Achtung: Die besten Amazon Angebote gibt es heute auf dieser Seite (hier klicken)

DRESDEN. K. Sachsen.

Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bd.1, Mitteldeutschland
Autor: Dehio, Georg (1850-1932), Erscheinungsjahr: 1914
Themenbereiche
DRESDEN. K. Sachsen.

Kirchen

Annen-K. Nach Brand im 7j. Kriege vollkommen neu gebaut 1765-69 von J. G. Schmidt. Rechteck (33:23 m) mit 1/2kr. Abschlüssen. Emporen zwischen leichten Pfll. auf ovalem Gr. Flache Holzdecke. Neuerdings Umbau zur Gewinnung besserer Beleuchtung 1907 von R. Schleinitz. [Denkmäler in mehrere Sammlungen zerstreut, u.a. bedeutender Renss.Altar von Hans Walther.]

[Bartholomäus-K. An Stelle eines ma. Baues Neubau 1564, abgebrochen 1839. Erhalten hat sich einiges von den Mobilien, jetzt im Stadtmuseum.]

Dreikönigs-K. [Die ma. K. stand an anderer Stelle.] Neubau 1732-39. Der Plan von Pöppelmann, der innere Ausbau von Bähr. Einfaches Rck. Im W eingebaut ein quadr. Turm. An dessen Innenseite eine hohe Nische für den Altar. Seitlich Vorhallen und Treppen, eine zweite Vorhalle im O. Für das Gemeindehaus bleibt ein Raum von 45:28 m. Daraus ein ovaler Mittelraum abgegrenzt. In dem schmalen Ssch. 2 Ränge Emporen. Muldenförmiges Holzgwb. (Die oberste Empore 1891 beseitigt.) Ausbildung der Schauseiten ganz einfach. Das WPortal aus dem älteren Bau herübergenommen. Der Turm 1854 vollendet.

[Dreikönigsaltar; nur der Schrein erhalten (Altert.-Ver.), vielleicht von Hans Eiffländer A. 16. Jh.; die Flügelreliefs von geringerer Hand.] — Der jetzige Altar 1738 mit schönem Gitter, die Plastik von B. Thomä. Kanzel aus der älteren K., 1688. — Statue der Dorothea Stubing († 1677), von einem größeren Denkmal, tüchtige Arbeit (Altert.-Ver.). — Gemälde: Kreuzigung und Kreuzabnahme, in der Art Wolgemuts, doch geringer; Pastorenbildnisse 1698-1818. — Unter dem Altargerät manches bmkw.

Frauen-K. An Stelle einer älteren spgot. erb. 1726-1738 vom Ratszimmermeister George Bähr, letzte Arbeiten bis 1743. Nach einer langen Epoche kleinmütiger Bescheidenheit erhebt sich hier der protestantische Kirchenbau zum erstenmal wieder seit Paul Frankes Wolfenbütteler Marienkirche (1604) zu einem großen und freudigen monumentalen Entschluß. Das Zweckliche der Predigtkirche ist sorgfältig durchdacht, aber Bähr bleibt nicht daran kleben. Er kehrt den geometrischen Spielereien in den Grundrißlösungen vieler Vorgänger den Rücken und nimmt die durch die Jahrhunderte geweihte Form der einfachen Rotunde für den Hauptraum auf. Die auf 23,5 m im Lichten gespannte Kuppel wird getragen von 8 durch Rundbogen verbundene Oblongpfeiler, zwischen ihnen Emporen [pg 79] in 7 Rängen, seitwärts gegen die Umfassungsmauern Verbindungsgänge zu den sehr bequemen und ausgiebigen Treppen, so daß die 3600 Sitzplätze fassende Kirche sich schnell und sicher entleeren kann. Zuzugeben ist, daß die Lösung ästhetisch doch nicht ganz befriedigt. Denn die Emporen sind hier ein nur vom sachlichen Zweck, aber nicht vom baulichen Organismus geforderter Appendix. Sie bringen eine Unruhe in den Raum, die ein Zentralbau am wenigsten vertragen kann. Zur Entschädigung hat Bähr es gewagt, dem Außenbau eine an einer protestantischen Kirche bisher unbekannte Kraft und Bedeutsamkeit zu verleihen. Zwar keine Pracht. Die Formen sogar von ziemlich trockener Bürgerlichkeit. Aber der Hauptumriß ganz ausgezeichnet gut, würdevoll und zugleich graziös elastisch. Der Grundriß erscheint hier quadratisch, in den Mitten und an den abgestutzten Ecken durch Risalite belebt, welche die Aufwärtsbewegung der Masse sehr glücklich einleiten. Von ganz origineller Wirkung, dabei konstruktiv voll Zweckmäßigkeit der konkav geschwungene Kuppelhals.

Der alte Frauenkirchhof mit seinen 112 Erbbegräbnissen 1722 Kunstwert. Jetzt z.T. in andern Kirchen, z.T. im Stadtmuseum. In der K. ein Schmerzensmann in Marmor vom zerstörten Epitaph des Kanzlers Pfeifer um 1634, von Hegewald oder einem andern Schüler Nossenis. [Epit. Bünau von Hans Kramer im Alt. Museum.]

Friedrichstädter-K. 1728-32. Die Anlage erinnert an die Dreikönigs-K. und soll, gleich dieser, von Pöppelmann herrühren. Das Äußere zeigt den Meister des Zwingers in einer bis zu erstaunlicher Nüchternheit sich herbeilassenden Beschränkung. —

Kath. Pfarr-K. S. Michaelis, erb. 1748 als Kap. des K. Krankenstifts.

Josephinenstift und Kirche, 1760 von Ch. F. Exner.

Reformierte K. 1760 von Samuel Locke.

Kathol. Hof-K. von Gaetano Chiaveri aus Rom 1738-46; nach Unterbrechung fortgesetzt von Knöffel und Schwarze, aber ohne Planveränderung. Die Formen römischer Spätbarock, die Anlage unrömisch. Als basilikaler Langbau mit Chorumgang und hohem Frontturm erinnert sie, ganz allgemein gesprochen, an den deutsch-gotischen Kirchentypus; nebenbei auch etwas an die Schloßkapelle in Versailles. In allen Einzelheiten ist die Grundrißlösung originell. Das hochräumige, 52 m lange Msch. schließt am östl. wie am westl. Ende im 1/2Kreis. Die Langseiten haben 6 relativ enge Joche. Verdoppelte [pg 80] Sschiffe. Über den inneren eine Empore, die auch über die runden Endigungen sich fortsetzt. Auch der Aufbau scheint in der Gliederung der Pfeiler und der Art ihrer Verbindung mit dem Gewölbe (Tonne mit Stichkappen) gotisch inspiriert. Sehr originell die äußere Silhouette. Die Dächer ganz flach geneigt und durch Attiken mit Balustraden und dichtem Statuenkranz verdeckt, so daß für das Auge rein horizontale Abschlüsse entstehen. Der in Pfeiler- und Säulengruppen aufgelöste Turm (83 m H. gegen 93 m Gesamtlänge) führt einen Gedanken weiter, den zuerst Borromini in Sta. Agnese an der Piazza Navona ausgesprochen hat. Zu allen römischen Barockkirchen im Unterschied, wieder mehr im Sinne einer gotischen Kathedrale, die am Außenbau gleichmäßig an allen Seiten durchgeführte Pracht. Dagegen fehlt dem Innern die spezifische Barockpoesie, die an gleichzeitigen süddeutschen Kirchen so stark ist; es wirkt bei aller Wucht der Formen frostig. Auffallend u. a. die geringe Rolle der Stuckdekoration. — Hochaltar, mit dem über 9 m hohen Gemälde von Christi Himmelfahrt, von Raf. Mengs 1752 ff. Seitlich Marienaltar und Josephsaltar von demselben 1750 und 1751. Die Gemälde in den Kapellen von Italienern und Franzosen; wenig bedeutend. Unter den Deckenbildern möchte das kräftigste das in der Benno-Kap. von Anton Maulbersch sein. In der Nepomuk-Kap. malte Karl Palko. — Kanzel von Permoser und Hackl, Holz in Weiß und Gold staffiert; die Bühne von einem schwebenden Wolkenknäuel mit Evangelisten und Engeln getragen; im Gegensatz dazu Brüstung und Treppengeländer in einfachen Flächen; am Schalldeckel Trophäe der Marterwerkzeuge. — Weihwasserbecken, Muschel auf einer Wolke, aus der Engelsköpfe hervorlugen. — Im Umgang Beichtstühle von Hackl. — Im NWSchiff weichlich virtuose Statue der h. Magdalena von Francesco Baratta. Johannes d. T. in der Tauf-K. des SOSchiffes angebl. von Lorenzo Bernini (??). In der Gruft Statue Christi an der Martersäule von Balthasar Permoser 1721. Die 59 doppeltlebensgroßen Standbilder an den Dachbalustraden von Lorenzo Mattielli. — Ausgezeichnet vertreten ist die Goldschmiedekunst der Zeit durch Arbeiten von Drentwett und Bauer, beide Augsburger.

Kreuz-K. Gegr. gleichzeitig mit der Stadt um 1200; zweimal vollständig erneuert: 1491 und 1760. Vom spgot. Bau sind Grundriß und Ansichten erhalten: Hallenbau in der Richtung der Erzgebirgsschule. Der etwas ältere Chor war in seiner reichen Dekoration an Streben und Fenstern der Marien-K. zu Bernburg ähnlich und rührt von denselben Meistern her, Hanns [pg 81] und Matthias Kumoller. — Der jetzige Bau nach der Zerstörung des vorigen im 7j. Kriege erb. 1764-92. Langer Streit um den Plan zwischen dem Ratszimmermeister J. G. Schmidt (Schüler Bährs und dadurch Vertreter der deutschen Barocktradition) und dem Hofbaumeister und Akademiker Krubsacius (der dem eben aufkommenden Pariser Klassizismus zuneigte). Ein Gutachten Chiaveris verhalf Schmidt zum Siege. Die Anlage ein Kompromiß zwischen zentraler und longitudinaler Grundform. Von dem rechteckigen Umfang kommt der WBau für Turm und Emporentreppen in Abzug; ferner sind am OEnde die Ecken abgerundet; als Gemeindehaus verbleibt ein Quadrat, in dem aber doch wieder durch elliptischen Grundriß der Emporen die west-östl. Achse stärker betont ist. Die Emporen gestützt auf wenige schlanke, die Übersicht nicht hemmende Pfeiler. Ihretwegen kein massives Gewölbe, sondern nur ein verputztes Schalwerk gewagt. Der Außenbau nach Schmidts Tode (1774) von Chr. F. Exner. Der Turm erst 1788 von G. A. Hölzer, im einzelnen ohne Reiz, aber mit seinen wohlproportionierten Maßen ein sehr glückliches Element in der Stadtsilhouette. — Das Innere nach Brand 1897 von Schilling und Gräbner durchgreifend umgestaltet, in der Lichtführung verbessert und in der Dekoration mit frei modernen Einzelheiten.

Sophien-K. Die einzige K. Dresdens, von der noch wesentliche Teile ihrer ma. Gestalt erhalten sind. Erb. 1351 für das (1265 gegr.) Barfüßerklst. Hallenkirche von 2 Schiffen und 2 Chören. Um 1400 die Kap. der Familie Busmann angebaut, Gwb.Konsolen mit Bildnisköpfen. — 1421 Erweiterung der K. nach W. In Reformation profaniert, 1602 wieder als K. umgebaut. 1737 der protestantische Hofgottesdienst aus der Schloßkapelle hierher verlegt, wobei sämtliche Ausstattungsstücke mit übernommen. 1834 und 1864 Überarbeitung im Sinne akademischer Neugotik. Letzte Neueinrichtung 1910. — Von der alten Ausstattung im 19. Jh. vieles entfernt. Hauptaltar 1606 von dem Hofarchitekten Giovanni Maria Nosseni aus Lugano unter Mitwirkung von Sebastian Walther. Aufbau aus mehrfarbigem Marmor in schulmäßiger italienischer Hoch-Renss., nur das seitlich den Umriß belebende Schnörkelwerk aus der deutschen Formenwelt. [Das h. Grab der Busmann-Kap. aus A. 15. Jh. im Mus. des Altert.Ver.] Grabmal Nossenis († 1620) beg. 1616; wohl von ihm selbst seine knieende Bildnisstatue, ein Meisterwerk vornehmer Charakteristik, geringer seine drei Frauen. Von seinen Schülern Sebast. Walther und Hegewald der Schmerzensmann, eine Transposition von Michelangelos Christus in der [pg 82] Minerva zu Rom. Epitaphe: v. Osterhausen 1615 von Hans Reis; Marcus Gerstenberger 1613, wohl dazu gehörig das Marmorrelief der Grablegung, manieristisch falsches Pathos bei meisterhafter Durchbildung (von Nosseni?). Großes Alabasterrelief der Kreuztragung von einem Unbekannten aus A. 17. Jh. Epitaphe für Paul John 1631, R. v. Bünau 1643 (Stadtmuseum), Herzogin Sophie 1653, A. v. Schönberg 1688. Lange Reihe von Hofpredigerbildnissen; Engelschall von R. Mengs, Strauß und Hermann von A. Graff.

Profanbauten

Königl. Schloß. Große unregelmäßige Baugruppe, deren Bestandteile infolge vielfacher Veränderungen sich nicht mehr leicht historisch scheiden lassen. Vom ma. Bau (letzte Erweiterung 1471-76) sind einzelne Mauerteile (Flügel an der Schloßstr.), doch keine Kunstformen erhalten. Das 16. Jh. wandelte die Burg zum Schloß um. 1701 wütete ein schwerer Brand. Nur das Innere wurde von August dem Starken mit Pracht neu eingerichtet, das Äußere in unscheinbarer Weise eilfertig instand gesetzt. Der König trug sich längere Zeit mit dem Plane eines neuen Schloßbaues an anderer Stelle. — Mit dem Georgenbau 1533 (nach der Überlieferung von Hans Schickentanz) hielt die Renss. ihren Einzug in Dresden. Beim Brande 1701 nur das Erdgeschoß erhalten. Das eine der beiden Portale beim Umbau 1899 in den Winkel gegenüber der kath. Hof-K. versetzt; der reiche Dekor in ausgeprägt lombardischem Stil; die ursp. Bekrönung war höher, ein zu ihr gehöriges Relief in der Durchfahrt zum Jagdtor. Fries mit Totentanz im Mus. des Gr. Gartens. — Moritzbau. Ein vollständiger Um- und Vergrößerungsbau begann 1548. Entwurf von Caspar Vogt, Oberaufsicht von Hans Dehn. Unter den folgenden Regierungen weitere Um- und Zubauten. Den Zustand E. 17. Jh. zeigt das bmkw. große Modell im Grünen Gewölbe. Als Hauptfassade hat die WSeite des großen Hofes zu gelten. In der Mitte erhebt sich der mächtige, aus dem ma. Bau herübergenommene Hausmannsturm, überhöht und mit Bar.Helm versehen 1674 von Klengel. Vor ihn legte sich der große Altan in 3 Geschossen offener Bogenhallen; er sollte, da der Turm keine Türen hatte, die Verbindung zwischen den beiden Hälften vermitteln (1896 wurde er um 2 m vorgerückt). Das jetzt das Erdgeschoß des Hausmannsturms durchbrechende Grüne Tor nach 1691. Aus der Zeit Moritzens stammen die in die Winkel des Hofes verlegten großen Treppentürme (»Schnecken«) aus dem 8Eck mit rundem Oberbau, und die ihnen zunächst liegenden Zwerchhäuser. Nur die Schnecken [pg 83] und der Altan haben architekt. Gliederung; die sonstige Fassade ist glatter Verputzbau; die sie schmückende sehr reiche Sgraffitomalerei (von den Italienern Ricchini und de Thola) ist verschwunden. Am Altan die erste Brüstung mit Reliefs, wohl von Hans Walther. — Das Tor an der Schloßstraße 1589; kräftige Rustikasäulen dorischer Ordnung tragen einen Metopenfries; der Aufsatz umgestaltet. Der Kleine Schloßhof 1592 von Paul Buchner in derber deutscher Renss. Der Durchgang zum Großen Hof nebst Portal in vornehmeren Barockformen 1682. — Von der inneren Einrichtung der älteren Teile ist infolge von Bränden und Umbauten wenig übrig: Die Deckenmalerei im sog. Wettinzimmer von Hans Willkomm und Gg. Fleischer; dagegen von Italienern die Decke des sog. Porzellanzimmers im Hausmannsturm; zartes Groteskenornament in Stuck auf farbigem Grunde in der Art der raffaelischen Loggien, speziell an dessen in Genua tätigen Schüler Perino del Vaga erinnernd (vielleicht aus der genuesischen Künstlertruppe, die 1538 nach Prag berufen war). — Aus der ersten Zeit August des Starken stammt die Ausstattung der Chambre de lit und des Thronsaals. — Von den 7 Räumen des Grünen Gewölbes besitzen das »Silberzimmer« und der »Preziosensaal« Stuckdecken aus 16. Jh.; andere haben 1721-24 ihre Dekoration erhalten, als August der Starke in ihnen den unvergleichlichen Schatz von Edelmetallarbeiten, der noch heute dort bewahrt wird, aufstellen ließ. — Aus letzterer Zeit auch der »Gardesaal« nahe der »englischen Treppe«; diese ist älter, von 1669. — Verschiedene Nebengebäude, wie das Ballhaus und das Komödienhaus, sind verschwunden. — Die Schloßkapelle, im Moritzbau im S des Hausmannsturms, wurde 1602 und 1662 umgebaut, nach dem Übertritt des Kurfürsten Friedr. August I. zur kathol. Kirche 1737 dem Gottesdienst entzogen und zu den Wohnräumen geschlagen. Der erste Bau unter Moritz folgte dem Typus der Schloßkapelle zu Torgau. Davon hat sich das (an den Jüdenhof versetzte) herrliche Portal erhalten, bez. 1555, Formen und Verhältnisse in rein italienischem Geist, doch von einem Deutschen (Hans Walther ?, Christoph Walther?) Der Altarbau von 1602, von einem der Walther, ist in die Schloßkapella zu Torgau übergeführt. Der Taufstein jetzt in der Sophienkirche, um 1555, mit Veränderungen 1602. Ebendahin gelangten die wertvollen Altargeräte.

Palais am Taschenberg. 1707 ff. unter starkem Anteil von Pöppelmann. Die 48 m breite Front hat 19 Fensternischen und 4 Geschosse. Das Mittelrisalit springt wenig vor, ist aber durch reichen Fensterschmuck ausgezeichnet. Im Innern eine großartige [pg 84] (nur zur Hälfte erhaltene) Treppenanlage. 1756 ff. die seitl. Erweiterungsbauten unter Leitung von Schwartze. Die köstlichen Brunnen und sonstigen plastischen Arbeiten von Gottfr. Knöffler. Von der alten Einrichtung erhielt sich nur die Kapelle.

Kanzleihaus (jetzt Hofapotheke), 1567 von Hans Irmisch; die Sgraffitomalerei, von Benedikt de Thola, zerstört; einige Mobilien aus der Erbauungszeit.

Stallhof (heute Johanneum und Gewehrgalerie). 1. Der kurfürstl. Stall, 1586 ff. von Paul Buchner; nach Ausweis alter Zeichnungen eine nicht nur sehr ausgedehnte, sondern auch überraschend glänzende Anlage, Sgraffitomalerei an den Wänden, reich dekorierte Zwerchhäuser am hohen Dach; jetzt ganz verunstaltet. 2. Der »lange Gang«, seit 1731 als Gewehrgalerie benutzt; die 53 Fürstenbildnisse (meist von Heinrich Göding ca. 1570-80) haben nur dekorativen Wert, die 29 Turnierbilder nur kulturgeschichtlichen. Außen das derbkräftige »Jagdtor«, die Bildwerke von Andreas Walther. 3. Der »Stallhof« selbst; im 18. Jh. für die Gemäldegalerie umgebaut; seither weiter verändert. Zwei prachtvolle bronzene Säulen (1588) auf dem Hofe dienten beim Ringelrennen.

Zeughaus (heute Albertinum) 1559-63 von Paul Buchner, gebürtig aus Nürnberg, bis dahin in den Niederlanden tätig, von wo er die reiferen Renaissanceformen einführte. 4 Flügel umgeben ein gestrecktes etwas verschobenes Rechteck. Das Erdgeschoß (das sich allein in ursp. Gestalt erhalten hat), wird durch toskanische Säulen rundum in zwei Schiffe geteilt; erhalten ferner 2 Tore gegen W in Rustikaarchitektur.

Zwinger. 1711-22 von Matthäus Daniel Pöppelmann (1662 bis 1736). Die monumentale Gestaltung eines Renn- und Festspielplatzes, dergleichen um jene Zeit in Florenz, Wien und Paris öfters, in Dresden selbst im Jahre 1709, in provisorischer Holzkonstruktion zur Ausführung gekommen waren. Etwas von der phantastischen Pracht der Bühnenarchitektur ist auf die Anlage übergegangen, aber gemäßigt durch eine hohe, klare und für den gegebenen Zweck überaus glückliche Grundrißdisposition. Den Zwinger von der SWHauptpforte betretend, hat man vor sich einen Hof von 106 m Tiefe und 107 m Breite; aus den Langseiten treten Flügel mit Segmentbogenschluß hervor, wodurch das Ganze kreuzförmige Gestalt erhält, mit Erweiterung der Querachse auf 204 m. Die dem Eingang gegenüberliegende Seite (wo jetzt Sempers Galeriegebäude steht) blieb offen und man weiß nicht genau, mit welchem Programm Pöppelmann hier zu rechnen hatte. (Vor der Eingangseite zog sich der breite Stadtgraben [jetzt Ostraallee] [pg 85] hin und links schlossen sich die hohen, schon damals mit Bäumen bepflanzten Wälle an). Den großen Hof umgibt eine Pfeiler- und Bogenhalle auf hohem Sockel. Aus ihr erheben sich mehrere Pavillons, 4 an den Langseiten des Mittelhofs und 2 am Schluß der Kreuzflügel. Von ihnen aus schaute die Hofgesellschaft den Spielen zu, während die Arkadengänge eine Orangerie enthielten; mit diesem Zweck hängen die vor jeder Arkade angeordneten Konsolen zusammen. — Über der genialen Phantastik der Behandlung darf der Wert der Gesamtanlage nicht übersehen werden: der wundervolle Rhythmus des Grundrisses und die hohe Angemessenheit der Proportionen des Aufbaues. Der Stil der Zwingerarchitektur hat mit dem Rokoko historisch nichts zu schaffen, ist ihm auch nicht stimmungsverwandt; er ist aus umfassenden italienischen Studien hervorgegangen; selbst Palladio dürfte mit seinen Villenentwürfen nicht ohne Einfluß gewesen sein. Charakteristisch für den Zwingerstil ist die enge Verbindung von Architekturformen mit figürlicher Plastik. Je einer der 4 Saalbauten ist in seiner Dekoration Jupiter, Neptun, Vulkan und Apoll gewidmet. Von Permoser der Atlas auf dem Wallpavillon, die vier Jahreszeiten am Eingangspavillon, die Entwürfe zu den Faunen unter den Konsolen vor den Arkaden; anderes z.T. spät; so die Statuen am Uhrpavillon von J. B. Dorsch 1785. — Außerhalb des Hofes im nördl. Winkel das Nymphenbad; das im südl. Winkel gelegene große Opernhaus ist nach Brand 1849, das kleine 1841 abgebrochen.

Palais im Großen Garten. Der Garten beg. 1676 unter Johann Georg II.; schnurgerade Alleen, Rennbahn für Reiterspiele, Naturtheater, Irrgarten, Wasserkünste, zahlreiche Pavillons (im heutigen Bestande aber nur in einzelnen Andeutungen noch zu erkennen). In der Mitte das Palais, 1679 von Oberlandbaumeister J. G. Starke. Es sollte »italienisch« gebaut werden. Anklänge speziell an die Gartenpaläste Genuas (durch das Buch von Rubens sehr bekannt) nicht zu verkennen. In der Verbindung des Monumentalen mit dem Anmutig-Heiteren eine ausgezeichnete Leistung. Gr. gestreckter Mittelbau mit kurzen, nach beiden Seiten vorspringenden Querflügeln. Im Aufriß folgen sich: Erdgeschoß in Rustika; Hauptgeschoß mit Pilastern und großen Fenstern; Attika als Halbgeschoß. Der Mittelbau hat auf beiden Seiten eine weitläufige Freitreppe in der Höhe des Erdgeschosses und ein Mittelrisalit mit gekuppelten Sll., toskanisch im Erdgeschoß, jonisch im Hauptgeschoß. Die Mauerflächen neben ihr und über den Fenstern sind mit Festons und Draperien [pg 86] geschmückt; ferner spielen Nischen mit Statuen und (im Attikageschoß) Büsten eine Rolle. Auf dem mittl. Dachfirst eine Balustrade mit Vasen. Im ganzen herrschen gerade Linien, wie überhaupt der Bau mehr renaissancemäßigen als barocken Charakter hat. Der den ganzen Mittelbau einnehmende Saal in seinem gravitätischen Prunk sehr eindrucksvoll; Gliederung der Wand durch Nischen mit überlebensgroßen Standbildern antiker Göttinnen (vom Niederländer Dierks), Buntmarmorsäulen, schwerem verkröpftem Hauptgesims, Spiegelgewölbe — alles kraftvoll mit Stuck und Farbe dekoriert. — Die Marmorstatuen und Vasen des Gartens (einst 150) in Rom und Venedig bestellt, von Baratta, Balestra, Corradini und angebl. auch Bernini, von dem aber heute nichts mehr nachzuweisen. Die in entfernteren Teilen zerstreuten Sandsteinbildwerke meist von deutschen Künstlern; bmkw. die Apotheose eines Fürsten (Eugen v. Savoyen?) von Permoser (ursp. an anderem Ort). —

Japanisches Palais in der Neustadt. Hieß ursp. »holländisches«. Erster Bau 1715 von Pöppelmann für Gf. Flemming. Dann vom König angekauft und 1729-41 umgebaut und vergrößert von Pöppelmann († 1733) und Longuelune unter Oberleitung des Generalintendanten Jan de Bodt. Pöppelmann gehört der Elbflügel und der Arkadenhof. — 4 Flügel im Rck., außen 74 : 56 m. Jede Langseite durch Eck- und Mittelvorlage, jede Vorlage durch Pavillondach herausgehoben. Die kräftigste wagerechte Teilungslinie über dem Erdgeschoß; es folgen Hauptgeschoß und Mezzanin, durch senkrechte Streifen zusammengehalten; das Mittelrisalit hat einen Giebel, getragen von 4 Paaren gekuppelter Säulen. Die eigenartig geschwungenen Linien des Kupferdachs sollen an Japanisches erinnern. Augusts Plan, das ganze Innere einheitlich mit Porzellan zu dekorieren, kam nur zum kleinsten Teil zur Ausführung. — Die dekorative Plastik, vornehmlich im Hof, von J. Ch. Kirchner. Die Gartenanlage von Pöppelmann, früher reichlicher mit Vasen und Statuen dekoriert.

Kurländer Palais. Erster Bau für Gf. Wackerbarth 1718, Umbau 1728 wahrscheinlich durch Joh. Christoph Knöffel. Die Anlage gruppiert sich unregelmäßig, doch mit trefflicher Raumausnutzung, um mehrere Höfe. Die nicht sehr ausgedehnte Fassade erreicht monumentale Wirkung; Erdgeschoß und Hauptgeschoß mit fast verborgenem Mezzanin. Im Innern hat der Gobelinsaal seine Einrichtung fast vollständig erhalten; die Ölgemälde über den Türen von Silvestre und Casanova, die Bildwebereien mit Darstellungen aus dem Bauern-, Schiffer- und Hirtenleben von dem Brüsseler [pg 87] van dem Borcht nach David Teniers d. J. Der Festsaal von Joseph Deibel in der Zeit als der Chevalier de Saxe Besitzer war (um 1761).

Landhaus. An der Stelle des in der Belagerung von 1760 beschädigten Flemmingschen Palais 1770 von F. A. Krubsacius. Die 77 m lange Schauseite auf die Wirkung in enger Straße berechnet. Die Hofseite gab Gelegenheit zu einem kräftig vortretenden Mittelbau mit riesigem Treppenhaus. Die Einzelformen sehr einfach, auf eigentliches Ornament ganz verzichtend.

Regimentshaus 1710.

Hotel de Saxe und British Hotel. Ursp. vornehme Adelshäuser, um 1720 von George Bähr. Geistvolle und prächtige, lebhaft bewegte Kompositionen bei recht derber Detailbildung.

Hoymsches Palais (Harmonie). Die Front gegen die Landhausstraße von Knöffel, die gegen die Rampische Str. von Krubsacius, Lisenengliederung von guten Verhältnissen, sparsames Zierwerk. Im Hofe reizender Brunnen von Gottfr. Knöffler.

Coselsches Palais. Gleich dem vorigen für das sächsische Spätbarock besonders bezeichnend. Der hohe Mittelbau 1744 von Knöffel in der bei ihm beliebten Lisenenarchitektur mit schwachen Gruppierungskontrasten. Die vorspringenden niedrigen Flügel 1762 hinzugefügt.

Palais des Chevalier de Saxe (Palais Prinz Johann Georg) 1764-70 von F. A. Krubsacius. 1855 umgebaut. Es hatte ursp. ein einziges Hauptgeschoß, darüber ein Halbgeschoß und die in dem hohen Dach angebrachten Mansardenzimmer. Charakter: vornehme Einfachheit. Die Trophäen und Putten von Gottfr. Knöffler. Im Park Zierbauten — Ruine, Tempel, Einsiedelei (1799) und dergl. — von Weinlig (?), Vorahnungen der Romantik in klassizistischem Gewande. Gartenplastik.

Ministerpalais in der Seestraße. 1753 als Privatgebäude, in der Art Knöffels. Fassade von 9 Achsen in schlichter Lisenenarchitektur; 4 Geschosse, von denen nur das erste und das letzte durch Gurtgesimse abgesondert, so daß doch wieder ein Dreiklang entsteht.

Palais des Grafen Brühl, später Marcolini (jetzt Stadtkrankenhaus) 1746. Langgestreckter Bau (200 m) in einfacher Lisenenarchitektur. In der Achse kleiner Ehrenhof. Die Hermen an den Torpfeilern von Wiskotschill, die wunderlichen Löwen (nach chinesischen Mustern?) von J. B. Dorsch. Von der Inneneinrichtung blieb wenig intakt, so der chinesische Saal und ein pompejanisches Zimmer. Im Garten der großartige Neptunsbrunnen nach Longuelunes Entwurf von Lorenzo Mattielli 1741-44, eine Fels- und Grottenarchitektur [pg 88] mit plastischen Kolossalfiguren in meisterhaftem Gruppenbau. [Eine reizende Brunnengruppe mit Amphitrite von Knöffler jetzt im neuen Ständehaus; die einst im Garten zerstreuten Vasen und Einzelstatuen auf der Bürgerwiese.]

K. Stallgebäude. 1794 von Ch. Weinlig.

Justizministerium. 1733 angeblich von Pöppelmann.

Blockhaus (jetzt Hauptwache) erb. 1737ff. von Zacharias Longuelune, als wichtiger Richtungspunkt für die Straßenzüge der Neustadt. Ein wesentlicher Bestandteil, die Krönung durch Pyramide und Obelisk mit dem Bilde Augusts des Starken, blieb unausgeführt. Das jetzige Obergeschoß über dem Hauptsims nach 1880.

Palais des Grafen Wackerbarth, begonnen 1725 als Kadettenhaus, dazu Reitbahn.

Rathaus der Altstadt. 1741-45 nach Knöffels Entwurf.

Rathaus der Neustadt. 1750-54 von Berger und Winkler; sehr schlicht, nur durch die sorgfältig abgewogenen Verhältnisse wirkend.

Gewandhaus 1768 von J. G. Schmidt.

Bürgerhäuser. Dresden war bis ins 16. Jh. eine unbedeutende Stadt. Von ca. 1550 begann eine lebhafte, wenn auch nicht glänzende Bautätigkeit, die durch den 30j. Krieg unterbrochen wurde. Von dessen Ende bis zum 7j. Kriege ist Dresdens klassische Zeit. In keiner anderen deutschen Stadt ist diese Epoche im bürgerlichen Bauwesen so gut vertreten, trotz großer Einbußen durch den Brand der Neustadt 1695, die Belagerung von 1760 und die umgestaltende Tätigkeit des letztverflossenen Menschenalters. Im Folgenden nur eine Auswahl charakteristischer Beispiele.

a) Aus der Spätgotik. Marien-Apotheke; spitzbg. Tor um 1460-70, im schrägen Gewände Sitznischen mit Baldachin, in Bgg. verschränktes Stabwerk; jetzt im Zoologischen Garten; ein zweites kleineres an der Hofseite des Hausflurs. — Interessanter Gr. Wilsdruffer Str. 2. — Gewölbte Hausflure Schloßstr. 32 und Seestr. 2 mit angeputztem gewundenem Netzwerk. — [Mehrere bis ins 19. Jh. erhaltene Votivmadonnen jetzt im Altert.-Ver.].

b) Frührenaissance. Ecke Frauenstr. und Neumarkt Runderker mit reizendem Kinderfries um 1530. — Reich mit Masken belebte Treppentür in Schloßstr. 1 und 20. — Portalaufsatz Altmarkt 20 von 1538.

c) Hoch- und Spätrenaissance 1550-1650. In sonst umgebauten Häusern Fenster aus dieser Epoche: Webergasse 3, 5, 9, 13; Scheffelstr. 4, 7, 13; Wilsdruffer Str. 3, 6, 10, 13, 20, 31, 36, 40; Schloßstr. 6, 12, 15, 18, 23; Schössergasse 5, [pg 89] 11, 17, 27. — Da in dieser Epoche die Firste regelmäßig parallel zur Straße angelegt werden, kommen größere Giebel nur an Eckhäusern vor; sonst nur Zwerchgiebel; besonders bmkw. Exemplare haben sich nicht erhalten. — Ganze Fassaden: Schreibergasse 12 mit 3geschossigem rck. Erker an der Ecke. — Seestr. 1, Erker ähnlich dem vorigen. — Wilsdruffer Str. 15 Hotel de France, 4geschossig zu 6 Fenstern in dichter Stellung, Details nach Serlios Musterbuch. — Schloßstr. 11 Hotel Stadt Gotha, kräftig ausgebildeter Erker auf gequadertem Tragstein, vor A. 1591. — Schloßstr. 6, 2geschossiger Erker mit gequaderten Ecklisenen. — Schloßstr. 30, Erker mit den Halbfiguren des Kurf. Christian II. und seiner Gemahlin, 1612 von Hans Steyer. — Schloßstr. 11 und 34, wo auch ein größerer Giebel. — Hübsche, doch nicht hervorragend reiche Portale: Zahngasse 13, Pfarrgasse 7, Kleine Kirchgasse 5, Weißegasse 2. — Reste alten Holzbaus selten.

d) Barockbauten 1650-1690. Ecke Wilsdruffer Str. 14 und Große Brüdergasse 1 um 1650-60, Schloßstr. 14 um 1660 — mit Kartuschenumrahmung der Fenster —, Wilsdruffer Str. 15 vorzüglich erhaltener reicher Erker um 1680. — Ebenda 42 um 1690. — Rampische Str. 9 große Fassade in niederländischer Art um 1690.

e) Barockbauten 1690-1715. Sporergasse 2, großes Haus, mit einfachen Mitteln kraftvoll gegliedert, der Art Klengels nahestehend, um 1695. — Portal Neumarkt 12, jetzt als Fenster umgebildet. — Scheffelstr. 5, dor., jon. und korinth. Pilasterordnungen, an den Fensterbrüstungen aufgehängte Tücher, um 1700. — Landhausstr. 13 um 1710. — Große Brüdergasse 39 unter Pöppelmanns Einfluß um 1710, polyg. Erker. — Häuser derselben Richtung von zunehmender Stattlichkeit sind: das Eckhaus Wilsdruffer Str. 1 von J. G. Fehre, einerseits 8, andererseits 9 Achsen, an der Ecke durchgehende Erker, im Aufbau die schwierige Vierzahl der Geschoßteilung geschickt gelöst; Galeriestr. 14 von G. Hase; Große Brüdergasse 31; An der Mauer 2 von George Bähr, für sich selbst, 3achsig, originelle Stockwerkteilung; Rampische Str. 7 von Georg Hase, 5achsig, flacher Mittelerker, eigenartig krause Verdachungen. — Frauenstr. 9, tiefes Grundstück, Fassade 3achsig, Hof mit gewölbten Bogengängen durch 5 Stockwerke. — Schloßstr. 5 um 1710. — Jüdenhof 5 (für den berühmten Goldschmied Chr. Georg Dinglinger), die Fassade voll rhythmischen Lebens, eine der feinsten unter den Pöppelmann nahestehenden, mit Ausnahme des Erdgeschosses ganz unverändert. — Große Klostergasse 2, wohl von Pöppelmann selbst bez. 1715. — Ebenso Hauptstr. 17 und Rampische Str. 5. [pg 90] f) Barockhäuser 1715-40. Wilsdruffer Str. 7, Goldener Engel, die 4 mittleren der 6 Achsen durch reiche Fensterverdachung ausgezeichnet und über dem Dachgesims mit einem Stichbogengiebel gekrönt. — Ähnlicher Kompositionsgedanken auf ein Dreifensterhaus angewendet Rampische Str. 33. — Zahnsgasse 10, beg. 1722, 8 Fenster Front, durch Wechsel der Verdachungen rhythmisiert. — Heinrichsstr. 2 von Fehre 1720. — Hauptstr. 26 um 1730. — Jüdenhof 2 bez. 1736. — Königstr. 1 bez. 1734; ähnlich 5.

g) Rokokohäuser vor 1760. Frauenstr. 14 um 1750 mit reizendem plastischem Schmuck von Knöffler. — Sophienstr. 1, Gliederung durch Lisenen, zwischen den Fenstern trefflich gezeichnete Kartuschen. — Altmarkt 1 von Knöffel 1741.

h) Rokokohäuser nach 1760. An der Frauenkirche 20 von 1764. — Breitestr. 12. — Moritzstr. 6 ganz ohne architektonische Glieder, nur mit frei über die Fläche verteiltem Stuckornament. — Ähnlich Landhausstr. 4. — Im ganzen jedoch herrscht in dieser Zeit einfache Lisenengliederung der Flächen, z.B. Neumarkt 10 Stadt Rom; An der Frauenkirche 5; Augustusstr. 2.

i) Der Klassizismus: Landhausstr. 18 und 27. — Pillnitzer Str. 26. — Johannesstr. 23. — Pirnaische Str. 50. — Polierstr. 19. — Gewandhausstr. 7 dorisch.

Museen: Altertums-M.; M. des K.S. Altertumsvereins; Sammlung für Baukunst d. Techn. Hochschule; Stadtmuseum im neuen Rathaus; M. d. Ver. f. sächs. Volkskunde.

Denkmäler. Reiterstandbild Augusts des Starken auf dem Markt der von ihm geschaffenen Neustadt, 1732 von Ludwig Wiedemann. Denkmal für den Kurfürsten Moritz nach 1553 (jetzt an der Brühlschen Terrasse); in einer Ädikula dorischer Ordnung reliefartig wirkende Rundfigg. vor festem Hintergrund: Moritz, vom Knochenmann gedrängt, übergibt seinem Bruder August das Kurschwert. Meister unbekannt [Hans Walther?].