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Der Landtag zu Königsberg und die Errichtung der Landwehr. 1812

Nr. 8. Aus den Zeiten der schweren Not.
Autor: Pflug, Ferdinand, Erscheinungsjahr: 1863
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Wir stehen am Anfang eines Jahres, das durch die Reihe seiner weltgeschichtlichen fünfzigjährigen Jubiläen für Deutschland hohe Bedeutung hat, und wir beginnen hiermit diese Feste, indem wir die Erinnerung an die erste große Tat des deutschen Volksgeistes im Siegesjahre 1813 feiern, denn als der bedeutendste, der eigentlich entscheidende und bestimmende Moment in der Bewegung von 1813 muss unbedingt die Errichtung der preußischen Landwehr erachtet werden. Es datiert diese folgenschwere Handlung indes nicht erst vom 17. März, dem Erlass der königlichen Ordre hierüber, sondern bereits vom 5. Febr. des genannten Jahres, dem Tage, wo zu Königsberg die Ständeversammlung der Provinzen Ostpreußen und Litthauen, im Verein mit den Repräsentanten der Teile von Westpreußen diesseits der Weichsel, aus eigner Machtvollkommenheit und allein getragen von dem gewaltigen, diese herrliche Zeit belebenden und befruchtenden Geiste, die Aufstellung einer Landwehr für die gedachten Landestheile beschloß und unter der Dringlichkeit der Umstände die Ausführung dieser großen Maßregel sofort auch selbsttätig in die Hand nahm. Ohne diesen entscheidenden Schritt würde einerseits sicher der durch die Tat York’s zu Tauroggen unvermeidlich gewordene Krieg Preußens gegen Frankreich einmal nie in dem Maße, als dies wirklich geschah, ein Volkskrieg geworden sein, und zweitens würde andererseits noch viel unzweifelhafter die preußische Landwehr, wenn sie überhaupt ins Leben getreten wäre, doch nur geworden sein, was auch die österreichische Landwehr des Jahres 1809 und die russische des Jahres 1812 gewesen sind, ein Zuwachs des stehenden Heeres an einer Miliztruppe von, bei der mangelhaften Ausrüstung und geringen Vorübung derselben, sehr zweifelhaftem militärischen Werte. So jedoch, unter der naturgemäßen Rückwirkung jenes merkwürdigen Ereignisses, ward sie mehr, ward sie der wenn auch noch halb unbewusste Ausdruck der in dem Volke wachgerufenen eigensten und innersten Kraft und damit in des Wortes vollster und unmittelbarster Bedeutung eine Volkswehr. Was jene alte preußische Landwehr so weit über alle ähnlichen Erscheinungen ihrer Zeit emporhob, wie nicht minder, was von den ersten Tagen ihrer Errichtung ab die Staatskünstler der alten Schule und die Männer des absoluten Regiments mit geheimem Misstrauen und schlecht verhehlter Besorgnis wider dieselbe erfüllte, es muss zunächst und vor allen Dingen auf diesen ihren Ursprung zurückgeleitet werden.

Seltsam genug ist in dem gegenwärtigen Streit der Parteien für und wider die neue preußische Armeeorganisation, d. i. der wesentlichen Bedeutung nach, in dem Streite für das auf die Landwehr gestützte Volksheer, oder eine stehende Armee nach dem neueren französischen Zuschnitt, noch kaum von jenem erwähnten großen Ereignis die Rede gewesen. Dasselbe wird, wenn es hoch kommt, einfach als der Geschichte angehörig betrachtet, während es tatsächlich doch noch lebendig fort und fort wirkt, während eigentlich beinahe alle Fäden des neueren preußischen Staatslebens in ihm anknüpfen und auf dasselbe zurückleiten, und, was wichtiger als dies Alles, während nur auf die durch dasselbe begründeten großen militärischen Grundsätze zurückgegangen zu werden braucht, um für die angestrebte Wehrverfassung des neueren freiheitlichen Staats die bis dahin noch vergeblich gesuchten Formeln und eine nur des weiteren Ausbaus bedürfende Grundlage zu finden.

Es war eine verworrene, schicksalsschwere, eiserne Zeit, der die preußische Landwehr ihre Entstehung verdankt, und selten mag ein Staat sich in einer bedrohteren Lage befunden haben, als diejenige war, welche zu diesem Zeitpunkte Preußen verstrickt hielt. Anfang Sommer 1812 hatte Napoleon I. mit einem Heere, wie es seit den Zeiten des Altertums und der Kreuzzüge zahlreicher und kriegsgerüsteter die Erde noch nicht gesehen, seinen Zug gegen Russland angetreten, Angesichts der Gefahr aber, von der Wucht dieser sich heranwälzenden Riesenmacht erdrückt zu werden, hatte die preußische Regierung keinen besseren Ausweg zu finden gewusst, als mit dem gewaltigen französischen Schlachtenkaiser auf dessen Bedingungen hin ein Bündnis abschließen und 20,000 Mann, nahezu die Hälfte der ihr nach dem Frieden von Tilsit noch verbliebenen Waffenmacht, zu dessen Heere stoßen zu lassen. Es blieb keinesfalls zu verkennen, daß für Preußen mit diesem Schritt auch die letzte Möglichkeit, wenigstens des preußischen Namens würdig zu enden, als verschwunden erachtet werden mußte, und daß, wenn es Napoleon gelang, Russland niederzuwerfen, das fernere Schicksal und die Entscheidung über die Existenz des preußischen Staats bedingungslos in die Hand dieses einen Mannes gelegt waren. Bei der bekannten, gleichsam ahnungsvollen Abneigung des französischen Kaisers gegen Preußen konnte überdies über den Ausfall der Entscheidung desselben in einem solchen Falle schwerlich der geringste Zweifel obwalten.

Ehre und Pflicht hätten bei der so gestalteten Lage der Dinge wohl zum Einschlagen des gerade entgegengesetzten Weges raten sollen, ja, es blieb unter den obwaltenden Verhältnissen hier eigentlich gar keine Wahl, als, gestützt auf Russland, den Kampf um Sein oder Nichtsein wider die französische Uebermacht aufzunehmen. Indess die Männer, welche unmittelbar nach dem Unglückskriege von 1806 und 1807 den Wiederaufbau des durch denselben zertrümmerten preußischen Staats mit so kräftiger Hand aufgegriffen hatten und die einen derartigen Entschluss wohl jener schwachmütigen Unterwerfung vorgezogen haben würden, befanden sich längst nicht mehr in der Lage, ihren Einfluss hierfür geltend zu machen. Stein, der große, freisinnige Staatsmann, war seit 1810 bereits in der Leitung der Staatsgeschäfte durch Hardenberg ersetzt worden und schließlich, geächtet von dem französischen Kaiser und verlassen von denen, die ihn hätten stützen sollen, nach Russland entwichen, um von dort aus für seine Lebensaufgabe, die Befreiung Deutschlands vom fremden Joche, zu wirken. Scharnhorst, der tiefe Denker auf militärischem Gebiet, besaß seit dem gleichen Zeitraume kaum mehr als eine beratende Stimme in der Umgebung Friedrich Wilhelm’s III.; selbst Blücher, der kühne Feuergeist, hatte eben erst dem französischen Einflusse weichen müssen.

Dieser schlimme Einfluss erhob täglich kühner sein Haupt und fand eine mächtige Stütze in den Feudalen, welche durch die seit 1808 angetretenen innern Reformen, ganz wie auch heute wieder, zu der blindesten und maßlosesten Opposition angestachelt, nur den einen Zweck verfolgten, wie sie redlich beigetragen, den Urheber dieser ihnen widerwärtigen Richtung, Stein, zu stürzen, jetzt auch dessen Nachfolger, Hardenberg, der die Reformen desselben größtenteils aufgenommen, zum Fall zu bringen. Kaum daß dieser letzte bedeutende Mann und seine wenigen Anhänger sich wider die unablässig gegen sie angesponnenen Intriguen noch in ihren Stellungen zu behaupten vermochten. Der König endlich, langsam im Entschluss und seinem ganzen innersten Wesen nach mehr zum Festhalten an dem Alten und Bestehenden hinneigend, schwankte zwischen den ihn bestürmenden Ansichten hin und wieder. Wo hätte da ein Aufraffen zu einer so großen Handlungsweise, wie die entschlossene Aufnahme eines letzten Entscheidungskampfes, wohl Platz greifen sollen?

Der Eindruck, welchen jene Entschließung zu einem Zusammengehen mit Frankreich auf die preußische Nation und Armee hervorbrachte, konnte in der Tat für nicht viel besser als der Anfang einer völligen Auflösung betrachtet werden. Gegen 600 Officiere, darunter Männer wie Pfuel, Clausewitz, der jüngere Dohna u. A., quittierten den preußischen Dienst und gingen größtenteils nach Russland, um unter russischer Fahne den gehassten Landesfeind zu bekämpfen. Das Volk, das unter dem unerträglichen Druck der Fremdherrschaft eben noch zu den schwersten Opfern bereit gewesen war, sank mit dieser getroffenen Entscheidung in eine dumpfe Lethargie zurück. Auch die Hoffnungsreichsten begannen jetzt an der Zukunft des Vaterlandes zu verzweifeln.

Und dennoch sollte gerade aus diesen anscheinend hoffnungslosen Zuständen die Rettung keimen, und jene schwächliche Eintagspolitik sich als der Angelpunkt einer neuen Zeit erweisen. Napoleon hatte in Russland sein „Bis hierher und nicht weiter“ gefunden, sein ungeheures Heer war auf dem unbegrenzten Raum dieses weiten Reichs dem Mangel, den Waffen des Feindes und den Schrecken des nordischen Winters erlegen, nur jammervolle Trümmer desselben vermochten sich über den Niemen zu retten. Bei alledem wäre der französische Kaiser jedoch wohl im Stande gewesen, diesen Fehlschlag wieder einzubringen und, gestützt auf die unerschöpflichen Hilfsquellen der ihm unterworfenen oder verbündeten Staaten, im nächsten Jahre mit einem neuen, vielleicht noch stärkeren Heere abermals gegen Russland aufzutreten, wofern nicht ein sich dieser großen Katastrophe anschließendes und aus derselben entwickelndes Ereignis plötzlich und unverhofft die Geschicke der Welt in neue Bahnen gelenkt hätte.

Das kleine, der großen französischen Armee beigegebene preußische Corps hatte einen Theil des von dem französischen Marschall Macdonald befehligten und gegen Riga operierenden französischen Corps gebildet. Bei dem Vormarsch der französischen Hauptmacht gegen Moskau blieb dies Letztere somit gleichsam als deren am weitesten nach rückwärts und links vorgeschobener Seitenposten zu erachten, und es folgte daraus, daß es auch am spätesten erst von dem nachherigen Rückzuge jener mit ergriffen werden konnte. Alles hing für die Franzosen davon ab, die Russen wenigstens am Niemen aufzuhalten, und das noch in ziemlich gutem Zustande befindliche preußische Corps sollte hierzu die Rückendeckung derselben übernehmen. Der Führer dieses indes, der General York, statt die ihm zugefallene Aufgabe zu erfüllen, trat eigenmächtig mit dem verfolgenden Feinde in Unterhandlung und schloss mit demselben jene weltgeschichtliche Convention von Tauroggen, wodurch die preußische Abtheilung sich zwar noch nicht völlig den Russen anschloss, aber doch, unter dem Vorbehalt der späteren Entscheidung ihres Königs über ihre Bestimmung, ihre Sache von der der Franzosen trennte. Die Folge dieses Schritts äußerte sich zunächst gleich darin, daß die Letzteren vor den nunmehr ungehindert über die preußische Grenze vordringenden Russen bis hinter die Weichsel zurückweichen mußten und daß ihnen so gleichsam im ersten Anlauf die ganze Provinz Preußen verloren ging. Eine weitere und noch viel bedeutsamere Folge war jedoch noch, daß mit der Kunde von jener Tat plötzlich, gleich einem elektrischen Schlag, die ganze preußische und deutsche Nation der Gedanke durchzuckte: jetzt oder nie sei der Moment der Befreiung von den fremden Drängern erschienen. Es bedurfte nur noch des zündenden Funkens, um die in allen Herzen aufzuckende Hoffnung und Erwartung zur lichten Flamme der Begeisterung zusammenschlagen zu machen.

Ganz anders ward freilich die Kunde jenes Ereignisses in den Berliner Hofkreisen aufgenommen. Man glaubte sich dort in der ersten Bestürzung nur durch verdoppelte Unterwürfigkeit gegen Napoleon retten zu können. York ward seines Kommandos entsetzt und vor ein Kriegsgericht verwiesen. Allmählich brach sich jedoch auch hier dem gegenüber die Überzeugung der Verständigen und Einsichtsvollen Bahn, daß alle die gemachten Anerbietungen den französischen Kaiser nicht versöhnen würden, und daß der Kampf um die Existenz Preußens nunmehr unbedingt gewagt werden müsse. Der König ging nach Breslau, Unterhandlungen mit Russland wurden eingeleitet.

An eine rasche Förderung der Sache durfte bei alledem noch immer nicht gedacht werden, Zweifel und Bedenken gegen eine derartige Entscheidung machten sich vielmehr fortgesetzt von Neuem geltend. Auch ist auf die besondere Schwierigkeit der Lage schon gleich zu Eingang Bezug genommen worden. Soviel Napoleon in Russland auch verloren haben mochte, so blieben seine Hilfsmittel doch groß genug, um binnen Kurzem die erlittenen Verluste mehr als zu ersetzen, andrerseits aber durfte jedenfalls mit Bestimmtheit angenommen werden, daß auch die Russen aus dem furchtbaren Streit des vorigen Jahres aufs Äußerste geschwächt hervorgegangen sein würden. Auf Österreich konnte, wenigstens für’s Erste, schwerlich gezählt werden, die gesammten Fürsten des übrigen Deutschlands dagegen waren durch den Rheinbund an Frankreich gefesselt. Polen, im Rücken des preußischen Staats, stand ebenfalls auf französischer Seite. Beinahe das ganze Land und sieben von dessen Hauptfestungen befanden sich überdies augenblicklich noch vom Feinde besetzt. Die Theilnahme der eignen Nation an dem Befreiungswerke und deren Leistungsfähigkeit ließen sich endlich aus Mangel an jedem Maßstabe dafür noch gar nicht ermessen. Der ganz unbestimmt gehaltene Aufruf der Freiwilligen vom 3. Februar 1813 war gleichsam ein erster Fühler, wie viel man von dieser Richtung etwa erwarten durfte.

Früher hatte man jedoch schon in Königsberg seinen Entschluss genommen. York begriff, daß er nicht auf halbem Wege stehen bleiben konnte. Im Anschluss an die russischen Truppen war er mit seinem Corps ebenfalls in Preußen eingerückt. Doch die vielleicht gehoffte Erhebung des Volkes blieb aus; es liegt, oder es lag damals wenigstens doch noch in diesem norddeutschen Stamme ein zu soldatisches Element, als daß die Angehörigen desselben ohne höhere Autorisation dazu auch auf den gehasstesten Feind hätten losschlagen sollen. Noch stand York, mit der ausschließlichen Verantwortlichkeit für seine Tat belastet, allein; er wusste bereits, was gegen ihn in Berlin beschlossen worden war, und wofern er sich nicht rettungslos verloren geben wollte, blieb ihm kein Ausweg weiter, als durch einen zweiten großen Schritt das ganze Land zur Theilnahme an seiner Handlung zu bestimmen und so die unschlüssige Regierung halb mit Gewalt zu einem gleicherweise entschlossenen Vorgehen gegen Frankreich mit sich fortzureißen.

Es bleibt indes zweifelhaft, ob York seinerseits so leicht dieser zwingenden Notwendigkeit des Handelns nachgegeben haben würde. Er ist eine jener dunklen Erscheinungen der Geschichte. Verschlossen, wortkarg, abstoßend, ein abgesagter Feind aller irgendwie idealen Pläne und Bestrebungen, galt er während der Periode von 1808 bis 1812 zwar für einen eben so fähigen und braven Offizier, als glühenden Patrioten, aber andrerseits doch auch für einen der unbedingtesten Anhänger der nur eine Varietät des Junkertums bildenden exklusiven Militärpartei. Es muss noch heute fast unerklärlich erachtet werden, daß gerade ein solcher Mann bei seinen fest normi3rten Grundsätzen sich, soweit erkennbar, allein aus sich selbst heraus zu einer so außergewöhnlichen Handlungsweise wie dort zu Tauroggen aufschwingen konnte.

Sein scharfer Verstand und seine rücksichtslose Energie mußten ihn von hierab freilich weiter führen, und überdies war ihm auch bereits ein Anderer bestimmend, anregend, fördernd zur Seite getreten.

Dieser war Stein, der in Begleitung der russischen Heere den deutschen Boden wieder betreten und sofort das Befreiungswerk in die Hand genommen hatte. Mit einer fast unumschränkten Vollmacht des Kaisers Alexander von Russland erschien derselbe nach einer vorherigen Rücksprache mit dem einflussreichen und ihm geistesverwandten Regierungspräsidenten von Litthauen, von Schön, zu Insterburg , am 21. Januar in Königsberg.

Der Plan des großen Mannes zielte auf nichts Geringeres, als in einer Landwehr und dem Landsturm die gesamte Wehrkraft der Nation zum Kampfe aufzubieten. Der Entwurf zur Errichtung einer solchen war von Scharnhorst bereits 1808 dem Könige Friedrich Wilhelm III. untergebreitet, allein nach einer anfänglich sehr günstigen Aufnahme von Seiten dieses Monarchen später doch als bis auf Weiteres unausführbar mit so manchen anderen Reformprojekten wieder zur Seite gelegt worden. Stein hatte diesen damals unter seinen Augen und mit seiner Zustimmung entstandenen Entwurf jetzt wieder aufgenommen, und die 1809 zum ersten Mal versammelt gewesene und seitdem in einem Ausschuss noch fortbestehende Ständeversammlung der Provinz sollte demselben die gesetzliche Sanktion erteilen.

York ging auf den letzten oder eigentlich den ersten Theil dieses Vorhabens, die Berufung der Ständeversammlung zur Erwägung der Mittel des Widerstandes gegen den Feind, freudigst ein, von der Errichtung einer Landwehr zu diesem Zweck war er dagegen, um seiner streng geschulten militärischen Richtung willen, immer ein prinzipieller Gegner gewesen. Und dennoch bekleidete der General seit Anfang 1812 die ihm Ausgang desselben Jahres nochmals bestätigte Stellung als Militärgouverneur der Provinz Preußen, und auf seine Entscheidung hierüber mußte deshalb der Gang der Verhandlungen jedenfalls zuletzt zurückführen. Auch nach anderen Richtungen gab es noch unendliche Weitläufigkeiten und Schwierigkeiten zu beseitigen. Namentlich veranlasste die zeitige Stellung Stein’s in russischen Diensten und die demselben vom Kaiser Alexander I. erteilte Vollmacht ein schwer zu bewältigendes Hindernis, da die patriotischen preußischen Männer um jeden Preis auch nur den entfernten Anschein, bei ihrem Entschluss von Russland beeinflusst zu sein, zu vermeiden wünschten.

Als eine besondere Gunst des Zufalls mußte jetzt gelten, daß eine der Hauptbestrebungen der Junker und Franzosenfreunde in Berlin vordem darauf gerichtet gewesen war, die Männer der entschiedenen Aktionspartei, welche sie nicht unmittelbar zu stürzen vermochten, mindestens doch in der einen oder andern Weise in die entlegenen Provinzen zu entfernen, um so für den Verfolg ihrer eignen Pläne und Absichten in der Hauptstadt desto freieren Spielraum zu gewinnen. Ein gleich günstiges Geschick wollte, daß mehrere der bedeutendsten Männer derselben Partei, die, verzweifelnd an den eignen preußischen Zuständen oder verfolgt von den französischen Schergen, in Russland eine Zuflucht oder einen neuen Wirkungskreis gesucht hatten, in Anlass des jetzigen Umschwungs der Dinge, mit diesem Moment in Königsberg wieder zusammengetroffen waren. Der Graf Alexander von Dohna-Schlobitten, einst neben und mit Stein Minister des Innern, gehörte zu den Ersteren, Moritz Arndt, der mit dem Letztgenannten gekommen war und auf denselben den größten Einfluss ausübte, wie Clausewitz zählten zu den Letzteren. Dieser, der spätere große Militärschriftsteller und befähigtste Schüler Scharnhorst’s, wie dessen Hauptgehilfe namentlich auch bei Ausarbeitung des Landwehr-Entwurfs, übernahm es, diesen Entwurf zur unmittelbaren praktischen Ausführung vorzubereiten und zugleich York, mit dem er als einer der russischen Unterhändler bereits zu Tauroggen in vertrautere Beziehungen getreten war, demselben günstig zu stimmen. Der schon erwähnte und von York hochgeachtete Regierungspräsident v. Schön, der ebenfalls nach Königsberg gekommen, unterstützte ihn hierin, während Moritz Arndt sich bemühte, das Schroffe und Herbe in dem Charakter Stein’s tunlichst auszugleichen und denselben den anderweitig aufgestellten Forderungen nachgiebig zu stimmen. Dohna endlich hatte als schwierigste Aufgabe die Vertretung des gefassten Plans in der Versammlung übernommen. Wo jene, die eigentlichen Urheber desselben, kraft ihrer eigentümlichen Stellung nicht unmittelbar handelnd eintreten konnten, wollte er sie ersetzend und ergänzend eintreten. Alles war so vorbereitet. York gab nach, Stein trat in die bescheidene zweite Reihe zurück. Bereits am 23. Januar ward der Landtag unter Hinzuziehung auch der Deputierten der westpreußischen Kreise diesseits der Weichsel auf den 5. Februar nach Königsberg ausgeschrieben.

Der große Tag war endlich erschienen. York, von einer Deputation in die Versammlung abgeholt, sprach für die Errichtung einer Landwehr. Der ganze Mann, eisern, fest, klar und selbstbewusst im Wollen und Vollbringen, klang aus seinen Worten wieder. Hingerissen von stürmischer Begeisterung schlugen alle Herzen ihm entgegen. Glücklich warf Dohna den von Clausewitz bearbeiteten und von ihm selber den Umständen noch mehr angepassten Landwehr-Entwurf in den bewegten Moment hinein. Es gab hier kein dissentirendes Votum mehr, die Aufstellung von 30,000 Mann Landwehr Seitens der Provinz, 20,000 davon in erster Reihe, 10,000 in Reserve, ward tatsächlich schon an diesem ersten Tage entschieden.

Zuvor jedoch, und das ehrt diese Männer noch mehr, hatten sie auch den Schatten einer russischen Beeinflussung von ihren Berathungen und Beschlussfassungen zu entfernen gewusst. Ein unmittelbar deutsches Werk sollte die neue große Schöpfung aus ihrem freien und selbständigen Entschluss hervorgehen. Nur mit York, dem zeitigen Militär-Gouverneur der Provinz, wollten sie über den Entwurf dazu unterhandeln, nur auf dessen Autorität ihre Entscheidung begründen. Das dieser, wie die Berliner Zeitungen bereits unterm 9. Januar berichtet hatten, sich gegenwärtig seines Kommandos entsetzt befand, galt ihnen dabei nicht. Der Bote, welcher die Entsetzungsorder an den General überbringen sollte, Major Natzmer, war hiermit an der Weichsel von den russischen Posten aufgehalten und zurückgewiesen worden, und York befand sich deshalb nach der Auffassung der Versammlung auch noch in der vollkommen rechtlichen Ausübung der ihm übertragenen Militärstellung. Diese Auslegung mochte angezweifelt werden, tatsächlich hatten die Stände mit derselben unbedingt das Gebiet des durchaus eigenmächtigen Handelns betreten. Der günstige Umstand, daß sich momentan der Osten der Monarchie durch die Kriegsoperationen der Russen gegen die sich notdürftig noch zwischen der Weichsel und Oder behauptenden französischen Abteilungen von dem Westen so gut wie abgeschnitten befand, und die Erhebung des Augenblicks ließen dies bedenkliche Verhältnis jedoch kaum in einigen vereinzelten Andeutungen durchklingen. Der Bann des Herkömmlichen und Gewöhnlichen war durch den einmal entfesselten Strom gewaltsam durchbrochen worden, die Erregung der Gemüter wogte zu voll und schwer, als daß die Dämme der staatlichen Ordnung nicht davon hätten überflutet werden sollen.

Die Leiter der Bewegung kannten jedoch aus eigner trüber Erfahrung den schleppenden Verlauf der Dinge in Berlin und, da die eigentlich bestimmenden Persönlichkeiten größtenteils dieselben geblieben waren, zweifelsohne jetzt auch noch in Breslau zu gut, um die Verwirklichung und Durchführung des einmal in die Hand genommenen Werks den widerstreitenden und schwächlichen Einflüssen dort überlassen zu sollen. Eine vollendete, durch nichts mehr zu ändernde, zu beseitigende Thatsache mußte die Errichtung der Landwehr vor jene Männer hintreten, um deren endlicher Zustimmung und der Übertragung derselben Einrichtung auch auf die anderen Provinzen des Staats gewiss sein zu dürfen.

Stein, der den Volkskrieg entzünden wollte, und Clausewitz, der die erhöhte militärische Brauchbarkeit der neuen Volkstruppen hierbei zunächst ins Auge fasste, trafen außerdem auch noch in einem andern wichtigen Punkt zusammen. Beide hatten 1812 die russische Landwehr und deren geringe Wirksamkeit zu beobachten Gelegenheit gehabt, der Scharfblick dieser hellsehenden Geister aber begriff zu schnell und sicher, als daß ihnen die ängstlich genaue Einfügung dieser Landwehren in das stehende Linienheer als die Ursache der auffälligen Schwäche derselben hätte verborgen bleiben sollen. Der vom Pfluge weggerissene Bauer wird immer neben dem altgeschulten Soldaten nur eine traurige Rolle zu spielen vermögen, doch der zur Verteidigung von Haus und Herd, zum Schutze seines Vaterlandes aufgerufene freie Mann wird, was ihm an Übung gegen den Berufssoldaten abgeht, durch verdoppelten Eifer, durch die ihn beseelenden geistigen Potenzen ersetzend, jenen sehr bald überbieten, oder sich ihm doch mindestens vollkommen ebenbürtig zur Seite stellen. Das war der große Grundgedanke, den Scharnhorst bei seinem ersten Landwehr-Entwurf schon, wenn auch nur dunkel, vorempfunden hatte und der bei der tatsächlichen Inslebenrufung der preußischen Landwehr nach der zusammentreffenden Idee der genannten Beiden nunmehr verwirklicht werden sollte.

Es geschah in diesem Sinne, wenn sich in Clausewitz’s Entwurf die Landwehr in allen Einzelheiten auf die Gemeinde und den Kreis zurückgeführt und aus diesem entwickelt befand. Die Züge, Compagnien und Bataillone derselben sollten sich möglichst immer aus den Mannschaften der gleichen Orte, Gemeinden und Kreise zusammengesetzt finden. Eben diese Letzteren trugen die Kosten der ersten Ausrüstung ihrer Landwehrleute, wie denn auch der Unterhalt derselben bis zu deren Ausmarsch ins Feld ihnen zur Last fiel. Wer durch körperliche Gebrechen oder sonstige Umstände sich von der Theilnahme am Landwehrdienst befreit fand, sollte nach seiner Vermögenslage zur Aufbringung der zu dem Rüstungswerk nöthigen Gelder um desto höher besteuert werden. Pflichtig für den Dienst der Landwehr war die ganze nicht schon dem stehenden Heere oder dessen Reserve angehörige wehrbare Mannschaft vom 20. bis 40. Jahre; bei der nur aufzubringenden genau normierten Zahl entschied indes über die eigentliche Einstellung das Loos, wofern die Quote der von den einzelnen Orten aufzubringenden Landwehrleute nicht auch ohnehin schon durch freiwillige Gestellung aufgebracht werden konnte. Die Offizierstellen endlich wurden bis zum Major aufwärts durch Wahl der eigenen Mannschaft besetzt, nur die Ernennungen für die höheren Stellungen blieben der Entscheidung des Königs vorbehalten. Der tatsächliche Begriff war hier der speziellen Bezeichnung lange vorausgeeilt. Dieser Entwurf enthielt genau das, was wir heute unter dem Namen der Volkswehr erstreben.

Dohna hatte im Großen und Ganzen diese Grundsätze auch in seine der Versammlung unterbreitete Landwehrvorlage aufgenommen. Einstimmig erfolgte die Annahme derselben. Die Tage bis zum 9. Februar, dem Schluss dieser denkwürdigen Sitzung, beschäftigte man sich nur noch mit den Anordnungen zur schleunigen Ausführung der gefassten Beschlüsse. Eine eigene in Permanenz verbleibende Landwehr-Kommission ward eingesetzt, die nötigen Geschäfte in die Hand zu nehmen und so schnell als möglich zu Ende zu führen. Der Major Graf Dohna erhielt den Auftrag, nach Breslau zu reisen, um nachträglich für das Geschehene die Sanktion des Königs einzuholen.

Große, herrliche, ruhmvolle Zeit! Jetzt war der Boden bereitet und der Moment zum Handeln für das Volk eingetreten. Der Volkskrieg, den Stein mit der Errichtung der Landmehr entzünden gewollt, er war da - geharnischt, gerüstet, wie einst die Minerva dem Haupte Jupiters entstiegen, hatte dieser große Gedanke mit seiner eignen Verwirklichung den Volks-, den heiligen Krieg fertig, abgeschlossen aus sich hervortreten lassen. Alles dachte, handelte, lebte nur für den Krieg. Wer zählt die hehren Beispiele von des Altertums würdiger Vaterlandsliebe, welche, die Lohe der Begeisterung, immer weiter tragend, jeder Tag neu erzeugte? Von den Ständemitgliedern, welche, der alte Graf Dohna unter den Ersten, nach kaum beendeter Beratung eilten, die Ständeuniform mit dem einfachen Landwehrrock zu vertauschen, bis zu der Bettlerin von Lyck, die ihr einziges Hemde dem Vaterlande darbrachte; in Angerburg, wo, der Bürgermeister Mey voran, die ganze wehrhafte Bevölkerung des Orts mit jubelndem Ruf sich zur Landwehr stellte, und im Dorf Lorquitten, wo der Streit über die Ehre, zum Waffendienst zugezogen zu werden, fast zu blutigen Händeln geführt hätte; von den unbärtigen Knaben, die nicht abließen, zu bitten und zu betteln, in die Reihe der Vaterlandsverteidiger aufgenommen zu werden, bis zu dem 75jährigen Invaliden Radzkowsky und dem 72jährigen Lieutenant Seitz, welche Beide, Allen später im Kampfe vorleuchtend, sich unter den Besten das eiserne Kreuz verdienten: überall derselbe hochherzige, vor keinem Opfer zurückschreckende Geist. überall das innigste, stolzbewusste Zusammenwirken zu dem einen, Allen gemeinsamen Zweck, der Befreiung des Vaterlandes.

Es gab kein Halten, kein Deuteln mehr, vor der Wucht dieser Thatsachen mußten alle Bedenken schwinden. Unterm 17. März ward endlich zu Breslau auch die Ordre zur Errichtung der Landwehr in den übrigen preußischen Provinzen ausgegeben.

Die bei der ostpreußischen Landwehr einmal fest normierten Grundsätze hatten unter der zwingenden Gewalt der Verhältnisse dabei fast unverändert in die Bestimmungen auch über diese Neubildung aufgenommen werden müssen, und die Resultate der Wehrbarmachung des Volks entsprachen vollkommen den von deren Urhebern dabei ins Auge gefassten Erwartungen. Die Geschichte der Landwehr in den Jahren 1813 bis 1815 ist von dem ersten bis zum letzten Blatt derselben eine Geschichte voll Ruhm und Sieg, voll freudiger Hingebung und glänzender Erfolge. Wenn neuerdings in tendenziöser Weise die Tage von Kulm, von Goldberg und Löwenberg als Beweise gegen die Kriegstüchtigkeit der Landwehr geltend gemacht worden sind, so waren es dort doch ausschließlich nur die weit überwiegend aus den der polnischen Nationalität angehörigen oberschlesischen Mannschaften zusammengesetzten schlesischen Landwehr-Regimenter, welche teilweise versagten, und wenigstens an dem erstgenannten Tage haben die neben denselben fechtenden alten Linien-Regimenter vor denselben keinen Vorzug bewiesen. Die den rein deutschen Provinzen des preußischen Staats angehörigen Landwehren sind wohl bei Rheims einmal vom Feinde überfallen, aber im ganzen Verlauf des Krieges von demselben nie besiegt, nie geschlagen worden.

Indes es lag in der Natur der Verhältnisse begründet, daß mit dem Sieg selbst auch für die Landwehrverfassung ein Rückschlag eintreten mußte. Das preußische Volk war noch zu wenig politisch entwickelt, um die Gewähr, welche es in derselben für die künftige freie Gestaltung seines Staatslebens besaß, mit eifersüchtiger Sorge hüten zu sollen. Wo hätten in dem Lande, das, neben der freisinnigsten Wehrverfassung der Welt, noch keine regelmäßige Volksvertretung besaß, auch die Organe zum Schutz und zur Behauptung jener gefunden werden sollen? - In dem Grade, als die endliche Niederlage Napoleon’s sich immer unzweifelhafter herausstellte, traten auch die Anzeichen der wiedererstarkten Richtung gegen diese neue Schöpfung immer bestimmter hervor, und mit dem gegenwärtig so häufig angezogenen Gesetz vom 3. September 1814 ward der Landwehr durch den Wegfall der für die ursprüngliche Fassung dieses Instituts so wichtigen Anlehnung an die Gemeinden und Kreise, wie mit der tatsächlichen Beseitigung der freien Wahl der Führer bereits der bisherige Charakter einer Volkswehr entzogen und sie an dessen Statt in eine Reserve des stehenden Heeres umgewandelt. Im Gegensatz zu den sechs Wochen, welche Scharnhorst bei dem von ihm zur vorbereitenden Verstärkung der Armee von 1808 bis 1813 in Anwendung gesetzten Krümpersystem für die militärische Ausbildung der jungen Mannschaften ausreichend erachtet hatte, wurde jetzt die aktive Dienstzeit auf drei Jahre normiert; es galt eben vor Allem durch Eingewöhnung in eine nach dem alten Zuschnitt gemodelte Disziplin und Subordination das neue Volksheer ebenso unbedingt in die Hand der Regierung zu bringen, als dies mit dem früheren stehenden Werbeheere nur je der Fall gewesen war. Dennoch aber bleibt das erwähnte Gesetz unendlich wichtig für den gegenwärtigen Streit, sein Ursprung lag jener großen Zeit von 1813 doch noch zu nahe, als daß der in dieser wirksame freie Geist sich in demselben nicht hätte wiederspiegeln sollen. Nur den eigentlichen Schwerpunkt dieses Gesetzes gilt es genau zu erkennen und unverrückt festzuhalten, und dieser liegt in der Landwehr begründet. Die zweijährige Dienstzeit, in welcher sich der erwähnte Streit mehr und mehr zu konzentrieren droht, kann gegen die allseitige unbedingte Wichtigkeit jener jedenfalls nur eine in die zweite Reihe zurücktretende Bedeutung beanspruchen. Das, was die Landwehr war, was sie sein soll, dafür bleiben freilich die Normen in jener alten, einstigen Landwehr zu suchen; in dieser, in der glücklichen Zusammensetzung der preußischen Waffenmacht von 1813, sind unbedenklich die Keime nicht nur der Wehrverfassung der Zukunft für Preußen, sondern überhaupt der neuen, auf die freie Entwicklung der Volkskraft gerichteten Zeit enthalten.



Über die Feier des fünfzigjährigen Jubiläums der Landwehr sprechen die öffentlichen Organe in Preußen sich sehr verschieden aus. In allen äußert sich die bittere Stimmung des preußischen Volks über den Zwiespalt zwischen ihm und seiner Regierung, den die feudale Partei verursachte und nun benutzt, um sich als ein nach beiden Seiten giftiger Keil zwischen Thron und Land fest zu setzen. - Solcher Kundgebung gegenüber drangen viele Stimmen, besonders vom Rhein her, auf die Entsagung von jeder öffentlichen Feier. Andere, namentlich im Mansfelder Seekreise und in Berlin, erinnern an die vielen darbenden Veteranen des Befreiungskriegs, deren man in Berlin allein 652, mit Ehrenzeichen geschmückt, Not und Elend in ihrer Erscheinung ausgeprägt, durch die Straßen wanken sehe, und begehren wenigstens für sie ein Fest. - Wieder Andere halten die Standarte der geschichtlichen Ehre und des geschichtlichen Rechts aufrecht, indem sie sagen: Das freiwillige Wort des Königs (als er am 22. Mai 1815 dem preußischen Staate eine Verfassung versprach) und die Hingabe des Volks sind der große Rechtstitel der preußischen Konstitution. Die Landwehr und die Verfassung gehören in Preußen zusammen, und darum ist die Landwehrfeier des Volkes Ehrenpflicht. - Am entschiedensten traten die Patrioten des Hagener Kreises auf. Sie beschlossen mit Einstimmigkeit die Feier des Tages, und zwar am 5. Februar, dem Tage des Aufrufs der Freiwilligen. Wie die Bewegung des Jahres 1813 vom Volke ausgegangen sei, sei es auch jetzt eine Ehrensache des Volkes, die Feier selbstständig und aus eigenem Antrieb in die Hand zu nehmen, - und wie man damals einmütig aufgestanden sei gegen den äußern Feind, so solle man jetzt den innern Feind in geschlossener Phalanx bekämpfen, den wahren Feind Preußens, die feudale Partei: so erhebe sich das Fest zu einer Demonstration des ganzen Preußenvolks für sein Abgeordnetenhaus, das dadurch einen neuen Halt gewinne, um unbeirrt in der betretenen Bahn fortzuschreiten. - Und während in solcher Stimmung und mit solchen für das Landwehrwesen kampfbereiten Entschlüssen das Volk seinem Feste entgegengeht, ja während der König selbst für die Feier jener großen Zeit seine Anordnungen gebietet, hat die Gegenpartei, wenn die Zeitungsnachrichten nicht trügen, zum Vernichtungsschlag gegen das ganze Landwehrsystem ausgeholt durch die fast siegesgewiss verkündete Einführung der Stellvertretung im preußischen Heere. Damit wäre der Abfall von der alten Wehrverfassung - und wohl nicht von dieser allein - besiegelt!