Abenteuer- & Jugendliteratur
Aphorismen & Miszellen
Architektur & Baukunst
Auswanderung
Befreiungskriege
Biographie
Briefe, Tagebücher
Gesundheit, Medizin, Homöopathie
Historischer Roman
Maritimes
Mittelalter
Pferd, Hund, Jagd
Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Reisen, Expeditionen, Entdeckungen
Sagen und Märchen
Thematisch Gemischtes
Amerika
Russland
Bayern
Hamburg
Mecklenburg-Vorpommern
Pommern
Volltextsuche
Shop
Buchtipp
Bei Lexikus online lesen, oder bei Amazon kaufen
2 Bände: Auswanderung nach Amerika im Jahre 1822, und die Rückkehr in die Heimat im Jahre 1825 von Jonas Heinrich Gudehus.
Bei Lexikus online lesen, oder bei Amazon kaufen
2 Bände: Auswanderung nach Amerika im Jahre 1822, und die Rückkehr in die Heimat im Jahre 1825 von Jonas Heinrich Gudehus.
Beliebte Suchbegriffe
Stahlhof, Pscholl, Mississippi, Singvogel, Western Travel, Diogena, Monte Christo, Lotterie, Karl May
Stahlhof, Pscholl, Mississippi, Singvogel, Western Travel, Diogena, Monte Christo, Lotterie, Karl May
Gern gelesen:
Die deutsche Historikerin Gertrude Aretz befasste sich insbesondere mit Lebensläufen berühmter historischer Persönlichkeiten. 1940 erschien posthum Berühmte Frauen der Weltgeschichte.
Die deutsche Historikerin Gertrude Aretz befasste sich insbesondere mit Lebensläufen berühmter historischer Persönlichkeiten. 1940 erschien posthum Berühmte Frauen der Weltgeschichte.

Impressum
über Lexikus
In Gesellschaft.
Brief 9 – Stralsund
Übrigens habe ich zwischen den hiesigen und Berlinischen Gesellschaften keinen anfallenden Unterschied gefunden. Man setzt sich ohne Rücksicht auf Rang, man isst und trinkt, ohne auf Rötigen zu warten, man spricht mit Freimütigkeit und so unterhaltend, wie jeder es vermag, man liebt und versteht Scherz, und eilt nicht zum Aufstehn, weil man glaubt, daß man bei Tische nicht altert. Auch der Aufwand in Verzierungen der Zimmer, in Haus- und Tischgeräten ist ohngefähr, wie bei uns. Silbergeschirre, Teemaschinen, Leuchter und dergleichen läßt man wol aus Stockholm kommen, und wir sahn davon verschiedene, die in Sauberkeit der Arbeit und geschmackvollen Formen nicht zu übertreffen waren. Auch hier findet man in den Zimmern klein gepflückte Wacholderästchen, womit in einigen Häusern der ganze Fußboden so bestreut ist, wie er ehedem bei uns mit Sand gestreut ward. Gewöhnlicher scheint es, nur ringsum an den Wänden eine Art von Einfassung damit zu machen; und in ganz eleganten Zimmern sieht man gar nichts davon. Das Kartenspiel scheint nicht ein solches Gesellschaftsbedürfnis zu sein, wie in Berlin; dafür unterhält man sich, vielleicht mehr als bei uns, mit Musik. Wir hörten artige Lieder recht artig zum Klaviere singen. Am meisten schätzt man Klaviere aus Stockholm, die dort ein gewisser Pehr Lindholm macht. Sie gehn bis zum viergestrichenen C hinauf, und haben im Baß bis zum zweiten D drei Saiten für jeden Ton. Der Räsonnanzboden ist so geschnitten, daß die Fasern des Holzes schreg die Diagonale des Kastens hindurch, laufen. Der Ton ist stark und angenehm. Die Claves sind sehr lang, und die ganze Form ist so groß, daß sie ein wenig schwerfällig aussieht.
Sehr angenehme Stunden haben wir in dem Hause des Hrn. Kammerrates PommerEsche 5) zugebracht. Er besitzt eine sehr ansehnliche Sammlung von Schriften über die Geschichte und Verfassung der Provinz, und seine genaue Bekanntschaft mit derselben, die er sich nnter seinen mannichfaltigen Geschäften erworben hat, macht einen für uns höchst interessanten Zweig seiner ausgebreiteten Kenntnisse aus. Den größten Genuss gewährte uns jedoch das schöne Bild vom häuslichen Glücke, das uns bei ihm überall entgegen lachte. Die liebe Familie beweiset uns eine ungemeine Teilnehmung. Ihre Vorsorge für uns geht so weit, daß sie unter andern schon gestern Abend einen Vorrat von Trinkwasser in das für uns bestellte Wirtshaus geschickt hatten, damit wir uns gleich beim Eintritt in unsere Zimmer daran erquicken könnten. Den Wert dieser Aufmerksamkeit wirst Du erst kennen lernen, wenn ich Dir sage, daß dies Wasser von der Insel Rügen war, dagegen man hier gewöhnlich ein Wasser trinkt, dem man unmöglich Geschmack abgewinnen kann, wenn man an das Berlinische gewöhnt ist. In der Stadt gibt es nämlich nur zweierlei Wasser, entweder das aus Brunnen, welches aber kaum trinkbar ist, und nur von den Brauern und sonst in Haushaltungen gebraucht wird, oder das, was eine Wasserkunst zuführt. Wir haben diese Wasserkunst gesehen. Mittelst eines Göpels, den drei Pferde bewegen, wird das Wasser aus einem Teiche geschöpft, der seinen Zufluss, wie ich Dir schon gestern schrieb, aus benachbarten Seen und Quellen erhält. Das geschöpfte Wasser, welches schon an sich, wie alles Teichwasser, keinen reinen Geschmack hat, wird durch Röhren in die verschiedenen Gegenden der Stadt geleitet, und wird natürlich auf diesem Wege eben nicht verbessert. Die Nacht steht überdies die Kunst still, außer wenn Feuer ist. An jedem Abend aber werden die Kufen noch zur Vorsorge voll gefüllt. Diese Kufen sind inwendig mit Blei belegt; das Wasser, welches am Morgen zufließt, hat also die ganze Nacht hindurch auf dem Blei gestanden und bringt, wo nicht eine nachteilige Eigenschaft für die Gesundheit, doch einen üblen Geschmack in die Röhren. Bei diesem allen gehört diese Wasserkunst doch zu den wohltätigen Anstalten der Stadt. Sie ist aus einer Privatunternehmung entstanden, und jeder, der in seinem Hause den Zufluss aus einer Röhre bekommt, trägt zu ihrer Unterhaltung etwa acht Groschen vierteljährig bei. Wohlhabende Familien lassen sich Wasser zum Trinken über die Meerenge vom Grahl auf Rügen bringen, und dies hat einen vortrefflichen reinen Geschmack.
Stralsund, den 3ten Aug. 95.
Die Wasserkunst hatte mich gestern soweit von meinem eigentlichen Thema abgebracht, daß ich den Faden nicht wieder anzuknüpfen wusste, und also lieber den Brief schloss. Nun will ich Dir, ehe ich auf die Geschichte des heutigen Tages komme, noch etwas von den Gesellschaften nachholen, in denen wir unsere Zeit teils angenehm, teils lehrreich zugebracht haben.
Zu den interessantesten neuen Bekanntschaften, die wir gemacht haben, gehört Hr. Regierungsrath Tetzloff, Hr. Superintendent Colberg und Hr. Syndikus Fabricius. Der erstere vereinigt mit sehr ausgebreiteten Kenntnissen eine rastlose Begierde Gutes zu befördern, und sein Wirkungskreis setzt ihn in den Stand, diesen Hang in einem hohen Maße zu befriedigen. Sein Wert scheint auch sehr allgemein anerkannt zu werden; wenigstens sprechen alle aus den verschiedensten Klassen, mit denen ich von ihm redete , mit einer ausgezeichneten Hochschätzung von ihm. In dieser Rücksicht ist ihm Herr Syndikus Fabricius sehr ähnlich. Er ist zugleich Direktor des Consistoriums und hat also auch von dieser Seite einen Einfluss, an dem ich einen nähern Anteil nehme. Wenn ich nicht irre, so ist er ein geborner Hamburger; aber überall zeigt er so viel warme Anhänglichkeit an diesen Staat, wie sie ein Eingeborner irgend hegen könnte; und doch hat er einen so kosmopolitischen Sinn, daß ihm nichts, was sich auf das Wohl der Menschheit bezieht, fremd ist. Wir können nicht anders, als ein sehr günstiges Vorurteil für Stralsund fassen, da wir billig voraussetzen, daß nur die Kürze unseres Aufentnthalts Schuld ist, wenn wir nicht hier mehrere Männer, wie PommerEsche, Tetzloff, Fabricius usw. kennen lernen.
Einen angenehmen Abend brachten wir beim Hrn. Superintendenten Colberg zu, wo wir mehrere von den hiesigen Geistlichen, und unter denselben ebenfalls kenntnisvolle Männer fanden. Hrn. Colberg selbst gereicht es sehr zur Ehre, daß er sich durch seine zunehmenden Jahre nicht hat abhalten lassen, mit seinem Zeitalter fortzuschreiten. In seiner zahlreichen Bibliothek fand ich nicht nur die schätzbarsten älteren Werke, sondern auch neue, und selbst die allerneuesten theologischen Schriften. Seine Urteile sind daher auch alle so billig, wie man sie von seiner großen Herzensgüte erwartet, und so verständig wie sie nur der fällen kann, der nicht eher entscheidet, als bis er das Dafür und Dawider erwogen hat. Es machte mir viel Vergnügen, seine große Sammlung von guten und schlechten, mittelmäßigen und vortrefflichen Gesangbüchern zu sehen, die er bei seiner Arbeit an dem hiesigen neuen Gesangbuche teils benutzt, teils als Beweise, daß nicht alles Alte gut ist, aufgestellt hat.
Die liebe Familie unseres Freundes, des bravem Herrn Pastors Gebhardi, fand ich gesund, und ich habe nicht nötig Dir zu sagen, wer die Gegenstände unseres Gespräches waren.
Wir haben heute die ganze Stadt ins Kreuz und in die Queere durchstrichen. Der neue Markt ist weniger regelmäßig, als der alte, den ich Dir schon beschrieben habe. Das Materialhaus auf demselben, worin die Bedürfnisse des Militärs aufbewahrt werden, macht nicht den vorteilhaften Eindruck, den seine Bauart machen würde, wenn die häßliche braunrote Farbe und die geblendeten Fenster nicht das Auge beleidigten.
5) Die Familie stammt aus Schottland, wo sie Erskine (Esche) heißt. Der Zweig derselben, der sich in Pommern niedergelassen hat, setzt das Wort Pommer vor ihren Stammnahmen.
