Geschicklichkeiten der Amerikaner in Handwerken und Künsten.

Derjenige, der mit großer Geschicklichkeit nach Amerika kommt, glaube ja nicht, dort nicht auch seines Gleichen zu finden. Sogar der allergeschickteste Europäer würde dort noch etwas zu lernen haben. Gewiß aber überragt ihn der Amerikaner in sofern, als derselbe neben der Kunst und dem Handwerk, das er zu seiner Hauptbeschäftigung macht, gewöhnlich noch 2 oder 3 andere versteht. So ist gewöhnlich der Schmidt zugleich Schlosser, Mechanikus, Maschinenmacher, auch wohl Tischler und Zimmermann; der Schuhmacher, vorzüglich auf dem Lande, ist nicht selten auch Schneider, Maurer, Ziegelstreicher, Kalkbrenner. Der Zimmermann, der bei Hausbauten will angestellt werden, muß unbedingt auch Tischler, Schlosser, Glaser, Dachdecker und nicht selten auch Maurer seyn. Der Klempner ist in der Regel auch Kupferschmidt, Gürtler, Zinngießer; und der Uhrmacher: Goldschmidt, Gürtler etc. und das Betreiben dieser vielen Handwerke beeinträchtiget ganz und gar nicht die Geschicklichkeit in dem einen Hauptgeschäft.

Trotz dem wird der fleißige Deutsche doch gern in den dortigen Werkstätten angestellt, obgleich anfänglich immer um etwas niedrigen Lohn; denn das ist dem Deutschen nicht abzusprechen – und die Amerikaner bekennen das gern – er hat die Tugend der Ausdauer, die dem Amerikaner gewöhnlich abgeht; und er liefert, wenn auch nicht feinere, doch in der Regel weit dauerhaftere Arbeiten, als der Amerikaner.


Nur in folgenden Fächern scheint der Deutsche dem Amerikaner unbedingt zu überragen: im Bau musikalischer Instrumente, als Orgelbau etc. in der Mathematik und Geometrie, in der Musik und im Musikunterricht, ferner als Meuble-Tischler, Kürschner etc.

Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Auswanderer nach Amerika, Teil 2