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Abenteuer zwischen dem Arkansas und Red River: Ausflug auf die Prairien von Washington Irving, 1835.
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Willibald Alexis Willibald Alexis (1798-1871): Als Kriegsfreiwilliger nach Frankreich 1815. Erscheinungsjahr: 1815.
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Buch: Zöllner's Reise durch Pommern nach Rügen

Stralsund. Torschluss der Festung.

Brief 9 – Stralsund


Die Festung wird im Winter schon um sieben Uhr, dann immer etwas später, und im Sommer um elf Uhr geschlossen. Die Schlüssel werden an ein Mitglied des Rates abgeliefert. In außerordentlichen Fällen kann man indessen die Erlaubnis erhalten, auch nach dem Torschlusse noch zur Stadt hinaus oder hineingelassen zu werden. Gesperrt werden die Tore zwei bis drittehalb Stunden früher, als geschlossen. Geöffnet werden sie im Sommer um drei, und so immer später; im Januar und Dezember um acht Uhr. Im Staatskalender ist eine eigene Tabelle darüber abgedruckt. ? Wenn einmal von dem leidigen Vorzuge, in einer Festung zu wohnen, ein solcher Zwang nicht zu trennen ist: so ist dieser noch immer erträglich.

Die hiesigen Soldaten sind deutsch gekleidet, werden aber schwedisch kommandiert, damit sie an das Kommando gewöhnt sind, wenn sie einst mit schwedischen Truppen zusammen dienen sollen. Die Artilleristen sind zwar auch Deutsche, und werden deutsch kommandiert, aber sie tragen die schwedische Nationaluniform. Die Runden werden mit einem solchen Geschrei angerufen, daß ich jedesmal des nachts davon erwache, ungeachtet die Hauptwache um die ganze Länge des Marktes von unserem Wirtshause entfernt ist. Der Zapfenstreich, von vierundzwanzig Tambours geschlagen, und von eben so vielen Pfeifern begleitet, mit wechselndem Forte und Piano, erinnerte mich sehr lebhaft an die Märsche der Dresdener Besatzung. Einem Preußen kommt es befremdend vor, bei den Regimentern eine so große Menge von Subaltern - Offizieren zu finden. Bei dem hiesigen Leibregimente Ihro Majestät der Königin stehn, außer zwölf Capitänen, elf Lieutenants und neunzehn Fähnriche. Bei dem Psilanderhielmschen Regimente eben so viele Capitäne, vierzehn Lieutenants, und siebenundzwanzig Fähnriche.

Die Zeit, welche uns zwischen dem Spaziergange auf dem Walle und der Abendgesellschaft übrig blieb, widmeten wir zu einem Besuche des Protophysicus D. Weigel, Vaters des vortrefflichen Archiaters in Greifswald. Er war uns als ein treuherziger, freundlicher Alter beschrieben worden, der sich ein Vergnügen daraus machte, das Eigentümliche seiner weitläufigen chemischen Anlagen zu zeigen und zu erklären; und wir fanden dies durch unsere Aufnahme bestätigt. Er hatte es gar kein Hehl, daß er sich ehedem mit chemischen Arbeiten abgegeben habe, zu denen man heut zu Tage nicht mehr viel Vertrauen hat. Auch bis jetzt macht er noch mancherlei geheime Arzneien; vornehmlich aber destilliert er allerlei Sorten von Liqueuren, die wir kosten mussten, und zum Teil sehr wohlschmeckend fanden. Sein Vorrat von Destilliergefäßen ist erstaunlich groß, und die Einrichtung seiner Öfen konnte er uns nicht genugsam anrühmen.

Unter seinen Arzneien ist eine sehr berühmt geworden. Man hat nämlich von derselben behauptet, daß sie die Kranken zwar gesund macht, aber sie dafür blau oder schwarzblau färbt. Wir sahn selbst in der Kirche einen Mann, der diese Wirkung erfahren haben sollte. Das meiste Aufsehn aber hat die Cur eines Feldpredigers vom ehemaligen von Blixenschen Regimente, Namens Willich, gemacht. Dieser Mann hatte sehr heftige hämorrhoidalische und hypochondrische Beschwerden. Hr. D. Weigel gab ihm selbstbereitete T ropfen, Pulver und eine Art von Morsellen. Das Übel verschwand, so daß der Kranke seinem Amte wiehervorstehen, und sich verheiraten konnte; aber unter dem Gebrauche jener Arzneien ward er zugleich dergestalt blau oder eigentlich schwarzblau, daß die verstorbene Königin von Schweden seinen Chef fragte, wie er dazu gekommen sei, einen Neger zum Feldprediger zu machen, und daß seine neuvermählte Gattin den Tag nach der Hochzeit in Sorgen geriet, ob diese Farbe nicht erblich sein möchte.

Man kann sich vorstellen, wie viel davon mit Ernst und Spott geredet worden sei. Der Feldprediger setzte eine Schrift auf, worin er Hrn. D. Weigel verteidigte, und teilte dieselbe nicht nur bei der Parole, sondern auch unter allen seinen Freunden und Bekannten aus. Ich habe sie eben vor mir. ****) Hr.Willich beantwortet darin folgende drei Fragen. 1) habe ich allgemeine oder besondere Gründe, zu mutmaßen, daß Sie (Hr. ProtophysikusWeigel) mich durch Geschicklichkeit oder Ungeschicklichkeit gefärbt haben? 2) Habe ich allgemeine oder besondere Gründe, zu glauben, daß andere Ursachen zu meiner Farbe sind, als Ihre Arzneimittel? 3) Bin ich davon überzeugt?

Zuerst: keiner von den großen Arzneikundigen, die von den Wirkungen der Heilmittel geschrieben haben, führe Arzeneien an, welche die Farbe der Haut grün, rot, gelb oder blau machen. Eine besondere Wirkung der Weigelschen Tropfen, Pulver und Morsellen könne es auch nicht sein; teils weil nicht alle Kranken, die solche gebraucht haben, sondern nur er und eine einzige Dame, davon blau geworden sind; teils weil auch andere, ohne in Hrn. Weigels Cur gewesen zu sein, diese Farbe gehabt haben. So habe er im Jahre 1756 zu Greifswald einen Strumpfweber gekannt, der damals eben so blau gewesen, als er jetzt selbst sei. Und ein Soldat Schönemuß habe so schwarzblau ausgesehen, daß er sogar selbst sich vor ihm entsetzt habe.

Zweitens. Die berühmtesten Ärzte reden von einer Kankheit, welche die Haut blau oder schwarzblau färbe, unter dem Namen der Melanchlorie, welche eine Folge der Cachxie sei, wie es auch Krank-heiten gebe, welche eine grüne oder gelbe Hautfarbe hervorbringen. Er erzählt bei dieser Gelegenheit etwas von seiner Krankengeschichte und erinnert am Schlusse derselben Hrn. W. an seinen Doctor-Eid.

Drittens bemerkt er, daß sich der traurige Zustand, worin er sich während seiner Krankheit befunden habe, sowohl als seine schwarzblaue Farbe, unter dem Gebrauche der Weigelschen Arzenei Anfangs immer mehr verschlimmert habe, daß Herr D. Weigel ihm aber viele Freundschaft erwiesen, und nach eben dieser Arzenei, in Verbindung mit andern Mitteln, die der Sohn desselben verordnet habe, seine Gesundheit besser, und seine Farbe wieder natürlich geworden sei. Überdles habe Hr. D. Weigel ihn durch mehr als ein Dutzend medizienischer Schriften überzeugt, daß es Krankheiten gebe, in welchen die Kranken blau werden, aber keiner der ihm bekannten Schriftsteller setze hinzu, ein Mensch könne auch durch einen Doktor blau gefärbt werden.

Du nimmst es wohl nicht übel, wenn ich zweifle, ob die gleichfalls gefärbte Dame sich eben so gut werde durch ein Dutzend medizinischer Schriftsteller haben überzeugen lassen? Dafür will ich Dir auch von den Gesellschaften erzählen, in welchen wir gewesen sind.

Zu den eigentlichen, oder vielmehr angenommenen, Gebräuchen gehört hier der sogenannte Anbiss. Es wird nämlich, wenn die Gesellschaft versammelt ist, Liqueur, nebst spanischem und portugiesischem Weine (hier Portugies - Wein genannt,) in kleinen Gläschen herum gegeben. Den letzteren wählen gewöhnlich die Damen. Wenn jeder sein Gläschen geleert und ein Schnittchen Semmel dazu gegessen hat, so geht man zur Tafel, und genießet zuerst das Vor-Essen, welches aus Käse und Brot mit Butter, auch wol Spickaalen, Flundern und Schinken besteht. Dann erst kommt die Suppe, und die übrigen Gerichte folgen ohngefähr in der Ordnung wie bei uns. Die reine schwedische Sitte erfordert zum Voressen bloß Käse und Butterbrot. Da aber die Deutschen nicht leicht eine Mode von den Ausländern annehmen können, ohne sie zu übertreiben: so werden hier bei großen Tafeln nicht nur allerlei ge-räucherte Sachen, sondern auch seine Ragouts und dergleichen gegeben, ehe die Suppe kommt, so daß man glaubt am Ende der Mahlzeit zu sein, wenn sie erst anfängt.




****) Sie besteht aus zwei Bogen in 4., ohne Druckort und Jahrzahl; am Ende ist sie unterschrieben: Stralsund, den 13ten Oktober 1773 H. G. Willich. Der Titel ist : An Sr. Hochedelgebornen, Herrn Bernhard Niclas Weigel, der Arzneik. Doctor, und hiesiger Proto-Physikus; von Hermann Gottfried Willich, Regiments-Pastor zum Königl. Blixenschen Regimente.

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Stralsund, Am Kütertor
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Stralsund, Semlowertor
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Stralsund, Kniepertor 1913
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