Entwicklung des Kriegswesens

Von Alfred Steinitzer, Major a. D.

Mit dem ersten Auftreten von Lebewesen in der Natur beginnt auch der Kampf, der Kampf um die Existenz, um den besseren Platz an der Sonne, der mit allen jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln geführt wird. Auf je höherer biologischer Stufe die Kämpferstehen, desto ausgebildeter werden Kampfmittel und Kampfmethoden; sie werden beim höchst organisierten Lebewesen, dem Menschen, schließlich zur Kriegskunst, der alle technischen Errungenschaften dienstbar gemacht werden. Die Entwicklung dieser Kunst hing im Altertum vornehmlich von den nationalen Eigentümlichkeiten der verschiedenen Völkerschaften, Charakter und Temperament ab, später, insbesondere seit der Erfindung des Schießpulvers, wird sie in erster Linie durch die technische Vervollkommnung der Streitmittel, der Waffen, bedingt; denn aus dem jeweiligen Stande der Bewaffnung resultiert ihre bestmöglichste, wirksamste Verwendung. Schon sehr frühzeitig war der Kampf nicht mehr auf das freie Feld beschränkt; mit festen Wohnsitzen ergab sich die Notwendigkeit von deren Verteidigung bzw. ihres Angriffes: die Anfänge des Festungskriegs; aus der Notwendigkeit, auch das Wasser zum Kampfplatz zu machen, entstand der Seekrieg.


Die Formen, nach denen die Kämpfer zu höheren Einheiten zusammengefasst werden, die Grundsätze und Regeln, nach denen Streitkräfte zur Erzielung des Waffenerfolges im Gefecht, in der Schlacht, verwendet werden, bezeichnet man als Taktik. Die Kunst der höheren Kriegsleitung, die Strategie, muss, wie schon erwähnt, im Hinblick auf Zweck und Inhalt dieses Buches außer Betracht bleiben. Man spricht von einer Taktik der einzelnen Waffenarten (Infanterie-, Reiter-, Artillerie-Taktik); von einer Taktik der verbundenen Waffen, des Festungs-, Seekrieges usw.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Krieg in Bildern