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Reiseliteraur: Land und Leute in der alten und neuen Welt von Franz Löher, 1835.
Band II, Band III
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Gern gelesen:

August Neidhardt von Gneisenau August Neidhardt von Gneisenau (1760-1831) war preußischer Generalfeldmarschall und Heeresreformer. Die Sammlung seiner Briefe im Kriegsjahr 1813 bietet Einblick. Als Blüchers Stabschef hatte er wesentlichen Anteil am Sieg bei Waterloo.
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Buch: Zöllner's Reise durch Pommern nach Rügen

Landschaftsbeschreibung

Brief 12 - Wostewitz auf Jasmund/Spiker


Um dies Gebäude her wechseln offene und dichte Lauben, gemeinschastliche und einsame Sitze an freien oder schattigten Stellen, eingeschlossene und offene Plätze mit einander ab. Der kleine Bach ergötzt hier durch seine hohen Ufer, dort durch kleine Wasserfälle, und an andern Stellen durch sein sanftes Rieseln zwischen den geschlängelten Einschnitten der Wiese. Ungemein anmutig sind die beiden Spaziergänge längst der Südostseite der Brunnen-Aue, von denen dereine unten, der andere höher an der Berglehne fortläuft. An Ergötzlichkeiten anderer Art, als da ist Caroussel, Kegelbahn, Spieltische, Fortuna, Schaukel, Wippen, Scheiben, Musik und Tanz fehlt es auch nicht, und in dem Pfarrhause ist ein großes Zimmer und ein Cabinet zweimal in der Woche zu gesellschaftlichen Zusammenkünften offen. Zu weitern Spaziergängen und Fahrten gibt die schöne Landschaft umher die reichhaltigste Gelegenheit, wovon ich noch mehr reden werde, wenn ich selbst die Nachbarschaft besucht habe. Insofern wäre Sagard schon wert, als ein bloßer Lustort, wo man sich mit Freunden und Unbekannten zusammen findet, um sich gemeinschaftlich zu vergnügen, besucht zu werden. Aber auch als heilsamer Brunnen verdient die Quelle Aufmerksamkeit. Herr Prof. Klaproth stellte in der Geschwindigkeit eine Untersuchung des (Inhaltes dieses Wassers an, und es ergibt sich aus seinen Versuchen, daß es der Quelle keineswegs an Wirksamkeit fehlt; ****) ungeachtet von einer genaueren Prüfung, welche nur bei größerer Muße und mit zweckmäßigen Hilfsmitteln geschehen kann, erst bestimmtere Resultate zu erwarten sind. Herr D. v. Willich hat mit dem Herrn Apotheker Struck gemeinschaftlich die Bestandteile der Quelle erforscht, und natürlich mit Hrn. Klaproth fast gleiche Resultate gefunden; außer daß jene einen ansehnlichern Teil von Luft- oder Kohlen säure bemerkten 5) eine Verschiedenheit, wovon die Ursache in Umständen liegen muss, die wir in diesem kurzen Zeit unmöglich ausmitteln konnten 6).

Zum Unterkommen ist, außer einem ansehnlichen Gasthofe, in dem Flecke selbst hinlängliche Gelegenheit, und Herr Pastor v. Willich hat deshalb mit den Hauseigenthümern Verabredungen getroffen, welche die möglich größte Bequemlichkeit, bei den billigsten Preisen, zur Absicht haben. Da noch kein besonderer Brunennarzt hat angesetzt werden können: so hat sich Hr. D. v. Willich erbothen, wöchentlich zweimal her zu kommen und mit seinem Rathe denen, die desselben bedürfen, beizustehen. Eine gute Apotheke ist nicht sehr entfernt, nämlich in Bergen. Und da der Besitzer des Brunnens in der Tat alle Anlagen mit einer großen Uneigennützigkeit gemacht, und die Bestimmung der meisten Preise den Beratschlagungen der Brunnengäste überlassen hat: so gewinnt auch von Seiten der Wohlfeilheit der Brunnen in Sagard keinen geringen Reiz 7).

Gerade da wir von Sagard abreisen wollten kam Herr Pastor v. Willich von einer Reise zurück, die er zu seinem Herrn Bruder nach Freienwalde gemacht hatte. Es freuete uns ungemein, uns noch einige Augenblicke mit ihm und seiner Familie unterhalten zu können, und über manche Idee, die er noch auszuführen gedenkt, unterrichtet zu werden.




****) Die äußere Luft hatte eine Temperatur von 17 ½ Grad Reaumür. In der Quelle stand das Thermometer auf 7 ½ Gr. Über dem Wasser ward keine Luftschicht von Kohlensäure bemerkbar. Das blaue Lackmus-Papier ward rötlich. Rotes blieb unverändert. Kalkwasser gab einen mäßigen Niederschlag, Galläpfel färbten das Wasser braunrot, doch verdünnt, Blutlaugensalz gab keinen Niederschlag. Salzsaure Schwererde gab kein, zuckersaures Pflanzenalkali, wenig Präcipitat; Bleizucker etwas mehr; salpetersaures Silber wenig, und gekochtes Wasser blieb von Galläpfeln unverändert. Diesem gemäß machen Kohlensäure, kohlengesäuerte Kalkerde und Eisenerde die Hauptbestandteile dieses Mineralwassers aus, dessen Geschmack zwar zusamiehend aber nicht unangenehm ist.
5) S. Vorläufer einer künftigen ausführlichen Beschreibung des Gesundbrunnens zu Sagard auf der Insel Rügen, nebst Anzeige von dessen Bestandteilen etc. entworfen von D. Moritz v . Willich, erstem Landphysikus im Fürstentum Rügen etc. Stralsund, bei Strucks Wittwe 1795. 80 Seiten in 8. in welcher kleinen Schrift eine hinlängliche Auskunft über die ganze Anstalt enthalten ist.
6) Überhaupt ist es bemerkenswert, daß die Quantität der Kohlensäure, welche einer mineralischen Quelle beigemischt ist, nicht immer dieselbe bleibt. Wenn besondere äußere Umstände, z. E. anhaltendes Regenwetter oder große Dürre obgewaltet haben, so ist es sehr begreiflich, daß diese auch auf den Gehalt der Quelle, und sonderlich auf die flüchtigen Bestandteile derselben eingewirkt und darin eine Änderung hervor gebracht haben, weswegen Versuche, die vor und die nach einer solchen Periode der Witterung angestellt werden, sehr verschieden ausfallen können. Aber selbst dann, wenn dergleichen nicht, wenigstens nicht sehr merklich Statt gefunden hat, werden große unterschiede im Luftgehalte der Quellen bemerk. Ich führe statt anderer Beispiele nur ein einziges an, das ungemein auffallend ist.
Als ich am 3ten August 1791 Nachmittags um 4 Uhr die Quelle in Altwasser besuchte, fand ich in dem dortigen Friedrichsbrunnen die Schichte des Luft- oder kohlensauren Gas über der Oberfläche des Wassers 6 ½ Zoll hoch. Herr Prof. Klaproth fand am 5ten August dieses Jahrs (1797) Abends um 6 Uhr über derselben Quelle das kohlensaure Gas etwas über 5 Fuß hoch.
Es wäre, diesem zufolge, in der Tat der Mühee wert von Zeit zu Zeit den Gehalt der Quellen, wenigstens die Luftschicht über denen, welche vornehmlich durch das ihnen beigemischt Gas ihren Wert erhalten, zu untersuchen; um so mehr da diese Untersuchung so sehr leicht angestellt ist. Insonderheit sollte man, wenn Flaschen zum Versenden gefüllt werden, jedesmal diese Untersuchung unmittelbar vorher vornehmen, denn es ist unverzeihlich, wenn Wasser geschöpft und versendet wird, dem es an einem wirksamen Hauptbestandteile fehlt, und das doch nicht bloß teuer bezahlt werden muss, sondern auch den leidenden Kranken um seine Hoffnung auf Genesung betrügt. ? Mann sollte aber auch bei den Brunnen nicht so sehr mit dem Korkholze spahren, wie es bei einigen geschieht. Sobald das Pech, womit der Pfropf umgossen ist, ein wenig beschädigt wird, so dringt neben dem armseligen kurzen und dünnen Pfropfe alles Gas heraus, und man erhält, statt eines gesundheitbringenden, bloß ein unreines, fades Wasser!
7) Ein Zimmer ohne Bette u. Meubles gilt wöchentlich 1thlr.
Mit Meubles 1 thlr. 12 gr.
Eine Stube und Kammer ohne Meubles 1 thlr. 8 gr. bis 1 t thlr. 12 gr.
Mit Meubles 1 thlr. 12 gr. bis 2 thlr.
Mitlagstisch gilt 4, 6 bis 8 gr.
Abendtisch gilt 3, 4 bis 6 gr.
An die Badekasse wird auf 4 Wochen bezahlt 1 Ducaten.
Für jede fernere Woche 12 gr.
Eine ganze Familie bezahlt für 4 Wochen 1 Louisd'or.
An die Brunnen-Ökonomie aus 4 Wochen 12 gr.
Brief- und Zeitungsträger wöchentl von jedem Quartier 2 gr.
Dem Quartiermeister 8 gr.
Dem Litzenbruder 2 gr.
Für das Steinbad 8 gr.
Für das Wannenbad 6 gr.
Für das Sturzbad 6 gr.
Für das Spritzbad 4 gr.
Für das Kniebad 4 gr.
Für das Fußbad 4 gr.
Wer in seiner Wohnung badet, bezahlt die Wanne jedes Mal mit 2 gr.
Das Wasser 1 gr.
Fuhrlohn 1 gr.
In der Zeit zwischen meinem Aufenthalte und dem Abdrucke dieser Briefe hat der Herr Pastor v. Willich, unterstützt von den zahlreichen Brunnengästen des vorigen und jetzigen Sommers, noch eine Menge von Anlagen zur Verschönerung und größeren Nutzbarkeit dieser Anstalt gemacht, deren Herzählung mich in eine zu große Umständlichkeit verwickeln würde. Ich bemerke nur, daß insonderheit auch die Einwohner des Ortes sichs haben angelegen sein lassen, die Zimmer, welche sie an Fremden vermieten, anständiger und bequemer einzurichten.

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