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Die zweite Gründung des Klosters in Doberan. 1186

Kaum also waren acht Jahre vergangen, als der herrliche Anfang grausam zerstört wurde; und weitere sieben Jahre mussten vergehen, bis die kriegerischen Unruhen der Wenden soweit eingedämmt waren, dass ein neuer Grund zum Kloster gelegt werden konnte.
Da bat derselbe Abt Konrad, der an der Spitze eines neuen Konvents gekommen war, Heinrich Borwin, Pribislaws Sohn und Nachfolger, ihm einen andern Platz anzuweisen. An der alten Mordstätte wollte er Kloster und Kirche nicht wieder erbaut haben; die Stätte barg zu traurige Erinnerungen für ihn. Aber verlassen und aufgeben wollte er diese Gegend auch nicht wieder, ein Ort in der Nähe sollte es sein. Und Heinrich Borwin? Er erkannte, genauso wie sein Vater, in den Zisterziensern die fleißigsten und erfolgreichsten Mitarbeiter für die Urbarmachung und den Wiederaufbau seines verwüsteten und menschenarmen Landes: Heinrich Borwin war gerne bereit dazu. Er stellte aber nach damaliger Sitte die Wahl des Platzes in Gottes Hand. „Dort“, sprach er, „wo ich bei der heutigen Jagd den ersten Hirsch erlegen werde, soll das neue Gotteshaus stehen.“ Er jagte und traf den Hirsch an der Stelle unserer jetzigen Doberaner Kirchen; hier stürzte derselbe, von sicherem Pfeil getroffen, zu Boden. Der Platz aber war sumpfig und moorig, als Baustätte für eine Kirche schier ungeeignet. Man stand und ratschlagte hin und her, ob man nicht doch einen anderen Platz in einer trockenen und etwas höher gelegenen Gegend wählen sollte. Da erhob sich nicht weit davon aus dem Wasser ein Schwan, flog über den Platz hinweg und schrie mehrere Male : „Dober, dober“, ein wendisches Wort, welches auf Deutsch soviel als „g u t, g u t“ bedeutet. „Der Platz ist gut“, so verstanden es Heinrich und seine Begleiter. Sie erblickten in dem Schwan einen Boten des Himmels, der ihnen den göttlichen Bescheid brachte, dass doch die Kirche an dieser Stelle erbaut werden sollte. Und so geschah es denn auch. Der Platz wurde zurechtgemacht, durch Pfahlroste und Felsen ein Grund gefestigt, auf dem die Mönche ihr Gotteshaus errichten konnten.
Kopf und Geweih des Hirsches sind jetzt in der Kirche an einem nördlichen Pfeiler des Hochaltars angebracht, und darunter befindet sich eine Inschrift aus dem Jahre 1659, die heißt: „Dieser Hirschkopf, welcher mäceriret, zeiget, wo das Doberanische Wappen herrühret.“ Dem Schwan hat man außerhalb der Kirche, am vorüberfließenden Doberbache, ein Denkmal gesetzt. Er trägt eine Engelskrone um den Hals als gekrönter Bote des Himmels.
Das Wappen vom Kloster zeigt darum im oberen Felde den Hirsch, im unteren den Schwan, und getrennt sind die beiden später durch einen Bischofsstab:
„Hirsch, Krummstab und Schwan,
das ist das Wappen vom Kloster Doberan.“
Und aus dem Wort „dober“, das der Schwan gerufen hat, hat man den Namen des Klosters und des dabei liegenden Ortes gefunden: „Doberan (dober = gut, an = Ort), welcher Name also soviel bedeutet als „guter Platz“, „schöner Ort“*).
Der Einzug des zweiten Konvents in Doberan geschah am 25. Juni des Jahres 1186.
In Althof wurde ein Wirtschaftshof angelegt und an der Stelle der erschlagenen Mönche wiederum eine Kapelle erbaut zum Messelesen für die Verstorbenen. Die Kapelle, die heute noch vorhanden ist, enthält aus weißer Marmortafel eine Inschrift neueren Datums, welche also lautet: „An der Stätte eines heidnischen Heiligtums gründete dieses Gotteshaus, den ersten tätigen Beweis seines Christentums, im Jahre seiner Taufe Pribislaw II., letzter König der Obotriten. Nach Jahrhunderten der Entweihung befahl es herzustellen sein Enkel im zwanzigsten Geschlechte Friedrich Franz, erster Großherzog von Mecklenburg-Schwerin im Jahre 1823, das Heiligtum, den Ahnherrn und sich selbst gleich ehrend.“

*) Der Ortsname Doberan wird auch wohl mit dem südslawischen Wort dubrana = Eichenort oder Eichenwald in Verbindung gebracht. Ich ziehe die obige Erklärung vor; denn warum soll Doberan nicht auch wie so viele andere Orte seinen Namen von einer Sage erhalten haben.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Die Geschichte von Doberan-Heiligendamm.