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Die Baukunst am Nieder Rhein Band 1.

Autor: Klapheck, Richard (1883-1939) war ordentlicher Professor für Kunstgeschichte an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, Erscheinungsjahr: 1916
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Baukunst, Deutschland, Nieder.Rhein, Architektur, Bauhandwerk, Bauten, Baumeister, Architekten, Städte
Zum Geleit.

In den Monaten, die dem Weltkriege vorausgingen, kam der Gedanke dieser Jubiläumsgabe. Während des gewaltigen Ringens unseres Volkes um Sein oder Nichtsein ist sie entstanden

Dass es möglich war, wie mitten in tiefstem Frieden die Denkmälerwelt unserer Heimat am Niederrhein aufzunehmen, danken wir dem deutschen Heere unter Preußens Führung, das den Feind von unserer bedrohten Westmark fernhielt. So ist das Werk, das der hundertjährigen Vereinigung der Länder am Rhein mit der Krone Preußen gewidmet ist auch ein Denkmal der Segnungen des Landes am Niederrhein unter Preußens Szepter.

In dieser Zeit des Völkerringens an unseren Landesgrenzen sollen unsere Blicke in ernster Einkehr weilen bei all dem Teuren, das uns die Heimat hat vermacht. Mit inniger Liebe wollen wir bewahren, was aus Väter Zeiten als Erbteil der Westmark unseres Reiches am Rhein geblieben ist.

So überreichen wir hiermit unseren Mitgliedern den ersten Band der ,,Baukunst am Niederrhein“. Er will uns zeigen Bilder aus mittelalterlicher Vergangenheit, unsere alten Landesburgen und Städte und die heimischen Backsteinbauten; Bilder aus den Jahrhunderten Wilhelms des Reichen von Cleve, Jülich und Berg und des Großen Krieges.

Der zweite, folgende Band führt uns durch die große Zeit des Kunstmäzens Jan Wellem, über die lang anhaltende Kunstepoche Karl Theodors zu den Meistern des Klassizismus.

Mögen beide Werke die Liebe zu den Stätten unserer Heimat mehren und uns anregen, das überkommene Erbe ferneren Geschlechtern in treuer Hut zu erhalten!

Düsseldorf, im Sommer 1916.

Der Verwaltungsrat des Kunst -Vereins für die Rheinlande und Westfalen.
Inhaltsverzeichnis
  1. I. Das Land vom Niederrhein.
  2. II. Die mittelalterliche Landesburg, Stadtbefestigung und öffentliche Bautätigkeit der Städte.
  3. 1. Die Schwanenburg zu Cleve und das Clever Kastell.
    2. Die kurkölnischen Landesburgen zu Hülchrath, Linn, Zons, Kempen, Zülpich, Lechenich und die jülichsche Landesburg zu Hambach.
    3. Das Raubritternest Krakau und die Kaiserpfalz zu Kaiserswerth.
    4. Die mittelalterliche Stadtanlage, Stadtbefestigung und Stadttore.
    5. Der städtische Monumentalbau. Das alte Rathaus und das Tanzhaus Gürzenich zu Köln. Die Rathäuser zu Calcar, Rees und Wesel.
    6. Anfänge des niederrheinischen Backsteinbaues.
Aber das liebliche Land ist einsam und schweigsam. Selten ein Fremder, der sich dorthin verirrt. Die reiche Rheinreiseliteratur vom Ausgange des 18. Jahrhunderts weiß nichts von dem Niederrhein um Cleve, Calcar, Xanten und Rees. Goethes Rheinreise begann im Jahre 1814 in Köln und führte stromaufwärts nach Bonn, Neuwied, Coblenz und Mainz. Und George Forsters ,,Ansichten vom Niederrhein“ vom Jahre 1791 begleiten den Leser stromabwärts von Boppard nach Köln. Die glänzende Pinakothek der Herzöge von Jülich und Berg lockte Forster wohl noch nach Düsseldorf. Dann ging die Reise nach Amsterdam über Jülich, Aachen, Brüssel, Antwerpen und den Haag. Der eigentliche Niederrhein fesselte den Rheinreisenden nicht mehr.

Und heute? Ist es anders geworden?

Die Tausende und aber Tausende, die jährlich den Rhein von den Quellen bis Mainz und von Mainz stromabwärts mit dem Dampfer bereisen, vorüber an Bergen, Burgen und Rebenhügeln, verlassen meistens in Köln das Schiff. Tagelang waren sie beisammen wie alte Bekannte, bei Wein, Lied und Tanz, begrüßten bergaufwärts fahrende Schiffe mit Tücherschwenken und Gesang. In Köln aber trennen sie sich und werden einander wieder fremde Menschen, die nur die Romantik des engen Rheintales, der Rheinwein und das lebenslustige Volk der Rheinländer auf einige Tage zusammengeführt hat.

In eilendem Tempo bringt sie der Schnellzug jetzt in die Heimat wieder, nach dem Osten des Reiches, nach Frankreich und Belgien oder den Nordseehäfen Hollands, wo schon die Dampfer schweigend für die Überfahrt nach den englischen Inseln warten.

In Köln endigt die Rheinreise.

An Stelle der lustigen Bergeslinie tritt die weite, tiefe Ebene. Die unruhige Eisenbahn, die den Mittelrhein auf beiden Seiten, bedrängt von den Bergen, lärmend, ratternd und knatternd begleitete, meidet nun den Strom und durchkreuzt nach allen Richtungen das flache Land. Städte, die bis dahin den Fluss wie eine enggeschnürte Perlenkette einfassten, berühren selten noch seine Ufer.

Abb. 2. Zons. Partie am Rheintor, Ansicht von den Rheinwiesen.

Aus Weiden und Pappeln heraus grüßt wohl noch einmal ganz verschlafen und verträumt das malerische Zons mit seiner Stadtumwallung (Abb. 2) und der alten Burg der Erzbischöfe von Köln. Aber die Bahn hat die sich weitenden Ufer ja verlassen und kümmert sich nicht um den kleinen Ort. Auf dem linken Ufer haben die Rheinberge sich schon längst verlaufen. Auf dem rechten Ufer sind sie bescheiden zurückgetreten, bis die letzten Ausläufer des Bergischen Landes von Grafenberg noch einmal zum endgültigen Abschied nach Düsseldorf herübergrüßen. Auch an dem altehrwürdigen Kaiserswerth und seiner Kaiserpfalz, von der im Jahre 1062 der kluge und baulustige Erzbischof Anno den jugendlichen Kaiser Heinrich IV. nach Köln entführte, geht die geschäftige Eisenbahn in großem Abstande minachtig vorüber. Sie nimmt auch keinerlei Notiz von dem abseits am Niederrhein gelegenen Rees, dem einsamen, verlassenen und kleinen Städtchen, dessen alte Stadtmauern und Wehrtürme noch immer bis an den schmalen Leinpfad reichen, dicht bis an den Strom, und das noch immer keinen modernen, breiten Rheinkai hat (Abb. 3). Kein Berg kann jetzt die Eisenbahn mehr zwingen, den launenhaften Windungen des Stromes noch zu folgen. Sie nimmt den geraden und kürzeren Weg, und wichtiger als die verträumten Nester am Niederrhein sind ihr die landeinwärts gelegenen Städte der rheinisch-westfälischen Industrie, die niemals schlafen gehen und denen zum Träumen auch keine Zeit gelassen ist.

Abb. 3. Rees.

Es sind nur wenige Städte noch, die den Rhein berühren. Düsseldorf, dann Duisburg und Ruhrort mit ihren gewaltigen Hafenanlagen, Wesel, Rees und Emmerich unterbrechen, aber in großen Abständen, die Stille, die den Fluss begleitet. Sonst aber öffnet sich auf viele, viele Meilen das echte niederrheinische Landschaftsbild. Weite, unabsehbare, stille Weiden. Der Strom, aus dem Prokrustesbette der Rheinberge entlassen, sucht nicht mehr mühsam und eingeengt seinen Weg. Er ist weit und breit geworden und wälzt einsam seine wachsende dunkle Flut dem Meere zu. Kribben, in den Fluss gebaut, und Dämme an den Ufern sollen die unbändigen Wellen zügeln. Denn im Frühjahr, wenn die Schneeschmelze kommt und der Fluss aus der Fülle der Gewässer aus den Bergen unheimlich, lawinenhaft wächst, ist der Damm, auf dem hier und da unter dem Schutz der Pappeln ein vereinsamtes niedriges Bauernhaus Deckung gegen die Stürme sucht (Abb. 4, 6), der letzte Schutz der Ebene. Reißt der Damm, so wird der Strom zum weiten See. Weiden und Bauernhäuser sind verschwunden. Zu Tode gehetzt recken die Kronen der Pappeln ihre dünnen, entlaubten Zweige gespenstig wie Ginstergebüsch und Weidenruten aus dem Wasser heraus. In den Städten quillt in den Stuben das steigende Nass, und in den Straßen rudert die Jugend im Kahn.


Abb. 4. Die Schnellenburg bei Düsseldorf.
Abb. 5. Das Münster in Emmerich.
Abb. 6. Hamm bei Düsseldorf.

Abb. 1. Die Calkumer Mühle.

Abb. 1. Die Calkumer Mühle.

Abb. 2. Zons. Partie am Rheintor, Ansicht von den Rheinwiesen.

Abb. 2. Zons. Partie am Rheintor, Ansicht von den Rheinwiesen.

Abb. 16. Mühle bei Mehr.

Abb. 16. Mühle bei Mehr.

Abb. 19. Xanten. St. Viktor mit der Michaelskapelle. Vgl. Abb 20. und Situationsplan Abb. 21.

Abb. 19. Xanten. St. Viktor mit der Michaelskapelle. Vgl. Abb 20. und Situationsplan Abb. 21.

Abb. 20. Xanten. St. Viktors Dom. Vgl. Situationsplan Abb. 21

Abb. 20. Xanten. St. Viktors Dom. Vgl. Situationsplan Abb. 21

Abb. 31. Cleve. Die Schwanenburg.

Abb. 31. Cleve. Die Schwanenburg.