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2 Bände: Auswanderung nach Amerika im Jahre 1822, und die Rückkehr in die Heimat im Jahre 1825 von Jonas Heinrich Gudehus.
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Kurt Faber Eine Abenteuergeschichte von Kurt Faber: Weltwanderers letzte Fahrten und Abenteuer. Erscheinungsjahr: 1930
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Buch: Zöllner's Reise durch Pommern nach Rügen

Stettin. ein Schloss ohne Schönheit.

Brief 4 – Stettin


Stettin, den 25. Jul. 1795.


Das Schloss ist ein großes Gebäude ohne Schönheit, das aber, auch so wie es ist, keinen geringen Begriff von seinen ehemaligen Bewohnern, den alten Herzogen von Pommern gibt. Jetzt wohnet die Prinzessin Elisabet in demselben, und den größten Teil des übrigen Raums nehmen die Versammlungszimmer der Regierung, des Consistorii und der Kammer, nebst den dazu gehörigen Registraturen und Kanzelleien ein. Auch ist in demselben die Schlosskirche, die sich im Ganzen sehr gut ausnimmt, und so angelegt ist, daß der Prediger überall gesehen und leicht verstanden werden kann *). Das Altarblatt mit seinen Seitenstücken und die übrigen Gemälde von Pommerischen Herzogen, Bischofen und Predigern sind unbedeutend. Ein einziges nur zog unsere Aufmerksamkeit an sich. Es ist in großer länglicher Queerform und stellt wahrscheinlich den Einzug des Herzogs Bogislav X. in Venedig auf seiner Rückkunft von der Wallfahrt nach Palästina vor. Das ganze Costume ist Venezianisch, auch ist der Doge mit seiner roten Mütze kenntlich. Hr. Bernonlli hat die Malerei für ein vorzügliches Werk eines großen italienischen Meisters erklärt.

Ich getraue mir weder ihm beizupflichten noch zu widersprechend denn wenn ich auch ein Kunstkenner wäre, so würde ich doch nicht davon urteilen können. Das Stück hängt zu hoch, hat ein ungünstiges Licht, und ist über und über voll kleiner Figuren. Wahrscheinlich ist indessen eine so glänzende Feierlichkeit, wie Bogislavs Einzug in Venedig von einem der besten damaligen Künstler verewigt worden. Ich muss Dir Bugenhagens Beschreibung davon, wegen ihrer originellen Einkleidung aus dem Lateinischen übersetzen.

„Bugislav fasste aus christlicher Frömmigkeit, im Jahre 1496 den Entschluss, nach Jerusalem zu gehn. Mehrere widerrieten es ihm, sonderlich sein Marschall und Kanzler. Endlich gaben sie nach, weil sie nichts bei ihm auszurichten vermochten. Nun befahl er dem Marschall, dreihundert Reiter zum Zuge zu rüsten und ihn selbst zu begleiten, weil sein Rat ihm nützlich sein würde. Dem Kanzler übergab er unterdessen die Verwaltung der Landesregierung. Sobald alles bereit war, trat er seinen Zug an nicht ohne Kummer der Seinen, vornehmlich seiner zärtlichen Gemahlinn Anna, einer Tochter des glorreichen Königs Casimir von Polen. Eine kurze Zeit nach seiner Abreise erhielt man Briefe, daß der Fürst und seine Gefährten durch mannichfaltige Todesarten zu Wasser und zu Lande umgekommen wären. Der kluge Kanzler verhehlte die Botschaft der Fürstinn, damit nicht auch sie vom Grame hingerafft würde. Unterdessen erschien ein wahrhafter Bote mit Briefen vom preiswürdigen Bugislav: Der Fürst sei, so lautete der Brief, vom römischen König, von den Chur- und Reichsfürsten prächtig aufgenommen und äußerst geehrt worden. Bei seinem Abzuge nach dem heiligen Grabe habe ihm der König eine Bedeckung gegeben und ihn höflich einige tausend Schritte begleitet. Auf ihrem Wege zur See sei ihnen indessen bei heiterem Himmel auf dem ruhigen Meere eine überlegene türkische Flotte begegnet, doch sei die angestrengte Bemühung der Ungläubigen ihr Jachtschiff zu erobern vergebens gewesen. Der Bote, welcher dabei gewesen war, erzählte die Begebenheit also: Wir schifften nach Candta zu. Hohe Klippen, die aus dem Wasser hervorragen, sind wie Inseln auf dem Meere verteilt. Die Gegend ist gleichsam gemacht um da im Hinterhalte zu lauern. Kaum langten wir dort an, so ward von der hohen Warthe ein Zeichen gegeben, und plötzlich waren wir auf allen Seiten von Feinden umringt, die in den Seekriegen außerordentlich geübt und mit sieben Schiffen versehen waren. Unser Schiffskapitän gab sich sogleich als deinen Venetianer zu erkennen: er zeigte seine Flagge, er berief sich auf das Bündnis mit Venedig. Aber weder Drohung noch Bitten schützten vor den Waffen der Wütenden. Um sich also zu retten, verbarg er sich unten im Schiffe, und der größte Teil der Italiener folgte ihm. Unterdessen setzten sie uns mit Wurfspießen und Steinen und allen Arten von Mordgewehren zu, und warfen Schwefel und Pech mit Werk und Feuer vermischt unter unsere dichtfechtende Haufen, ja Körbe mit lebendigem Kalk schleuderten sie uns ins Gesicht, um uns zu blenden. So sehr indessen alle andern verzagten, ermannte sich Bugislav als ein Held, der Tapferkeit seiner Ahnherrn eingedenk, und durch die außerordentliche Gefahr noch mehr mit Mut begeistert, zur mannhaften Gegenwehr. „Zeigt euch, Gefährten“, rief er“, als tapfre Streiter. Nirgends gibt es eine Zuflucht. Es gilt einen Kampf zwischen Christen und dem Feinde Christi. Wir fechten nicht um Güter, sondern um Leben und Leib. Es wäre eine Schande für unsere Nachkommen, wenn wir nichts Kühnes gegen diese Unsinnigen wagten; und am Ende ists rühmlich hier im Kampfe für Christus zu unterliegen.“ Mit diesen Worten schleuderte er Steine und alles, was sich werfen ließ, unter die Feinde, und stürzte die, welche auf das Schiff sprangen, ins Meer. Nun begann das Gefecht in der Nähe mit dem Schwert; unsere Segel waren von den Feuer-Kugeln verbrannt, und viele von unsern Genossen waren von den Flammen verletzt, gefallen. So fiel auch mitten im heftigsten Kampfe der edle Ritter Christoph von Salenzke, fürwahr unter Bugislavs Ersten nicht der Letzte! Doch, obgleich die Flamme wütete und unsere Streiter verwundet waren, taten wir gewaltigen Widerstand, als der Türkische Befehlshaber, namens Gamir, zum Rückzug blasen ließ, und die Feindseligkeiten ein stellen hieß. Man sagt, er sei durch ein Gesicht erschreckt worden es sei ihm nämlich auf der Spitze des Mastbaums Mahomed, von Christo gegeißelt, erschienen, und habe ihn gebeten, sich seiner Striemen zu erbarmen, welches dadurch geschehen würde, wenn er seine Hand nicht weiter an die Fremdlinge legte; widrigenfalls würde das Blut dieser wenigen durch ein schreckliches Verderben der Türken gerächt werden; so sehr lägen nämlich diese Fremden dem Allmächtigen am Herzen. Bei dieser Erzählung des Gamir habe einer von den Offizieren das Gesicht für eine Folge des Schreckens erklärt, zumal da Christus unmöglich den allmächtigen Mahomed überwältigen könne; aber dieser sei auf der Stelle mit dem Verlust der Sprache für seine Lästerung bestraft worden. Hierauf habe ein gewisser Arpharat, der unter den Seinen in großem Ansehn gestanden, gegen den Befehlshaber sehr dreist und gegen Christus sehr gottlos gesprochen, und sei auf der Stelle entseelt zur Erde gefallen. Nun habe die Übrigen ein solches Entsetzen ergriffen, daß sie die Seegel gespannt und sich nach den Ufern geflüchtet hätten. Die Christen dagegen hätten dem Erlöser, nicht nach Gebühr, aber doch nach Kräften gedankt, und wären nach Candia geschifft, um ihr beschädigtes Schiff wieder herzustellen. ? Dies erzählte der Bote, wie er konnte, mit wahrhafter Rede. Als aber Herzog Bogislav auf seiner Rückkehr von Jerusalem in die Nähe von Venedig gekommen, kam ihm der Doge und der ganze Senat, in einer langen Reihe von Schiffen, die mit venetianischem Pomp, mit purpurnen und köstlichen seidenen Decken geziert waren, entgegen. Bogislav ward auf dem mit Kostbarkeiten geschmückten Schiffe des Doge unter vielen Ehrenbezeigungen empfangen. Seine Taten wurden gepriesen, und man ermangelte nicht, ihm für seinen, dem Schiffe geleisteten Beistand zu danken; ja man versprach von freien Stücken, die ganze Begebenheit in den Jahrbüchern von Venedig den Nachkommen zu überliefern, damit das Andenken einer so frommen Tat nicht unterginge. Der Herzog ward hierauf in den, zu den größesten Feierlichkeiten bereiteten Palast geführt. Wie herrlich und köstlich das Mahl veranstaltet gewesen, ist nicht nötig zu sagen. Auch die ersten Frauen von Venedig waren zugegen und schmeichelten dem Herzoge mit ihren Schätzen. Sie bewunderten die schöne Gestalt und den seltenen Anstand des Mannes und priesen die Gemahlin selig, die sich eines solchen einzigen Gatten erfreute. Bei diesem allen betrug sich der Herzog im Anstande und in Reden so angenehm, daß sein Lob in der ganzen Stadt von Mund zu Munde flog.“ ? Also Bugenhagen! ? Mierälius (Altes Pommerland. S. 308.) verschönert die Geschichte des Gefechtes mit den Türken noch durch einen Zug, der unserm Bernh. Rode die Idee zu dem, Dir bekannten, Gemälde und radierten Blatte begeben hat. Er erzählt nämlich aus den Chronikenschreibern, denen er folgt: Unterdessen die Türken möderisch schlugen, stachen und schossen „war Herzog Bogislav nicht faul und sah nach einer Wehre um und konnte keine bekommen, denn ein jede wollte seine Wehre selbst gebrauchen. So flehet er ungefähr einen Spieß mit Hühnern, wie sie der Koch angestecket, daß er sie briete, und erwischete das, und lief mit demselben, als es war (die Hühner daran,) den Seinen zu Hülfe, und schlug so trefflich in die Türken mit dem Bratspieß, daß sie alle vor ihm wichen und flohen usw.“




*) Von den in dem Gewölbe dieser Kirche ländlichen Gräbern verschiedener Pomnerischer Herzoge teilt Hr. Geh. Rath. Oelrichs eine kurze lesenswürdige Nachricht mit. Das gepriesene Andenken der Pommerischen Herzoge . etc. S 87.

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