Römer

Zur Blütezeit der Republik waren alle Bürger zum Waffendienst verpflichtet. Sklaven und Unfreie waren ausgeschlossen. Eiserne Manneszucht und unbedingte Hingabe an den Staat wirkten zusammen, um die kriegerische Tüchtigkeit aufs höchste zu steigern. Wenn auch stehende Heere nicht bestanden, so wurde doch durch die immerwährenden Kriege ein großer Teil der Bürger unter den Waffen gehalten und verbürgte kriegerische Übung, die es ermöglichte, auf die schwerfällige Phalanx zu verzichten und kleinere Einheiten in den Kampf zu führen und zu leiten.

Aus diesen Umständen resultierte der höchst bedeutungsvolle taktische Fortschritt der Manipular-Legion (ca. nach 300 v. Chr.). Die Legion, die unserem Infanterieregiment entsprach, wurde in 30 Manipeln eingeteilt, die in Normalstellung 20 Mann breit und 6 Mann tief waren. Die Manipeln waren gedrillt, unter sich fest zusammenzuhalten. Sie wurden schachbrettartig mit Zwischenräumen und Abständen so aufgestellt, dass die zweite und dritte Linie sich je auf die Zwischenräume der vorderen deckte. Die vierte und fünfte Linie, deren Manipeln nur 10 Mann breit und 6 Mann tief waren, bildeten eine Art Reserve zum eventuellen Ausfüllen im Gefecht vorn entstandener größerer Lücken. Im Kampf selbst wurden durch Eindoublieren der hinteren Abteilungen die Lücken geschlossen. Das Wesen der Phalanx als eines in der Attacke geschlossenen, wuchtigen Riesenkörpers wurde also dadurch nicht verändert, wohl aber war eine größere Beweglichkeit im Gelände erreicht.


Anstelle der langen Hasta (Stoßlanze) trat im 2. und 3. Jahrhundert v. Chr. teilweise das Pilum (Wurfspieß), das salvenartig geschleudert wurde; in die hierdurch erschütterten Linien des Gegners brachen die ersten beiden Glieder mit dem kurzen Schwert ein, die hinteren mit dem Pilum bzw. der Hasta. Die Reiterei versah den Sicherheitsdienst, im Kampfe kam ihr keine wesentliche Bedeutung zu.

Marius (ca. 100 v. Chr.) und Cäsar ersetzten die schwachen Manipeln durch die 600 Mann starke Kohorte, die unserem Bataillon entsprach. Die Kohorten konnten in mehreren Treffen, in Haken usw. aufgestellt und auch während der Schlacht beliebig dirigiert werden, wodurch die Legion an Manövrierfähigkeit außerordentlich gewann. Die Kohortentaktik bedeutet den Höhepunkt der antiken Kriegskunst.

Die Reiterei wurde auf den Flügeln aufgestellt, ihr kam die Aufgabe zu, eine Überflügelung durch den Feind abzuwehren, diesen in der Flanke anzugreifen und die Verfolgung aufzunehmen. Große Reitermassen wurden in Regimentskolonnen formiert; die Kampfart war die geschlossene Attacke.

Der Festungskrieg, Befestigung, Angriff und Verteidigung befestigter Plätze unterschied sich nicht von denjenigen der Griechen und Macedonier; ebenso blieb auch die Seetaktik die schon oben beschriebene. Mit dem Niedergange des kaiserlichen Roms ist auch der Rückgang der Kriegstüchtigkeit verbunden. Mit der Disziplin geht die eigentümliche römische Fechtweise, die kunstvolle Anwendung des Pilenwurfs mit dem Schwertkampf, verloren, die Kohortentaktik verschwindet, und die römischen Heere erliegen in der Völkerwanderung den Germanen, deren Kraft in der natürlichen Wildheit begründet ist.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Krieg in Bildern