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Die Bedeutung des Rostock-Berliner Schifffahrts-Kanals für die landwirtschaftlichen Interessen in der Provinz Brandenburg

Bericht über den Stand des Projekts des Rostock-Berliner Schifffahrtskanals
Autor: Wiggers, Moritz Carl Georg (1816-1894) Jurist und Politiker, Erscheinungsjahr: 1877

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Rostock, Preußen, Berlin, Wasserstraßen, Schifffahrt, Rostock-Berliner Schifffahrtskanal, Wasserbau-Projekt, Transport, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Kanalwesen, Wirtschaft, Melioration, Entwässerung, Mecklenburgischer Kanalverein, Flussschifffahrt, Kanalschifffahrt, Schifffahrtswege, Kanallienie, Müritz-See, Sommerwasser, Warnow, Altschweriner-See, Plau, Bolter Mühle, Elde, Havel, Ostsee, Uckermark, Nebel, Rheinsberg, Schleusen, Warnemünde
In einer Eingabe, welche ich am 15. Januar 1876 an den Königl. preußischen Minister für die landwirtschaftlichen Angelegenheiten, Herrn Dr. Friedenthal, richtete, begründete ich eingehend meine Ansicht, dass die Entwicklung des deutschen Kanalwesens nicht bloß für den Handel und die Industrie, sondern auch für die Landwirtschaft von hervorragendem Interesse sei. In letzterer Beziehung erlaubte ich mir einige Gesichtspunkte hervorzuheben, welche bisher noch keine hinlänglich Beachtung gefunden hatten.

Die beiden größten Konkurrenten Deutschlands in Bezug auf die Landwirtschaft sind Russland und Nordamerika. Beide haben entwickelte Wasserstraßen-Verbindungen. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben bereits ein großes Wasserstraßennetz, welches namentlich den Westen mit dem Atlantischen Ozean verbindet. Dessen ungeachtet werden dort neue, große Kanäle projektiert, eine nördliche, eine zentrale und eine südliche Linie, von welchen die Kosten der letzteren allein zu 61 Millionen Dollars veranschlagt sind. Der Senatsausschuss, welcher, um die landwirtschaftlichen Interessen zu befriedigen, eingesetzt ward, hat wegen der größeren Billigkeit den Kanalverbindungen den Vorzug vor den Eisenbahnen gegeben. Russland hat ein kolossales Wasserstraßennetz, welches sich von der Ostsee bis zum Asowschen und Schwarzen, sowie zum Kaspischen Meere erstreckt und von letzterem bis zum Weißen Meere führt. Trotzdem werden von Russland fortwährend neue Kanäle gebaut. Auf diese Weise werden beide Länder in den Stand gesetzt, ihre landwirtschaftlichen Produkte tief aus dem Innern auf die billigste Weise an die Meere zu schaffen und in das Ausland zu transportieren.

Wenn nun unsere Landwirtschaft auf die Länge befähigt sein soll, mit der jener beiden Länder zu konkurrieren, so vernotwendigt sich die Entwicklung eines deutschen Kanalsystems, welches nicht bloß den billigsten Austausch der landwirtschaftlichen Produkte innerhalb des deutschen Reichsgebiets herbeiführen, sondern auch bewirken würde, dass unsere landwirtschaftlichen Produkte auf die wohlfeilste Weise aus dem deutschen Binnenlande in beliebiger Masse nach den deutschen Häfen der Nord- und Ostsee transportiert und aus den Fluss- und Kanalschiffen unmittelbar in die Seeschiffe verladen werden könnten.

Ein weiterer nicht hinlänglich beachteter Vorteil für die Landwirtschaft würde sich daraus ergeben, dass bei der Anlage von Kanälen bedeutende Landes-Meliorationen durch Be- und Entwässerungen ausgeführt werden können, wodurch zugleich nicht unbedeutende Mittel für die Herstellung der Kanäle gewonnen würden. Dieser Punkt verdiente bei den Vorarbeiten für die Anlage von Kanälen eine ganz besondere Berücksichtigung, und es sollten daher die definitiven Kanallinien nicht eher festgestellt werden, als bis die betreffenden landwirtschaftlichen Verwaltungs-Ressorts darüber ihr Gutachten abgegeben haben.

In Bezug auf den projektierten Rostock-Berliner Kanal hat der Wasserbau-Inspektor Heß, welcher im Auftrage der Komitees für den Rostock-Berliner Kanal in Rostock und Neu-Ruppin das Projekt entworfen hat, S. 41, 59 u. 60 der dritten Abteilung der Broschüre über jenes Projekt die Aufmerksamkeit dahin gelenkt, dass auf beträchtlichen Strecken der preußischen Strecke des Kanals höchst wichtige Landes-Meliorationen durch Be- und Entwässerung von Grundstücken vorgenommen werden könnten. Bei der generellen Bearbeitung des Projekts konnte diese Frage nicht näher untersucht werden. Auch bei der Aufstellung der anderweitigen deutschen Kanal-Projekte ist es bisher versäumt oder wegen der fehlenden Mittel nicht tunlich gewesen, die durch Be- und Entwässerung zu ermöglichenden Landes-Meliorationen eingehend in Betracht zu ziehen. Wenn nun dies Moment zum ersten Male bei dem projektierten Rostock-Berliner Kanal gehörige Berücksichtigung fände, und wenn, wie nicht zu bezweifeln, sich daraus sehr erfreuliche Resultate ergeben würden, so würde die Frage der Landes-Meliorationen auch bei den anderweitigen Kanalprojekten in den Vordergrund treten und davon die Folge sein, dass ein deutsches Kanalnetz sich leichter herstellen ließe, als man bisher angenommen hat.

Gestützt auf die vorstehend entwickelten Gründe, erbat ich die Unterstützung unseres Projekts Seitens des preußischen Ministers für die landwirtschaftlichen Angelegenheiten und richtete speziell die Bitte an denselben:

das Terrain in der Näh: der preußischen Strecke des Rostock-Berliner Kanals mit Rücksicht auf die bei Anlage desselben durch Be- und Entwässerung zu erzielenden Boden-Meliorationen untersuchen und die Meliorationsprojekte bearbeiten zu lassen.
Auf das Bereitwilligste ging der Herr Minister auf meine Wünsche ein, indem ich bereits am 8. Februar vorigen Jahres von demselben die erfreuliche Antwort erhielt, dass er verfügt habe, „den Wasserbau-Inspektor Heß in Hannover zu einer umfassenden Darstellung über die Bedeutung des projektierten Kanals für die Förderung der landwirtschaftlichen Interessen im diesseitigen Gebiet zu veranlassen".

Herr Heß hat, nachdem er die schon früher bei Feststellung der Kanallinie inspizierte preußische Strecke des Kanals noch einmal in Augenschein genommen hatte, den ihm erteilten Auftrag so rasch ausgeführt, das; er bereits Ende April vorigen Jahres sein Gutachten an den Herrn Minister für die landwirtschaftlichen Angelegenheiten hat abliefern können.

Es verging aber eine lange Zeit, ehe ich in den Besitz einer Abschrift des Heß'schen Gutachtens gelangte. Auf mein betr. Gesuch ward ich vom landwirtschaftlichen Minister einstweilen abschläglich beschicken, weil derselbe es nicht für zulässig erachtete, amtliche Aktenstücke in dieser nicht sein Ressort, sondern dasjenige des Handelsministers berührenden Angelegenheit ohne Verständigung mit dem letzteren weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Der preußische Handelsminister, an welchen ich mich darauf wandte, erwiderte mir, dass er, nachdem ich in Betreff des Projekts eines Rostock-Berliner Schifffahrtskanals mich mit einer Petition an das Haus der Abgeordneten gewandt habe, diese der Königl. Staatsregierung überwiesen und Seitens des Königl. Staatsministeriums außer an ihn, auch an die Minister der Finanzen und für die landwirtschaftlichen Angelegenheiten abgegeben worden sei, nur nach Verständigung mit den genannten beiden Ministern mich bezüglich jenes Projekts mit weiterem Bescheide versehen könne. Am 17. April des Jahres, erhielt ich denn auch zu meinem lebhaftesten Dank ein voll den genannten drei Ministern unterzeichnetes hohes Reskript vom 7. März des Jahres, welchem eine Abschrift des fraglichen Gutachtens beigegeben war.

Über den Inhalt dieses Gutachtens habe ich in Folge einer Aufforderung des Ausschusses des Zentralvereins für Hebung der deutschen Fluss- und Kanalschifffahrt in seiner am 20. Juni des Jahres in Berlin stattgehabten Sitzung Bericht erstattet. Der Ausschuss legte diesem Gutachten eine solche Bedeutung für die gesamte deutsche Kanalentwicklung bei, das; derselbe den Wunsch aussprach, dass jenes Gutachten von mir baldmöglichst veröffentlicht werden möge, und mir als Beitrag zu den Druckkosten die Summe von 400 Mark zur Verfügung stellte, wogegen seinerseits 800 Exemplare der Broschüre beansprucht wurden, um sie an jedes Mitglied des Vereins verteilen zu können. Entsprechend dem Wunsche des Zentralvereins ersuchte mich der Mecklenburgische Kanalverein in seiner am 14. Juli des Jahres stattgehabten Versammlung um die Veröffentlichung des Heß’schen Gutachtens mit einem Bericht über den Stand des Rostock-Berliner Kanalprojekts. Die gewünschte Arbeit habe ich gerne übernommen und entledige mich der mir gestellten Aufgabe in Nachstehendem.

In den von mir in den Jahren 1873/75 herausgegebenen drei Broschüren über „das Projekt des Rostock-Berliner Schifffahrtskanals", welchen eine Kanalkarte und die Längenprofile beigegeben sind, ist genaue Auskunft über das Projekt und die Resultate der technischen Vorarbeiten für dasselbe erteilt. Eine vierte Broschüre ist von nur am Ende des Jahres 1875 unter dem Titel „Bericht über den Stand des Projekts des Rostock-Berliner-Schifffahrtskanals" mit den betr. Aktenstücken aus dem Königl. preußischen Handels-Ministerium veröffentlicht. Außerdem habe ich in den Generalversammlungen des Zentralvereins für Hebung der deutschen Fluss- und Kanalschifffahrt am 30. Oktober 1869, am 10. Dezember 1870, am 14. Dezember 1872 und am 30. Januar 1875 über jenes Projekt Bericht erstattet. In der letzten Versammlung hat, außer mir, der Regierungs- und Baurat Wernekinck über denselben Gegenstand berichtet. Die erwähnten Vorträge sind in den betr. Berichten über die bezeichneten Generalversammlungen abgedruckt. Endlich habe ich in Folge Aufforderung des genannten Zentralvereins über den Stand des projektierten Kanals Bericht erstattet, welcher in dem Bericht über die am 14. Februar 1876 stattgehabte Generalversammlung Aufnahme gefunden hat. Ich kann mich demnach auf einen kurzen Abriss über das Projekt und seine Bedeutung, sowie auf eine Darlegung dessen beschränken, was sich seitdem in dieser Angelegenheit ereignet hat, indem denjenigen, welche sich über das Projekt näher unterrichten wollen, in den angeführten Schriften eingehendes Material zur Verfügung steht.

Warnemünde, Strom, Hafen und Leuchtturm

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Sonnenuntergang in der Mecklenburgischen Schweiz. (Februar 2014)

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Elde bei Rüterberg

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Rostock-Berlin-Schifffahrtskanal

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Mecklenburg, Warnow

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Warnow

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Müritzsee, Weiße Flotte

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Müritzsee, G. Böttcher

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