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Residenzstadt Altenburg im Freistaat Thüringen

Altenburg - Hauptstadt von Sachsen-Altenburg

Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bd.1, Mitteldeutschland
Autor: Dehio, Georg (1850-1932), Erscheinungsjahr: 1914
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Altenburg, Kunstdenkmäler, Rathaus, Markt, Theater, Geschichte, Schloss, Kirchen, Bergkloster, Denkmäler
Altenburg - Hauptstadt von Sachsen-Altenburg.

Unterkirche (S. Bartholomäi). Von den Hussiten 1430 zerstört, 1459 wiederhergestellt; 1877 rest. und zum Teil (die ganze SSeite) umgebaut. 3sch. Halle mit schmalen Sschiffen (was für die vermutete Benutzung des älteren Chors im 13. Jh. sprechen würde) und ungewöhnlichem östl. Abschluß: das Mschiff schließt mit 5 Seiten des 10Ecks ohne Vorchor, die Sschiffe abgeschrägt. WTurm 1668 (als Ersatz für eingestürzte Doppeltürme). — Unter dem südl. Ssch. als Überrest einer rom. K. weit kleineren Maßstabes eine Krypta; quadr. mit 4grätigen Kreuzgewölben zwischen rck. Gurten; die Mittelstütze aus 4 derben Rundpfeilern gebündelt; anschließend 1/2kr. Apsis; das Detail deutet auf 12. Jh.

Oberkirche (Franziskaner). 1sch. Anlage vor 1238, sehr schlicht behandelt, Veränderungen A. 16. Jh.

Bergerkloster (Augustinerchorherren) gew. 1172; durch Brand 1588 zerstört; jetzt nur die 2 WTürme und wenige Reste des Lhs. erhalten. Backsteinrohbau mit Sandsteindetails oder Nachahmung von Sandsteinmotiven in Backstein. Die Backsteine scharriert ähnlich wie an den ältesten Backsteinbauten an der Weser (Verden) und in Holstein. Ursp. eine regelmäßige kreuzf. Basilika im gebundenen System gewölbt. Die hohen Türme haben in ihren 3 Obergeschossen jederseits 1 Paar gekuppelter Fenster, breite Ecklisenen und Stockwerkteilung durch Bogenfriese.

Von der ehemaligen Nikolai-K. nur der breite WTurm übrig, rom., mehrfach umgebaut.

Rathaus 1562-1564 vom weimarischen Hofbaumeister Nik. Grohmann; gehört zu den künstlerisch bedeutendsten Rathäusern der deutschen Renaissance; 1663 renoviert. Gr. annähernd quadr. Die Komposition der Hauptfront erinnert an das Rathaus in Saalfeld: in der Mitte ein 8eckiger Treppenturm, im Gr. mit 5 Seiten vortretend, oberhalb des Dachgesimses allseitig frei werdend und das Gebäude weit überragend; Krönung mit einfacher welscher Haube; im Erdgeschoß 4eck. Vorbau mit Balustrade. Das Hauptgebäude trägt ein mächtiges Pyramidendach. Demselben vorgelagert (Zusatz um 1580) an der OSeite zwei Zwerchhäuser. Weiterer [pg 6] Schmuck: zwei Eckerker und mehrere Portale in italisierenden Formen. Am NOErker ein Fries mit nackten Knaben, an Donatellos Altarwerk in Padua erinnernd; der entsprechende Fries des NWErkers hat in Flachbogenfeldern die Halbfiguren der damals lebenden Glieder des Fürstenhauses. Die Fenstergewände gotisierend, das Dachgesims im Verhältnis zu sonstigen deutschen Bauten der Zeit ungewöhnlich hervorgehoben: das Motiv des dorischen Frieses allerdings mißverstanden. — Inneres. Im Obergeschoß Vorsaal von mächtiger Erscheinung, durch 3 Holzsäulen in 2 Schiffe geteilt; Einfassungen der Türen aus Stein.

Amtshaus 1725. Magdalenenstift 1665 als herzogl. Witwensitz.

Wohnhäuser aus 16. Jh.: Hillgasse 5, Markt 17, 73, Sporrengasse 2; aus 17. Jh.: Tiefstr. 12, Brudergasse 7, Schmöllersche Str. 14b; 18. Jh.: Johannisstr. 7, 16, Moritzstr. 6, Tiefstr. 2 und besonders stattlich das v. Seckendorffsche Haus am Brühl 1724.

Herzogl. Schloß. Im 11. und 12. Jh. Kaiserpfalz. Der jetzige sehr große Komplex aus 15.-18. Jh. — Schloßkirche (mit Kollegiatstift). Im Unterbau Reste aus 12. Jh.; Chor 1 H. 15. Jh.; Lhs. 2. H. Der Chor stark betont: 4 Langjoche und 5/12-Schluß; das 1sch. Lhs. nur 2 Joche. Der Chor außen mit überaus reicher, wenn auch handwerkmäßig trockener Dekoration der Streben. Das innere ohne höheren architektonischen Gehalt, aber malerisch von großer Wirkung, wozu die 1645 ff. ausgeführten Emporen und sonstigen Ausstattungsstücke wesentlich beitragen. Im Hochaltar Grablegung Holz bez. CTR 1647. Das Chorgestühl (1516, überarbeitet 1576) gerade in seiner Stilmengerei nicht ohne Reiz; prachtvolle Orgel 1735 von G. H. Trost; Kanzel 1595; Grabmal des Markgrafen Wilhelm II. († 1425) ursp. freistehende Tumba; Grabplatte der Kurfürstin Margarethe († 1486) Bronze, die lebensgroße Figur graviert, der Rahmen in flachem Relief, mit großer Wahrscheinlichkeit als Jugendwerk Peter Vischers anzusprechen. Auch unter den übrigen Grabplatten und Gedenktafeln manches Gute. — Hauptschloß. Der von den Zeitgenossen gerühmte Bau Friedrichs des Weisen (seit 1518) durch die Bauten von 1606 ff. und 1706 ff. großenteils beseitigt. Von 1530 (?) der Rest der Hofgalerien im N der Kirche; interessante Verdeutschung römischer Vorbilder; im Erdgeschoß Rundbögen auf toskanischen Rustikasäulen, in den folgenden Geschossen von sukzessive abnehmender Höhe Korbbögen, zuletzt jonische Säulen. Die jetzige Haupterscheinung bedingt durch den Umbau 1706 bis 1744; Architektur von G. S. Vater, Malereien von J. H. Ritter, Stuckaturen von den Brüdern Castelli; der Brand 1864 hat im Innern vieles beschädigt. Von den sonstigen Baulichkeiten hervorzuheben das Schönhaus, ein Kasino im Sinne römischer Gärten.

Das Rathaus in Altenburg um 1910

Das Rathaus in Altenburg um 1910

Der Altenburger Markt um 1920

Der Altenburger Markt um 1920

Das Theater in Altenburg um 1909

Das Theater in Altenburg um 1909

Schloss Altenburg und Stadtansicht um 1925

Schloss Altenburg und Stadtansicht um 1925