraten, zu leiden hatten, auch die ersteren, die Vitalienbrüder, verantwortlich, und behandelten sie, wenn sie sie fingen, genau so wie jene. Dafür mögen dann wohl später die Vitalienbrüder aus Rache ihrerseits auch manch städtisches Schiff genommen haben, und so kam es, dass allmählich ihr Name auch auf die anderen, die Seeräuber, überging und schließlich damit identisch wurde. - Auch an die Preußen, die Städte und den Ordensmeister, die aus verschiedenen, Handels- wie politischen Rücksichten Grund zur Erbitterung gegen Margareta hatten, wandten sich die mecklenburgischen Herzöge. Am 8. Juli 1391 gaben die Herzöge Johann und Albrecht und der Bischof Rudolf den Bürgermeistern von Rostock und Wismar, Heinrich Witte und Markward Bantzkow, und zwei Rittern, Werner von Axekow und Heidenreich Bibow, Vollmacht zur Gesandtschaft an König Wenzel und an den Meister des deutschen Ordens. Die Gesandtschaft an Wenzel konnte offenbar nur den Zweck haben, dass sich die Mecklenburger ein moralisches Plus, das Einverständnis des deutschen Königs, zu verschaffen wünschten; an materielle Unterstützungen von seiner Seite konnten sie wohl kaum denken. Den Preußen aber schlugen sie ein Bündnis gegen Margareta vor und baten sie zugleich, alle Handelsbeziehungen zu Dänemark einzustellen. Sie erhielten aber eine ablehnende Antwort: Die Preußen seien beiden Freund, den Mecklenburgern sollten ihre Häfen wie sonst geöffnet sein, aber die Handelsbeziehungen nach Dänemark könne man nicht abbrechen.

1) Rudolf, auch ein Sohn des alten Johann, der sein schwedisches Bistum Skara aufgegeben hatte.

Trotz der Ablehnung eines Bündnisses von Seiten der Preußen waren die Mecklenburger doch stark genug, noch im Herbst des Jahres 1391 eine bedeutende Flotte von Vitalienbrüdern zusammenzubringen. Mit derselben segelten der alte und der junge Herzog Johann von Stargard nach Stockholm ab. Auf dem Hinwege brandschatzte man die Inseln Bornholm und Gothland. Vor Stockholm eroberte man mit Leichtigkeit die eine der beiden die Einfahrt sperrenden Schanzen und konnte so der Stadt die Zufuhr zukommen lassen. Da die Einnahme der anderen aber, die auf einer Klippe sehr unzugänglich gelegen war, Schwierigkeiten machte, und sich nun Nahrungsmangel bemerkbar machte, so zog man es zunächst vor, sich in Unterhandlungen mit dem Feinde einzulassen. Zu Nyköping fand im Oktober eine Zusammenkunft mit Margareta statt, die, da sie sich überhaupt in Verhandlungen einließ, offenbar in Bedrängnis durch den mecklenburgischen Angriff gekommen war und keinen anderen Ausweg wusste. Wir können die Bestimmungen des Vertrages, der hier zu Stande kam, nur aus späteren Angaben entnehmen: Für 50.000 Mark sollte der König mit seinem Sohne aus der Gefangenschaft entlassen werden, wofür dem Herzoge einige Schlösser als Unterpfand gegeben wurden; am 9. Juni folgenden Jahres sollte der Vertrag endgültig auf einer Zusammenkunft zu Falsterbo abgeschlossen werden; bis dahin sollte Waffenstillstand sein. Als diese Zusammenkunft dann im Juni 1392 stattfand, und Herzog Johann den Abschluß der in Nyborg getroffenen Vereinbarungen forderte, weigerte sich Margareta unter dem Vorwande, sie müsse erst noch darüber beraten; vielmehr verlangte sie, dass, wenn sie den König für die schon reichlich hohe Summe von 50.000 Mark freigeben solle, er dann ihr auf Lebenszeit Stockholm und was er sonst etwa noch in Schweden besaß, für 10.000 Mark verpfänden solle. Das war in anderen Worten nichts als eine förmliche Abtretung Schwedens, worauf Herzog Johann natürlich nicht eingehen konnte; so schlug er denn seinerseits vor, ein Lösegeld für den König zahlen zu wollen, so hoch es die Städte Lübeck, Hamburg und Stralsund angeben würden. Das aber verwarf wieder die Königin, die Versammlung ging auseinander, ohne dass man etwas erreicht hatte. Nun lieferte Johann natürlich auch die ihm als Unterpfand gegebenen Schlösser nicht aus, weshalb Margareta sich später heftig beklagte und Johann Vertragsbruch vorwarf; ganz mit Unrecht, nicht er, sie selbst war daran schuld, dass der Ryborger Vertrag nicht ausgeführt worden war; ja, man kann sagen, sie hatte die Mecklenburger mit diesem Vertrage geradezu betrogen. Die natürliche Folge war der Fortgang des Krieges. Die Städte Wismar und Rostock meldeten den übrigen Hansen, dass sie ihre Häfen wieder den Helfern des Königs geöffnet hätten; 1) damit ihre Kaufleute keinen Schaden haben möchten, sollten sie doch jeden Handel nach den nordischen Reichen untersagen, denn die Helfer des Königs müßten natürlich jeden angreifen, der den Dänen Unterstützung leiste und Zufuhr brächte. Wären die Hansen darauf eingegangen, so hätte das Aufgeben jeden Handels den armen skandinavischen Reichen, die auf Einfuhr angewiesen waren, bedeutenden Schaden gebracht und sie vielleicht nachgiebiger gemacht, auf annehmbare Friedensbedingungen einzugehen, und das wäre auch den Hansestädten, denen so viel an der Herstellung des Friedens liegen mußte, zum Vorteil gewesen. Aber die Städte weigerten sich, die nordischen Handelsbeziehungen abzubrechen; so mußten sie denn auch die Aussicht auf fortwährende Angriffe von Seiten der Vitalienbrüder mit in Kauf nehmen, und eigentlich kann man es den Mecklenburgern nicht verargen, dass sie allen, die der Königin Vorschub leisteten, Abbruch taten. Ihrer Sicherheit halber erließen die Hansen nur das Gebot, dass kein Handeltreibender anders als in größeren Geschwadern fahren sollte. Dagegen erließ Graf Albrecht von Holland an seine Städte das von den Mecklenburgern gewünschte Verbot der Fahrt nach den nordischen Reichen; wenn jemand trotzdem fahre, so stehe er für keinen Schaden ein. Nun sammelten sich die Vitalienbrüder, und unternahmen, an 1.500 Mann stark, unter ihren Führern Henning Mandüvel, Arnold Stuke und anderen einen Zug an die livische und esthnische Küste, offenbar um sich dort einen Stützpunkt für ihre künftigen Fahrten zu suchen. Andere Haufen, es mochten dies wohl echte Piraten sein, setzten sich im Sund selbst fest und fielen dort jeden ohne Unterschied an, der in ihr Bereich kam. Margareta konnte dagegen gar nichts thun, da sie so gut wie gar keine Flotte besaß; deshalb sah sie sich sogar gezwungen, sich durch einen Friede- und Freundschaftsvertrag mit England drei große Schiffe zu leihen. Ein Versuch dagegen, mit dem Orden in Preußen in Einvernehmen zu treten, scheiterte an der gänzlich ablehnenden Haltung der preußischen Städte.

Im Herbst 1392 hatte sie dann begonnen, die Stadt Stockholm durch ein Heer unter dem Dänen Abraham Brodersson und dem schwedischen Großen Algot Magnusson von allen Seiten einschließen zu lassen. Auf der Landseite scheint diese Abschließung einigen Erfolg gehabt zu haben, während die Absperrung von der See gänzlich misslang.

1) Während des Waffenstillstandes war von ihnen aus natürlich nichts gegen Dänemark unternommen, also auch allen auf eigne Hand Kämpfenden kein Schutz gewährt.

Die Unternehmungen der Mecklenburger gingen im nächsten Jahre mit gutem Erfolg weiter, aber zugleich war auch die See immer unruhiger und die Schifffahrt für die Städte immer gefährlicher geworden. So hatte der jüngere Herzog Johann 1) selbst bei einem Streifzuge nach Bornholm 12 preußische Schiffe erbeutet. Die Züge der Vitalienbrüder erstreckten sich jetzt sogar bis in die Nordsee. Eine Schar unter Anführung eines Verwandten des Königs 2) fuhr durch den Sund, plünderte die dänischen und norwegischen Küsten und eroberte und verbrannte die Stadt Bergen, und ließen sogar die Einwohner dem König Albrecht huldigen.

Jetzt endlich rafften sich die Hansestädte aus ihrer langjährigen Untätigkeit auf; sie hatten erfahren müssen, dass die Mecklenburger mit ihrer Drohung, alle nach den nordischen Reichen segelnde Schiffe anzugreifen, Ernst gemacht hatten; der ganze Handel war schließlich so gut wie unmöglich geworden. Sie sahen, dass diesem unerträglichen Zustande ein Ende gemacht werden müsse, wenn nicht ihr ganzer Handel zu Grunde gehen sollte. Die preußischen Städte waren es zuerst, bei denen diese Erkenntnis aufkeimte; aber ihre Einmischung sollte sich nicht gegen Mecklenburg, durch das sie doch all den Schaden erlitten hatten, sondern gegen Margareta richten. Sie hatten wohl erkannt, dass Mecklenburg den Kampf nicht anders führen konnte und mußten ihm in ihrem Innern Recht geben; eine gewisse Sympathie für das kleine Land, das sich so wacker gegen den mächtigen Feind hielt und eine so große Aufopferung für seinen Landesherrn bewies, mochte auch dabei mitwirken. Zudem hatten die Herzöge bei allen Reklamationen um Schadenersatz stets die entgegenkommendste Haltung gezeigt. Margareta dagegen hatte zu allen Beeinträchtigungen, die sie sich seit Alters gegen die Städte erlaubt hatte, immer neue gefügt; alle Bitten um Abstellung derselben hatte sie hinzuhalten, allen Ansprüchen auf Schadenersatz hatte sie auszuweichen gewusst, und das noch dazu mit einer Freundlichkeit, die, da ihr nichts Reelles entsprach, die Städte nicht minder erbittern mußte, als die Kaltblütigkeit, mit der sie Gewalttaten ihrer Leute, die fast unter ihren Augen geschehen waren, ableugnete. Deshalb hatten sie alle Werbungen derselben um ihre Freundschaft mit unzweideutigen Worten abgewiesen. Unter ihrem Einfluss geschah deshalb es auch wohl, dass man jetzt auf dem Hansetage zu Lübeck am 22. Juli der gerechten Forderung der Mecklenburger endlich nachgab: auf ein Jahr lang wurde die Fahrt nach Dänemark und Schonen streng untersagt, und man beschloss außerdem Boten an Margareta zu senden, um sich von ihr einen Tag und Ort angeben zu lassen, an dem sie gesonnen sei, unter städtischer Vermittelung mit den Mecklenburgern Friedensunterhandlungen anzuknüpfen. Dass die letzteren sich darauf einlassen würden, wenn ihnen nur einigermaßen günstige Bedingungen angeboten wurden, war klar; aber auch Margareta konnte nicht wagen, die Einmischung der Hansen abzulehnen; das Verbot der Handelsfahrt nach ihren Ländern hatte ihr gezeigt, dass die Städte jetzt gewillt seien, ernsthafte Maßregeln zur Beendigung des Krieges zu ergreifend und der Gefahr, dass die Hansen, wenn sie sich weigerte zu unterhandeln, mit den Mecklenburgern zusammen gegen sie gehen könnten, durfte sie sich nicht aussetzen; dazu war sie doch nicht mächtig genug. So kam man denn überein, am 8. September zu Falsterbo die Verhandlungen zu beginnen.

1) Sein Vater, der alte Herzog Johann, war im Jahre 1392 gestorben.

2) Der Name wird nicht genannt; vielleicht war es Albrecht von Stargard, der auch später als Anführer der Vitalienbrüder vorkommt.


Am 29. September 1393 - die Mecklenburger und die städtischen Sendeboten hatten wegen ungünstigen Wetters die Reise nicht rechtzeitig antreten können - trafen nun die Gesandten der Hansestädte, der Herzog Johann und die Königin mit ihren Räten zu Falsterbo zusammen. Von vornherein erklärten aber die Mecklenburger, in Sachen der schwedischen Thronfrage nicht verhandeln zu können, dazu stehe niemandem als dem Könige selbst das Recht zu; da aber dieser in der Gefangenschaft nicht die freie Betätigung seines Willens haben könne, müsse er notwendiger Weise erst befreit werden. Darauf konnte und wollte sich Margareta nicht einlassen, sie hatte ja sonst den ganzen Krieg umsonst geführt. Da waren es die städtischen Bevollmächtigten, die mit einem vermittelnden Vorschlage hervortraten: Der König solle auf 2 bis 3 Jahre aus der Gefangenschaft entlassen werden und nun in Freiheit weiter mit Margareta verhandeln. Zur Sicherung für letztere sollte während dieser Zeit Stockholm an vier zuverlässige Leute gegeben werden, zu halb und halb aus Albrechts und Margaretas Anhängern.

Könnten sich diese beiden inzwischen nicht einigen, so sollte Stockholm den Leuten des Königs wieder gegeben werden, dieser aber in die Gefangenschaft zurückkehren; oder, falls er das nicht täte, sollte Stockholm der Königin überantwortet werden. Da war nun zwar eine Schwierigkeit, wo vier Leute finden, die beiden Parteien gleich zuverlässig galten? So erklärte sich Johann bereit, Stockholm den Hansen zu übergeben. Nach einigem Zögern erklärte sich Margareta mit diesem Vorschlage einverstanden, doch müsse sie erst zu Hause mit ihren Reichsräten beraten, welche Garantie sie von den Städten verlangen könne, dass diese auch wirklich unparteiisch handeln würden. Zum nächsten Hansetage wolle sie dann nach Lübeck kommen oder ihre Vertreter schicken und dann die Sache endgültig regeln. Damit löste sich endlich zu Ende Oktober die Versammlung, in der sicheren Erwartung, dass nun im nächsten Jahre der langersehnte Friede wirklich eintreten würde, auf. Als aber am 3. März 1394 der Hansetag zu Lübeck zusammentrat, waren die Gesandten fast aller Städte erschienen, auch Herzog Johann mit seinen Räten war gekommen, aber Margareta hatte sich nicht eingefunden, hatte auch keine Gesandten geschickt, sondern nur ein Schreiben mit nichtssagenden Entschuldigungen. In Folge dessen kam man wieder nicht zum Abschluß. Es ist klar, dass Margareta mit diesem Hinhalten einen bestimmten Zweck im Auge hatte. Die Verhandlungen zu Falsterbo hatten kein Resultat ergeben, mit dem sie so recht hätte zufrieden sein können. Sie hatte sich offenbar größeren Vorteil von der Gefangennahme Albrechts versprochen; nun sollte sie ihn freilassen und damit das Mittel, durch das sie bei weiteren Verhandlungen einen Druck auf die Mecklenburger ausüben konnte, aus der Hand geben. Überdies war es nicht sehr wahrscheinlich, dass der König, wenn die künftigen Verhandlungen ergebnislos blieben, in die Gefangenschaft zurückkehren würde; freilich sollte sie ja dann Stockholm erhalten; aber der König hatte dann, da er ja keines seiner Rechte auf Schweden aufgegeben hatte, immer die Möglichkeit, es ihr durch Krieg wieder abzunehmen; und außerdem, wer garantierte ihr, dass die Städte, denen sie ja so manche Schädigung getan hatte, ihr Stockholm wirklich ausliefern würden, und es nicht vielmehr für sich behalten, und als Druckmittel, ihren Forderungen Nachdruck zu geben, gegen sie anwenden würden. Vorteil erwartete sie also, wenn sie auch den Vermittelungsversuch der Städte nicht abzulehnen gewagt hatte, nur aus einem Hinschleppen der Sache. Dabei hatte sie aber offenbar nicht bedacht, dass sie durch ein derartiges Verhalten den Unwillen der Städte, auch der wendischen, die ihr bis dahin nicht ungünstig gesinnt waren, erregen und sie den Mecklenburgern, die auf die Maßnahmen der Städte eingegangen waren, günstig stimmen mußte. Das zeigte sich denn auch in den Beschlüssen dieses Tages: Die Schonenfahrt wurde wieder, außer wenn man in größerer Anzahl zusammen sei, verboten, und die Fahrt durch den Sund ganz untersagt.

Zugleich aber beschlossen die Städte, da infolge des Verhaltens der Königin für die nächste Zeit das Eintreten eines gesicherten Zustandes zur See nicht zu erwarten war, selber eine Flotte zur Befriedung der See auszurüsten. Wäre dieser Plan zu Stande gekommen, so hätte er die Kriegführung der Mecklenburger für die nächste Zeit ganz lahm gelegt; das hätte aber Niemand anders als Margareta den größten Vorteil gebracht, und da die preußischen Städte fürchteten, dass die Königin, wenn sie nicht mehr von Seiten der Mecklenburger bedrängt würde, in der Schadenersatzfrage wieder den alten ungefälligen hinhaltenden Standpunkt einnehmen würde, so traten sie mit Entschiedenheit gegen den Plan einer allgemeinen Seewehr auf, so dass derselbe tatsächlich nicht zur Ausführung kam. Es ist wohl klar, dass die preußischen Städte mehr um ihrer selbst willen, als im Interesse der Mecklenburger die für diese so günstige Haltung eingenommen hatten. Aber die Mecklenburger mochten glauben, dass das aus ganz besonderem Wohlwollen für sie geschehen sei, und daraufhin versuchten sie, mit den Preußen ein förmliches Bündnis gegen Margareta einzugehen; im Mai des Jahres 1394 erschienen mecklenburgische Gesandte in Danzig und machten den Städten, wie dem Hochmeister ihre Vorschläge. Aber die Städte wiesen das Bündnis zurück; sie wollten sich mit ihren wendischen Genossen, mit denen sie sich nach der Ablehnung der Seewehr ohnehin nicht besonders gut standen, nicht noch mehr veruneinigen; ebenso lehnte der Hochmeister es ab, eine Vermittelung zwischen den schwedischen Großen und den Mecklenburgern zu versuchen. Alles, was diese erreichten, war, dass der Hochmeister versprach, mit allen Kräften dafür eintreten zu wollen, dass König Albrecht für ein Lösegeld freigelassen würde. Aber trotz dieses Misserfolges war die Lage der Mecklenburger keineswegs ungünstig. Im Winter 1393 auf 94 scheint Margareta den Versuch gemacht zu haben, ohne die Hansestädte in den Besitz Stockholms zu gelangen, die Stadt wurde schwer belagert, und es brach schon Hungersnot in ihr aus; da gelang es noch rechtzeitig einer Anzahl Schiffen der Vitalienbrüder, die unter der Führung mecklenburgischer Adliger, des Rambold Sanewitz, Bosso vom Kaland und anderer standen, nachdem sie sonderbare Abenteuer durchgemacht hatten, in den Hafen einzulaufen und die Stadt wieder zu verproviantieren. Im Mai 1394 erlangten die Mecklenburger auch in Finnland wieder bedeutenden Anhang, indem sich Bo Jonssons Wittwe Greta Dume ihnen völlig anschloss. Auch Jäppe Abramsson scheint sich damals ihnen zunächst heimlich verbündet zu haben; ein öffentliches Bündnis schloss er dann im folgenden Jahre mit Bos Sohn, Knut Bosson, dem er dabei die Schlösser seines Vaters übergab. Im Juli gelang es den Vitalienbrüdern sogar, die Stadt Malmö zu erobern und in Brand zu stecken, In Hinsicht auf alle diese Schädigungen sowohl, wie auf die unfreundliche Haltung der Hansen entschloss sich Margareta, die Verhandlungen doch endlich wieder aufzunehmen; zu Helsingborg sollten dieselben stattfinden. Hier trafen am 22. Juli die Sendboten der Städte, Gesandte des Hochmeisters und die mecklenburgischen Räte mit der Königin und den dänischen Reichsräten zusammen. Man verhandelte lange, bis weit in den August hinein, mit einander und kam endlich zu dem Resultat: der König solle auf ein halbes Jahr freigelassen werden und versuchen, sich innerhalb dieser Zeit mit Margareta zu einigen; gelänge das nicht, so solle er sich wieder in die Gefangenschaft begeben oder 60.000 Mark zahlen. Acht der Hansestädte sollten die Bürgschaft übernehmen und Stockholm besetzen. Am 1. November schon sollte auf einer neuen Zusammenkunft zu Alholm der Vertrag von Helsingborg ratifiziert und die Gefangenen entlassen werden. Aber wieder machte ein unvorhergesehenes Ereignis der Hoffnung auf ein baldiges Eintreten der Ruhe ein Ende: die preußischen Gesandten, die zu dem Alholmer Tage ziehen wollten, wurden auf der Durchreise durch Pommern plötzlich vom Herzog Wratislav VII. aus Feindschaft gegen den Hochmeister gefangen genommen, so konnte der angesagte Tag wegen des Ausbleibens derselben nicht abgehalten werden. Man möchte beinahe vermuten, dass Margareta auch hierbei wieder ihre Hand im Spiele gehabt habe und dass sie von einer abermaligen Verzögerung der Entscheidung Vorteil für sich hoffte. Die anwesenden Gesandten konnten nun nichts weiter thun, als eine neue Versammlung auf den 23. April des folgenden Jahres nach Falsterbo und Skanör anzusetzen. Ein neuer kriegerischer Erfolg der Mecklenburger - eine Schaar Vitalienbrüder unter Führung Albrechts von Peckatel eroberten Wisby und einen Teil der Insel Gotland - mußte Margareta endlich belehren, dass es schließlich für sie doch das Beste sein würde, baldigen Frieden zu machen. Jetzt endlich stand dem Frieden nichts mehr im Wege, und am 10. Mai 1395 hatten sich alle Gesandten der Städte und des Hochmeisters, der Herzog Johann mit seinem Sohn und Gefolge in Skanör und Falsterbo eingefunden, während die Königin noch einige Zeit auf sich warten ließ (wir wissen nicht, aus welchem Grunde) und erst zu Ende des Monats mit ihren Räten ankam, Man hielt sich jetzt bei den Verhandlungen durchaus an die Bestimmungen des Helsingborger Vertrages, die jedoch in einzelnen Punkten modifiziert wurden. So mußte Margareta der gemeinsamen Ansicht der Mecklenburger und der Hansen nachgeben, dass es nicht genüge, den König auf ein halbes Jahr freizugeben, und man erreichte, dass dafür drei Jahre bestimmt wurden, auch alle anderen beiderseitigen Gefangenen sollten für dieselbe Zeit frei sein. Weiter kam man indessen mit den Verhandlungen nicht, da Herzog Johann und die Mecklenburger sich wie früher weigerten, über Stockholm ohne den König etwas Endgültiges abzumachen, und so entschloss sich die ganze Versammlung, nach Lindholm zu ziehen, wo Albrecht immer noch gefangen saß.

Vom ersten bis zum siebzehnten Juni verhandelte man hier nun im Beisein des Königs und kam endlich zum Abschluß, da sich Albrecht und sein Sohn mit allen Abmachungen, die bereits getroffen waren, einverstanden erklärten. Die Städte, die die Bürgschaft übernahmen, waren: Lübeck, Stralsund, Greifswald, Danzig, Elbing, Thorn und Reval; sie versprachen: Zu Michaelis (29. September) 1398 würden sie entweder den König wieder in die Gefangenschaft ausliefern, oder 60.000 Mark Lösegeld für ihn bezahlen, oder Stockholm der Königin überliefern; doch sollten sie schon zu Trinitatis des Jahres (2. Juni) vorher melden, welche von den drei Bedingungen sie innezuhalten gedächten Die Mecklenburger sagten dafür zu, dass sie fortan nicht mehr die Piraten schützen würden. Bis zum 8. September wollte man alle Urkunden besiegelt haben, dann sollte Stockholm den Hansen übergeben werden und darnach König Albrecht in Freiheit gesetzt werden. Wie abgemacht, so geschah es; am 31. August 1395 übergab Herzog Johann den von den Hansen gesandten Hauptleuten Stadt und Schloss Stockholm, und ließ sie ihnen den Huldigungseid leisten. Diese sandten die Nachricht davon nach Helsingborg, wo die Gesandten der Städte bereits versammelt waren, um den König in Empfang zu nehmen. Aber erst am 26. September war man so weit gekommen, dass man die Urkunden in Empfang nehmen und übergeben konnte; nun wurden König Albrecht und sein Sohn Erich herbeigeholt und hatten endlich nach langer, sechseinhalbjähriger Gefangenschaft die Freiheit wieder.

Mit bewundernswürdiger Umsicht wie im Kampfe, so in den Verhandlungen hatte Herzog Johann während dieser Jahre die schwierige Sache durchgeführt; mit Opferwilligkeit hatte das ganze Land Mecklenburg hinter seinem Fürsten gestanden; mit echter Treue aber hatten vor Allem die Städte Wismar und Rostock die Sache ihres Herrn zu der ihrigen gemacht, obgleich sie ihren Genossinnen, den anderen Hansestädten, gegenüber dadurch in die schwierigste Stellung gekommen waren. Nun hatten die Mecklenburger und Johann das Ziel erreicht, nach dem sie so lange gestrebt hatten; König Albrecht war frei, ohne dass er irgend eines von seinen Rechten hatte aufgeben müssen. Schweden war dem Könige keineswegs verloren, noch hatte er vollen Anspruch auf Stockholm, und Gothland, das die Mecklenburger im Frieden behauptet hatten, konnte zum Ausgangspunkte werden, die ehemalige Machtstellung wieder zu erwerben; doch zunächst herrschte Ruhe.


Dieses Kapitel ist Teil des Buches Die Herrschaft der Mecklenburger in Schweden