Abenteuer- & Jugendliteratur
Aphorismen & Miszellen
Architektur & Baukunst
Auswanderung
Befreiungskriege
Biographie
Briefe, Tagebücher
Gesundheit, Medizin, Homöopathie
Historischer Roman
Maritimes
Mittelalter
Pferd, Hund, Jagd
Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Reisen, Expeditionen, Entdeckungen
Sagen und Märchen
Thematisch Gemischtes
Amerika
Russland
Bayern
Hamburg
Mecklenburg-Vorpommern
Pommern
Volltextsuche
Shop
Buchtipp
Bei Lexikus online lesen, oder bei Amazon kaufen
Reiseliteraur: Land und Leute in der alten und neuen Welt von Franz Löher, 1835.
Band II, Band III
Bei Lexikus online lesen, oder bei Amazon kaufen
Reiseliteraur: Land und Leute in der alten und neuen Welt von Franz Löher, 1835.Band II, Band III

Beliebte Suchbegriffe
Kanada, Bewohner Amerikas, Jugendliteratur, Land und Leute, Plattdeutsche Sprichwörter, Volltextbibliothek, Brief, Reise, Kurt Tucholsky
Kanada, Bewohner Amerikas, Jugendliteratur, Land und Leute, Plattdeutsche Sprichwörter, Volltextbibliothek, Brief, Reise, Kurt Tucholsky
Gern gelesen:
Eine Abenteuergeschichte von Kurt Faber: Weltwanderers letzte Fahrten und Abenteuer. Erscheinungsjahr: 1930
Eine Abenteuergeschichte von Kurt Faber: Weltwanderers letzte Fahrten und Abenteuer. Erscheinungsjahr: 1930

Impressum
über Lexikus
Stettin. Die einstige Oderburg bei Grabow.
Brief 4 – Stettin
Dicht bei Grabow hat einst die Oderburg gestanden, welche ursprünglich ein Karthäuser-Kloster gewesen, dann in ein fürstliches Lustschloss verwandelt, und im J. 1630 abgebrochen worden ist, und jetzt nicht einmal mehr den Anblick schöner Ruinen gewährt. Die Stelle, wo sie gestanden hat, ist teils in Acker verwandelt, teils ein mit Gras und Dornen bewachsener Schutthaufen, aus dessen Umfang man auf die ehemalige Größe des Gebäudes schließen kann. Auf dem Rückwege durch die Stadt sahn wir das Petri-Hospital, welches vor kurzem neu und in einem guten Geschmacke ausgebaut ist. Die Petri-Kirche, die jetzt nahe am Wall steht, soll ehedem in der Mitte der Stadt gestanden haben. So sehr haben sich die Einwohner von der oberen Gegend allmählig, wegen der Bequemlichkeit des Handels, nach der Oder hingezogen, und daraus läßt sich die Unregelmäßigkeit der Straßen in diesem Teile der Stadt erklären! In dem alten Festungsgraben, den man immer weiter und weiter ausgefüllt hat, sind hie und da kleine Gärten: die einzigen, die es innerhalb der Ringmauern gibt. Überhaupt ist in der Stadt alles so bebaut, daß es Kunst kostet, noch eine neue Baustelle ausfindig zu machen. Der Landbaumeister Weirach hat sich deshalb in den alten Festungsgraben hinein, dergestalt ein Haus gebaut, daß es unter dem Geschosse, welches mit der vordern Fronte der Straße gleich steht, hinten zwei Stockwerke tief in den Graben hinab reicht, und zwei Reihen der trefflichsten Keller über einander hat. Der Platz, der diesem Hause zum Hofraume, zur Stallung und zu Wirtschaftsgebäuden dienen soll, ist durch Ausfüllung des Grabens, und zwar mit dem Schutt der abgebrannten Marienkirche gewonnen worden.
Um Stettin von allen Seiten zu sehen, machten wir heute noch einen Spaziergang in der Ober-Wieke nach dem Velthusenschen Garten. Es ist dies bis jetzt eine bloße Anlage, die einst sehr angenehm werden kann, ungeachtet sie mehr auf Nutzen als auf Schönheit berechnet ist. Die Abhänge zweier gegen einander überstehenden Berge, zischen denen sich ein kleines Tal krümmt, sind terrassenweise abgegraben und mit einer Menge von Obstbäumen bepflanzt. Hecken und Rasenpartien unterbrechen die Einförmigkeit und hie und da ladet ein Rasensitz oder eine Grotte oder ein Lusthaus zum Ausruhen ein. Freilich wird dies alles erst dann einen eigentlichen Genuß gewähren, oder zum Teil durch etwas Besseres ersetzt werden können; wenn die jetzigen Bäumchen und Schösslinge einst Bäume und Gebüsche sind. Auf einer der hervorrragenden Bergspitzen nahm sich die Stadt so unvergleichlich aus, daß ich mir dies Bild recht tief eingeprägt habe, um immer, wenn ich an Stettin gedenke, mir gerade diesen Eindruck davon zurück zu rufen.
Auf dem Wege nach der Stadt zurück taten wir einen Blick in das Fort Preußen, einem kleinen Festungswerke an der südlichen Seite der Stadt. Die französischen Gefangenen, die dort ihren Aufenthalt gehabt hatten, standen noch in einem lebhaften und freundlichen Andenken bei vielen, die wir sprachen. Eine Anzahl derselben hatte täglich die Erlaubnis erhalten, in die Stadt zu gehen, wo sie sich als Tanz- und Fechtmeister, oder durch andere Beschäftigungen etwas verdienten, bei Mädchen und Frauen Beifall fanden, und sich auf allerlei Weise über die Entfernung aus ihrem Vaterlande zu trösten wussten. Die Einwohner bewiesen ihnen viele Gefälligkeit und besuchten sie fleißig auf dem Fort, wo sie zum Teil ihren hölzernen Schuppen für mancherlei Zeitvertreib sorgten.
Du erwartest vielleicht noch eine Schilderung des Charakters der Stettiner, ihrer Sitten, ihrer Lebensart und ihres gesellschaftlichen Tons. Aber der Blick, der in dies alles bei einem dreitägigen Aufenthalte tief genug eindringen wollte, um mit einiger Zuverlässigkeit urteilen zu können, müsste schärfer sein, als der meinige. Die flüchtigste Ansicht lehrt indessen, daß es hier ohngefähr ist, wie überall, wo die Einwohner so sehr gemischt sind. Bei den Königlichen Kollegien sind Mitglieder aus entlegenen Provinzen der Preußischen Monarchie angestellt. Die Offiziere der ansehnlichen Besatzung sind gleichfalls aus allerlei Gegenden gebürtig, und selbst die Kaufleute und Bürger sind nicht alle geborene Stettiner. Diese Klassen sind zwar im Ganzen von einander abgesondert, aber es gibt doch in jeder derselben mehrere Personen, die wegen Verwandschaft, Verschwägerung oder Freundschaft mit einigen Gliedern der übrigen in Umgang stehen. Dadurch nähern sich die verschiedenen Stände einander, und die Eigentümlichkeiten, wodurch sie sich sonst, der Natur Sache nach, unterscheiden würden, verschwinden durch unmerkliche Übergänge. Man ist ehedem durch die großen Vorräte von Wein veranlasst worden, mächtig zu trinken; aber die gebildetere Lebensweise, die überall im nördlichen Deutschland die Mäßigkeit und Nüchternheit herbeigeführt hat, ist längst auch hier so herrschend geworden, daß niemand mehr zum übermäßigen Trinken gedrungen wird. In den Gesellschaften, wo ich mich befunden habe, bin ich froh und ungezwungen gewesen, habe einen Ton der Feinheit und Zutraulichkeit gefunden und bin höchstens bisweilen durch die innere Einrichtung der Wohungen erinnert worden, daß ich mich außer Berlin befände. ? Der Musikdirektor Hr. Haak (Bruder des Violinisten in des Königs Kapelle) gibt im Winter wöchentlich ein Konzert, in welchem meistens Liebhaber spielen und Liebhaberinnen singen.
