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Abenteuer zwischen dem Arkansas und Red River: Ausflug auf die Prairien von Washington Irving, 1835.
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Scheintot, Stambul, auf der Jagd, Jean Paul, Zufall, Leidenschaft, Salzburg, Pennsylvania, Reiseliteratur
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August Neidhardt von Gneisenau (1760-1831) war preußischer Generalfeldmarschall und Heeresreformer. Die Sammlung seiner Briefe im Kriegsjahr 1813 bietet Einblick. Als Blüchers Stabschef hatte er wesentlichen Anteil am Sieg bei Waterloo.
August Neidhardt von Gneisenau (1760-1831) war preußischer Generalfeldmarschall und Heeresreformer. Die Sammlung seiner Briefe im Kriegsjahr 1813 bietet Einblick. Als Blüchers Stabschef hatte er wesentlichen Anteil am Sieg bei Waterloo.

Impressum
über Lexikus
Wolgast. Insel Usedom.
Brief 7 – Wolgast
Wolgast, den 30. Jul. 1795
Wir fuhren gestern Nachmittag von Swienemünde ab und brachten auf die fünf Meilen bis hierher, mit sehr guten Pferden, fast neun volle Stunden zu, weil der Weg entsetzlich sandig ist. Bloß Anfangs, wo wir uns auf dem Strande so nahe am Meere halten konnten, daß die Wellen unsere Räder bespühlten, hatten wir festen Boden; dann folgte ein unaufhörlicher trockener Kiessand, der selbst in den Wäldern unter dicken Eichen nur selten einmal von grünem Rasen unterbrochen ward.
Die ganze Insel Usedom trägt, so wie Wollin, allenthalben die unverkennbarsten Spuren, daß ihre jetzige Oberfläche durch die See gebildet worden ist. Hohe Sanddühnen durchschneiden sie in allerlei Richtungen. Nach dem Meere zu sind diese Hügel durchaus nackt, höchstens ist hie und da eine Strecke mit Strandhafer bedeckt. An mehreren Orten ragen große Granitgeschiebe aus dem Kiessande hervor. Wo die Abhänge der Dühnen Vertiefungen bilden, folglich die Vegetation nicht durch die beständigen Winde so sehr gestöhrt wird, da hat sich eine sichtbare Dammerde gesammelt. In noch niedrigern Tälern sind Moräste und Wiesegrund entstanden und in den tiefsten Gründen haben sich aus dem Zusammenfluss des Wassers Seen gebildet. Schöne Wälder von Eichen, Buchen und Fichten vermehrten ab und zu die Mannigfaltigkeit des Anblicks. Wildes Geißblatt, das eben in der schönsten Blüte stand, duftete uns an mehreren Stellen Wohlgeruch zu. Hinter Pudagla sahn wir eine so ansehnliche Fläche mit Schwalbenwurz (Asclepias vincetoxicum)) bedeckt, daß alle Pommerischen Apotheken von dort mit diesen Wurzeln versorgt werden könnten; wenn sich Hände fänden, die sie sammeln wollten. Aber hier sind alle Hände mit Schiffen und Fischen beschäftigt. Selbst der wenige Ackerbau wird größtenteils von Frauenspersonen betrieben. Ein Mal über das andere begegnete uns ein Zug von Weibern und Mädchen zu Pferde, die von den Feldern zurück kamen.
Ein angenehmer Teil unseres Wegs ging längst der Koserower Berge fort, die wir schon von Lebbin aus gesehen hatten. Diese Berge sind an ihrem Fuße dicht mit Fichten bewachsen, über welche die kahlen Sanddühnen, wie eine fortlaufende Kette von Hügeln, hervorragen. Die schönsten Stellen waren die, wo sich rechts die endlose Aussicht nach dem Meere öffnete, und links das Achterwasser, im lieblichsten Kontraste mit demselben, von tausendfach gekrümmten Ufern begrenzt, durch die Bäume hervorschimmerte. Von dem Achterwasser, welches eine große Binnensee ist, merke ich im Vorbeigehen an, daß es einen ungemeinen Reichtum an Fischen enthält. Unterandern fing vor ohngefähr zehn Jahren Herr v. Lepell auf Gnitz und Netzelkow bei der Eisfischerei auf einem Zuge für 3000 Thlr. Bleie. Dies war indessen so außerordentlich, daß er den Vorfall, nebst den Namen der Fischer, die dabei geholfen hatten, in einen Stein hauen ließ. Die Landenge, wodurch das Meer von dem Achterwasser geschieden wird, ist bei dem Dorfe Damerow nicht über 100 Ruthen breit. Vielleicht bedarf es nur eines einzigen heftigen Sturme, um diesen unbedeutenden Landstrich zu durchbrechen und eine freie Fahrt aus der Binnensee nach dem Meere zu eröffnen. Vor etwa einem halben Jahrhundert hatte sich das Wasser wirklich schon durchgewühlt; aber man war noch im Stande den Durchbruch zu stopfen.
Ich habe versprochen, Dir in einem meiner Briefe aus der hiesigen Gegend etwas Ausführliches von Wineta (Vineta) zu schreiben. Ich hatte mir auch wirklich vorgenommen, auf dem gestrigen Wege in dem Dorfe Damerow ein Boot zu mieten und nach der Stelle zu schiffen, wo noch jetzt im Meere unter dem Wasser Ruinen jener alten Stadt zu finden sein sollen; aber .der Sturm, der gestern den ganzen Tag aus Nordwesten bließ, nötigte mich, meinen Vorsatz aufzugeben, und wir mussten uns begnügen, von dem Ufer bei Damerow mit dem Fernrohre, etwa 5000 Fuß *) vom Strande, im Meere zwei Stellen zu sehen, wo sich die Wellen mit einer großen Gewalt brachen, und wovon die Fischer versicherten, daß diese Brandungen durch den Widerstand verursacht würden, den die alten Mauern dem anströhmenden Wasser entgegen setzten **).
Es war gestern fast Mitternacht, als wir das Ufer der Peene erreichten. Die Anstalten zum Übersetzen nach Wolgast waren nicht sonderlich, und da wir endlich noch mit Mühe und Not das Schwedisch-Pommerische Gebiet erreicht hatten, mussten wir uns begnügen, für unsere Person mit dem unentbehrlichsten Nachtzeuge in die Stadt eingelassen zu werden. Unser Wagen, von dem wir bei den seltsamen Vorkehrungen der Fährleute gefürchtet hatten, daß wir ihn nicht anders als stückweise ans Ufer bekommen würden, blieb unter freiem Himmel der Aufsicht eines unbekannten Wächters überlassen. Es war in der Tat ein armseliger Einzug, den wir im Dunkel der Nacht durch die einsamen Gassen hielten! Der heutige Vormittag hat uns indessen hinlänglich entschädigt.
Unser erster Gang war heute zur Wittwe des kürzlich verstorbenen Hofrats Netzius, dessen hinterlassenes Naturalienkabinet uns allein nach Wolgast gelockt hatte. Wir fanden ungleich mehr und ungleich schönere Sachen, als wir erwarteten. Der Verstorbene hatte den Prinzen von Hessenstein auf Reisen begleitet, und die Schätze Italiens hatten zuerst die Lust zu sammeln in ihm erregt. Dort legte er den Grund zu diesem trefflichen Kabinette, welches er schon auf seinen weiteren Reisen beträchtlich vermute. Nachdem er sich als Licentverwalter in Wolgast niedergelassen hatte, verwandte er alle seine Muße auf diese Liebhaberei. Seinem unermüdet suchenden Auge entging kein merkwürdiger Pflasterstein auf der Straße und kein Fossil auf den Feldern und am Strande in der Gegend umher. Sein Briefwechsel reichte bis Sibirien und Trankebar. Es hatte etwas ungemein rührendes, diese Tätigkeit im Suchen und Korrespondieren von der artigen Frau schildern zu hören, an deren Stelle eine weniger zartfühlende Wittwe gewiss ein Wort von Übertreibung der Vorliebe für sein Studium hätte fallen lassen. ? Alle Stufen sind mit Sorgfalt aufbewahrt und die schönen italienischen und schwedischen Sachen, unter denen viele wahre Kabinetsstücke sind, geben der Sammlung einen vorzüglichen Wert. Herr Kandidat Nelly, Hauslehrer der Retziusschen Kinder, ein geborner Schwede, hat so viel Fleiß und Einsicht auf das Verzeichnis davon verwandt, daß es doppelt zu bedauren wäre, wenn das Cabinet vereinzelt würde **). Die Sammlung von Conchylien und Versteinerung gen ist zwar nicht so ansehnlich, aber enthält doch auch eine Menge seltener und schätzbarer Stücke. Überdies hat der Verstorbene seinen Aufenthalt in Italien benutzt, sich allerlei Altertümer, herrische Gefäße und dergleichen, vornehmlich aber Kupferstiche von den berühmtesten Meistern, nach Antiken und großen Malern gestochen, anzuschaffen. Diese letztere Sammlung enthält, mit allem später hinzu gekommenen, mehr als 1200 Blätter.
*) Nach Hrn. v. Keffenbrings Angabe: 460 Ruthen vom Dorfe Damerow.
**) Das Verzeichnis beträgt über 100 Bogen. Eine allgemeine Übersicht steht im Schwedisch-Pommerschen Archiv für Cameralisten, Gutsbesitzer etc. N. 3. S. 18. Und eben da ich diesen Bogen zur Korrektur erhalte, erfahre ich, daß die Universität zu Greifswald das Kabinet für 2000 Thlr. gekauft hat. Die übrigen Sammlungen hat die Wittwe durch eine Art von Lotterie veräußert.
