Bedeutende Vertreter der Schlachtenmalerei und ihre Werke

Von jeher hat Frankreich ein großes Kontingent von Schlachtenmalern gestellt; es entspricht dies dem Wesen des kriegerischen Volkes und seinem Geschmack an der großen Gebärde.

Die klassizistisch-typisierende Richtung wirkt fort in Charles Lebrun, dem zum großen Schlachtenmaler nichts fehlte als ein stärkerer Realismus der Auffassung. Seine Alexanderschlachten zeigen immer im Vordergrunde den Helden des Bildes und der Handlung, Alexander. Aber die Mittel- und Hintergründe sind in eine Unzahl Episoden aufgelöst, die die Hauptfigur in ihrer Wirkung beeinträchtigen und die Einheit der Komposition zerstören.


Mit van der Meulen (Abb. 036), dem Verherrlicher Ludwigs XIV., beginnt die Epoche der offiziellen Schlachtenmalerei. Man versteht darunter diejenigen Gemälde, die weniger auf die Darstellung der kriegerischen Handlung abzielen als auf die Verherrlichung des Helden, der da gesiegt hat, oder in dessen Namen gesiegt wurde. Die offizielle Schlachtenmalerei ist ein Erzeugnis des Absolutismus und des damit verbundenen barocken Heroenkultus. Sie personifiziert die Schlacht durch den Sieger, der Herrscher oder Anführer ist, gleichviel ob derselbe an der Schlacht einen tätigen Anteil genommen hat oder nicht. Wie unsere Abbildungen dartun, wurde diese höfische Auffassung der Schlachtendarstellungen nicht nur für die Maler, sondern auch für die Graphiker eine Zeitlang maßgebend. Irgendwo im Vordergrunde sieht man da als Hauptgruppe den Fürsten inmitten einer glänzenden Kavalkade, Befehle erteilend, das Gesicht häufig dem Beschauer zugekehrt wie ein Schauspieler, der auf den Beifall wartet. In vielen Fällen tritt die kriegerische Aktion hinter dieser Hauptgruppe völlig zurück.

Der „Rheinübergang“ Van der Meulens ist ein Musterbeispiel und zugleich ein Meisterwerk dieser Art von Schlachtenschilderung: Im Vordergrunde Ludwig XIV. zu Pferde, gut sichtbar, umgeben von Generalen und Edelleuten; mit einer deutenden Bewegung seines Stabes weist er einem Offizier den Ort an, wohin sich dieser zu begeben habe. Hinter dem Stabe stehen Geschütze, die das rechte Rheinufer unter Feuer nehmen, um den Übergang zu decken. Die linke Hälfte des Bildes ist bis weit in die Tiefe angefüllt mit Reiterei, die in Gruppen von dreien und vieren durch eine Furt über den Fluss setzt. Im Hintergrunde zeichnet sich das jenseitige Ufer des Stromes ab mit seinen Dörfern, seinen Wäldern und seinen begrünten Hügeln, von denen die Holländer ein lebhaftes Geschütz- und Gewehrfeuer unterhalten. Der König tritt stark hervor, ohne dass die Aktion zu kurz käme. Der naheliegende Fehler des höfischen Schlachtenbildes, dass nämlich die Person des Helden gar nicht in die konkrete Örtlichkeit eingeschlossen erscheint, ist glücklich vermieden.

Ganz ähnlich ist die Komposition des „Gefechtes am Kanal von Brügge“: Ludwig XIV. erteilt seine Befehle einem Offizier, der entblößten Hauptes an seiner Seite reitet; in der Ferne gehen Truppen über den Kanal. Eines der berühmtesten Bilder van der Meulens ist die „Einnahme von Valenciennes“: Wieder im Vordergrunde der König mit Befehlshabergeste, zur linken zwei Kompanien Infanterie in Schlachtordnung; im Hintergrunde, am Rand einer Ebene, welche die dunklen Linien anmarschierender Truppen furchen, ragen aus Staub und Rauch die Werke der belagerten Stadt auf.

Das Jahrhundert, das den Tod Karls XII., das ganze Lebenswerk Friedrichs des Großen und die Geburt Napoleons sah, ist gewiss ein kriegerisches Jahrhundert gewesen (Abb. 039, 041). Trotzdem hat es nicht viele Schlachtenmaler von Beruf hervorgebracht, unter denen zu nennen sind: Martin (der Schlachten-Martin), Charles Parrocel, Franc Casanova. Alle drei sind Vertreter der offiziellen Schlachtenmalerei: Im Vordergrunde steht der befehligende König oder Feldherr, umgeben von seinem Stabe, im Hintergrunde feuernde Geschütze, Infanterie und Kavallerie, zum Angriffe aufmarschierend oder gerade zum Sturm ansetzend.

Dagegen entsteht in dieser Zeit eine Unzahl graphischer Schlachtenschilderungen, besonders im Anschlusse an den Siebenjährigen Krieg (Abb. 044, 045, 047, 048). Auf der Seite der Preußen wie der Österreicher ist alles geschehen, um durch solche Darstellungen die Erfolge der eigenen und die Niederlage der feindlichen Heere in diesem an Wechselfällen so reichen Kriege gebührend ins Licht zu setzen. Die wenigen Proben, die wir hier, besonders von Darstellungen österreichischer Waffentaten, geben, müssen genügen. Die Erfolge Friedrichs des Großen hat P. Benazech in einer Reihe von Kupferstichen verherrlicht, sie sind an künstlerischen Qualitäten den hier abgebildeten österreichischen Dokumenten überlegen. Der hervorragendste Herold friderizianischen Kriegsruhms ist erst im 19. Jahrhundert erstanden, in Menzel (Abb. 042, 043).

Wenig bekannt, aber recht gut in den Qualitäten sind die Schlachtenmaler, die der amerikanische Unabhängigkeitskrieg hervorgebracht hat. J. S. Copley malte eindrucksvolle Episoden aus den Kämpfen zwischen Franzosen und Engländern im Jahre 1781. John Trumbulls „Kapitulation des Lord Cornwallis in Yorktown“ ist sehr eigenartig und effektvoll komponiert. Etwas klassizistisch mutet das in der Bewegung famose Gemälde E. Leutzes an, das den Übergang General Washingtons über den Delaware schildert. Auch ist ein Bild von B. West „Der Tod des Generals Wolfe“ erwähnenswert.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Krieg in Bildern
36. Antoine François Van der Meulen (1632-1690), die Armee Ludwig XIV. überschreitet den Rhein. Caen, Musée municipale. Ludwig XIV. setzt im holländischen Krieg am 12. Juni 1672 bei Tollhuys unweit Huyssem über den Rhein. Dieser Übergang wurde dem König zu Ehren durch Denkmünzen verewigt; Boileau hat den König als Sieger von „Tolus“ besungen.

36. Antoine François Van der Meulen (1632-1690), die Armee Ludwig XIV. überschreitet den Rhein. Caen, Musée municipale. Ludwig XIV. setzt im holländischen Krieg am 12. Juni 1672 bei Tollhuys unweit Huyssem über den Rhein. Dieser Übergang wurde dem König zu Ehren durch Denkmünzen verewigt; Boileau hat den König als Sieger von „Tolus“ besungen.

039. Aus dem Nordischen Krieg zwischen Karl XII. von Schweden und den verbündeten Russen, Dänen und Sachsen. Karl XII. von Schweden stürmte im ärgsten Schneegestöber die russischen Schanzen und nahm die Festung Nava am 20. November 1700. Königlich Graphische Sammlung München.

039. Aus dem Nordischen Krieg zwischen Karl XII. von Schweden und den verbündeten Russen, Dänen und Sachsen. Karl XII. von Schweden stürmte im ärgsten Schneegestöber die russischen Schanzen und nahm die Festung Nava am 20. November 1700. Königlich Graphische Sammlung München.

041. Episode aus dem Krieg zwischen Österreicher und Türken. Der vor dem Kaiserlichen Adler bei Cornia und Meadia wie auch Orsova flüchtige und besiegte Türken-Schwarm. 1716. Kgl. Graphische Sammlung, München.

041. Episode aus dem Krieg zwischen Österreicher und Türken. Der vor dem Kaiserlichen Adler bei Cornia und Meadia wie auch Orsova flüchtige und besiegte Türken-Schwarm. 1716. Kgl. Graphische Sammlung, München.

044. Aus dem Siebenjährigen Krieg. Kupferstich. Kgl. Graphische Sammlung, München. Am 6. Mai 1757 hatte Friedrich II. von Preußen den Prinzen Karl von Lothringen in der Schlacht bei Prag besiegt, musste aber die darauffolgende Belagerung der Stadt infolge der am 18. Juni verlorenen Schlacht bei Kolin aufgeben. Die Erbeutung des von den Preußen zurückgelassenen Lagers war also keine Heldentat.

044. Aus dem Siebenjährigen Krieg. Kupferstich. Kgl. Graphische Sammlung, München. Am 6. Mai 1757 hatte Friedrich II. von Preußen den Prinzen Karl von Lothringen in der Schlacht bei Prag besiegt, musste aber die darauffolgende Belagerung der Stadt infolge der am 18. Juni verlorenen Schlacht bei Kolin aufgeben. Die Erbeutung des von den Preußen zurückgelassenen Lagers war also keine Heldentat.

045. Aus dem siebenjährigen Krieg. Kupferstich, Kgl. Graphische Sammlung, München. General Laudon nimmt am 30. Juni 1758 in den Defileen von Domstadtl bei Olmütz einen Wagenzug der Preußen weg, wofür er zum Feldmarschall ernannt wurde. Die Kavallerie kämpft durchweg mit der blanken Waffe.

045. Aus dem siebenjährigen Krieg. Kupferstich, Kgl. Graphische Sammlung, München. General Laudon nimmt am 30. Juni 1758 in den Defileen von Domstadtl bei Olmütz einen Wagenzug der Preußen weg, wofür er zum Feldmarschall ernannt wurde. Die Kavallerie kämpft durchweg mit der blanken Waffe.

047. Schlacht bei Hochkirch, 14. Oktober 1758. Kgl. Graphische Sammlung, München. Der österreichische General Daun überfiel um 5 Uhr morgens das preußische Lager (das links oben angedeutet ist) und erfocht durch seine doppelte Übermacht einen Sieg, der den Preußen 9.000 Mann, 101 Kanonen, 30 Fahnen und sämtliche Trains kostete. Trotzdem wagte er keinen weiteren Angriff auf die von Friedrich II. nur eine Stunde vom Schlachtfeld auf den Kreckwitzer Höhen eingenommene neue Stellung.

047. Schlacht bei Hochkirch, 14. Oktober 1758. Kgl. Graphische Sammlung, München. Der österreichische General Daun überfiel um 5 Uhr morgens das preußische Lager (das links oben angedeutet ist) und erfocht durch seine doppelte Übermacht einen Sieg, der den Preußen 9.000 Mann, 101 Kanonen, 30 Fahnen und sämtliche Trains kostete. Trotzdem wagte er keinen weiteren Angriff auf die von Friedrich II. nur eine Stunde vom Schlachtfeld auf den Kreckwitzer Höhen eingenommene neue Stellung.

048. Schlacht bei Kunersdorf, 12. August 1759. In der Friedlich II. von den vereinigten Österreichern unter Laudon und Russen unter Saltykow geschlagen wurde. Kgl. Graphische Sammlung. München. Die Darstellung ist ein reines Phantasiegemälde, ohne dass auch nur der Versuch gemacht wird, das Charakteristische der damaligen Fechtweise zum Ausdruck zu bringen.

048. Schlacht bei Kunersdorf, 12. August 1759. In der Friedlich II. von den vereinigten Österreichern unter Laudon und Russen unter Saltykow geschlagen wurde. Kgl. Graphische Sammlung. München. Die Darstellung ist ein reines Phantasiegemälde, ohne dass auch nur der Versuch gemacht wird, das Charakteristische der damaligen Fechtweise zum Ausdruck zu bringen.

042. Episode aus der Schlacht bei Kesselsdorf 15. September 1745. Zeichnung von Adolf Menzel zu Kuglers Geschichte Friedrichs des Großen. Der Künstler selbst erläutert die Darstellung: Erstürmung der Felsabhänge. Vor diesen zog sich eine Schlucht hin, der sogenannte Zschonengrund. Prinz Moritz von Dessau, der Sohn Leopolds, mit seiner Heeresabteilung hier angekommen, sprang zuerst hinab in die Schlucht und zeigte dadurch den Seinigen die Möglichkeit des Durchkommens. Zwei Musketiere trugen ihn auf ihren Schultern durch den Morast. Nach den genauen Angaben des Schlachtberichtes.

042. Episode aus der Schlacht bei Kesselsdorf 15. September 1745. Zeichnung von Adolf Menzel zu Kuglers Geschichte Friedrichs des Großen. Der Künstler selbst erläutert die Darstellung: Erstürmung der Felsabhänge. Vor diesen zog sich eine Schlucht hin, der sogenannte Zschonengrund. Prinz Moritz von Dessau, der Sohn Leopolds, mit seiner Heeresabteilung hier angekommen, sprang zuerst hinab in die Schlucht und zeigte dadurch den Seinigen die Möglichkeit des Durchkommens. Zwei Musketiere trugen ihn auf ihren Schultern durch den Morast. Nach den genauen Angaben des Schlachtberichtes.

043. Infanteriekolonne auf dem Marsche. Holzschnitt von Adolf Menzel zu Kuglers Geschichte Friedrichs des Großen.

043. Infanteriekolonne auf dem Marsche. Holzschnitt von Adolf Menzel zu Kuglers Geschichte Friedrichs des Großen.

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