Aus dem Lande der Glaubenseinheit

Kultur- und Sittenbilder aus Tirol
Autor: Lenau, Nikolaus eigentlich Nikolaus Franz Niembsch (seit1820) Edler von Strelenau (1802-1850) österreichischer Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1868
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Kulturbilder, Sittenbilder, Tirol, Innsbruck, Meran, Aberglauben, Religionsgeschichte, Landesgeschichte, Aufklärung
Das Licht vom Himmel lässt sich nicht versprengen,
Noch lässt der Sonnenaufgang sich verhängen
Mit Purpurmänteln oder dunklen Kutten;
Den Albigensern folgten die Hussitten,
Und zahlten blutig heim, was jene litten;
Nach Huss und Ziska kommen Luther, Hutten,
Die Dreißig Jahre, die Cevennenstreiter,
Die Stürme der Bastille und so weiter!
Inhaltsverzeichnis
    Vorwrt
  1. Aus der Landeshauptstadt
  2. Fromme Vereine
  3. Ein Kapitel von der Klerisei
  4. Die ekstatische Jungfrau
  5. Tirolisches Zeitungswesen
  6. Von der Glaubenseinheit
  7. Das tirolische Erziehungswesen
  8. Bozner Studie
  9. Eine Probe tirolischer Aufklärung
  10. Meran und Gries
  11. Die wälschtirolische Frage
  12. Konservative und Liberale
  13. Ein tirolischer Liberaler
  14. Tirol und die Staatsgrundgesetze
Vorwort.

Fast möchte es seltsam erscheinen, ein Bück zu rechtfertigen, dessen Inhalt deutlich genug spricht. Und doch möchte ich nicht missverstanden werden, als seien diese Blätter etwa aus Hass, Feindschaft oder Rachsucht entstanden. Wer irgendwo Gastfreundschaft genossen oder sonst Liebes und Gutes, treue und aufrichtige Herzen und ehrenwerte Leute gefunden, dem stünde es wohl schlecht an, gleichsam als Dank nun bitterböse Worte zu sagen. So wüsste ich auch eigentlich nichts Übles von den Leuten in Tirol zu erzählen und wenn man zwischen den Zeilen zu lesen versteht, wird man herausfinden, dass meine Pfeile nur gegen jene finstere Kohorte gerichtet sind, welche die Geister fesseln, das Volk verdummen und die materielle Entwicklung Tirols hindern will. Was Tirol sein könnte, wie dieses herrliche Volk frei, kräftig und reich dastehen könnte, wenn es nicht unter dem Drucke der „Schwarzen“ seufzte, das wollte ich mit festen Strichen zeichnen und war auch die Tendenz dieser Schrift.

Was ich darin gesagt habe, ist ohne Parteileidenschaft, ruhig, und wie ich glaube, ohne absichtliche Entstellung auf das Papier hingeworfen. Auch wird man finden, dass ich nicht alle tirolischen Geistlichen in einen Topf werfe, da es wohl einige, freilich nur sehr wenige gibt, welche die Aufhebung des Konkordates und die Unabhängigkeit der Geistlichen von der bischöflichen Gewalt wünschen. Diese Anzahl aufgeklärter echter Priester ist freilich sehr klein, aber sie existiert dennoch, wenn es auch die fanatische Partei verleugnen will. So mögen denn diese Blätter in die Welt hinauswandern. Sie werden viel Anfeindung erfahren, weil die Wahrheit bitter schmeckt und vornehmlich die Tiroler Pfaffen in einen wahren Berserkerzorn geraten, wenn man dem großen Publikum ihre Gaukelkünste zeigt und ihnen den Spiegel vorhält, der ihre hässlichen Gestalten zeigt. Was auch kommen möge, ich werde der Dinge ruhig harren in deutscher Geduld.

Wien, im Mai 1868.

Nikolaus Lenau (1802-1850) österreichischer Schriftsteller

Nikolaus Lenau (1802-1850) österreichischer Schriftsteller

Innsbruck

Innsbruck

Bozen

Bozen

Brixen

Brixen

Meran

Meran