Ansichten der freien Hansestadt Hamburg und ihrer Umgebungen. Band 1

Mit acht Kupfern
Autor: Hübbe, Karl Johann Heinrich (1764-1855) Bibliothekar, Schriftsteller, Pastor und Schulinspektor am Waisenhause in Hamburg., Erscheinungsjahr: 1824
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Hansestadt Hamburg, Juden, Judentum, Jüdische Gemeinde, Stadtgeschichte, Bürgerrechte, Armenversorgung, Armenkasse, Befreiungskrieg, Napoleon, Religion, Emanzipation, Bürgerschaft, Feuersbrunst von 1842, Judengesetze, Hausierhandel, Judentor, Juden-Reglement von 1810,
In einer Vorrede hat ein Schriftsteller gewöhnlich nur von sich selbst zu sprechen. Von seinem Werke, ob es gelungen sei, oder nicht, werden künftig die sprechen, welche es gelesen, vielleicht auch manche, die es nicht gelesen haben.

Ich muss die meinige mit einer Entschuldigung über die so lange verzögerte Erscheinung dieses Buchs anfangen. An Entschuldigungen für diesen Fall pflegt es einem Verfasser nicht leicht zu fehlen. Der Leser mag dann davon glauben, wie viel er will, oder sich Gründe des Verzugs denken, welche keine Entschuldigungen sind.

Allein als ich den Antrag meines wackeren Herrn Verlegers, welcher hei diesem Verzuge am meisten interessiert war und dessen Geduld und Nachsicht ich dankbar zu erkennen habe, ein Gemälde meiner Vaterstadt, so wie sie jetzt ist, zu liefern übernahm, konnte ich unmöglich vorhersehen, dass eine lange und unzertrennliche Reihe von Arbeiten und Geschäften, die Folge meiner Amtsveränderung und erneuerten Verbindung mit einem der wichtigsten, durch die unglücklichen Ereignisse des letzten Jahrzehends fast aufgelösten und wiederherzustellenden Institute, mir die notwendige Muße, Ruhe und Heiterkeit entziehen würden, deren ich bedurfte, zu sammeln, zu ordnen und das Gesammelte und Geordnete mitzuteilen. Durch den Aufschub werden also die Leser wenigstens nicht verloren haben.

Aber außer diesen, nun einmal nicht leicht zu beseitigenden Hindernissen, hielt mich noch ein anderer nicht minder zu beobachtender Umstand ab, sogleich und ungesäumt an die Arbeit zu gehen. Hamburg war nach so heftigen und fast zertrümmernden Erschütterungen nicht mehr das alte Hamburg geblieben. Es musste sich daher bei seiner Wiederherstellung vielfältig neu gestalten. Diese Veränderungen waren damals nur im Werden begriffen, und ohne den Geist der Weissagung ließ sich durchaus nicht bestimmen, welche Ansichten sich geltend machen und welche Wünsche und Hoffnungen erfüllt werden würden. Der Verfasser musste also vorsätzlich säumen, da sich Manches in die Länge zog, wenn er sich nicht während der Arbeit zuweilen selbst verbessern und widerrufen wollte. Er hofft daher auf den Dank und die Zufriedenheit der Leser, besonders in seiner Vaterstadt, rechnen zu dürfen, wenn er sie oft in die Vergangenheit zurückführte und einen Blick auf Hamburg, wie es sonst war, ehe es das wurde was es jetzt ist, tun ließ. Lob oder Missbilligung würde sonst kaum verständlich und der Schein der Parteilichkeit für das Neue, oder der starren Anhänglichkeit an das Alte, schwerlich zu vermeiden gewesen sein.

Mögen daher die geneigten Leser und besonders meine geliebten Mitbürger dieses Werk freundlich aufnehmen, welches mit Liebe zur Wahrheit und ungeheucheltem vaterländischen Sinn ohne Zorn und Eifer, sine ira et studio, geschrieben ist. Einerlei Meinung in allen Dingen können Alle nicht sein. Der Titel benennet das Buch ja nur Ansichten. Ich habe die meinigen gegeben, obgleich ich wohl weiß, dass Andere manche Dinge anders ansehen. Das hängt ja von dem verschiedenen Standpunkte ab, auf welchen wir uns nicht immer selbst gesetzt haben und den wir auch nicht immer, wenn wir wollen, zu verlassen im Stande sind.

In diesem ersten Teile ist von Hamburg bloß als Stadt und Wohnort menschlicher Wesen, und von den Einwohnern nur in Hinsicht ihrer physischen Bedürfnisse und den Mitteln, dieselben zu befriedigen, gehandelt. Der zweite, welcher, so Gott will, noch im Laufe dieses Jahres folgen soll, wird die Stadt als Staat und die Einwohner als intellektuelle Wesen, welche durch Gesetz und Verfassung verbunden sind und höhere Bedürfnisse als die bloße Fristung des physischen Lebens haben, betrachten und sich über die Mittel, diese zu befriedigen, verbreiten. Kleine Abschweifungen in das Gebiet desselben, schon im ersten Teile, waren unvermeidlich, da von Menschen, Menschenleben und Menschentun die Rede war. An Mängeln und Unrichtigkeiten, aber gewiss unverschuldeten oder doch verzeihlichen, wird es in diesem Werke wohl nicht fehlen. Der Kenner, welcher es weiß, wie schwer es hält, sich bei einer solchen Arbeit vor Täuschungen und Irrtümern zu bewahren, wird sie billig beurteilen.

      HAMBURG,
            Ende März 1824.
                  R. J. H. Hübbe,
            Pastor und Schulinspektor am Waisenhause.



                              Inhaltsverzeichnis

01. Hamburgs geographische und topographische Lage
02. Hamburgs Zu- und Eingänge
03. Anblick des inneren Hamburgs. Gassen. Bauart. Öffentliche Gebäude. Marktplätze. Kanäle. Ebbe und Flut. Gassenpflaster
04. Hamburgs Einwohner. Zahl. Abstammung. Körperliche Bildung. Sprache. Klassen und Stände. Juden
05. Physisches Leben der Einwohner Hamburgs. Lebensmittel und Konsumtion. Witterung. Gesundheitszustand. Grabstätten

                  Verzeichnis der Kupfer zum ersten Bande.

1) Ansicht des Hamburger Berges
2) Ansicht von Harburg
3) Ansicht des Hafens beim Blockhause
4) Ansicht von Hamburg von der Westseite
5) Ansicht des allen Baumhauses
6) Ansicht der Michaeliskirche
7) Ansicht der Börse
8) Ansicht der Börsenhalle

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Hamburg 001 Blick auf die Binnen- und Außen-Alster

Hamburg 001 Blick auf die Binnen- und Außen-Alster

Hamburg 002 Südwestlicher Stadtteil mit dem Blick auf die Unterelbe

Hamburg 002 Südwestlicher Stadtteil mit dem Blick auf die Unterelbe

Hamburg 003 Rathaus und Alsterarkaden

Hamburg 003 Rathaus und Alsterarkaden

Hamburg 004 Kontorhäuser in der Mönckebergstraße

Hamburg 004 Kontorhäuser in der Mönckebergstraße

Hamburg 005 Nikolai-Flet mit Gemüseevern

Hamburg 005 Nikolai-Flet mit Gemüseevern

Hamburg 006 Flet in der Altstadt

Hamburg 006 Flet in der Altstadt

Hamburg 009 Südöstlicher Stadtteil mit dem Binnenhafen, der Speicherstdt und den älteren Seehäfen

Hamburg 009 Südöstlicher Stadtteil mit dem Binnenhafen, der Speicherstdt und den älteren Seehäfen

Hamburg 010 Elbe im Hafen

Hamburg 010 Elbe im Hafen

Hamburg 011 Segelschiffhafen

Hamburg 011 Segelschiffhafen

Hamburg 013 St. Pauli-Landungsbrücken

Hamburg 013 St. Pauli-Landungsbrücken

Hamburg 014 Freihafen-Lagerhäuser

Hamburg 014 Freihafen-Lagerhäuser

Hamburg 021 Börse

Hamburg 021 Börse

Hamburg 022 Universitätsgebäude

Hamburg 022 Universitätsgebäude

Hamburg 023 Museum für Völkerkunde

Hamburg 023 Museum für Völkerkunde

Hamburg 024 Gelehrtenschule des Johanneums

Hamburg 024 Gelehrtenschule des Johanneums