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Abschnitt 10

17 Nachwort.


Ein nach seinem Vater ebenso benannter Julius Adam (geb. 18. Mai 1852) befaßte sich zuerst mit Photographie, kam mit fünfzehn Jahren nach Rio Janeiro, etablirte daselbst mit gutem Erfolge ein photographisches Atelier, kehrte jedoch 1872 in seine Heimath zurück, um durch gründliche Studien an der Akademie die beleidigte Muse der Kunst zu versöhnen. Er begann als Illustrator und Zeichner mit reizenden Kinderscenen, malte dann mehrere Genrebilder (darunter ein höchst lebendiger „Bauerntanz“) und schuf eine Reihe von tiefgefühlten, warm pulsirenden Compositionen, in welchen Figuren und Landschaft in innigster Verbindung unsere ganze Theilnahme fesseln. Wir erinnern an die „Märchen-Erzählerin“, die schöne „Wald-Idylle“, das den herzlichsten Kinderjubel darstellende „In den Himbeeren“, 30) denen sich neuestens „Der treue Eckart“ in gleich genialer Weise anreiht. Inzwischen excellirte Julius Adam, nebenbei wieder als Thiermaler thätig, mit den köstlichen, höchst humoristischen Katzenbildern, welche ihm mit Recht eine wahre Berühmtheit und den Namen eines „Katzen-Raphael“ eintrugen, obwohl das oben angedeutete Genre doch als seine eigenste Domäne gelten dürfte.


Hieher gehört auch Ludwig v. Langemantel – der Sohn des mit Magdalena, der drittältesten Tochter Albrecht Adam’s, verheiratheten k. Bauamtmanns Otto von Langemantel 31) – welcher, geboren am 5. April 1854 auf dem Michaelsberg bei Kelheim, schon vierjährig im Atelier seines Großvaters die erste Anregung zur Kunst empfing. Nach der Kunstgewerbe-Schule besuchte er die Münchener Akademie (1870) und wurde 1874 Schüler von Karl Piloty. Sein erstes größeres Bild: „Die Verhaftung des Chemikers Lavoisier unter der Schreckensherrschaft 1794“, wurde 1876 auf der Münchener Kunstausstellung durch Verleihung der „Medaille“ ausgezeichnet. 32) Drei Jahre darauf folgte das von dem Verein für historische Kunst angekaufte große Bild „Savonarola’s Predigt in Florenz“ 33) , eine sehr bedeutende, vielversprechende Leistung. Neuestens malte derselbe mehrere Bilder im Auftrage Sr. Majestät König Ludwigs II.

Schließlich sei des im Verlaufe dieses Buches öfters erwähnten wackeren und ganz poetisch veranlagten Heinrich Adam gedacht. 34) Ursprünglich wie sein älterer Bruder gleichfalls zum Conditor bestimmt, wandte er sich 1808 in Augsburg der Kunst zu, wo er zunächst Bilder zum Ausschneiden und Schlachten, welche colorirt wurden, radirte, kam dann zu Albrecht nach München, erhielt vorübergehend eine Stelle am Wasserbau-Bureau und radirte verschiedene Platten für General-Direktor von Wiebeking. Im Jahre 1811 verweilte er längere Zeit bei seinem Bruder zu Mailand und am Comer-See und versuchte sich abwechselnd mit Aquarell-Malerei und mit Führung der Radirnadel. In München lieferte er mehrere Blätter für das Werk des Grafen Rechberg über die Völker Rußlands, machte 1819 eine neue Fahrt nach dem Comer-See und begann eine Reihe von Oelbildern, theils aus dem Bereiche der Landschafts- wie der Architektur-Malerei. Auf einer Reise durch Bayern 1826 zeichnete er 24 Städte-Ansichten (lithographirt von G. Krauß). In der Neuen Pinakothek befinden sich zwei Tableaux mit je fünfzehn Ansichten aus Alt-München (1836), welche durch ihre Treue culturhistorisches Interesse erregen; 1855 zeichnete er auch 30 Ansichten aus Rom und Neapel, wohin er im Auftrage eines Verlegers eine Reise unternahm. Leider holte er sich hiebei eine Gehirnentzündung, welche ein langwieriges Kopfleiden und endlich den Tod zur Folge hatte.

Von 1824–1850 brachte er fast alljährlich mehrere Landschaften aus den bayerischen Alpen, aus Oberitalien und der Schweiz, welche mit Fleiß und Treue nach der Natur gemalt, doch mit einer etwas nüchternen und trockenen Manier ausgeführt waren, die auch seinen Radirungen eignet. Eine Stelle im Topographischen Bureau gab der charakterfeste Mann auf, als ihn sein Chef anhielt, auch am Charfreitage zu arbeiten.

Er hinterließ einen Sohn Joseph Adam, welcher vielseitig, ebenso zur Musik wie zur Malerei begabt, seit längerer Zeit eine Stelle am k. Kupferstich-Kabinet begleitet.

Das vorerst noch unbekannte Problem, wie sich die höchst zahlreiche dritte und vierte Generation entwickeln dürfte, wird die Zukunft beantworten. Sind Levin Schückings geistvolle Theorien richtig – und sie beruhen ja auf sicherer Erfahrung – so wird ein Theil dieser Familie in verwandten Kunstzweigen, im historischen Gebiete und Genre-Fache sich in der Folge hervorthun, etwa im Kupferstich, im Bereich der Bildhauerkunst und der Architektur, möglicher Weise auch in den verwandten Schwesterkünsten, der Poesie und Musik, vielleicht stellen sie auch ein stattliches Contingent zur Wissenschaft, als Erfinder, Techniker oder im Soldatenstande: hoffentlich aber immer zur Ehre ihres Ur-Ahnen Albrecht Adam.






30) „In den Himbeeren.“ Vgl. Nr. 2157 Il lustr. Zeitung, Leipzig, vom 1. November 1884.
31) Otto von Langemantel, ein sehr geistreicher und in seinem Fache äußerst tüchtiger Künstler (Schüler von Fr. von Gärtner), geboren 26. Februar 1816 zu Weiler bei Kempten, gest. 8. April 1875 zu München. Seine Gattin, Magdalena Adam, besaß ein ganz merkwürdig ausgesprochenes Talent zum Zeichnen, welches jedoch gegen den Willen des Vaters nicht ausgebildet wurde.
32) Vgl. Fr. Pecht: Aus dem Münchener Glaspalast, Stuttgart 1876, S. 56.
33) Holzschnitt in Ueber Land und Meer 1883, 51. Band.
34) Vgl. oben S. 3 (Anmerkung). Jul. Meyer S. 68 f. und Naglers Monogrammisten 1858, I Bd. (Nr. 696), III. Bd. 1863 (Nr. 596 und 601).

Dieses Kapitel ist Teil des Buches Aus dem Leben eines Schlachtenmalers