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Abenteuer zwischen dem Arkansas und Red River: Ausflug auf die Prairien von Washington Irving, 1835.
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Wild anlocken, Veranstaltung, Ferdinand von Schill, Sprichwörter Bedeutung, Clovis Dardentor, Grube, im Busch, berühmter Ritter, Osage
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Johannes Martin Schupp berichtet über die sozialen Verhältnisse im Hamburger Hafen. Erscheinungsjahr: 1908
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Abschnitt 2 - Spaziergang, Standpunkt, hohe Batterie, Oder, Greyffenhagen, Damm, Dammische See, Ober-Wiecke.
Brief 2 – Stettin
Einen angenehmen Spaziergang gewährt der Wall, der die ganze Landseite der Stadt einschließt. Der schönste Standpunkt auf demselben ist die sogenannte hohe Batterie. Man sieht über die Oder hin die Städte Greyffenhagen, Damm etc. und eine Menge von Dörfern; nördlich weidet sich der Blick an den vermiedenen Ärmen der Oder und der Dammischen See; außerdem erhält die ganze Landschaft, welche man vor sich hat, in der Entfernung durch die schönen Wiesen, Berge und Äcker, und in der Nähe durch die Werder im Flusse und durch die Alleen einen ungemeinen Reichtum, und durch die Schiffe, die vor Anker liegen, oder absegeln, oder kommen, ein Leben, wie nur ein schiffbarer Fluss es einer Gegend verleihen kann. Die Ober-Wiecke **) erinnerte mich lebhaft an Altona; aber freilich ist die Elbe ein anderer Strom, als die Oder, und Altona ungleich größer, prächtiger und anmutiger, als diese Art von Vorstadt. Je herzlicher mich dieser Anblick und der ganze Spaziergang ergötzte, desto mehr bedaure ich, daß es nicht jedem Stettiner Einwohner vergönnt ist, diese Schönheit seiner Stadt nach Gefallen zu genießen. Man muss ein Wallbillet haben, wenn man will hinaufgelassen werden; und nicht Jedermann kann dazu gelangen: weil sonst die Anlage der Festungswerke allzu bekannt, oder das Gras auf denselben zu sehr niedergetreten würde. Eine noch weitere und anziehendere Aussicht, als vom Wall, hatten wir von der Galerie des Schlosses, wo für die Prinzessin Elisabet K. H. ein kleines Zimmerchen eingerichtet ist, das, bei aller seiner Schmucklosigkeit, den Namen eines Belvedere verdient. Wir hatten uns ein wenig verspätet. Die Sonne war eben im Begriff uns ihren Anblick zu entziehen. Dies raubte uns den Vorteil, weit entfernte Gegenstände unterscheiden zu können.Aber desto willkommner war uns die unvergleichliche Wirkung, welche die Beleuchtung von dem schönsten Abendrote auf diese herrliche Landschaft machte. Das Vergnügen, welches uns Tätigkeit gewährt, ist offenbar bloß eine Folge unserer vernünftigen Natur; der sinnliche Teil unseres Ich hat einen entschiedenen Hang zur Ruhe, sobald ihn kein Bedürfnis treibt. Daher überschleicht uns ein eigentümliches Gefühl des Wohlbehagens, wenn die Vorstellung von Stille und Ruhe in unserem Gemüte die herrschende ist. In einem völligen Dunkel, wo gar keine Vorstellungen von außen in uns kommen, wird auch unsere Phantasie nicht veranlasst sich mit den reizenden Bildern der Ruhe zu beschäftigen. Sie behält ein offenes weites Feld, worin sie frei umher schweifen kann, und mahlt sich vielleicht die ängstenden Vorstellungen von Abgeschiedenheit und von Gefahr aus. Wenn dagegen das Gemüt seine Aufmerksamkeit auf Gegenstände richtet, welche alle das Bild von Ruhe und Stille in der Einbildungskraft wecken: so dringt, ungesucht und angerufen, das süße Gefühl des Friedens in unsere Seele, und wir überlassen uns ganz den sanften Empfindungen, die uns unwillkürlich zuströmen, ohne daß eine der andern durch allzu große Lebhaftigkeit Abbruch täte. Man schmilzt in solchen Augenblicken gleichsam mit der Natur um sich her zusammen, und genießt auf gewisse Weise wachend das süße Hinschwinden des völligen Bewusstseins, wodurch uns der Zeitpunkt des Einschlummerns so köstlich wird. Genau dies war einige Minuten lang das Gefühl, womit ich auf jener Galerie des Schlosses stand. Die Luft war milde, und nur ein leiser Hauch aus Westen wehte uns, von den fernen Gewässern und Wiesen her, sanfte Kühlung zu. Das glühende Rot des Abendhimmels ging durch tausend Abstufungen, die auch nicht ein Wölkchen unterbrach, in ein blasses Dämmerlicht über, bis es sich im hellblauen Äthergewölbe über unserem Haupte verlor. In der glatten Fläche der Ärme des Flusses und des Sees vor uns, spiegelten sich die Farben des Himmels und die Gestalten der Ufer so schön. Von der Stadt und den Schiffen, wo kurz zuvor ein rastloses Gewimmel herrschte, und ein wildes Getöse erscholl, kamen nichts als verhallende Töne zu uns herauf, und die abstechenden Farben schmolzen mit den verschiedenartigsten Gruppen ringsumher sanft in einander. Stumm in Gefühle versunken, stand ich mit meinen Begleitern unbeweglich auf derselben Stelle, bis uns das Schlagen der Turmuhr erinnerte, daß wir von einem freundlichen Wirte zum Abendessen erwartet würden.
Heute haben wir eine Menge von Merkwürdigkeiten in der Stadt gesehen. Man kann jetzt keine Stunde in Stettin sein, ohne von dem Niederreißen der Marienkirche zu hören, deren ich schon im Anfang meines Briefes erwähnte. Das Missvergnügen darüber hat sich durch alle Stände, wo man nicht von der wahren Lage der Sache unterrichtet ist, dergestalt verbreitet, daß man selten ein Gespräch anfängt, woran sich nicht das Murren oder Jammern über den Verlust der schönen Kirche anknüpft. Natürlich machte uns das begierig, den Gegenstand dieser weitverbreiteten Sensation selbst zu besehen. Und es ist wahr, wer bloß nach seiner Empfindung urteilt, kann sich kaum der Wehmut bei diesem Anblick enthalten, zumal wenn ihm noch das Bild der ehemaligen Schönheit des Gebäudes lebhaft vor der Seele schwebt. Es war eine hohe majestätische Kirche von gotischer Bauart. Eine Menge von Grabmählern und eine schön verzierte Orgel gaben ihrem Innern ein prachtvolles Ansehn. Der dreihundertvierundvierzig Fuß hohe Turm war ausdrücklich auf Veranstaltung Friedrich Wilhelms I. zur Zierde der Stadt erbauet, und Feierlichkeiten aller Art, deren Andenken aus Chroniken oder aus Traditionen auf die Einwohner gekommen war, oder die sie selbst erlebt hatten, machten ihnen das Gebäude ehrwürdig.
Jetzt ist der Raum, der das Innere der Kirche ausmachte, ein offener verödeter Platz, auf dem hie und da zertrümmerte Leichensteine hervorragen, und tiefe Erdgewölbe offene Grüfte bilden, in die man mit Ängstlichkeit hinab sieht. Ringsum ist dieser Raum mit vierzehn bis sechszehn Fuß hohen Mauern eingefasst, an denen man noch Überbleibsel ehemaliger Verzierungen oder Trümmern von Denkmählern erblickt. Die Gegend wo sonst der hohe Altar stand, und wo eine Menge von Familien-Begräbnissen einen gewölbten Halbzirkel eingenommen hatte, ist ebenfalls auf die gleiche Höhe mit den äußern Mauern nieder gerissen worden, und hat eine Bedeckung von Sparrwerk mit einem Ziegeldache erhalten. Die ganze Kirche ist also in einen bloßen Begräbnisplatz verwandelt, der noch dazu überall den unangenehmen Eindruck von verwüsteter Größe und von gewaltsamer Zerstöhrung macht. Von dem hohen prachtvollen Turm steht nur noch der Fuß des unteren Gemäuers.
Ich kann nicht leugnen, daß ich mit einer wahren Wehmut unter diesen Ruinen umher ging, und den ehrlichen Leuten nicht böse werden konnte, die sich neben mir unaufhörlich in Wehklagen und in Ausbrüche des Unwillens ergossen. Nur hätte ich gewünscht, sie nach meiner Kenntnis, die ich von der Lage der Sache und dem ganzen Hergange aus den Akten des Ober-Consistoriums habe, überzeugen zu können, daß eigentlich ihre Klage niemand als das Schicksal treffe, und daß jeder, der sich nicht durch eine unrichtige Darstellung der Sache täuschen läßt, die Entschließungen billigen wird, zu denen die alles beherrschenden Umstände genötigt haben ***).
**) Hr. Geh. R. Oelrichs zeigt eben so gelehrt, als scharfsinnig, daß das Wort Wik oder Wieke, sammt den Endsilben wik und witz in Brunswik, Osterwik, Carlowitz, Rackwitz und unzähligen andern, aus dem Slawischen Worte Wäs entstanden sei, welches einen Flecken oder ein Dorf bedeutet. S. dessen Specimen Reliquiarum linguae slavonicae in nominibus quibusdam etc. Berolin. 1794. 4. p. 20. u. f.
Wenn man, der größten Wahrscheinlichkeit gemäß, annimmt, daß jenes Slavische Wäs mit dem lateinischen Vicus, welches im mittleren Latein vigus geschrieben ward, zu einem Stamm gehöre: so ist es um desto erklärlicher, daß die Endsilbe vice in vielen polnischen Städten und Dorfern nicht nur, sondern auch die Silbe wieg und weig in deutschen Namen, wie in Schleswig, Braunschweig u. a. vorkommt, daß das Wort Weichbild in den verschiedensten Gegenden Deutschlands gebräuchlich geworden, und daß selbst im Holländischen Wyk einen Marktflecken und zuweilen eine Stadt bedeutet.
Hr. Adelung sagt .(Wörterbuch Th. 5, S. 219).,, Die Wiek, ein völlig niederdeutsches, im Hochdeutschen unbekanntes Wort, eine Bay, einen einen Meerbusen zu bezeichnen. Angels. Wic.“ Daß das Wort Wiek oder Wieke wirklich eine Bay bedeutet, davon dienen die Tromper und Prorer-Wyk bei Rügen zum Beispiel. Am häufigsten kommt indessen das Wort an der Ostsee von Dörfern oder Vorstädten vor, die am Wasser liegen, z. E. in Cammin, Wollin, Greifswald, in Kiel (Brunswyk) usw. Wenn man mit Frisch das Wort von Weichen ableitete, so daß es einen Ort bedeutete, wohin man weichen kann, so würden auch die verschiedenen Bedeutungen, welche Dufresne (Glossarium med. et infim. latinit.) anführt, mit einander zu vereinigen sein. Es heißt nämlich fub voce Wic: fluminis oftium Saxonibus fignificare docet Rhenanus , vel stationem fecuram, ut Hadrianus Junius, vel denique Castellum. Wenn er aber auch sagt, daß Wic und Wicha einen Wald bedeute, und davon Wicgreve (foieftarius) abzuleiten sei: so scheint dabei wol ein Missverständnis zum Grunde zu liegen. Der Weichgraf (Franz. Vicomte) hatte wol seinen Namen von dem Schlosse, welches ihm angewiesen war, und die ganze, seiner Gerichtsbarkeit unterworfene Gegend, hieß die Wyk. Hie und da führte vielleicht vorzugsweise der Wald, in welchem ein solches Schloss lag, diesen Namen.
***) Da in Stettin so viel von dieser Angelegenheit ist gesprochen worden und fortgesetzt gesprochen wird; da ich aus meiner Erfahrung weiß, wie vielen Anteil selbst Fremde daran nehmen, und der wahre Zusammenhang der Sache nur wenigen vollständig bekannt ist: so habe ich geglaubt zur Verminderung unrichtiger Urteile darüber auch das meinige beitragen zu müssen, und liefere zu diesem Ende in der Beilage zu diesem Briefe eine aktenmäßige Erzählung von der Zerstöhrung der Marienstiftskirche. S. am Ende des Bandes 1ste Beilage.
