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Friedrich Gilly.

Friedrich Gilly schien alle Kräfte in sich zu vereinigen, um den künstlerischen Bestrebungen, die in dem Berliner Bauwesen im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts am Werke waren, die höchste Form zu geben. Unter der Leitung des Vaters von Kind an in der Praxis ausgebildet, mit dem Maurerhandwerk und der Ziegelbrennerei in Pommern von Grund auf bekannt geworden, im Wasser; und Mühlenbau durch Siebecke und auf einer Reise durch Holland 1790 durch den älteren Riedel unterrichtet, fand der hochbegabte frühbewunderte Jüngling mit der Übersiedelung nach Berlin 1788 die besten Meister zur Ausbildung seines architektonischen Geschmacks. Er zeichnete unter Erdmannsdorff bei der Ausstattung der Königskammern, er arbeitete unter Becherer an der Akademie und als Hofbauamtskondukteur an den Bauten des Langhans mit. Der Landschaftsmaler Schaub, die Akademieprofessoren Chodowiecki und Meil unterrichteten ihn in den malerischen und graphischen Künsten. Eine geniale Verbindung von räumlicher Vorstellungskraft und architektonischem Liniengefühl mit malerischer Empfindung tritt in den Aufnahmen Gillys, die er von Bauten in Pommern, Berlin, in Dessau und Wörlitz machte, von Anfang an zutage. Ob in der Tat das feinlavierte Blatt mit dem eingestürzten Gensdarmenturm und Chodowieckifiguren im Vordergrunde, wie der Ein Sammlervernierk will, eine Arbeit des kaum Zwölfjährigen ist, mag offen bleiben. Die Aufnahmen Gillys von der Marienburg 1794, die Frick in Aquatinta ätzte, die Ansichten von Steinhöfel, die Skizzen von der Reise durch Deutschland (Weimar, Park, Theater von Thouret), Frankreich und England 1797, bekunden die Steigerung des malerischen Gefühls, die Förderung durch das Studium der englischen Graphik und des großen Pariser Zeichenstils der Revolution. Diese Reise brachte den 25jährigen reif-entwickelten Künstler in Berührung mit den modernsten Ideen der Pariser und Londoner Architekten. Zahlreiche Studien zeugen davon; die wenigen Wohn; und Landhäuser, die dem Künstler nach seiner Rückkehr zu entwerfen vergönnt waren, tragen die nackte strenge Form zur Schau, die jetzt in Paris Mode geworden. Aber unleugbar ist den Arbeiten Gillys eine schwungvolle sinnliche Auffassung gegen über dem nüchternen Pariser Direktoire eigen (Haus Brüderstr. 30, Behrenstr.). Streben nach griechischer Art mehr als nach römischer, wie in Paris, tritt bei ihm hervor. Das Denkmal Fiedrichs des Großen 1797 stellt dieses Verhältnis zur Pariser Architektur auf der einen und zur antiken auf der anderen ins Licht. Unter den Entwürfen dieser letzten Schaffenszeit sind die für das 1799 erbaute Schauspielhaus in Königsberg, die mit Abänderungen auch dem Posener Schauspielhaus 1802— 05 zugrunde lagen, und zum Nationaltheater auf dem Gensdarmenmarkt 1800 hervorzuheben. Das erstere hält den ovalen Grundriss und die Logenteilung des Barocktheaters bei, das letztere sucht die amphitheatralische Anordnung zu Grunde zu legen. Beiden Bauten ist das massig Kastenartige des Äußeren, die Verwendung der Halbbogenfenster und schweren dorischen Säulen gemein; ähnliche Formen hat die Villa Mölter an der Tiergartenstraße, deren kreisrundes Vestibül; mit Nischen, nach dem Vorbild von Bagatelle auch in einem Landhausentwurf des Märkischen Museums wiederkehrt; ähnlich in Klein-Machnow. Die strengen dorischen Säulen kehren in den kleinen erhaltenen Gebäuden Gillys, dem PavilIon in Buchwald und dem Grabmal der Gräfin Maltzahn in Dyherrnfurt, wieder. Der Künstler starb mit 29 Jahren an der Schwindsucht im August 1800 in Karlsbad. ,,Er galt für das größte Genie im Baufach“, sagt Schadow, und Friedrich Gentz, der Schwager des Künstlers, empfiehlt den Vierundzwanzigjährigen dem Archäologen Böttiger in Weimar als „eines der ersten Kunstgenies, die unser Vaterland in diesem Zeitalter hervorgebracht hat“; alle Sachverständigen ohne Ausnahme hätten ihm in seinem vierundzwanzigsten Jahre den unstreitigen Rang des ersten Architekten im preußischen Staate eingeräumt. So wertvoll und von so schönen architektonischen Ideen erfüllt die hinterlassenen Blätter Gillys erscheinen, so müssen wir doch anerkennen, dass sie eine allerdings höchst geschmackvolle und originelle Verarbeitung der zeitgenössischen, besonders in Paris kultivierten klassischen Formen sind, dass aber eine geniale Neuschöpfung eines architektonischen Organismus nicht darin enthalten ist. Das leidenschaftliche Studium der Alten, oft bis in die Nacht hinein, wovon Levetzow erzählt, die Verwendung gotischer Formen (Paretz, Rohrhaus, Kirche, Meierei Bellevue), das vereinzelte Nachahmen der Pariser Antiken-Theatralik wie in den Entwürfen für Inneneinrichtungen im Märkischen Museum, eine gewisse panoramaartige Auffassung der Landschaft deuten neben vielen romantischen Zügen im Wesen des reichbegabten Künstlers darauf hin, dass er, trotz der Hoffnungen, die die Zeitgenossen auf ihn setzten, am Ende der schöpferischen Architekturentwicklung des 18. Jahrhunderts steht. Bedeutend war sein Einfluss auf die Berliner Schule um die Wende des 18. Jahrhunderts, wovon die zahlreichen, um 1800 bis 1806 entstandenen, hier abgebildeten Hausfassaden Zeugnis ablegen; selbst auf die älteren Meister Langhans, David Gilly, Becherer und Gentz wirkte er zurück; noch Jahre nach seinem Tode werden seine Ideen von den Baumeistern benutzt. Schadow meißelte nach des Künstlers Skizze den Münzfries und die von den Schülern Gillys in der Akademie im Jahre 1802 aufgestellte Marmorbüste.

Die Inschrift, die Friedrich Gentz für das Grabmal des vielgeliebten Künstlers in Karlsbad verfasste, lautet:


,,Hier ruht
vom Vaterlande und von zahlreichen
Freunden getrennt,
EinLiebling des Himmels und der Menschen,
Ein Künstler der edelsten Art;
In welchem die Fülle des Genies
Mit der Reinigkeit des ächten Geschmacks
Und der inneren reizenden Harmonie
Einer schönen gebildeten Seele,
Die Kunst mit dem Leben sich innig verschlang

Friedrich Gilly
geboren d. 16ten Februar 1771 (2)
gestorben d. 3ten August 1800

Die,
Denen sein Tod die Zierde ihres Lebens entriss,
Haben ihm hier in trostloser Ferne,
Dies Denkmal ewiger Schmerzen
Und ewiger Liebe geweiht.“



BB 038 Meierei im Park von Bellevue von Friedrich Gilly 1800

BB 038 Meierei im Park von Bellevue von Friedrich Gilly 1800

BB 039 Berlin, Die ehemalige Börse am Lustgarten von Becherer 1801

BB 039 Berlin, Die ehemalige Börse am Lustgarten von Becherer 1801

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