Die Hansestädte, Dänemark und Norwegen von 1369 bis 1376

Hansezeit
Autor: Denicke, Harry August G. Dr. (?-?), Erscheinungsjahr: 1880
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pommern, Dänemark, Hanse, Hansa, Hansestädte, Hansebund, Landesfürsten, Eroberungspolitik, Handel, Ritter, Schonen, Bürgertum, Holstein, Norddeutschland, Rostock, Hamburg, Lübeck, Stralsund, Greifswald, Ostsee, Binnenstädte, Landstädte, Landesherren, Kaufmann, Herzog Albrecht, Norwegen
Ein solches würde überflüssig sein, empfände der Verfasser nicht das Bedürfnis die Nachsieht des Lesers für Beurteilung der vorliegenden Arbeit zu erbitten, über die er selbst und zwar gutenteils durch sie in mancher Beziehung hinausgewachsen zu sein glaubt. Entstanden zu einer Zeit, da er eben anfing mit Ernst und Eifer geschichtliche Studien aufzunehmen, zeigt sie nicht selten noch die Unfertigkeiten eines ersten rasch gewagten Versuches. Gleichwohl hat er sie, durch kundigen Zuspruch ermuntert, einer Veröffentlichung für wert gehalten, da sie die dargestellte Periode, die größte der deutschen Hanse in steter gewissenhafter Anlehnung an das jüngst erschlossene reiche Urkundenmaterial nach vielen Seiten mit einer zuvor nicht möglichen, hernach nicht versuchten Ausführlichkeit behandelt.

      Stolberg a/H., im Dezember 1879.
                                    Der Verfasser.



                                    INHALT.

I. Kapitel: Vorgeschichte des Stralsunder Friedens
II. Kapitel: Der Stralsunder Frieden
III. Kapitel: Bis zum Tode König Waldemars
IV. Kapitel: Die dänische Thronfrage
Anhang: Eine Steuer- und Zolltabelle zu S. 73 ff.



      I. Vorgeschichte des Stralsunder Friedens (Auszug)

Die letzte Hälfte des 14. Jahrhunderts war für das mittelalterliche Norddeutschland, abgesehen von der ihm mit den übrigen Reichsteilen gemeinsamen politischen Zersplitterung, in vielfacher Hinsicht ein Zeitalter der Blüte. Fast überall regen sich seine besonderen staatlichen und staatsähnlichen Bildungen in rüstigem Fortschritt. So sehen wir die holsteinischen Grafen die Bahn, die ihr genialer Vater mit so großem Erfolg betreten, treu und energisch einhalten, sehn sie immer weiteren Boden auf der Halbinsel gewinnen; und ihnen zur Seite erhebt sich die mecklenburgische Dynastie zu bisher ungekannter Höhe, besetzt den Thron Schwedens und greift nach der Krone von Dänemark; und noch weiter gen Osten gestaltet sich immer noch ins Weite strebend, nach innen jenes wunderbare, kriegerisch-religiöse Gebilde, der preußische Ordensstaat stets reicher und zweckvoller aus. Dazwischen aber entfaltet sich, fast überraschend schnell nach der bisherigen langen und langsamen Entwicklung jener weitverzweigte Städtebund der deutschen Hanse zu seinem höchsten Glanze, wesentlich anderen Interessen zugewandt, als die Territorialfürsten vorzugsweise pflegten.

Früh daran gewöhnt, ihre Kraft aus sich selbst zu schöpfen und entwöhnt, von dem politisch verarmten Kaisertum oder dem Landesfürstentum erhebliche Unterstützung ihrer städtischen Interessen zu gewärtigen, ja einem Ergriff dieser Gewalten in ihr Eigenleben meist abhold, hatten sie sich dafür, dem in allen Schichten und allerorten sich regenden Assoziationsdrange gemäß, unter einander verbunden. Wenn die anfängliche Hervorbildung ihrer später so ausgedehnten Corporation zeitlich nahezu mit der Entstehung des rheinischen Städtebundes zusammenfällt, so tritt in den Zielen und dem Charakter beider Bildungen ein schroffer Unterschied zu Tage. War dieser durchaus auch auf politische Dinge, auf die Ordnung der darniederliegenden wichtigsten Reichsangelegenheiten gewandt, und forderte dieser Zweck eine straffe organisatorische Durchbildung des Bundes, deren glückliches, gleichviel ob flüchtiges Resultat nach der gesamten Lage der Verhältnisse ihm jenes Ansehen von etwas Urplötzlichem, fast Wunderbarem gibt, so richteten die norddeutschen Kommunen, an der See und der Peripherie des Reiches gelegen, wie sie waren, ihr vorzüglichstes Augenmerk auf den Handel, namentlich auf den auswärtigen, gingen Zwecken nach, die eine losere Verbindung im Inlande vertrugen und nur im Auslande eine stärkere Zentralisation ihrer kaufmännischen Kräfte zu gegenseitigem Schutz nötig machten. Erst in ganz allmählicher und wechselvoller Weise festigte und erweiterte sich diese lockere Föderation der Städte einmal in engeren territorialen Kreisen und dann in der Beziehung dieser zu einander. So hatten die wendischen Städte, die für den Entwicklungsgang der Hause von je und dauernd bedeutsamste Gruppe, am Ende des 13. Jahrhunderts schon einen großartigen Erfolg ihrer gemeinsamen Politik gegen Norwegen zu verzeichnen, der anziehend und befestigend auf das Bundesgefüge wirkte. Allein da wusste der alte begehrliche Nachbar Deutschlands, Dänemark, von neuem wie vor 100 Jahren erstarkend, von Erfolg zu Erfolg seinen fremden, störenden Einfluss in den nordalbingischen Bereichen durchzukämpfen. Die Herrschaft über die Ostsee und ihre wichtigsten Uferlande war ein Lieblingswunsch dänischer Eroberungspolitik, den auch die geographische Lage, die Natur selbst nahe genug legte. Dem Tode des tatkräftigen Königs Erich, dem seine Durchführung zu gelingen schien, folgte freilich eine reißende Gegenströmung, die Dänemark geradezu überflutete; die deutschen Ritterheere der holsteinischen Grafen, vor allem des großen Gerhard, okkupierten das Inselreich, brachten Sund und Belt unter ihre Herrschaft. *) —

*) Im Allgemeinen vgl. für das Folgende; Dahlmann, Gesch. v. Dänemark Bd. II, bes. p. 32 - 54. — Waitz, Gesch. v. Schleswig-Holstein Bd. I, bes. p. 245—200. — Nitzsch, Deutsche Studien, Aufsatz IV (Nordalbingische Studien) Abschn. III. — Koppmanns Vorbemerkungen zu den einzelnen Rezessen und Einleitungen zu den beiden ersten Rezessbänden. — Suhm, historie af Danmark Bd. XIII u. XIV (die betr. Jahre). — Styffe, bidrag til Scandinaviens historia; I delen, bes. p. XXVIl— XXVIII. — Münch, Det norske Folka historie, Abth. II, Bd.l p. 789— s41 ; Bd. II bis p. 73. — Ich füge die bedauernde Bemerkung hinzu, dass die vorliegende Arbeit dem letzten, dann durch längere Krankheit und andere widrige Umstände verzögerten Abschluss bereits ganz nahe war, als die über das Preisthema hinaus bis 1376 fortgeführte Preisschrift D. Schäfers „Die Hansestädte und König Waldemar" im Druck erschien (Juli 1879), so dass ich nur ihre Angabe über das Wertverhältnis der damaligen lübischen Münze zu unserer jetzigen Reichsmünze und über den Tonnengehalt einer Last Heringe nachträglich noch ausgebeutet habe.

Die Städte aber brauchten eine lange Zeit der Erholung, ehe sie den Schlag, mit dem König Erich sie betroffen, verwanden. Jetzt war es nicht mehr das gebrochene Dänemark, das sie zu fürchten hatten, sondern das rapide, für sie und ihren Handel bedrohliche Anwachsen landesherrlicher Macht in nächster Nachbarschaft. Ihr Interesse ging bis zu einem gewissen Punkte Hand in Hand mit dem, das der junge König Waldemar von vornherein vertrat und in einer langen, ebenso mühsamen wie unverdrossenen Arbeit durchfocht, Dänemark nämlich von diesem fremdherrlichen Einfluss zu reinigen, seiner Königsmacht nach innen wie außen wieder Achtung und Geltung zu gewinnen. Freilich wuchs mit den Erfolgen in dieser Richtung, mit dem endlichen Überflügeln der zurückgedrängten Eindringlinge auch wieder ihre Bedrohlichkeit für die Städte, in demselben Masse als die von Seiten der fürstlichen Nachbarn annahm. Im Ganzen jedoch war von neuem ein gewisser Gleichgewichtszustand in dem weiten politischen System des Nordens hergestellt, den ganz besonders die Städte zu wünschen Ursache hatten; gab er doch bei der Aggressive des Einen leicht Rückhalt und Deckung bei dem Anderen. Waldemar aber hatte so viel unruhigen Ehrgeiz als stürmische Tatkraft, und wie jener mit den Erfolgen zunahm, schien auch diese sich noch zu steigern. Fast frei wieder von den deutschen Drängern ging er mit Erfolg daran, auch das alte, reiche Stammland Schonen, das er selbst in seiner drangvollen ersten Regierungszeit an Schweden zediert hatte, durch eine kluge diplomatische und kriegerische Aktion wieder an sich zu bringen. Die Städte erfüllte dieser weitere Fortschritt mit banger Besorgnis; Schonen war ja für sie unter allen ihren ausländischen Verkehrsplätzen vielleicht der wichtigste; und dass der König kein Freund deutschen Bürgertums, das mit seinem Verkehrsübergewicht auf dem nationalen Leben Dänemarks lastete, mochte ihnen längst bekannt sein und wurde unzweideutig klar mit jenem improvisierten Eroberungszug, dem die Insel Gothland, die altehrwürdige Verkehrsmetropole der Ostsee erlag. Auf das Empfindlichste wurde des Kaufmanns Interesse dadurch gekränkt, mehr noch als das der schwedischen Landesherrschaft. Die Trauerbotschaft aber von Wisbys Einnahme ward der Weckruf zu neuem und kräftigerem Leben der Hanse. Nicht als ob sogleich die zahlreichen Städte im weitgedehnten Küstenlande Norddeutschlands sich zur Rache des geschehenen, zur Abwehr künftigen Unheils entschlossen zusammengestellt hätten, aber es traten doch die wichtigsten, die wendischen, zu Greifswald zu einem energischen Kriegsbund zusammen und versuchten zudem nicht ohne Glück, jene zur Unterstützung heranzuziehen. Nun nahm freilich ihr Waffengang wesentlich durch Verschulden der Vertragsbrüchigen norwegisch-schwedischen Bündner einen unglücklichen Verlauf, der ihr Selbstvertrauen und damit die Grundlage ihrer Vereinigung für einige Jahre wieder arg erschütterte. Aber es waren wenige, Dank der räuberischen, mehr von blinder Leidenschaft als klardenkender Vernunft vorgeschriebenen Haltung des Dänenkönigs, der jetzt zwar mit seinen nordischen Nachbarn gut Freund, an den Holsteinern und Mecklenburgern der schlimmen Feinde schon genug hatte, welchen letzteren in dieser Zeit eine über das missliebige königliche Regiment ausbrechende Adelserhebung und ihr eigenes Waffenglück die Krone Schwedens zugebracht hatte (1364). So standen denn die alten Erbfeinde der Dänen, die Holsteiner und die Mecklenburger daheim und in Schweden entgegen der Koalition von Dänemark und Norwegen, die zuvor schon in der Verheiratung der dänischen Königstochter Margaretha mit dem norwegischen König Hakon ihren symbolischen Ausdruck gefunden hatte. In geradezu trunkenem Übermut reizte Waldemar nach einer kurzen, für ihn notwendigen Friedensepisode die friedsamen Städter, so dass sie ihre Bedenken vor einem neuen Angriffskriege mehr und mehr aufgaben. Das Interesse der Städte von Ost- und Westsee war, wenn natürlich auch nicht ganz gleichmäßig, bedroht und damit der Zeitpunkt gekommen, wo sich aus ihrem losen Nebeneinander eine fester geeinte Waffengenossenschaft, die Kölner Konföderation d. J. 1867 erheben sollte. Nun denke man nicht, dass etwa alle Hansestädte, wenn nicht durch eigene Gesandten, so durch Bevollmächtigung der Teilnehmenden bei ihrer Bildung mitgewirkt hätten. Das ist so wenig der Fall, als dass sich nur hansische Städte darin verbanden. War dieser Begriff auch ziemlich dehnbarer Natur, so dürften doch die meisten niederländischen Gemeinden ihnen noch nicht zugehört haben. Andrerseits konnten sich nicht einmal alle bedeutenderen Seestädte, auf die man vor allem rechnen musste, wie beispielsweise Hamburg und Bremen schon jetzt oder in nächster Zeit zum Beitritt entschließen. Vier wendische, 3 preußische und 5 süderseeische Gemeinwesen werden namentlich aufgeführt, ohne die Angabe einer vorgängigen Vollmachtsübertragung anderer, etwa benachbarter Kommunen. Indes ergibt sich einmal aus der Stiftungsurkunde*) selbst, dass man sich der Zustimmung der heranzuziehenden im Großen und Ganzen sicher wusste und nach einem andern urkundlichen Zeugnis-, dass auch eine Autorisation einzelner Städte abseiten anderer, nicht weiter namhaft gemachter stattgehabt hatte. —

*) Cf. Lüb. U. B. III, Nr. 648; 649 a. H. R. I Nr. 431: Schon nach 6 Wochen begann er danach aufs neue die Feindseligkeiten.

Und was beschloss man nun? Man lebte dem Augenblick und seinen Erfordernissen, dachte nicht daran, die Idee eines dauernden, großen, in sich verfassungsmäßig gegliederten, staatsähnlichen Städtebundes zu fassen und auszuarbeiten. Was man beschloss, war nichts weiter als ein vorübergehender Kriegsbund gegen Dänemark und Norwegen, der Entwurf eines ebenso einfachen, als wohl und sicher kalkulierten Kriegsplanes, die Festsetzung der Truppenkontingente, die späterhin zum Teil abgeändert wurden, die Erhebung eines allgemeinen Pfundzolls zur Deckung der Kosten mit der Maßgabe, dass jede Stadt, im Gegensatz zu dem für den ersten waldemarischen Krieg beobachteten, schlecht bewährten Verfahren, für ihre Ausgaben und Schäden im übrigen selber aufzukommen habe, kurz nichts anderes, als alle au dem bevorstehenden Unternehmen benötigten Maßnahmen allgemeiner Natur. Und doch genug. Ich glaube nicht, dass irgend ein Tag für die Ausbildung der Hanse folgenreicher gewesen; in gewisser Weise ist er, wenn man 80 will, ihr Geburtstag. Alle diese Städte und Städtegruppen standen seit vielen Jahrzehnten in mehr oder weniger geregelten, vorherrschend kaufmännischen Beziehungen; jetzt aber wächst ihrem Begriffsinhalte ein neues, mächtig einigendes Element hinzu, das ist die Gemeinschaft eines großen, gewagten kriegerischen Unternehmens. Und wenn man kein rationelles Verfassungsschema ausgrübelte, in das nun hübsch akkurat die Kompetenzen der einzelnen Städte und ihrer Gesamtheit sich eingeordnet hätten, so wurde doch mit dem Kölner Verein die Grundlage ausgebaut, auf der die Hanse fortan stand und sich weiter bildete: die kriegführenden Seestädte, die schon durch ihre natürliche Lage an den hansischen Dingen am meisten interessiert waren, treten jetzt entschieden in den Vordergrund, die Binnenstädte, die gleichfalls, wenn auch kaum sehr dringend, zum Anschluss aufgefordert, keinen Anteil an dem Feldzuge nahmen, in den Hintergrund; jene wurden wie ein großer Ausschuss, der die hansischen Geschäfte fernerhin ordnete, ohne indes etwa grundsätzlich die bundesverwandten Landstädte von einer Mitwirkung auszuschließen. Natürlich kann ich hier auf die weitere Vorbereitung des Unternehmens innerhalb der einzelnen Städtegruppen nicht eingehen; nur sei bemerkt, dass es die in der Greifswalder Konföderation Vereinten nur etwa halb so belastete als bei deren damaliger Expedition, und dann noch ein schneller Blick auf das Verhältnis zu den Landesherren, den Holsteinern und Mecklenburgern, geworfen.

Schon vor der Kölner Versammlung waren die Verhandlungen zwischen ihnen und den auch von den vereinten preußisch-niederländischen Städten bevollmächtigten wendischen ziemlich weit gediehen. Hier wurde des weiteren bestimmt, dass die letzteren auf ihr alleiniges Gewinn- und Verlustkonto hin, nur unbeschadet des Kaufmanns Recht sich mit den Herrn verbünden und für die Übrigen Städte eine einjährige Allianz mit Ausschluss einer einseitigen Sohne auswirken möchten. Jenen selbst wäre es lieber gewesen, auch ihrerseits zunächst bloß für ein Jahr einen Bund einzugehen, offenbar, weil er auch sein Missliches hatte. Wie vielseitig verwickelt war nicht die Politik jenes höchst tüchtigen, aber in seltener Weise ländergierigen Mecklenburger Herzogs Albrecht! Leicht konnte es geschehen, so mochten sich die vorsichtigen Ratsmannen sagen, dass seine zahlreichen feindseligen Beziehungen zu benachbarten deutschen Fürsten sich in den Dänenkrieg verwoben und dann auch ihnen noch andre Pflichten und Aufgaben aufbürden würden, als die Niederkämpfung der nordischen Feinde. Dabei galt es noch Zwistigkeiten zwischen den Kontrahenten zu vertragen, und zudem war der Ausgleich der nur zum Teil zusammentreffenden, sonst auseinanderstrebenden Interessen durchaus keine Kleinigkeit. So musste der unglaublich radikale Plan einer Aufteilung des dänischen Reiches, in dessen Durchführung sich während jener Verhandlungen die beiden Landesherrschaften unter einander verbanden, den Städten entschieden missfallen, die Anlass genüge hatten, eine solche Vernichtung dänischer Selbständigkeit zu Gunsten jener zu fürchten; wie denn überhaupt ihre allgemeine Politik auf eine möglichste Konservierung der vielgeteilten, sich in sich selbst beruhigenden Staatenwelt des Nordens hinausgehen musste und hinausging. Aber nach wiederholten Verhandlungen kam es am 2. resp. 20. Februar 1368 auch zwischen ihnen und den Herren zum definitiven Bunde, dem sich hochverräterischer Weise als eine weitere Angriffsmacht eine mit den Holsteinern schon übereingekommene Verschwörung unter dem jütischen Landesadel beigesellte. Mit der wendischen Städteabtheilung ward er auf zwei Jahre, mit den beiden übrigen auf eins abgeschlossen. Die Beziehung zu den Mecklenburgern war wegen der schwedischen und künftigen schonischen Privilegien bedeutsamer als die zu den Holsteinern, und so sehen wir jene im Unterschied von diesen durch die 4 wendischen Städte veranlasst, für die Zeit der Verbindung ihnen eine nur wenig bedingte pfandweise Abtretung zweier Landesschlösser, Ribnitz und Wittenborg, mit zugehörigen Ortschaften zu gewähren, unter der Bestimmung, dass sie bei Verletzung gewisser Traktatvorschriften in dauerndes und bis auf Kirchlehn und ritterliche Mannschaft unbeschränktes Eigentum übergehen sollten. Merkwürdig genug, die mecklenburgischen Herren garantieren den Städten, aber diese nicht ihnen, und doch sollten gerade ihnen der weitere Gang der Dinge den nicht unbegründeten Vorwurf vertragswidriger Haltung einbringen. Und unter ihnen sind gar zwei landsässige des Mecklenburgers selbst. Deutlich tritt hierin jener staatsrechtlich eigentlich undefinierbare, zumeist auf der Macht der Gewohnheit und der Verhältnisse ruhende Doppelcharakter dieser Städte hervor, der in der Geschichte der nächsten Jahrzehnte seine besondere Bedeutung haben sollte: der Landesherr verbürgt sich wie Macht zu Macht gegen seine Untertanen.

König Waldemar versuchte vor dem Kölner Tage noch einmal Verhandlungen zu friedlichem Ausgleich anzuknüpfen, zu denen sich die Städte dort, sicherlich von Anfang an von ihrer Fruchtlosigkeit überzeugt, bereit erklärten. Am verabredeten Tage der Zusammenkunft, jenem 3. Februar überbrachten jedoch zwei adelige Abgesandten des Königs nur die Zumutung, einen neuen Tag zu halten; ganz die alte Art desselben, die verhassten Städte am Narrenseil von einer ergebnislosen Verhandlung durch die andre zu schleppen, unter dem Deckmantel der Schöntuerei sie mit immer neuen Gewaltschlägen zu treffen. Mit den Beschwerden bei Papst, Kaiser und Fürsten, die er androhen lies, pfuschte er nur seinen Gegnern ins Handwerk, die diese längst beabsichtigten und teils eben jetzt teils einige Wochen später erließen. Rund heraus erklärten die versammelten Sendeboten der 4 wendischen Städte in einer Zuschrift an den König die Verwerfung neuer Unterhandlungen und spannten damit das Verhältnis zu ihm so, dass nur dessen völlige Nachgiebigkeit oder der Krieg die Lösung bringen konnten; bei seinem Charakter nur der letztere.

Im Rücken suchten sich die Verbündeten durch Neutralitätsverträge mit Graf Adolph von Holstein und Herzog Erich von Lauenburg, den Freunden Waldemars zu decken, und mit Siegersicht konnten sie nun den Kampf, der besonders für den glücklichen Fortbestand der Hanse von entscheidender Wichtigkeit werden musste, aufnehmen. Der Verlauf des Krieges, der um Ostern 1368 seinen Anfang nahm, kann ich natürlich hier nicht näher verfolgen. Die eigentlich entscheidende Macht waren unstreitig die Städte. Norwegen wurde durch ingrimmige Verheerungen der süderseeischen sehr bald zum Vertrag gezwungen auf nicht ganz ein Jahr, der kommenden Jahres wieder verlängert wurde um bis an seiner Verwandlung in einen vollen Frieden noch zweimal dasselbe Schicksal an erfahren. — Waldemar hatte sich zuvor in einsamer Flucht („nemine prosequente") außer Landes nach Deutschland begeben, um der ihm über den Kopf wachsenden Gefahr „unköniglich, aber schlau wie immer“ auszuweichen. Den Reichsrat, an seiner Spitze den in letzter Zeit schnell vom einfachen Ritter zum Präfekten (grellkor) von Schonen und dann zum Reichshauptmann avancierten Henning von Putbus, beauftragte er mit der intermistischen Führung der Regierungsgeschäfte und den Herzog Erich, wie es sich anlässt, mit der Verteidigung des Reiches. — Im Ganzen war es — von Helsingsborgs heldenmütiger Ausdauer abgesehen — nur ein schwacher Widerstand, den die Dänen den andrängenden Feinden entgegenstellten; nirgends zeigt sich eine Spur von einer energischen Konzentration der Streitkräfte; jene aber drangen verwüstend und belagernd vorwärts, und schon Anfang des Sommers sahen sich die Städte im Besitz der meisten schonenschen Küstenschlösser.*) — Und hatte König Waldemar auf die Rivalität der interessierten deutschen Fürsten, besonders gegen die Mecklenburger gerechnet, so hatte er sich nur darin getäuscht, dass diese ihm zum Heil ausschlagen würden.

*) Am 24. Juni wird die schonische Reise in beschränktem Umfange freigegeben, obd. Nr. 469 § 6; 495 § 2.

Jetzt wo seines Reiches Niedergang ausgemacht schien, traten allerdings der Lauenburger, Braunschweiger und Brandenburger in den Kampf gegen Herzog Albrecht von Mecklenburg, dem sie übrigens aus anderen Gründen schon abhold genug waren, ein, nicht aber, um dem König seinen Staat zu retten, sondern für sich selbst jenem die Beute zu entreißen. Der ebenso kriegskundige als staatskluge Herzog aber wies alle diese Dränger, zu denen noch die pommerschen hinzukommen, siegreich zurück und zwang sie zum Frieden. — In diesem Gewirre ringsum aufstehender Gegner mochte dem Reichsrat ein baldiger Friede mit den Städten als die nächste und rettende Zuflucht erscheinen; sie waren die wenigst prätensiösen Feinde und dabei die stärksten; und für ihre Bereitwilligkeit, auf einigermaßen für Dänemark erträgliche Bedingungen abzuschließen, bürgte schon ihr eignes merkantiles Friedensbedürfnis. Bereits im ersten Kriegsjahre machte es sich bemerkbar, und das zweite durchzog eine Reihe von Verhandlungen, die im August zur Konzeption der hauptsächlichen Friedensbedingungen führten und am 21. Oktober offenbar ihren wenigstens vorläufigen formellen Abschluss finden sollten. Allein waren die Städte auch aus allen 3 Abteilungen der Konföderation in auskömmlicher und beschlussfähiger Zahl erschienen, so verhinderte ungünstiges Wetter die Herüberkunft einer ausreichenden Anzahl dänischer Gesandten und musste sich daher die Versammlung darauf beschränken, die Zeit durch fleißige Beratung der städtischen Angelegenheiten auszufüllen; es ist ein inhaltreicher Rezess, der sie registriert. Er zeigt die siegreichen Städte in vollem, energischem Zusammenwirken. Ihre Friedensgedanken, die immer festere Gestalt angenommen hatten, verdrängten nicht den Plan neuer und noch wirksamerer Operationen für das nächste Jahr, wenn nicht inmittelst ein abschließendes Verständnis erreicht werde. Die ganze naturwüchsige Derbheit unserer Vorfahren und zugleich die planmäßige, rücksichtslose Verfechtung ihrer gewichtigen Interessen kommt in den Vorlagen für den heimischen Rat zum Vorschein, wenn es da heißt, man solle mit aller Macht die See frieden, in Dänemark brennen, rauben, Schiffe nehmen und verbrennen und nach Herzenslust und Leibeskräften Schaden tun, den im künftigen Frühjahr eine Schar von 200 Reitern auch in das bisher weniger betroffene Binnenland tragen soll.

Vor anderem aber drängte sich die Frage auf, wie man sieh in Betreff einer Verlängerung der Bünde mit den Landesherrn verhalten solle. Eine Partei rät ab, die andere zu. Interessant ist, den Grund jener zu vernehmen: „Wenn man etwas zu Händen haben wolle, so lasse man sich mit den Herrn unverbunden." — Unzweifelhaft waren die Städte schon völlig über die Friedenspostulate unter sich einig, mindestens halb auch mit den Dänen; eins der wichtigsten war die zeit- und pfandweise Abtretung der 4 schonenschen Vogteien. — Bei gleicher Wehre, so riet die Gegenpartei, sollten Landesherrn und Städte wieder im Felde erscheinen; der Beibehaltung derselben Pflichten entsprach dann sicher die der bisherigen Rechte. Die hansischen Verpflichtungen gegen die Holsteiner sind nicht näher bekannt; diese kamen aber überhaupt bei jener Frage weniger in Betracht: mochten sie sich immerhin in Iffland ausdehnen, das berührte wenigstens so unmittelbar nicht hansische Interessen. Den Mecklenburgern aber hatten die wendischen Städte für den Fall einer gemeinsamen Sühne die Landesherrschaft über Schonen gewissermaßen im Voraus zuerkannt; jene dagegen diesen die zeitweilige Abtretung der Hälfte der dort gewonnenen Schlösser. Allein wie viel schwerer mochte es sein, den Dünen statt einer zeitweiligen eine definitive Abtretung und zwar von ganz Schonen abzuringen? Sehr möglich, dass jene Begründung die Tatsache einer entschiedenen, verzweifelten Opposition derselben hiergegen voraussetzt, während sie sich mit einer vorübergehenden Verpfändung an die Städte höchst wahrscheinlich schon einverstanden erklärt hatten. Wäre nicht der Frieden, auf dessen baldiges Zustandekommen den Städten im Interesse ihres Handels so viel liegen musste, in weitere Ferne gerückt? — Und wenn Schonen wirklich an Mecklenburg resp. Schweden kam, wie dann? Die Städte bekamen dann wohl die Hälfte der erworbenen Schlösser, aber ob diese gerade die für sie so ungemein wichtigen Küstenschlösser am Sunde umfasst hätte? Auch kann ich in der Überzeugung , dass die betreffende Bestimmung nur auf die wendischen Städte Bezug hatte, nicht glauben, dass die Dauer der mecklenburgischen Verpfändung, die noch zwei Jahre über den Ersatz ihrer Kriegsausgaben hinaus in sich begreifen sollte, der Pfandzeit gleichgekommen wäre, welche mit von Dänen nach Maßgabe der vor dem Kriege erlittenen Verluste aller konföderierten Städte stipuliert wurde. Der Umstand freilich, dass — Jene Überzeugung zunächst als richtig vorausgesetzt, — die mecklenburgische Verpfändung nur den genannten Städten zu Gute kommen sollte, dürfte kein Grund für die anderen gewesen sein, eine dänische auf die ganze Konföderation ausgedehnte Pfandverleihung zu wünschen, da sich jene bezüglichen Vertragsbestimmungen sicher ohne Schwierigkeit modifizieren ließen, und es den Städten ohnedies natürlich unbenommen war, die Nutzungen und Erträge, um die es sich auch bei der nachherigen dänischen Pfandnahme allein für die außer jenen Stehenden handelte, durch Übereinkunft unter sich zu verteilen. — Einen weiteren Grund aber, den Übergang Schonens in die Hände der Mecklenburger zu hindern und zu dem Ende die Verlängerung des ihnen dabei so förderlichen Bundes zu unterlassen, mochte folgende Erwägung ergeben. Schonen war seit Alters ein dänisches Territorium, und wenn unglückliche Verhältnisse Waldemar einst zur Abtretung desselben genötigt hatten, so hatte er sicher von vornherein auf seinen Rückerwerb gehofft und wie wir schon wissen, diesen dann auch verwirklicht. Dass das dänische Reich wenn etwa zu formeller Aufgabe gezwungen, nicht wirklich auf diesen reichen, unschätzbaren Landesteil verzichten würde, war gewiss; dass die Landeseinwohner, alte Dänen, höchst widerwillig den abermaligen Wechsel ihrer angestammten Obrigkeit hinnehmen würden, war wohl gleichfalls gewiss. War nicht ein ewig unruhiger Zustand, Krieg, Fehde, Renitenz die unausbleibliche Folge? Sie aber zu verhüten, hatte die Hanne ein dringendes Interesse. Ihrem Handel war ein leidlicher Friede des Meeres eine wahre Lebensfrage und nun gar ein leidlicher Friede in Schonen, ihrem so überaus wichtigen Verkehrs-, Stapel- und Fischereiplatze! Der aber lies sich nur bei der Fortdauer der alten staatsrechtlichen Verhältnisse des Landes erwarten.

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Lübeck Das Holstentor

Lübeck Das Holstentor

Greifswald Stadtansicht

Greifswald Stadtansicht

Rostock Stadtansicht

Rostock Stadtansicht

Stralsund Stadtansicht

Stralsund Stadtansicht

Wismar, Stadtansicht

Wismar, Stadtansicht

Hamburg, Blick auf die Unterelbe

Hamburg, Blick auf die Unterelbe

Hamburg, Flet in der Altstadt

Hamburg, Flet in der Altstadt

Bremen - Einfamilienhäuser in der Olbersstraße

Bremen - Einfamilienhäuser in der Olbersstraße

Bremen - Freihafen

Bremen - Freihafen

Danzig - Frauengasse

Danzig - Frauengasse

Die Plünderung Wisbys

Die Plünderung Wisbys

Hanse Kogge

Hanse Kogge

Hansewappen

Hansewappen

X Kopenhagen, Schloss Christiansborg vor 1884

X Kopenhagen, Schloss Christiansborg vor 1884

IX Kopenhagen, Turm der Nikolaikirche

IX Kopenhagen, Turm der Nikolaikirche

XI Blick von Amalienborg zur Bredgade und Marmorkirche

XI Blick von Amalienborg zur Bredgade und Marmorkirche

XII Ledreborg, Portalbau des Schlosses

XII Ledreborg, Portalbau des Schlosses

XIII Schloss Egeskov. Auffahrt

XIII Schloss Egeskov. Auffahrt

XV Kopenhagen, Schloss Christiansborg mit der Schlosskirche von 1884

XV Kopenhagen, Schloss Christiansborg mit der Schlosskirche von 1884

Norwegen - Mälsevealen und Istindene

Norwegen - Mälsevealen und Istindene

Norwegen - Lachse

Norwegen - Lachse

Norwegen - Kabelvag

Norwegen - Kabelvag

Norwegen - Harstad

Norwegen - Harstad

Norwegen - Hammerfest, nördlichste Stadt der Welt

Norwegen - Hammerfest, nördlichste Stadt der Welt

Norwegen - Hafen, Fischereiboote

Norwegen - Hafen, Fischereiboote

Norwegen - Bardu-Wasserfall

Norwegen - Bardu-Wasserfall