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2 Bände: Auswanderung nach Amerika im Jahre 1822, und die Rückkehr in die Heimat im Jahre 1825 von Jonas Heinrich Gudehus.
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Gern gelesen:

August Neidhardt von Gneisenau August Neidhardt von Gneisenau (1760-1831) war preußischer Generalfeldmarschall und Heeresreformer. Die Sammlung seiner Briefe im Kriegsjahr 1813 bietet Einblick. Als Blüchers Stabschef hatte er wesentlichen Anteil am Sieg bei Waterloo.
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Buch: Zöllner's Reise durch Pommern nach Rügen

Stettin.Warten auf den Glockenschlag.

Brief 4 – Stettin


Auf dem Schlosshofe standen Bauern, die mit ausgestrecktem Halse und unverwandten Augen hinauf nach dem Schlossturme sahn. Sie warteten auf den Glockenschlag; denn dieser ist für die Landleute weit umher die größeste Merkwürdigkeit in Stettin. In der Mitte des Zifferblatts ist nämlich eine Fratze von Menschenkopf angebracht, der die Augen verdreht, wenn die Stunde schlägt, und darüber ist ein Männchen, das einen Hammer schwingt, als ob es die Glocke schlüge.

Die Jakobi-Kirche ist ein uraltes sehr hohes Gebäude. Die Pfeiler stehen äußerst enge zusammen, und die Kanzel hat eine Stellung, die kaum unbequemer sein könnte. Der Prediger sieht von derselben schräg in die Kirche und hat das Gesicht nach einem Winkel unter der Orgel gekehrt. In den Seitengängen neben dem Schiffe sind Chöre, wahrscheinlich nur für Leuten mit einem leisen Gehöre angebrachte denn bis zu dieser Entfernung kann nicht wohl ein vernehmlicher Schall durchdringen, wenn nicht ein Mann predigt, wie unser verstorbene **, von dem der Probst Köppen sagte, er höre seine Sonntags-Nachmittagspredigt immer noch am Montage tösen. An der Kirche standen sonst zwei ordinierte Küster, die jetzt in Katecheten **) sind umgeschaffen worden. Alle vierzehn Tage wird hier und in der Nikolai-Kirche wechselsweise Musik aufgeführt. Der Turm ist in der schwedischen Belagerung 1677 abgeschossen worden. Man hat ihn so abgestumpft glassen und bloß mit vier kleinen Spitzen verziert. Am östlichen Ende des Kirchendachs ragt noch ein kleines spitziges Türmchen hervor.

Da ich so gern in jeder größeren Stadt einen Turm besteige, um einen Überblick ihres Umfangs und der Gegend umher zu genießen, so hatte ich mir zu diesem Behufe den eben erwähnten Jakobi-Turm ausersehen; man widerriet es mir aber, weil man auf den Treppen ebenso wenig ohne Gefahr, als ohne Beschwerde fortkommen könne, und oben nirgends eine ganz freie Aussicht hätte. Dafür kletterten und krochen wir nun auf der Erde durch dunkle Gänge und Gewölbe, um zu sehen was eigentlich nicht zu sehen ist. Es hat sich nämlich unter dem gemeinen Manne eine uralte Sage erhalten, daß in einem Gebäude, welches zu dem jetzigen Stadthofe gehört, das Bildnis des bekannten Götzen Triglaff gestanden habe. In einem dunklen Gebäude, welches jetzt als Wagenremise geraucht wird, zeigte man uns eine Nische, die der Standort des Götzenbildes gewesen sein soll. Weder diese Nische, die eine Art von Fensterblende ist, noch das ganze Gemäuer hat ein solches Alter, daß man dabei an heidnische Zeiten denken könnte. Wahrscheinlich hat das Gebäude zu einem Kloster gehört, wie auch der daran stoßende Magistrats-Pferdestall, allem Anscheine nach, eine Kapelle gewesen ist. Da indessen dergleichen Volksüberlieferungen selten ohne allen Grund sind, so ist es wohl möglich, daß der Sitz der alten Abgötterei sich in dieser Gegend befunden hat. Sie schickte sich dazu wegen ihrer Höhe, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Name des alten Peterberges aus Böter- oder Boiter- Zauber- Berg verunstaltet ist, wie so viele Benennungen, die sich ursprünglich auf heidnifche Vorstellungen bezogen, in christliche sind umgeschaffen worden, z. E. Swantevit in St. Veit. Und da sich die Mönche gern das zueigneten, was vormals die heidnischen Priester besessen hatten: so läßt sich vermuten, daß sie den Sitz des umgestürzten Triglaff in ein Kloster verwandelt haben.

Mein alter Freund, Hr. Consistorialrat Engelken und der jetzige Bibliothekar, Hr. Prof. Selle, führten uns auf die Bibliothek des Gymnasiums. Sie besteht aus etwa 6000 Bänden, und ist in einer ehemaligen Kapelle der jetzt zerstörten Marien-Kirche aufgestellt. Da sie, wie gewöhnlich dergleichen Büchersammlungen, größtenteils aus Geschenken und Vermächtnissen entstanden ist: so enthält sie allerlei durcheinander, und am wenigsten von dem, wodurch sie für das Gymnasium nutzbar werden könnte. Jedoch ist sie auch nicht von Sehenswürdigkeiten entblößt. Viele derselben hat mein ehemaliger Vorfahr an der Nikolai-Kirche, Probst Andreas Müller, von dem auch die chinesischen und andere ostindische Seltenheiten auf unserer königlichen Bibliothek herrühren, hierher geschenkt ***). Aus dem Liebeherrischen Vermächtnisse ist, außer schätzbaren juristischen Werken, eine große Sammlung von von Schriften, die in Pommern, oder von gebornen Pommern geschrieben sind, sonderlich viele Bände von Leichenreden und Schulschriften vorhanden, die wenigstens für die Geschichte der pommerischen Familien und des Schulwesens nützlich sind ****). Den neusten schätzbaren Zuwachs hat die Bibliothek durch den großen Freund seines Vaterlandes, Gr. v. Herzberg, erhalten, dessen Bildnis auch eine Zierde derselben ist 5).Von alten Autoren ist keine andere Handschrift, als einevom Florus vorhanden, die zwar kein hohes Alter hat; aber einem Herausgeber dieses römischen Geschichtsschreibers doch wichtig sein könnte 6).




***) Ehedem standen auch an der Marien-Stifts- und an derNicolai-Kirche ordinierte Küster, da man aber eine Unschicklichkeit darin fand, allerlei Küsterdienste von Männern verrichten zu lassen, die zu einer andern Zeit wieder Predigergeschäfte verwalteten: so sind die ordinierten Küster in Katecheten verwandelt worden, welche mit den Küsterdiensten nichts zu tun haben.
***) Die wichtigsten sind. Die Flora Sinensis von dem Jesuiten Michael Boym. Viennae 1556. Sie ist sehr selten, mit schlechten Kupfern, welche Pflanzen und einige Tierarten vorstellen. The holy Bible, translated into the Indian Language and ordered to be printed by the Commissioners of the united Colonies in New - England . Cambridge 1663. 4. in Virginischer Sprache. ? Die vier Evangelien, Malayisch. Ox ford 1677. 4. ? Ammedis arabliadae vitae et rerum gestarum Timuri qui vulgo Tamerlanus dicitur historia. Lugdun. Bat. 1636. 4. Historia Tamerlanis arabice. ? An Handschriften: ein sehr sauberes Manuscript vom Koran, Arabisch, in Sedez, mit goldenen Anfangsbuchstaben und großen goldenen Punkten zwischen den Zeilen, sehr bunt gemalt. Ein Band türkischer Briefe, woran noch allerlei andere kleine Piecen gebunden sind, z. E. eine arabische Rede, ein Fragment des türkischen Kalenders, Fragment eines Buchs von der indischen Astrologie, eine Probe griechischer Musik etc. Historia et Geogaphia in armenischer Sprache (88 Seiten). Aesopens Fabeln, gleichfalls armenisch, 224 S. 12. Hiernächst verschiedene Kupferplatten, unter andern von einer chinesischen Karte; allerlei chinesische Manuscripte; auch ein japanisches mit dazwischen geschriebener chinesischer Übersetzung.
****) Ausführliche Nachricht von diesem Geschenke findet man in der Schrift des Herrn Geh. Leg. R. D. Oelrichs: Historische Nachricht von einer ansehnlichen (von Liebeherrischen) Schenkung gedruckter Schriften an die Bibliothek des königl. und akademischen Gymnasium zu Alt-Stettin. ib 1755.
5) Zu diesem Geschenke des Hrn. Staatsministers Grafen v. Herzberg gehören: die Werke Friedrichs II. seine eigenen Schriften, die wichtige Ausgabe von Kaiser Karls IV. Landbuch, die meisten Bände von den Mémoires der Berliner Akademie der Wissenschaften, und vornehmlich die sehr schätzbare v. Dregersche Sammlung Pommerischer Urkunden. Diese letztere besteht bekanntermaßen aus lauter Originalien, die sich in den Pommerischen Landes- Archiven und dem Geheimen Cabinets-Archive zu Berlin befinden. Der erste Band, der bis zum J. 1269 geht, ist 1748 und abermals 1768 in Folio zu Stettin durch den damaligen dortigen Prof. der Rechte und nachherigen Geh. Legationsrat und Residenten zu Berlin, Hrn. D. Joh. Conr. Oelrichs, nebst einem Anhange, welcher die Bildnisse der vier ersten Pomrellischen Herzoge Verbesserungen und Anmerkungen, auch eine Nachweisung der gebrauchten Quellen und ein vierfaches Register über die darin vorkommenden Burgen und Castelle, merkwürdigsten Sachen und Namen enthält, herausgegeben worden. Da der Hr. Gr. v. H. das ganze übrige Manuscript dieses wichtigen Werks vorlängst an sich gekauft hatte, aber bei seinen vielen Geschäften die vorgehabte Ausgabe der übrigen Bände nicht zu Stande bringen können, so wollte er wenigstens noch bei seinem Leben eine umständliche Nachricht von dem ganzen Inhalte dieses dem Gymnasium gemachten Geschenkes dem diplomatischen Publikum durch den Druck mitteilen. Er ließ sogleich den Anfang Abdrucks machen, allein an der Vollendung desselben hinderte ihn seine langwierige schwere Krankheit, weswegen er die weitere Besorgung gleichfalls dem Hrn. Geh. Legat. Rat D. Oelrichs, seinem fünfzigjährigen Vertrauten übertrug,der auch das Verzeichnis dieser von Dregerischen ganzen noch übrigen ungedruckten Sammlung pommerischer Urkunden, mit dem Bildnis d. fünften u. letzten Pommerellischen Herzogs Mistwin, u. einer Vorrede diplomatischen Inhalts, zu Stettin 1795 herausgegeben hat.
6) Sie ist auf Pergament sehr sauber geschrieben, und teils diese Sauberkeit, teils die neue Gestalt der Züge, teils der Mangel aller Abbreviaturen beweiset, daß sie nicht sehr alt sei. Die Überschrift ist: Lucy annei flori epithoma de Tito Livio libri IV incipiunt, und in einem andern Absatz: Luci annei flori compendiosi historici liber incipit. Am Rande sind hie und da Varianten bemerkt, über deren Wert ich indessen nicht urteilen kann, weil mir der Mangel an Zeit keine Vergleichung anzustellen erlaubte. Der Codex ist im J. 1724.von einem ehemaligen Regierungsrat v. Lilienström, dessen Vater ihn an sich gekauft hatte, der Bibliothek geschenkt worden.

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