Beschreibung einer Reise durch das nordwestliche Deutschland nach den Niederlanden und England im Jahre 1683

von Jakob v. Melle und Christian Henrich Postel
Autor: Curtius, Carl Dr. (1841-1922) Oberlehrer, Stadtbibliothekar, Herausgeber, Erscheinungsjahr: 1891
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Jakon von Melle, Christian Hinrich Postel, wissenschaftliche Reisen, Norddeutschland, Holland, Niederlande, England, Schiffsreise, Lübeck, Hamburg, Friesland
In einer Handschrift der Stadtbibliothek zu Lübeck ist die Beschreibung einer Reise erhalten, welche im Jahre 1683 von Hamburg durch das nordwestliche Deutschland nach den Niederlanden und England und von hier über Paris zurück nach Deutschland unternommen wurde. Die Namen der Reisenden erfahren wir aus den auf der ersten Seite der Handschrift am Rande beigeschriebenen Worten: „nämlich ich J. v. M. und H. Christian Hinrich Postel, J. v. L.“ Gemeint sind damit der Lübecker Theologe und Historiker Jakob von Melle und der Hamburger Dichter Christian Hinrich Postel, welche nach Vollendung ihrer Universitätsstudien diese Reise mit einander machten. Beide waren später durch ihr vielseitiges Wissen und ihre schriftstellerische Tätigkeit in weiten Kreisen bekannte Männer.
Jakob von Melle wurde zu Lübeck am 17. Juni 1659 geboren und, als seine Eltern bald nach seiner Geburt ihren Wohnsitz nach Cappeln in Schleswig verlegten, der Fürsorge seines Oheims, des Predigers Bernhard Krechting, in Lübeck übergeben. Er besuchte sodann die Universitäten Kiel, Jena und Rostock, um Theologie zu studieren, und erwarb sich außerdem gründliche Kenntnisse in der Geschichte, Philologie und den Naturwissenschaften. In Jena wurde v. Melle durch den Verkehr mit dem Professor Caspar Sagittarius, den er bereits zu Lübeck im Hause von Krechting kennen gelernt hatte, zu einer eingehenden Beschäftigung mit der Lübeckischen Geschichte angeregt. Er behandelte noch als Student die ältere Geschichte Lübecks in vier Abhandlungen und erwarb sich dadurch unter dem Präsidium von Sagittarius die Magisterwürde.*) Von Jena begab er sich auf ein Jahr nach Rostock, um sodann im Jahre 1681 in seine Vaterstadt zurück zukehren. Um die weitere Ausbildung des vielversprechenden Jünglings zu fördern, versah ihn sein Pflegevater Krechting mit den nötigen Mitteln zu einer wissenschaftlichen Reise. Diese unternahm er im Jahre 1683 mit Christian Henrich Postel, welchen er, wie es scheint, in Rostock kennen gelernt hatte. Von jener Reise berichtet v. Melle in einer kurzen Selbstbiographie (notitia majorum plurimas Lubecensium vitas comprehendens. Lipsiae 1707, p. 8). Zu Weihnacht 1683 kehrte v. Melle nach Lübeck zurück, woselbst er bereits im folgenden Jahre zum Prediger an St. Marien und 1706 zum Hauptpastor an dieser Kirche erwählt wurde. Er starb hochbetagt am 13. Juni 1743. Mit seiner langjährigen amtlichen Wirksamkeit verband er eine große schriftstellerische Fruchtbarkeit, in welcher er sich als Polyhistor im Sinne der damaligen Zeit zeigte. Er veröffentlichte verschiedene theologische, historische und numismatische Arbeiten und legte sich eine auch von Fremden geschätzte Sammlung von Antiquitäten, Naturalien und Münzen an.**) Ein bleibendes Verdienst aber hat Jakob von Melle sich erworben durch seine während eines halben Jahrhunderts fortgesetzte Erforschung der heimischen Geschichte und Altertumskunde. Seine „gründliche Nachricht von der Kaiserl. freien und des H. R. Reichsstadt Lübeck“ (Lübeck 1713. 3. Aufl. von Schnobel 1787), eine handschriftlich in mehreren Bearbeitungen hinterlassene Beschreibung der Geschichte und Denkmäler Lübecks, welche er Lubeca religiosa und civilis nannte, und eine mit erstaunlichem Fleiß ausgeführte genealogische Aufzeichnung der Lübeckischen Geschlechter sind noch jetzt unentbehrliche Fundgruben für die Lübeckische Geschichts- und Kunstforschung.***)

*) Jacobus a Mellen, Historia antiqua, media, recentior Lubecensis. Jenae 1677—79. 4°.

**) Vgl. Zach. Conrad von Uffenbach, Merkwürdige Reisen durch Niedersachsen u. s. w. Ulm. 1758. Teil II. S. 37 ff. Ein großer Teil des sog. „Museum“ Melles ist später verkauft und auseinander gekommen, darunter namentlich auch die Münzen. Was in Lübeck geblieben ist, befindet sich jetzt in der kulturhistorischen Sammlung. Den von ihm selbst geschriebenen Katalog seiner Sammlung (Jacobi a Melle catalogus eorum, quae Museo nostro continentur), nach dem lange Zeit vergeblich gesucht worden ist, habe ich kürzlich im Hause des hiesigen Weinhändlers Gerhard v. Melle wieder aufgefunden.

***) Über Jakob von Melles Leben und Schriften sind außer dessen kurzer Selbstbiographie in der bereits angeführten Schrift notitia majorum zu vergleichen: Letztes Ruhm und Ehrenmal Herrn M. Jakob von Molle, aufgerichtet von Carl Heinrich Langen. Lübeck 1743 fol. — Memoria domini M. Jacobi a Melle, literis consignata a Jo. Henr. aSeelon. Lubecae 1743 fol. — M. Jakob von Melle. Von Joh. Carl Jos. von Melle, Prediger an der Lorenzkirche, in der Zeitschr. f. Lübeck. Gesch. und Alt. I. S. 10 ff. Der letztere gibt eine ausführliche Darstellung von dem Leben und der schriftstellerischen Tätigkeit seines berühmten Vorfahren mit Benutzung von dessen handschriftlichem Nachlass. (Vgl. unten S. 5).
Hamburg Brandstwiete 1775

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Holland - Fischerboot

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Holland - Leeuchwarden, Hauptstraße

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Holland - Mühle

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Holland - Rotterdam

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Holland - Utrecht

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