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Abenteuer zwischen dem Arkansas und Red River: Ausflug auf die Prairien von Washington Irving, 1835.
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Friedrich Gerstäcker Friedrich Gerstäckers erster Band bildhafter Reiseberichte in Südamerika. Erscheinungsjahr: 1853
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Buch: Zöllner's Reise durch Pommern nach Rügen

Eigentümlichkeiten.

Brief 12 - Wostewitz auf Jasmund/Spiker


Von ihm fuhren wir nach Bobbin zum Herrn Pastor Frank, der erst seit vier Jahren dort im Amte steht, aber in dieser kurzen Zeit sehr viel von den Eigentümlichkeiten der Insel gesammelt hat. Beim Eintreten in das Pfarrhaus fanden wir niemanden, als ein junges Frauenzimmer von zwölf oder dreizehn Jahren. Sie bewillkommte uns freundlich, bat uns nur ein wenig zu verziehn, bis sie ihren Schwager könnte rufen lassen, und machte unterdessen Anstalten, uns mit Obst und anderem Vesperbrode zu bewirken. Herr Pastor Frank kam bald und nahm uns alle gleich beim ersten Anblick durch seine Offenheit und freundliche Herzlichkeit für sich ein. Er zeigte uns sein interessantes Cabinet, in welchem er eine schöne Auswahl von hiesigen Versteinerungen 8) so geordnet hat, daß sie ihm Gelegenheit zu mancherlei lehrreichen Bemerkungen geben. Einen andern Teil seiner Sammlung machen Urnen, Streitaxten, Kugeln von Feuersteinen und andere Überreste des grauen Altertums aus, die er alle teils selbst in der Gegend umher ausgegraben, teils von Freunden erhalten hat. Unter andern sahn wir zwei kleine nackte Figuren in einer tanzenden Stellung. Die eine ist von einer Komposition, welche Zinn und Blei zu sein schien, und ist in der Gegend von Greifswald ausgegraben worden sie ist aber viel zu gut gearbeitet, und die ganze Zeichnung verräth zu viel Geschmack, als daß sie aus den Wendischen Zeiten herrühren, oder ein nordisches Götzenbild sein könnte. Die andere, von Messing, ist weniger regelmäßig gezeichnet und sorgloser ausgeführt, aber allem Ansehn nach auch kein slawisches Machwerk, ungeachtet sie bei Nazewitz, ohnweit Rambin, ist gefunden worden. Auch hiesige Vögel besitzt Herr Pastor Frank, und schöne fremde Mineralien, sonderlich aus Schweden, wo er die Bergwerke selbst befahren, und neben inter-essanten Sachen auch interessante Kenntnisse gesammelt hat.

Von einem Berge dicht vor dem Pfarrhause, der so voll von Versteinerungen ist, daß man fast bei jedem Niederbücken eine oder die andere ansheben kann, hatten wir eine reiche Aussicht über die Insel nach Stralsund, Bergen, Arkona, auf das Meer usw. Einzelne Häuser und Höfe geben höchst reizende Partien auf dieser herrlichen Landschaft; vornehmlich fesselt das nahe gelegene Spiker den Blick durch seine Bauart und romantische Lage an einem Meerbusen. Hätte ich doch Deine Schwester 9) her zaubern können! Ich selbst komme nicht dazu auch nur Grundlinien zu zeichnen, die sie ausführen könnte. Die Zeit vergeht allzu schnell! Wir sahn von diesem Berge die Sonne hinter Hiddensö untergehn. Gar sonderbar, aber prächtig, nahm sich die Erdenge, dieWittow mit Jasmund verbindet, im Goldglanze der sinkenden Sonne aus. Wie die glühenden Strahlen so schön von den Meereswellen zurück geworfen wurden. Wie die Sonne so groß, so majestätisch hinter dem Rande der See verschwand.

Nur dieser Abschied des Tages erinnerte uns, daß auch wir von unsern neuen Freunden Abschied nehmen müssten; denn ungeachtet wir den Herrn Pastor Frank und seine Familie erst seit etlichen Stunden kannten: so ward es uns doch schwer, uns von ihnen zu trennen. Wen sollte so viel Ungezwungenheit bei seiner Ausbildung, so viel Zutraulichkeit bei sittsamer Würde, so viel Häuslichkeit bei froher Laune nicht fesseln? Überhaupt stimmen eine Mengen von Umständen zusammen, den Predigerfamilien auf der Insel Rügen, ein eigentümliches Gepräge zu geben, wodurch sie sich nicht nur von dem größten Teile ihres Standes, sondern auch von andern Ständen unterscheiden.

Bei der gezwungenen Bekehrung der Rügier zum Christentum fielen auf dieser Insel die Güter, welche dem heidnischen Götzendienste, namentlich dem Svantevit gewidmet gewesen, den neuen christlichen Geistlichen zu 10). Die christlichen Fürsten unterließen nicht, wie schon Jaromar I. ihnen mit seinem Beispiele vorangegangen war, die Kirchen und ihre Diener zu beschenken, um damit ihre Frömmigkeit zu beweisen, oder für die Ruhe ihres Gewissens zu sorgen. Bei der Deformation behielten die lutherischen geistlichen großenteils eben die Vorrechte, welche ihre katholischen Vorfahren und die Stiftungen gehabt hatten, deren Güter oder Einkünfte ihnen zugelegt wurden. Daher haben viele hiesige Prediger nicht nur ansehnliche Ländereien, sondern auch eine gewisse Anzahl von leibeigenen Familien, wie jeder Gutsbesitzer, und sind zugleich Gerichtsherren gewisser Distrikte in ihrem Sprengel. Selbst mit Stellen, die von einem adlichen Gutsbesitzer abhängen, ist oft die Gerichtsbarkeit über einen Teil des Kirchspiels verbunden. Daher gehören einige Pfarren auf Rügen zu den einträglichsten im protestantischen Deutschlande; und wenn auch hie und da ein Geistlicher in Reichs- und anderen Städten eine gleiche oder größere baare Einnahme hat, so genießt er doch dadurch bei weitem nicht einen solchen Wohlstand, als diesem Männer in einem Lande, wo ihre meisten Bedürfnisse auf ihrem eigenen Grunde und Boden erzeugt werden, wo alles verhältnismäßig wohlfeil ist, wo weder Veranlassung, noch Notwendigkeit, einen kostbaren Aufwand zu machen Statt findet, und wo selbst Gegendstände des Luxus, wegen des Zusammenhanges mit dem Meere, leicht herbeigeschafft wenden können.

Und diese vorzüglichen Stellen bleiben oft mehrere Generationen hinter einander bei derselben Familie; denn ob sie gleich nicht erblich sind: so heirathet der Nachfolger, wenn er nicht ein Sohn des verstorbenen Pastors ist, doch gewöhnlich dieWittwe oder eine Tochter desselben. Auch davon liegt der Grund in der Einträglichkeit der Stellen. Die ausgedehnte Ackerwirtschaft erfordert ein großes Inventarium an Vieh und Geräten. Dies und die Entschädignngen für aufgführte Gebäude und andere Verbesserungen der Pfarre kann selten ein fremder Kandidat bezahlen; wenigstens hat die Auseinandersetzung und Absindung tausenderlei Schwierigkeiten, deren man gern entübrigt ist. Überdies pflegt bei den Pfarren ein eigenes Haus mit einem Garten für die Wittwe bestimmt zu sein, und diese erhält lebenslang ein ansehnliches Jahrgeld, welches wohl den dritten Teil der Pfarrgefälle beträgt. Auch deshalb wird am leichtesten Weitläufigkeit und Missvergnügen verhütet, wenn die Interessenten eine Familie ausmachen. Und sollte es wol Männern, an deren Zustand ein gewisser Einfluss unzertrennlich geknüpft ist, leicht an Verbindungen fehlen, durch welche ihnen die Vorsorge für die Ihrigen erleichtert wird? Wenn daher der Prediger einen Sohn hat, der Neigung und Talent besitzt, sein Nachfolger zu werden, so lässt er ihn Theologie studieren, und erbittet sich ihn dann zum Adjunctus. Ist kein solcher Sohn vorhanden, so kann der Nachfolger selten besser für sein häusliches Glück sorgen, als wenn er sich, ist die Wittwe des Vorfahren noch jung, mit dieser, ist sie alt, mit einer von ihren Töchtern verheiratet. Er erspart sich dabei alle die Unruhen, die mit der neuen Einrichtung einer großen Wirtschaft verbunden sind; er tritt gleich in einen vertrauten Familien-Zirkel, und wird auf einmal einheimisch. Und diese Vorteile wird er selten mit irgend einer Aufopferung erkaufen, wofern er nicht die gemeine Kandidaten-Torheit begangen hat, sich vor erhaltener Vocation zu versprechen; denn in der Regel ist das hiesige Frauenzimmer gesund, gutgebildet, unverdorben, und durch eine sorgfältige Erziehung geschickt gemacht, das Glück eines würdigen Mannes zu gründen.




8) Vornehmlich Gryphiten, Belemniten. Pectiniten, Cchiniten, Chamiten, Turbiniten, Tubuliten, usw.
9) Die Frau Prediger Jenisch, die mit diesem TalenteLandschaften in Öl mahlt.
10) Nach der Erzählung des Saxo grammaticus (Hist.Dan. Lib. XIV. p.505 ed. Klotzii) machte Waldemar I den Rugiern, die er in Arkona eingeschlossen hatte, zu einer ausdrücklichen Bedingung des Friedens,,,daß sie die Äcker und Grundstücke der Gotter zum Besten der christlichen Priester verwenden sollten.“

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