Die Kunst der späten Antike und des frühen Mittelalters

Die Kunst der späten Antike und des frühen Mittelalters bietet sonst an Schlachtendarstellungen nicht viel.

Einige Reliefs sind erhalten, für welche ungefähr dasselbe gilt, wie für die plastischen Schlachtendarstellungen der älteren Zeit.


Byzanz und das frühe Mittelalter aber sind zunächst völlig von religiösen Gegenständen in Anspruch genommen. Wohl aber enthalten die Heldenlieder der großen germanischen Sagenkreise (die Rabenschlacht, das Nibelungenlied, Gudrun, die Epen von Dietrich von Bern) die überlebensgroßen Bilder sagenhafter Recken und ihrer Kämpfe.

Das Heldenlied ist naturgemäß, da die Tüchtigkeit des Einzelnen in dieser Zeit noch alles bedeutet, nur an den Taten der einzelnen Helden interessiert. Ähnlich wie bei Homer lösen sich seine Schlachten in eine Reihe von Zweikämpfen auf. Für eine spätere Zeit sind ferner erwähnenswert die Schlachtenschilderungen aus Tausendundeine Nacht.

Durch eine ganze Anzahl dieser Erzählungen weht der wartenfrohe Geist der Kreuzzüge und des mittelalterlichen Rittertums. Die Schilderungen der Schlachten werden vielfach stereotyp wiederholt, besonders die eine, in der ständig der Satz wiederkehrt: „Das Blut floss in Strömen und malte kunstvolle Muster auf den Erdboden. Das ist dichterische Typisierung des Schlachtenbildes, und sie gibt von dem hitzigen Gewühl des Schlachtfeldes, von seiner Wut und seinem Grauen einen orientalisch prächtigen Eindruck.

Aber weder die Malerei noch die Schriftkunst sind in dieser Zeit hinlänglich entwickelt, um das zu liefern, was wir heute unter einer künstlerischen Schlachtendarstellung verstehen. Die wichtigen psychologischen Momente weiß das Wort noch nicht zu fassen. Die Einzelheiten einer konkreten Schlacht erscheinen zu geringfügig, um das Unternehmen ihrer künstlerischen Verarbeitung zu rechtfertigen. Alles erhebt sich noch ins Sagenhafte, ins Überlebensgroße; das Interesse am Einzelnen und Wirklichen ist auch in der Kunst noch nicht erwacht. Die Historiker schildern einzelne Schlachten getreu, die Künstler aber typisieren sie. Kommen die seelischen Erregungen der Schlacht zum Worte, so fehlt die Treue des Details oder wenigstens der taktischen Situation. Dass man das Bild einer Schlacht im selben Sinne als eine kunstfähige Wirklichkeit nähme wie etwa einen zu porträtierenden Kopf, dafür bietet die ganze alte Zeit, abgesehen von dem nur mittelbar künstlerisch wirkenden Berichte des Xenophon, kein einziges bekanntes Beispiel.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Krieg in Bildern