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2 Bände: Auswanderung nach Amerika im Jahre 1822, und die Rückkehr in die Heimat im Jahre 1825 von Jonas Heinrich Gudehus.
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Kleine Stubbenkammer auf Rügen Wanderungen an der Ostsee von Ernst Willkomm, 1850.
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Buch: Zöllner's Reise durch Pommern nach Rügen

Wollin. Die Sucht der Schatzgräberei.

Brief 5 – Wollin


Der Gedanke, daß da, wo man schon sonst kleine Schätze gefunden hat, noch größere verborgen sein können, hat bei vielen hiesigen Einwohnern die Sucht der Schatzgräberei erzeugt, zumal da man im Jahre 1755, beim Graben eines Brunnens in der Wieke (einer Vorstadt an der Divenow,) zufällig eine Urne samt allerlei Raritäten und mehreren Fragmenten von arabischen Münzen fand. Überdies hat sich hier eine alte Sage erhalten, daß in dieser Gegend eine große goldene Kette vergraben sei, welche sich der ehemalige Rath der längst verschwundenen Stadt Julin aus der Ranzion eines Dänischen Königs habe machen lassen. Nach dieser Kette ist zu verschiedenen Zeiten von allerlei Leuten mit großem Eifer gesucht worden; und es fehlt immer noch so wenig an Betrügern, die jene Sage in Erinnerung bringen, als an Leichtgläubigen, die sich dadurch betören lassen. Vor etwa acht Jahren fanden sich bei einer hiesigen Predigerwittwe, der man einiges Vermögen zutraute, arglistige Schelme ein, die ihr das Geheimnis anvertrauten, daß die berühmte Kette, und noch ein anderer Schatz in dem Keller der Amtswohnung ihres verstorbenen Mannes zu finden sei. Sie ließ in aller Stille darnach graben. Allmählig wurden immer mehrere angelockt, die ihre Beiträge zu den vorgegebenen Kosten herschossen und dafür die Hoffnung auf einen verhältnismäßigen Anteil an der reichen Beute erhielten. Endlich ward es ruchbar, daß die ganze Pfarrwohnung umgewühlt sei und der Einsturz drohe. Die Obrigkeit stellte eine Untersuchung an und untersagte die Fortsetzung des geldgierigen Grabens. Die Schatzgräber verschwanden, aber von denen, die ihre Hoffnung auf ihre Versprechungen gesetzt hatten, waren die meisten treuherzig genug gewesen, ihr ganzes Vermögen zu den Grabekosten herzugeben. Noch vor drei Jahren ward ein armer Tropf von wohlhabendem Bürger, durch einen Schatzgräber fast an den Bettelstab gebrachte aber auch diese Erfahrung hatte ihn so wenig klüger gemacht, daß er hernach seine letzten hundert Taler einem Juden auszahlte, der ihm versprach, dafür den gesuchten Schatz durch einen Jesuiten heben zu lassen. Es verdient hierbei angemerkt zu werden, daß in den beiden angeführten Fällen, die meisten Kosten für Messen angerechnet wurden, welche in Rom, Maynz und anderen katholischen Örtern gelesen werden müsten.

Da Fischerei und Schiffsbau zu den Hauptnahrungszweigen der Stadt Wollin gehören: so wirst Du es uns zutrauen, daß wir es nicht bei den ersten Versuchen auf der Brücke haben bewenden lassen uns darüber genauer zu unterrichten; es hat uns indessen nicht weniges Fragen gekostet, um alles deutlich zu verstehen.

Die Fischerei wird hier und in der umliegenden Gegend von Tuckern, Zesenern, Zollnern, Quatznern, und außerdem mit kleinen Kähnen und mit Senken getrieben. Für den Schreck, den Dir diese Namen gemacht haben mögen, will ich Dich durch eine umständliche Erklärung entschädigen.

Die Tucker 5) fischen mit einem Kahne der nur einen Mast hat. Ihrer fahren immer zwei und zwei zusammen, welche eine Partie (in ihrer Sprache: eine Matschap oder Maatschap d. i. Matschaft, 6) (Kameradschaft) ausmachen. Ihr langes Netz wird mit einem Flügel an den Kahn des einen Tuckers und mit dem andern Flügel an dem Kahn seines Genossen befestigt. Sie fahren, das Netz zwischen sich in einer gleichbleibenden Entfernung von einander auf dem Wasser fort, bis sie ihren Fang heraus ziehen wollen. Dann nähern sie sich, um einander zu helfen. Auf jedem Tuckerkahne sind, außer dem Herrn, noch zwei Matrosen. Das Fahrzeug kostet gegen tausend Taler und das Netz ist etwa 50 Thlr. wert. An dem letzteren verdienen sie jedoch das meiste selbst; denn sie kaufen bloß den Hanf und spinnen das Garn und stricken das Netz mit eigenen Händen. Um es länger zu erhalten und es im Wasser unsichtbarer zu machen, müssen sie es steißig teeren. Der Tuckerkahn hat das Eigentümliche, daß in der Mitte mehr als das Dritteil seiner Länge nicht wasserdicht, sondern allenthalben mit Löchern, vom Umfange eines Fingers, durchbohrt ist. Durch diese Löcher dringt das Wasser ein, und so wird das Fahrzeug zugleich ein großer Fischkasten, in welchem sie ihren Fang aufbewahren. Das Vorder- und Hinterteil, welche von der Mitte durch bretterne Zivischenwände getrennt sind, müssen demnach die ganze Last tragen, weswegen das Schiff sehr tief im Wasser geht; und vermutlich hat es von diesem Untertauchen den Namen Tuckerkahn. Zur Erbauung eines solchen neuen Schiffs gibt die Regierung 140 Thlr. Baugelder, als eine Unterstützung. Indeß auch diese Beihilfe reicht nicht für jeden Unternehmer hin, die ganzen Kosten aus eigenem Vermögen zu bestreiten. Daher treten auch wol mehrere zur Erbauung eines Schiffes und zu der kostbaren Unterhaltung der Netze, Geräte etc. in Gesellschaft, und haben einen verhältnismäßigen Anteil an dem Gewinn. Alle Jahre um Jacobi haben sie eine gemeinschaftliche Zusammenkunft, wo auch wegen der Matschap neue Verabredungen genommen werden. Da nämlich immer zwei zusammen fischen, so schließen diese beiden auf ein Jahr die Kameradschaft. Sind sie nach Ablauf desselben mit einander zusrieden, so bleiben sie bei einander. Trennen sie sich, so sucht sich ein jeder einen anderen Genossen. Man versicherte uns, daß wenige Streitigkeiten unter ihnen vorfallen; weil es überhaupt ein friedliches gutgesinntes Völkchen sei. Es gibt ihrer jetzt in Wollin 38 einzelne, oder 19 Partien. Sie bleiben acht bis vierzehn Tage und länger auf dem Wasser. Wenn sie genug gefangen haben, oder wenn ihre Netze schadhaft werden, oder ihr Mundvorrat ihnen ausgeht, kehren sie nach Hause zurück. Ihre Fische verkaufen sie teils an die Quatzner, von denen ich nachher reden werde, teils fahren sie damit selbst auf einen Marktplatz, teils werden sie ihnen von fremden Fischern und Fischhändlern abgekauft, vornehmlich von Berlinern, die beständig mit ihren Dröbbeln hierher und zurück fahren.

Die Zesener 7) haben einen Kahn mit zwei Masten. Jeder fischt für sich allein mit einem Netze, welches an der Seite des Schiffes, von dem Vorderteile nach dem Hinterteile zu, befestigt ist. Er läßt sich dabei von dem Winde treiben und zwar so, daß er demselben die Seite, wo das Netz geht, zugekehrt hat. Solcher Zesener gibts jetzt hier sechse. Die gefangenen Fische legen sie in ihr Schiff, wo sie im trockenen sind, folglich bald verkauft werden müssen, wenn sie nicht sterben sollen.

Da ihre Schiffe keine Einrichtung haben, wodurch sie bloß auf den Gebrauch zur Fischerei eingeschränkt würden; so machen sie sich auch einen Zuverdienst durch Frachtfuhren, vornehmlich zu den Märkten in den nahe gelegenen Städten.

Die Zollner 8) sind im Grunde kleine Tucker und fischen auf dieselbe Art, wie jene, nur mit ungleich kleineren Fahrzeugen. Sie sind bloß auf die Divenow oberhalb der Wolliner Brücke eingeschränkt, dagegen die Tucker und Zesener, die dorthin nicht kommen dürfen ihr Gewerbe auf dem ganzen großen und kleinem Haff treiben. Jetzt gibt es nur eine Partie, d. h. zwei Zollner hier.

Die kleinen Fischerboote gehn von Zeit zu Zeit sogar in die Ostsee; jedoch können sie es nur bei stillen Wetter wagen. Noch wird mit Senken, wie bei uns auf den Brücken, gefischt.

Die Quatzner sind bloße Fischhändler. Wenn sie ihre Quatze neu bauen, so ist sie gewöhnlich kleinem als ein Tuckerkahn. Meistenteils aber kaufen sie alte Tuckerkähne, die nicht mehr dauerhaft genug sind, um beim Fischen die Gewalt des Windes und der Wellen zu ertragen, und verwandeln sie in Quatzen. Es gibt jetzt hier achtundzwanzig.




5) Tucker, in anderen Gegenden Tüker scheint einerlei mit dem hochdeutschen Tauch er zu sein.
6) S. dies Wort in Adelungs Wörterbuch.
7) Der Name kommt von dem Netze, womit sie fischen und welches die Zese heißt. Zese bedeutet wol ursprünglich eine Schlepp, etwasdas gezogen, gezauset, gezeiset wird. Die Schleppe an den Weiberkleidern hieß sonst Zesche. Das angelsächsische teasen, das englische tease, toaze, tose und towse ist damit, wie das dithmarsische tösen und das bremische teusen, einerlei Ursprungs.
8) Wenn diese Leute nicht ursprünglich irgendwo gefischt haben, wo sie haben einen Zoll entrichten müssen: so weiß ich von ihrem Namen keine Rechenschaft zu geben. Ihr Fahrzeug heißt eine Zolle. Davon können sie freilich auch ihre Benennung haben, aber woher kommt dieser Name?

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