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Schuldner Gläubiger, Auswanderung Amerika, deutsche Juden, Lübeck Geschichte, der Judenstaat, Sagen und Märchen, Museum Rostock, Träume, Auswandern Amerika
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Friedrich Gerstäckers erster Band bildhafter Reiseberichte in Südamerika. Erscheinungsjahr: 1853
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Von Rügen zurück in Stralsund.
Brief 10 – Stralsund
Stralsund, den 13ten August 1795.
Wir sind nun wieder glücklich hier angelangt, und haben zehn außerordentlich reizende Tage auf der Insel Rügen verlebt. Ich will dich indessen bitten, die von dort geschriebenen Briefe so lange zur Seite zu legen, bis Du diesen zu Ende gelesen hast, damit Du die Nachrichten von Stralsund bei einander behältst. obgleich meine Nachlese nicht sehr reichlich ausfallen wird, weil wir heute den größten Teil unserer Zeit mit Abschiedsbesuchen zugebracht haben.
Bei Herrn Apotheker Helwig, der ein sehr interessanter Mann ist, sahn wir eine vortreffliche Pflanzensammlung. Sie besteht beinahe aus 5000 Gattungen, unter denen sich viele ostindische auszeichnen, die er durch Thunberg erhalten hat. Auch in seiner Mineraliensammlung fanden wir verschiedene schwedische Seltenheiten.
Herr Ratsverwandter Israel, besitzt eine recht hübsche Sammlung von Gemälden und Kupferstichen. Unter den ersteren waren uns vornehmlich sechs Landschaften merkwürdig, die Hackert in seinen jüngerem Jahren gemahlt hat. Du weißt, daß dieser fast vergötterte Künstler aus Prenzlau gebürtig ist. Zufällig war er dem ehemaligen Regierungsrate, Herrn von Olthof zu Boldewitz auf der Insel Rügen, bekannt geworden. Bei diesem hielt er sich, ich glaube ein paar Jahre, ums Jahr 1762 mit seinem jugendlichem Freunde Matthieu auf, und auf dieser Insel, die so reich an romantischen Natur- Schönheiten ist, entwickelte sich sein großes Kunsttalent. Eine von den Landschaften, die Herr Israel von ihm besitzt, stellt das Bassin im Berliner Thiergarten vor; die übrigen sind Schwedische Gegenden und die prächtige Stubbenkammer. In allen diesen jugendlichen Arbeiten herrscht eine Wahrheit in der Darstellung, eine Leichtigkeit und ein Feuer, worin man den aufblühenden Meister erkennt, der nur noch in ein oder das andere Geheimniß der Kunst eingeweiht werden darf, um etwas bewundernswürdiges und vollendetes zu liefern. Von Stubbenkammer wird Hr. Israell mir durch den hiesigen geschickten Zeichner, Herrn Pollet, eine Copie machen lassen, die Dir viel Vergnügen machen soll. Die Kupferstiche unter Glas und Rahm, womit ein Zimmer ganz tapeziert, und in einem andern der größte Teil der Wände geziert ist, sind meistenteils von Strange, Porporati, Reynolds, Eearlom etc. Die Auswahl sowohl als die Anordnung dieser Sammlung macht dem Geschmacke ihres Besitzers Ehre. Auf die kleinen Gesellschaftsstücke, die er als Lückenbüßer, oder der Mode zu gefallen, mit aufgenommen hat, setzt er keinen höheren Wert, als den sie haben.
Bei Herrn Ratsverwandten Schneider sahn wir noch eine eben so zahlreiche als schätzenswerte Sammlung von Schmetterlingen und Käfern. Am meisten hat er sich bemüht, die Europäischen vollständig zu erhaltend jedoch sind anch viele Ost- und Westindische da. Der Stamm des ganzen Cabinets ist aus dem Ankauf der großen Schulzischen Sammlung in Hamburg entstanden; und da diese auch Krebse und Spinnen enthielt, so hat Herr Schneider auch von diesen nachher noch gesammelt, was sich ihm gelegentlich dargeboten hat. Einen vorzüglichen Wert erhält dieser Vorrat dadurch, daß alle Exemplare sehr vollständig und äußerst sauber erhalten sind. Jedes ist in einem eigenen Kästchen, oben und unten mit Glas verküttet, und oben am Rande steht mit einer zierlichen Schrift der Name des Insects. Daß sie sämtlich mit dem Bauche auf die untere Glasscheibe geklebt sind, ist nicht so vorteilhaft, als wenn ein Stückchen Kork angeleimt wäre, worauf man sie mit einer Nadel gespießt hätte, weil doch bei vielen Schmetterlingen durch die Bedeckung eines Teiles vom Bauche nicht nur etwas von ihrer Schönheit, sondern auch manches Charakteristische verlorengeht. Die Anordnung ist nach Fabricius gemacht, nur daß die Ausländischen von den Europäischen getrennt sind.
Auf unserem Tagezettel stand heute noch das hiesige Gymnasium; aber wir konnten die Zeit, es zu besehen, nicht gewinnen. Von der Gelehrsamkeit und dem Eifer des Hrn. Rectors Groskurd läßt sich erwarten, daß alles, was von seiner Direktion abhängt, in einend sehr guten Zustande sein werde. Die Anzahl der Schüler ist indessen nur geringe. In der ersten Klasse sitzen gegenwärtig nicht mehr als zwei, so daß sogar Stipendien, deren es für die Anstalt viele und ansehnliche gibt, nicht vergeben werden können.
Ein Mangel des Schulwesens war bisher, daß es an kleinen Schulen, die unter öffentlicher Autorität gestanden hätten, fehlte. Die Bürgerschaft hat verschiedentlich bei dem Magistrat deswegen Anträge gemacht; aber es fanden sich, ich weiß nicht welche Schwierigkeiten. Endlich ist eine Kommission niedergesetzt, die für diesen wichtigen Zweig der allgemeinem Polizei sorgen wird.
Da ich eben von der Polizei schreibe, erinnere ich, daß ich Dir auch von der Zensur und von der Gassenerleuchtung etwas sagen wollte.
Die Zensur hat der Superintendent, der erste Syndicus, und der Rector. Du kannst Dir ohngefähr denken, in welche Gattungen von Schriften sie sich teilen; und da ich dir alle drei Männer einigermaßen geschildert habe: so wirst Du von selbst vermuten, daß die Schriftsteller nicht Ursache haben werden, über Zwang oder Unbilligkeit zu klagen.
Als der Prinz von Hessenstein hier Generalgouverneur war, wollte er durchaus auch für eine ordentliche Gassenerleuchtung sorgen. Wahrscheinlich wäre er ohne Widerstand zu seinem Zwecke gelangt, wenn die Sache durch den Magistrat gegangen, und die Bürgerschaft zu Rate gezogen wäre. Das Bedürsnis öffentlicher Laternen schien ihm aber zu dringend, als daß er den gewöhnlichen, und vielleicht etwas langsamen Weg hätte einschlagen wollen; und da er nicht schnell genug damit zu Stande kommen konnte, so griff er zum Zwange. Es ward befohlen, daß Jedermann, der nach Sonnenuntergang, selbst beim Mondenscheine, ohne Laterne aus der Straße ginge, in die Wache gebracht werden solle. Der Erfolg war, daß alle Leute mit Laternen gingen, ohne Licht darin zu haben. Nun ward befohlen, man solle mit Laternen gehen und Licht darin haben. Anch dies geschah pünktlich, aber das Licht war nicht angezündet. Der Spott erbitterte den Fürsten, und seine vermehrte Strenge erbitterte die Einwohner. Man hatte hunderterlei Erfindungen, der Wache zu entgehen, ohne zu tun, was befohlen war. Der eine hatte eine Laterne mit brennendem Lichte, aber trug sie unter dem Mantel; der andre, der ohne Erleuchtung war, gab, wenn die Wache ihn anhalten wollte, den ersten besten, der vor ihm mit einem Lichte ging, für seinen Laternenträger aus; ein Dritter trug in einem windigen Behältnis ein Flämmchen, das kaum wie ein Johanniswürmchen leuchtete. Viele gingen mit Laternen von ungeheurer Größe oder den possierlichsten gestalten. Man ward zwar endlich der gegenseitigen Neckereien müde; aber die Bürgerschaft, die ohnehin mit der Besatzung nicht im besten Vernehmen stand, bekam dadurch eine neue Abneigung gegen alle militärische Einrichtungen. Der Rat gab das gute Beispiel, daß das Rathaus erleuchtet ward, und daß die meisten Mitglieder desselben ein gleiches mit ihren Wohnhäusern taten. Viele angesehene Einwohner folgten nach, auch sind mehrere Nachbarn zusammen getreten, um gemeinschaftlich eine Laterne zu unterhalten und so ist seit etwa zehn Jahren eine Art von Gassenerleuchtung entstanden, die jedoch die Stadt weder recht ziert, noch recht nützlich ist, weil die Laternen, außer am Rathause, viel zu zerstreut und sparsam stehn. Jedoch werden sie mit jedem Jahre vermehrt.
