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Ein charakteristisches Merkmal der Geschichte des Mittelalters ist die Bildung des Städtewesens, das sich nach dem Untergang der hohenstaufischen Macht als Gegengewicht gegen die aufstrebende Macht der Territorialfürstentümer herausgebildet hatte. „Die schönste Blüte deutschen Städtewesens im Mittelalter“ ist die Hanse, die vornehmlich daraus erwachsen war, dass die losen, fast zufälligen Bündnisse kleiner Städtegruppen sich zur Beschützung ihres auswärtigen Handels in eine fest gefügte Organisation vereinigten. Die Hanse ist kein politisch fest gefügtes Bündnis, sondern eine Vereinigung mit aristokratischem Charakter, die ausschließlich im Handel ihren Bestrebungen Zweck und Ziel setzte; sie war eine Handelsaristokratie, deren Mitglieder zur Erreichung individueller Vorteile in gemeinsamer Zusammenarbeit sich vereinigten.

Die Hanse war im Handel und Verkehrsleben Nordeuropas groß geworden, speziell im nördlichen Deutschland, wo die wendischen Städte, an der Spitze Lübeck, Bremen und Hamburg, dank ihrer geographischen Lage zu überragender Bedeutung gelangt waren. In den Winkeln der West- und Ostsee gelegen, waren sie dazu berufen, den Handelsaustausch des Westens mit dem des Nordens und Ostens zu vermitteln. Ihre eigenste Tätigkeit, aus der sie immer wieder neu verjüngende Kraft zogen, war der Zwischenhandel; auf der einen Seite die Naturalien und Rohprodukte des halbkultivierten Ostens, auf der anderen Seite die Erzeugnisse der Industrie, des Gewerbefleißes und des verfeinerten Kulturbedürfnisses der westeuropäischen Welt.


Die Sphäre des hansischen Handelsinteresses umzog die ganze Ost- und Westsee; im Osten breitete sie sich tief nach Polen, Livland und Russland aus, im Westen erstreckte sie sich mit Einschluss von England durch den Kanal an der Küste Frankreichs entlang bis nach Spanien.

In diesem Wirtschaftskomplex hatten sich kleinere Wirtschaftsgebiete herausgebildet. Im Osten das polnisch-baltische mit seiner Abzweigung nach Russland; im Norden das skandinavische, beide mit ausschließlicher Naturalproduktion. Im Westen lag das flandrisch-englische Wirtschaftsgebiet mit seinen Ausläufern nach Frankreich und Spanien, das dem hansischen Handel Produkte industrieller und gewerblicher Art lieferte. Die Grenze zwischen den Gebieten der Naturalproduktion und denen mit gewerblicher Tätigkeit lag im westlichen Winkel der Ostsee, wodurch Lübeck zu einem großartigen Umlageplatz und Mittelpunkt des hansischen Zwischenhandels im nördlichen Europa wurde.

Der hansische Handel des Nordens und Ostens erstreckte sich auf folgende Gegenstände: Aus Russland und Livland holten die Hansen Pelzwerk, Felle, Leder, Talg, Wachs, ferner Honig, Getreide, Hanf und Leinsaat; eingeführt wurden von ihnen Metalle, namentlich Kupfer, Eisen und Blei; ferner Leder, Handschuhe, Pergament, deutsche und flandrische Leinwand, endlich Salz, Met, Bier und Wein. Ein wichtiges Hauptausfuhrprodukt bildete das Getreide, das namentlich Estland über die preußischen Häfen im Tauschhandel gegen Salz lieferte. Die Grundlage des hansisch-skandinavischen Handels bildete der Hering, der unter der Leitung von Lübeck eine eigene hansische Niederlassung mit ausschließlichem Heringsfang und -handel hatte entstehen lassen. Lübeck hielt allgemein die Fäden des hansischen Handels nach Norwegen in der Hand; namentlich mit Bergen, das seinerseits ein zentraler Stapelplatz ganz Norwegens war, stand es in leibhafter Handelsbeziehung, so dass der Handel zwischen den beiden Häfen als Maßstab des hansisch-norwegischen Handels gelten kann. Der hansische Import umfasste deutsches Getreide, Bier, Salz, Leinwand, Werkzeuge; der Export Fische, Tran, Talg, Federn, Schwefel, Bauholz und einheimische grobe Wolltücher — .

Nachdem alle diese Produkte des Nordens und Ostens den Lübecker Stapel passiert hatten, trafen sie auf den Märkten Flanderns auf die Erzeugnisse flandrischen Gewerbefleißes. Bereichert wurden die flandrischen Märkte durch den Zuzug englischer und französischer Waren. Da die Hansen in ihrer ersten Epoche den englischen Markt auf Grund ihrer Monopole und Verträge vollkommen beherrschten, so ging auch der englische Export, der in der Regel in Wolle, Fellen und Metallen bestand, ausschließlich durch ihre Hände. Sie führten dagegen ein: Fische, Rheinwein, Pelzwerk, später auch Getreide. Namentlich England lieferte nach Flandern die Wollwaren, die dort verarbeitet, in Gestalt der berühmten flandrischen Tuche und Leinwand, neben den Erzeugnissen der Schmiede- und Schlosserkunst von den Hansen in Verkehr gebracht wurden. Neben diesem Eigenhandel beherrschten die Hansen auch den ganzen flandrischen Zwischenhandel, der neben den nordischen Produkten aus Deutschland Wein, Getreide, Farbstoffe, Wollwaren, Flachs, Hanf und Fleisch umfasste.

Eine eigentümliche Stellung nimmt Frankreich ein; sein Handel mit der Hanse beschränkte sich ausschließlich auf den Export von Salz und Wein und zwar in solcher Ausdehnung, das er dem modernen Großhandel beinahe ebenbürtig an die Seite gestellt werden kann.

Dieser hansische Weinhandel soll im folgenden in den Kreis einer näheren Betrachtung gezogen werden. Die Quellen über den internationalen Weinhandel der Hansen fließen nicht reichlich; man ist, abgesehen von dem im Hansischen Urkundenbuch zusammengetragenen Material, das sich aus Verleihungen, Geleitsbriefen, Zollvorschriften und Stadtrechnungen zusammensetzt, lediglich auf die Schadenverzeichnisse der Hansen in den Hanserezessen angewiesen. — Doch auch hier sind die Angaben oft sehr ungenau; die Heimat der Schiffe ist meistenteils noch angegeben, doch fehlen Bemerkungen über Größe der Weintransporte und Arten der Weine sehr oft. Erschwerend für das Verständnis wirken auch die verschiedenen Maß- und Gewichtseinheiten. Die am meisten vorkommenden Maße und Gewichte sind die folgenden:

Die größte Maßeinheit war die Last; sie wurde bei den verschiedensten Gegenständen angewandt; in Reval bei allen Arten Naturalien, dann vor allem bei Getreide, Hopfen und Salz.

Die Last zerfiel in Tonnen, und zwar rechnete man die große Last zu 24 Tonnen und die kleine Last zu 11 Tonnen. Wie sich das Fass zur Tonne verhielt, lässt sich nicht feststellen; beim Fass unterschied man Ohmfass und Stückfass. Tonnen und Fässer wurden nicht allein für Flüssigkeiten und Lebensmittel, wie Salz und Hering, benutzt, sondern man gebrauchte sie auch zum Transport von Metallen. Auf ein Fass gingen 2 Pipen oder 2 Bote. Allgemein lassen sich die größeren Maße, wie folgt feststellen:

1 Last (groß) = 24 Tonnen;
1 Last (klein) = 11 Tonnen;
1 Fass = 2 Pipen = 2 Bote;
1 Fuder = 8 Pipen;

In den kleineren Maßen treten häufig lokale Verschiedenheiten auf. In Danzig rechnete man:

2 Fuder = 8 Oxhoft = 12 Ohm = 1320 Stof. In Hamburg, Lübeck s):
1 Fuder =: 6 Ohm = 24 Anker ;
1 Fuder = 6 Ohm = 240 Stübchen (Stof).

Ohm und Stübchen sind die Weinmaße des kleinen Weinverkehrs; diese Bezeichnungen werden nur beim Wein gebraucht. — Das Ohm wurde in dem Bruchteil von 1/50 „Gelte“ genannt, während 14 1/2Ohm in einer „Roede“ zusammengefasst wurden.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Weinhandel im Gebiete der Hanse im Mittelalter