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Abenteuer zwischen dem Arkansas und Red River: Ausflug auf die Prairien von Washington Irving, 1835.
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Buch: Zöllner's Reise durch Pommern nach Rügen

Wollin. Traditionen der Region.

Brief 5 – Wollin


Beim Abendessen erkundigten wir uns, was sich etwa für Traditionen von dem ehemaligen berühmten Julin in dieser Gegend erhalten haben möchte. „Darüber, gab man uns zur Antwort, könne uns niemand bessere Auskunft erteilen, als ein hiesiger Schneidermeister, der ein gar furioser Mann sei und auch schöne Bücher über die alte Geschichte von Pommern habe.“ Wir hatten ihn nicht weit zu suchen, denn er saß gerade mit seiner Sonntagsgesellschaft in einem Zimmer neben dem unsrigen, bei einem Glase Bier. Wir ließen ihn zu uns einladen, und in kurzem war es, als wenn die wollinische Akademie der Wissenschaften bei uns versammelt wäre. Vorzüglich tat sich der Schneider und ein Sattlermeister hervor. Jener war ausführlich über Altertümer und Geschichte, wovon er aus dem Cramer und Zickermann allerlei behalten hatte; dieser, ein Katholik, unterhielt uns von dem Verhältnisse seiner Religionsverwandten zu den Protestanten auf der Insel. Wir plauderen mit den Leuten bis spät in die Nacht. *).

Heute besuchten wir Herrn Apotheker Franke, einen betriebsamem, freundlichen Mann, bei dem wir auch den Aend in einer artigen Gesellschaft zugebracht haben. Er braut einen vortrefflichen Essig, wovon er ein Quart zu 1 gr. 3 pf. verkauft, und erhält deren etwa 200 aus einem Scheffel Weizen. Der aus seinem Essig bereitete Alkohol (Essiggeist), war von einem äußerst reinen und flüchtigen Geruche. Auch aus Bernstein destilliert er das Salz und Öl und nutzt den Rückstand zu einem Bernsteinfirniß, der von der benachbarten Kavallerie gekauft wird. Die große Menge von Wacholdern, die hier herum wächst, hat ihn veranlasst, das wesentliche Öl aus diesen Beeren zu destillieren, welches er nach Frankfurt verkauft. Das rückständige Decoct setzt er zur zeitigen Gährung an und erhält daraus noch einen guten Anteil reinen Weingeist. Auch als praktischer Arzt hat er sich auf der Insel einen guten Ruf erworben; seitdem sich aber ein Wundarzt hier angesetzt hat, und ihm ohnehin von seinen übrigen Geschäften wenig Zeit übrig bleibt, läßt er sich nicht ferner auf Kuren ein. Als eine medizinische Merkwürdigkeit verdient bei dieser Gelegenheit angeführt zu werden, daß es oft mehrere Jahre hinter einander auf dieser Insel keine Blattern gibt. Eben jetzt ist die Stadt seit acht Jahren von dieser häßlichen Krankheit verschont geblieben. Sonst wollte man bemerkt haben, daß sie alle sieben Jahre käme.

Herr Franke ermunterte uns heute Vormittag eine Spazierfahrt nach dem Dorfe Lebbin zu machen. Es liegt eine starke Meile von Wollin gegen Westen am großen Haff. In der Nähe von Wollin ist der Boden ziemlich gut; aber weiter hin wird er sandig. Große Strecken sind gar nicht angebaut, sondern ganz mit Wachholdergestränch überwachsen. Überall wechseln Anhöhen und Täler auf der Insel ab. Zwischen den Hügeln läuft ein torfmooriger Wiesengrund, durch welchen man Gräben gezogen hat, um das Wasser abzuleiten. Manche Berge sind bis an die Gipfel beackert. Auf einer der Anhöhen, die sich sich sehr allmählig verflächt, kamen wir durch einen angenehmen Eichen-, Buchen- und Fichtenwald, der durch einen dichtgedrängten Wachholderausschlag ein noch hübscheres Ansehen gewinnt. Wir fuhren eine gute Meile bergan, dann wieder niederwärts, und plötzlich öffnete sich vor uns die Aussicht auf das Haff, die uns sehr überraschte. Der Herr Prediger in Lebbin führte uns auf eine der hervorragenden Spitzen des hohen Ufers, wo jene Aussicht bis zum Entzücken reich und groß war. Die Schiffe, die mit vollen Segeln das Haff herunter kamen, die, welche gegen den Wind lavierten und einen Teil ihrer Fracht von Bauholz, als Flöße, hinter sich her schleppten, die kleinen und großen Fahrzeuge der Fischer, die entferntsten Küsten, die Dörfer am näheren Ufer, sonderlich Alt- und Neuwarp, die Usedomischen und die entlegenern Koserower Berge an der Ostsee, gaben einen so reizenden Anblick, daß wir unserem guten Gefährten, Herrn Franke, für seine Empfehlung dieser Spazierfahrt durch den lebhaften Ausdruck unserer Freude dankten. Wir stiegen hinter dem Garten des Predigers noch höher und bedauerten, daß wir es nicht früher getan hatten; denn kaum hatten wir uns einige Minuten an dieser noch weiteren Aussicht ergötzt, so umzog sich der Himmel mit Wolken und es fing an gewaltig zu regnen. Wir sahn indessen noch nach der Ostsee zu, daß Dorf Pritter, welches auch in unserer Gegend bekannt ist; weil die schönen Aale, die man uns in Berlin verkauft, gewöhnlich Pritter-Aale heißen, obgleich von denen, die unter diesem Namen in die Fremde gehen, die meisten nicht von den Fischern zu Pritter, sondern von andern in der Nachbarschaft auf dem Haff gefangen werden.

Auf dem Rückwege sahn wir den sogenannten Silberberg, wo im vorigen Jahrhundert eine beträchtliche Anzahl Arabischer Münzen ist gefunden worden. Auch auf dem Lebbinischen Berge, wo ehedem das Schloss Lubin **) gestanden hat, gruben Arbeitsleute vor drei Jahren eine ganze Menge solcher Münzen aus. Zum Unglück verschwiegen die Leute diesen Fund und und suchten ihren Schatz unter der Hand in gangbares Geld zu verwandeln. Eine Frau ging hier im Orte herum, und verwechselte einen ganzen Beutel voll. In Hoffnung, daß ich noch einige davon würde retten können, erkundigte ich mich, wer vielleicht noch welche ausgehoben hatte, und fand zu meiner nicht geringen Freude noch dreißig Stück davon bei dem hiesigen Kaufmann Zuther. Nur wenige waren ganz erhalten, die meisten waren in zwei oder vier Stücken gebrochen. Der Besitzer wollte sie mir durchaus nicht überlassen, war jedoch so artig, mir mit einer der schönsten ein Geschenk zu machen ***). Du wunderst Dich wahrscheinlich wie Arabische Münzen hierher nach Pommern gekommen sind. Ohne Zweifel aber hat sie, wie alle, die an den Küsten der Ostsee gefunden werden, der ehemalige große Handel nach dem Oriente über Nowogrod hierher gebracht. Die Vermutung, daß sie durch den Deutschen Orden, oder überhaupt durch die Kreuzzüge her gekommen sein möchten, wird dadurch durch widerlegt, daß sie dann in anderen Gegenden Deutschlands eben so häufig und noch häufiger würden gefunden werden ****).




*) Was wir von Julin erfuhren, findet sich in der vierten Beilage am Ende des Bandes.
**) S. v.Dregers Urkunden B. I. S. 29. 37. 38.
***) Nach Herrn Professor Tychsens Erklärung (S. oben S. 46.) steht auch auf diesem Dirhem in der Mitte das gewöhnliche Symbolum, wie auf den oben angeführten. Am innern Rande steht: Im Namen Gottes, im Namen Gottes ist geprägt dieser Dirhem zu Samakand, zu Samarkand, zu ? kand. (Diese seltsame Wiederholung scheint zu beweisen, daß der Stempelschneider nicht arabisch verstanden habe; denn wenn auch einer, der gewust hätte, was er schnitte, in Verlegenheit gewesen wäre, den Raum voll zu füllen: so hätte er doch wol nicht so sinnlos sogar eine bloße Endsilbe wiederholt.)
Am äußern Rande steht Sura XXX. 4 .etc.
Auf der Rückseite, in der Mitte: Gotte, Muhä mmed, Gottes Gesandte, Almoktuder billah [war Chalife v J. 295-320. (Chr. 908-932.)] Nassr ben Ahmed [der dritte Samanidische Regent v. J 301-331. (Chr 913-942). Es muss also die Münze zwischen 913-932. geprägt sein.]
Am Rande; Sura IX., 33.
Sobald ich nach Berlin kam, brachte ich diese kleine Seltenheit meinem alten Freunde, dem hiesigen Kaufmann Herrn Adler, der eine höchst interessante und kostbare arabische Münzsammlung besitzt. Herr Adler wünschten den ganzen Vorrat des Herrn Luther an sich zu kaufen. Auf meine erste Anfrage deshalb machte Herr Luther eine sehr große Forderung, die seinen Ideen von der Kostbarkeit seines, ihm übrigens unnützen, Schatzes angemessen war. Nachmals aber überließ er sämmtliche Münzen (lauter Dirhems d. i. Silbermünzen), für einen, obwohl ansehnlichen, doch gemäßigtern Preis; und sie sind nun der Sammlung des Herrn Adler einverleibt.
Außer zehn Fragmenten, die so zerbrochen sind, daß alles Zerbrechen des Kopfs über ihre Erklärung vergeblich ist, sind es zwanzig Stücke von drei verschiedenen Dynastien, nämlich fünf Abbasidischen: eine seltene von Almolawakkel Alallah, geschlagen zu Samarkand i. J. 244, drei geschlagen zu Schasch, in den Jahren 270, 280 und 281 und eine im J. 278 zu Bagdad geschlagene, die vorher noch nicht bekannt gewesen ist. Sie ist von Almotamed Alallah und hat unter dem Symbolo noch den Namen seines Nachfolgers Almothadhed billah. Der ersteren und dieser letzteren hat Herr Prof. Tychsen in seinem Additamento p. 26. § 7. und p. 27. §. 8. erwähnt. ? Vierzehn Samanidische von Ismael ben Ahmed, von Naßr ben Ahmed, von Nuh ben Naßr. Sie sind in dem Zeitraum von 282 bis 342 geschlagen, fünf zu Schasch, sechs zu Samarakand, eine zu Abbasia,. eine zu Bochara und eine zu Feeaber, (wenigstens lässt sich der Münzort so lesen.)
Noch eine Buidische von Rocneddaula abu Aly, geschlagen zu Sarmakand im J. 339, auch ist der Name des Kalifen Almoti billah, darauf zu lesen. Sie gehört zu den seltenen, und Herr Prof. Tychsen hat sie gleichfalls angemerkt. Additam. P. 30. N. 2.
Herr Adler will bemerkt haben, daß die Kusischen Münzen, welche an den Preußischen Küsten gesunden werden, allein Abbasidische sind, mit sehr wenigen Ommiadischen vermischt; dagegen die an den Schwedischen und Pommerischen Küsten gefundenen mehrenteils Samanidische sind, mit einigen Abbasidischen vermengt. Seines Wissens ist nie eine Ommiadische Münzte an den letztern Küsten gefunden worden.
Wenn sich diese Bemerkung ferner bestätigte, so würden auch daraus Schlüsse über den Weg, den diese Münzen genommen haben, zu ziehen sein.
Ich ergreife diese Gelegenheit, alle diejenigen, denen Münzen dieser Art in die Hände gefallen sind, wenn sie nicht selbst eine Sammlung haben, mit Erinnerung an das, was ich oben S. 49. gesagt habe, aufzufordern, daß sie dieselben dem Herrn Adler zukommen lassen, der gern so viel dafür bezahlt, als sie nach Maßgabe ihrer Seltenheit und Schönheit irgend wert sind .
****) Schriften, welche von den in Pommern gefundenen orientalischen Münzen handeln, s. in D. J. Conr. Oelrichs Entwurff einer Pommerschen Bibliothek etc.

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