Griechen und Macedonier

Zur Zeit der höchsten Entwicklung des griechischen Kriegswesens bestand das Heer aus den schwerbewaffneten „Hopliten“ mit kurzem Speer, Schild und kurzem Schwert und den „Peltasten“, die mit dem Wurfspeer, später mit langem Degen und neben dem Wurfspeer mit einer Stoßlanze ausgerüstet waren, so dass sie im Fern- und Nahkampf verwendet werden konnten. Für den Fernkampf dienten Bogenschützen und Schleuderer. Im Festungskrieg waren ebenso Verstärkungsmittel der bedrohten Städte, wie Annäherungs- und Zerstörungsmittel (Belagerungsmaschinen, Katapulten) im Gebrauch, wobei alle Fortschritte der damaligen Technik benutzt wurden.

Bei den Griechen stoßen wir zum ersten Male auf eine systematisch durchgebildete Elementar- und Schlachtentaktik, so dass wir von einem Reglement im modernen Sinne sprechen könnten; die erste klassische militärtheoretische Schrift ist Xenophons Kyropädie (ca. 400 v. Chr.).


Der taktische Körper des schwergerüsteten Fußkriegers, die meist achtgliedrige „Phalanx“, bildete den Kern des Heeres. Die Linie ist Grundstellung und zugleich Gefechtsstellung; Marschordnung ist die Kolonne, und zwar die Reihen- oder Sektionskolonne; die Bewegungen (Abschwenkungen, Aufmärsche u. dgl.) erfolgten auf Kommando wie bei uns. Die numerisch geringe Reiterei führte den Kampf in losen Scharen, meist als Fernkampf mit dem Wurfspeer; die Stoßkraft, der „Chok“ der geschlossenen „Attacke“ war noch unbekannt.

Epaminondas (371 v. Chr.) teilte das Heer in einen Offensiv- und einen Defensivflügel, die berühmte schiefe Schlachtordnung, von dem der erstere, stärkere die Entscheidung herbeizuführen hatte und durch Reiterei und Leichtbewaffnete in seiner äußeren Flanke geschützt wurde. Wir sehen hier also schon das moderne Prinzip der „Flügelschlacht“, die Absicht, an einem Flügel unbedingt stärker als der Gegner zu sein, um ihn dort zu durchbrechen und aufzurollen.

Die Macedonierkönige Philipp und Alexander der Große (383 — 323 V. Chr.) sind die Schöpfer der ersten disziplinierten Kavallerie der Weltgeschichte; die schwere Reiterei mit Stoßlanzen wird zu fest geformten taktischen Körpern zusammengeschweißt und in geschlossenen Gliedern zur „Attacke“, also zur Erzielung des Chok nach heutigem Begriffe, verwendet. Dazu kamen noch leichte Reiterei und berittene Bogenschützen, die Alexander auch zu energischer Verfolgung gebrauchte, in der die Griechen jede Initiative vermissen ließen. Nach dem Beispiel der Inder stellten die Diadochen Elefanten ein, die von Bogenschützen und Speerwerfern besetzte Türme auf den Rücken trugen. Die Elefanten sollten die Schlachtordnung durchbrechen und den Gegner zerstampfen. Die Niederkämpfung der Kolosse erforderte in der Tat ein ansehnliches Maß von Kräften und hohen Mut tief gegliederter Phalangen.

Philipp hatte zuerst vollständige, mit allen Hilfsmitteln der damaligen Technik ausgerüstete „Belagerungstrains“ formiert, die seinem Sohne Alexander die rasche Bezwingung der stark befestigten persischen Städte ermöglichte. Außer den schon erwähnten Wandeltürmen, Katapulten usw., die dazu bestimmt waren, Breschen zu legen, war der „Hochbau“ ein Mittel, um zum befestigten Platze einen Zugang zu schaffen. Es waren dies Erddämme und Türme, die auf Walzen gesetzt an die Mauern heranbewegt wurden. Eine organisierte „Intendantur“ sorgte für den Nachschub von Heeresbedürfnissen.

Auch das Seewesen gelangte bei den Griechen zu hoher Blüte; bei Salamis (449 v. Chr.) kämpften 378 Schiffe. Die Seetaktik bestand im wesentlichen aus zwei Manövern: dem „Rammen“, indem man dem Feind die Flanke abzugewinnen sucht und ihm den metallenen Schiffsschnabel in die Seite rennt, oder indem man durch rasches Vorbeifahren unmittelbar an den feindlichen Schiffen, diesen die Ruder abzustreifen und sie so bewegungsunfähig zu machen versucht, während man die eigenen rechtzeitig einzieht. Durchbruch und Überflügelung wurden gegenseitig angestrebt; schließlich kam es zum Einzelkampf von Schiff zu Schiff, wobei Wurfgeschosse, Feuerbrände oder der Kampf von Verdeck zu Verdeck (Entertaktik) in Tätigkeit traten.

Die phalangitische Schlachtordnung, die Bewegung langer geschlossener Linien im Gefecht, hatte große taktische Nachteile. An der einen Stelle entstehen Stauungen, an der anderen zerreißt die Linearformation. Im ersten Falle können die Hopliten die Waffen nicht ordentlich gebrauchen, im letzteren wird dem Gegner der Durchbruch erleichtert. Wenn die phalangitische Taktik sich Jahrhunderte durch erhielt, so lag dies daran, dass die Nachteile auf beiden Seiten gleich waren und sich gegenseitig aufwogen.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Krieg in Bildern