Von der Einführung der Feuerwaffen bis Ende des Mittelalters

Der Gebrauch von Feuerwaffen findet sich zuerst mit Bestimmtheit in der Chronik von Metz für das Jahr 1324 erwähnt; dann im Jahre 1326 für Florenz, wo der metallenen Kanonen und schmiedeeisernen Kugeln gesprochen wird.

Von Mitte zum des 14. Jahrhunderts an werden die Nachrichten über Verbreitung der neuen Kriegsmittel häufiger; bald wurden in allen Ländern Geschütze gegossen. Zu gleicher Zeit kommt auch die Bezeichnung „Artillerie“ auf, die für sich eine besondere Zunft bildete, welche die Kunst der Bedienung der Artillerie und die Feuerwerkerei sehr lange in einer großen Abgeschlossenheit von den übrigen Zweigen des Heeresdienstes hielt, was noch bis in das 19. Jahrhundert nachwirkte. Die ersten Handwaffen scheinen Handmörser gewesen zu sein; dann führte man längere, geschäftete Rohre, die zum Schuss auf einer Gabel aufgelegt wurden.


Die leichteren Handfeuerwaffen benannte man Arkebuse oder Hakenbüchse nach dem vorn zur Sicherung der Auflage auf der Gabel angebrachten Haken die schweren nannte man Muskete oder Doppelhaken. Zunächst fand die Verwendung der Geschütze vornehmlich im Belagerungskriege statt; auch wo sie in der Feldschlacht auftraten, vermochten sie noch keinen Einfluss auf die Taktik auszuüben. Erst in den Kämpfen der Engländer und Franzosen bei Orleans (1429) lässt sich eine zielbewusste Verwendung der Artillerie erkennen: die Franzosen eröffnen die Schlacht mit Artilleriefeuer und stürzen sich dann schnell auf den Punkt, wo die Kugeln Unordnung herbeigeführt haben.

Ein eigenes Gepräge der Kriegführung zeigen die Hussitenkriege (1419-1436) durch Verwendung von Wagenburgen, die Ziska auch während des Kampfes zu bewegen wusste. Trotzdem musste aber diese eigenartige Kampfweise im Wesen defensiv bleiben.

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wird der Einfluss der Feuerwaffen bemerkbarer; mit den Niederlagen Karls des Kühnen von Burgund bei Granson, Murten und Nancy (1476-1477) ist das Absterben der Ritterheere besiegelt; die Ritter, die schon teilweise genötigt waren, zu Fuß zu fechten, zerschellten an dem „Igel“ (s. unten) der Schweizer, „der ersten Form der modernen Infanterie“; die Schweizer hatten damit bewiesen, wie ein wohlgeordnetes Fußvolk, das sich mit vollem Gewichte bewusst für einen einheitlichen Zweck einsetzt, dem turnierhaften Kampfe, in dem sich jeder zur persönlichen Geltung zu bringen suchte, überlegen sein muss.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Krieg in Bildern