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Ein Märchen In Gedichtform erzählte Geschichten von Oscar Freiherr von Redwitz-Schmölz in "Ein Märchen".
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Friedrich Gerstäcker Friedrich Gerstäckers erster Band bildhafter Reiseberichte in Südamerika. Erscheinungsjahr: 1853
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Buch: Zöllner's Reise durch Pommern nach Rügen

Über die wohlhabende und gebildete Schicht.

Brief 12 - Wostewitz auf Jasmund/Spiker


Schon hierin liegt ein Hauptgrund von dem eigentümlichen Gepräge der hiesigen Predigerfamilien. Man rechnet es, und mit Recht, zu den Vorzügen des Adels, daß durch die Wohlhabenheit und größere Bildung, welche mehrere Generationen hinter einander forterben, eine gewisse liberale Denkungsart in der Familie erhalten wird. Dies ist nun bei diesen Predigern derselbe Fall, und zwar deswegen noch mehr, da das Familienhaupt immer eine wissenschaftliche Bildung erhalten hat, und sowohl dadurch, als durch seine Amtsverhältnisse vor Rohheit und Ausschweisung bewahrt wird. Und die Einseitigkeit, die unter diesen Umständen leicht alle sonstigen Vorteile aufwiegen könnte, schleicht sich desto schwerer ein, da meistenteils die hiesigen angehenden Theologen, außer Greifswald, noch die Universitäten zu Jena, Göttingen oder Halle besuchen, folglich die erweiterten Begriffe mit in ihr Vaterland bringen, womit der Aufenthalt in fremden Gegenden und ein durch mannichfaltige Gesichtspunkte gereizter Fleiß zu belohnen pflegt.

Hierzu kommt, daß der hiesige Prediger sich mit dem Land-Edelmann fast in einem völlig gleichen Zustande befindet. Dies hat die Folge, daß manche sich mit adlichen Fräulein verheiraten, und auch dadurch in größere Familienverbindungen kommen. Ihre Söhne studieren häufig die Rechte oder gehen in Kriegsdienste, und schwingen sich, weil sie eine frühe gute Bildung erhielten, und ihre Kräfte nicht durch Dürftigkeit gelähmt wurden, zu den ansehnlichsten Ehrenstellen empor.

Indem durch dies alles diese Familien eine feinere Kultur bekommen, und zu einem gewissen Selbstgefühle gehoben werden, so sind sie von einer andern Seite nicht leicht der Gefahr ausgesetzt, in Überfeinerung und in die Unnatur zu versinken, womit die Vorteile des Wohlstandes nur allzu oft viel zu teuer bezahlt werden. In jedem einzelnen Orte gibt es natürlich wenig Umgang, außer dem häuslichen Zirkel, der indessen, wegen des Wittwentums, nicht selten sehr zahlreich ist. Fremde kommen nicht häufig auf die Insel. Folglich ist einer der geschätztesten Lebensgenüsse, fleißiger Besuch der Nachbaren unter einander. Dies gewöhnt an eine Gastfreundlichkeit, die auch dem Unbekannten zutraulich entgegen kommt, weil man sich des Zuspruchs freut, und da man gewöhnlich nur Bekannte sieht, durchaus an einen offenen herzlichen Ton gewöhnt ist. Die besuchlosen Stunden, die nach vollbrachten häuslichen Geschäften übrig bleiben, werden mit desto größerem Wohlbehagen dem Spazierengehn, dem Lesen, der Musik und traulichen Gesprächen gewidmet, je einladender die Gegenden sind und je weniger rauschende oder üppige Vergnügungen die Phantasie in Aufruhr bringen und das Gefühl verstimmen.

Sollte Rügen einst mehr das Ziel der Reisenden werden, so könnte in dieser Rücksicht leicht eine ähnliche Änderung vorgehn, wie die, welche man in den Schweizer- und andern Gebirgen bemerkt hat, seitdem dieselben häufiger besucht worden sind. Die Gastfreundlichkeit könnte sich in eben dem Maaße zurück ziehn, in welchem sie die Besuche wol bisweilen nicht interessant genug, oder wäre auch dies nicht, doch zu häufig fände. Der offene, ungezwungene Ton möchte sich bei der einen Hälfte der Fremden in einem fremden Elemente, und bei der andern dem Missbrauche ausgesetzt sehen. Hier könnte der Nachahmungsgeist von dem gewöhnlichen Gleise abführen, dort dürften Erfahrungen raten, einen anderen Weg einzuschlagen. Es würde hier gehn, wie es überall den Menschen in der Welt, und den Steinen auf dem Grunde des Meeres geht: je öfter sich ihrer viele berühren, desto mehr verlieren sie ihre ursprüngliche Gestalt. ? Doch ich komme auf die Rügenschen Pfarren zurück.

Natürlich sind nicht alle Predigerstellen auf der Insel gleich einträglich. Für die besten hält man die viere auf Wittow und Jasmund. Es gibt nämlich nur ihrer zwei auf jeder von diesen Halbinseln: zu Sagard und Bobbin auf Jasmund, und zu Altenkirchen und Wyk auf Wittow. Man nennt diese Pfarrer im Schere die Vierfürsten. Der älteste unter ihnen ist jedesmal Probst und seine Diöces erstreckt sich blos auf die übrigen drei. Der jetzige Probst ist Herr Pastor Schwarz zu Wyk, den ich gleichfalls kennen zu lernen hoffe. Die eine dieser Pfarren, die noch nicht einmal die vorzüglichste ist, hat allein zehn Lasten Messkorn, die Last zu sechsundneunzig Scheffeln gerechnet.

Von Bobbin fuhren wir in der Dämmerung nach Spiker. Dies ist ein altes Schloss und Hof, dem Grafen v. Brahe gehörig. Der berühmte Feldmar-schall Wrangel hat es nach dem dreißigjährigen Kriege gebaut, und ich möchte sagen: man sieht es demselben an, daß der Plan dazu im Kriege gemacht ist. Die sehr dicken Mauern und die hohen Türme an den Ecken geben ihm das Ansehn einer Burg. Übrigens hat die Bauart eine gewisse Größe, und trägt den Stempel eines Geistes, der sich nicht mit einem allzu beschränkten Spielraum zu begnügen gewohnt war. AlleZimmer sind von einer sehr beträchtlichen Höhe und Größe, und die Säle stehen mit ihnen im Verhältnis. Von dem Geschmack des Erbauers zeigt am vorteilhaftesten die Lage des Schlosses, die wirklich etwas Romantisches hat. Aus jedem Fenster hat man eine andere, und immer schöne Aussicht. Aus der Hauptseite zeigt sich das Binnenwasser zwischen Jasmund und Rügen, an dessen Ufer das Schloss liegt; über demselben die Landenge, die nach Wittow führt, dann die Tromper Wyk, und zur Linken Gebirge, Wälder und Fluren. Aus der östlichen Reihe der Zimmer hat man Bobbin zur Perspective, wo die Kirche absichtlich gebaut scheint, um durch einen hervorstechenden Zielpunkt dem Ganzen Haltung zu gelben.

Hier essen wir überall noch Erdbeeren und Kirschen In Stralsund hatten wir vor drei Tagen noch aufblühende Rosen. So viel Unterschied im Klima machen ein paar Grade nordwärts und die Nähe der See! Die Ernte scheint noch weit entfernt, aber diese Hitze, die uns seit gestern und heute brennt, macht alles in wenigen Tagen reif.

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