Die Revolutionskriege und die Zeit Napoleons bis 1815

Heeresbildung. Die Massenheere, welcher die französische Republik und mehr das erste Kaiserreich bedurften, konnten durch Werbung nicht mehr aufgebracht werden. Das Gesetz vom 19. Fructidor (1798) führte die Konskription ein; es stand der allgemeinen Wehrpflicht schon sehr nahe, indem es mit Ausnahme der Verheirateten und körperlich Untüchtigen alle Leute von 20 bis 25 Jahren, je nach Bedarf, zum Dienst verpflichtete. Durch das Gesetz vom 7. Ventôse (1800) wurde das „Remplacement“ (Einstellen eines Ersatzmannes) gestattet, der freiwillige Eintritt prämiiert und den Kapitulanten höherer Sold gewährt. Mit diesem Gesetze hat Napoleon seine Heere aufgebracht.

In Preußen wurde nach den Niederlagen von 1806 durch Scharnhorst die Reorganisation des Heeres geleitet. Seine wichtigste Maßregel war die fortwährende Ausbildung Neueingestellter in der Armee, wofür ausgebildete Leute entlassen wurden. Dieses System ermöglichte 1813 in den Befreiungskriegen eine starke Kriegsmacht aufzustellen. Mit dem Gesetze vom 3. September 1814, das die allgemeine Wehrpflicht ohne Loskauf und Stellvertretung vorschrieb, war Preußen allen anderen Staaten um mehr als ein halbes Jahrhundert vorausgeeilt.


Organisatorisch gehört die Einführung der Divisionen, die, aus allen Waffen zusammengesetzt, zu selbständigen taktischen Körpern mit festen Stäben in der Folge für ganz Europa vorbildlich wurden, zu den wichtigsten militärischen Ergebnissen der Französischen Revolution.

Taktik. Die Entwicklung der Taktik dieser Epoche steht ganz unter dem Einflusse des Genies Napoleons. Für die Lineartaktik war eine gut geschulte Truppe notwendig gewesen (vgl. S. 20). Diese schwand rasch bei dem kolossalem Verbrauch der Revolutionszeit und des Kaiserreichs an Menschenmaterial. Als Ersatz konnte die Konskription nur Soldaten von geringer Ausbildung stellen, und an die Stelle, der langen Linien traten wieder die Kolonnen, der einfache Schlachthaufe. Da dieser durch das Feuer bald zerstört worden wäre, suchte man ihn durch Schützenschwärme, „Tirailleurs“, zu schützen, die nunmehr in inniger Verbindung mit den Kolonnen fochten. Beide zeigten sich bald weit gewandter im Gelände, das nunmehr nach seinen Eigentümlichkeiten ausgenutzt werden konnte, als die steifen Linien mit ihrer parademäßigen Taktik, die 1806 in den Niederlagen der preußischen Armee bei Jena und Auerstädt zu Grabe getragen wurden. Gegen die Kavallerieattacken wurden Karrees formiert, erstmals in der Schlacht bei Aspern (1809) durch die österreichische Infanterie, an der die sprichwörtlich gewordene Tapferkeit der französischen Kürassiere zuschanden wurde. Der Einfluss des Geländes tritt mit der neuen Taktik in steigendem Maße hervor; es musste nach seiner taktischen Eignung erkannt und bewertet werden, und es ergaben sich hierbei gewisse Punkte und Abschnitte, um die gekämpft wurde.

Die Kavallerie diente zur Aufklärung; in der Schlacht blieb die Masse als Schlachtenkavallerie, in Divisionen formiert, in Reserve, um an entscheidender Stelle eingesetzt zu werden oder die Verfolgung zu übernehmen.

Die Artillerie wurde als Divisionsartillerie (nicht mehr als Bataillonsgeschütze) verwendet; der größere Teil stand zur Verfügung des Oberkommandos (ähnlich unserer späteren Korpsartillerie), um einheitlich eingesetzt die Entscheidung vorzubereiten. Zuerst verwendete Napoleon die Artillerie in dieser Weise.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Krieg in Bildern