Wanderungen durch Deutschland
Eindrücke und Bilder aus meiner Skizzenmappe
Autor: Marie von Bunsen (1860-1941)
Erscheinungsjahr: 1936
Erscheinungsjahr: 1936
Über die Autorin
Marie von Bunsen wurde am 16. Januar 1860 in London geboren. Sie war eine deutsche Schriftstellerin, Malerin, Reisende und Berliner Salonière.
Sie verstarb im Alter von 81 Jahren am 28. Juni 1941 in Berlin.
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Inhaltsverzeichnis
- Auf mecklenburgisch-märkischen Gewässern (Schwerin-Potsdam) Wiligrad, 11. August 1915.
- Wiligrad, 14. August 1915. Schweriner See, Bootsdiener, Obotriten-Ruderklub, Haidensee, Generalstabskarte. Schwanenbinsen, Auslegerriemen, Wiligrader Schloß, Herzog Johann Albrecht, Oberhofmeisterin, Hofherren, Herzogspaar.
- Wiligrad, 15. August 1915. Zitronenholztäfelung, Karl Alexander, Sophie von Sachsen-Weimar, Brüsewitz, Graf Schack, Inspektor Bräsig, Fräulein von Grävenitz, Fräulein von Vieregg, dän. König Christian IV., Anna Sophie von Reventlow, Adolf von Schack.
- Den 16. August 1915. Herzog Adolf Friedrich, Herzog Heinrich, Knappe Martin Bleyer, Ritter von Plessen, Panzerhemd, Luise von Voß.
- Erbkrug Schweriner Fähre, 17. August 1915. Steinmole, Wiligrader Wald, Heidenfriedhöfe, Schweriner Schloß, Fritz Reuter.
- Den 18. August 1915. Kapuzinerkresse, Schleusenmeister, Jagdschloß-Fiedrichsmoor, Herzog Friedrich, Ludwigslust, Rotröcke, Leibjäger, Wärterhaus, Perlenkette, Glockenbau, Spitzenblusenmädchen.
- Parchim, 19. August 1915. Alexanderplatz, Dünenerhebungen, Kiefernwälder, Sandboden, Heidekraut, Parchim, Schiffswerft, Bäcker, Markt, Kirchen.
- Groß-Parchow, 20. August 1915.
- Lübz, 21. August 1915.
- Sonntag, 22. August 1815. Plau.
- Lenzen, Plauer See, 23. August
- Malchow, Dührings Gasthof, den 24. August.
- Waren, 25. August.
- Mühle bei Bock, 26. August.
- Mirow, Zur Goldenen Kugel, 27. August.
- Kanow, 28. August.
- Fürstenhof, Rheinsberg, 29. August.
- Molchow, Gasthaus zur Sonne, 30. August.
- Wustrau im Ziethenschloß, 31. August.
- Kremmen, Alte Post, den 1. September.
- Oranienburg, 2. September.
- Heiligensee, Fährhaus, 3. September.
- Gatow, Wirtshaus, 4. September.
- Berlin, 5. September 1915.
- Kevelaer.
- Ein Frühlingstag im Blumental.
- Stendal.
- Winterwanderung im Harz.
- In und um Celle, August 1930.
- Xanten.
- Frauenburg, Mai 1936.
- Zerbst, das Heimatschloß der großen Katharina.
- Wörlitz, das Schloß der schönen Seelen.
- Alt-Gotha.
- Das Muldetal.
- Ruderfahrt auf dem Neckar, 22. Juli 1910.
- 23. Juli.
- Heilbronn, Sonntag, den 24. Juli.
- 25. Juli.
- Gundelsheim, 26. Juli.
- Neckarelz, 27. Juli.
- 29. Juli.
- 30. Juli.
- Heidelberg, 29. Juli.
- Montag, 1. August.
- Lorch.
- Schwäbisch-Hall.
- Zu Fuß von München nach Berchtesgaden, Juni 1915.
- Biberach und Wieland.
- Weißenburg i. B.
- Pappenheim und Eichstätt.
- Wasserburg.
- Rucksackwanderung im Illertal 1915. Legau, "Zum Rößle"
- Memmingen, 'Zum Schwarzen Adler', 18. August.
- Bergheim, 'Zur Krone'. 19. August.
- Illertissen, 'Zum Hirsch', 20. August
- Oberkirchberg, Schloßwirtschaft 'Zum Stern', 21.August
- Ulm, den 22. August
Weinsberg.
Alexanderhäuschen.
Themen
Mecklenburg, Seenplatte, Schwerin, Rudern, Wasserwandern, Flora und Fauna, Potsdam, Reisen, MalereiAuf mecklenburgisch-märkischen Gewässern (Schwerin-Potsdam) Wiligrad, 11. August 1915.
Bei strahlendem Sonnenschein ruderte ich auf den Schweriner See hinaus. Der Bootsdiener des gastlichen Obotriten-Ruderklubs schilderte mir einen lohnenden Umweg, so spähte ich nach den ,,Zwei großen Pappeln“, entdeckte sie, fand einen von Wiesenblumen umkränzten Kanal, glitt in den verschwiegenen Haidensee, fuhr an Buchten und Wäldern, weißen Wasserrosen und goldgelben Mummeln vorüber. Dann gelangte ich in den Ziegelsee, auch hier Wald und Bäume und Schilfausbuchtungen, nirgends jedoch ein Ausfluß zu sehen, und die Generalstabskarte versagte. Einen still vor sich hinbrütenden Fischer ersehend, befrug ich ihn und gelangte in den gesuchten Kanal. Weiden warfen willkommenen Schatten, der magentarote Weiderich, Schwanenbinsen und Vergißmeinnicht blühten, es war überaus hübsch, aber mit meinen langen Auslegerriemen kam ich bedenklich langsam von der Stelle. In einemfort verhedderte ich mich im Schilf, ich versuchte zu staken, das ging ganz glatt, als ich jedoch nach der Karte griff und ausrechnete, daß ich es nur zu zwei Kilometer die Stunde brachte, griff ich wieder zu den Riemen. Ehe ich endlich die Brücke und den großen Schweriner See vor mir sah, war die Hälfte der Zeit verstrichen und noch nicht annähernd die Hälfte des Weges vollbracht. In bedenklich blauer Ferne erhoben sich die tiefbeschatteten Waldufer, die Giebel des Wiligrader Schlosses, um sechs Uhr erwartete man mich dort, dabei fand ich statt der glasglatten Fläche der Ausfahrt kabbliges Wasser und einen widrigen Wind! Mir ahnte, daß ich es in der Zeit nicht machen würde, und bald wußte ich es genau. Ich legte mich in die Riemen, aber um sechs Uhr erschien mir das Walduferziel fast ebenso blau als vorhin. Endlich, endlich hörte ich eine Stimme und, mich wendend, erkannte ich den heranrudernden Herzog Johann Albrecht, der mich willkommen hieß. Nun hatte ich auch Landschutz, es ging rascher, ich kam in den schatten der Baumufer und landete im kleinen Hafen. Auf der kleinen Mole stand die weiß und blau gekleidete jugendliche Herzogin - wenige Frauen haben ein so anmutiges, ein so gewinnendes Lächeln! Durch die alten Buchen ging es zur Schloßterrasse hinauf, meine aus Berlin mit Koffern gekommene Jungfer hatte alles herausgelegt, in einer halben Stunde, buchstäblich in einer halben stunde, stand ich, durch das heiße Bad erfrischt, ordentlich fristert, in angemessener Kleidung in der hohen, getäfelten Halle, um mit der Oberhofmeisterin, den Hofherren und einem anderen Gast das Herzogspaar zu erwarten.
Bei strahlendem Sonnenschein ruderte ich auf den Schweriner See hinaus. Der Bootsdiener des gastlichen Obotriten-Ruderklubs schilderte mir einen lohnenden Umweg, so spähte ich nach den ,,Zwei großen Pappeln“, entdeckte sie, fand einen von Wiesenblumen umkränzten Kanal, glitt in den verschwiegenen Haidensee, fuhr an Buchten und Wäldern, weißen Wasserrosen und goldgelben Mummeln vorüber. Dann gelangte ich in den Ziegelsee, auch hier Wald und Bäume und Schilfausbuchtungen, nirgends jedoch ein Ausfluß zu sehen, und die Generalstabskarte versagte. Einen still vor sich hinbrütenden Fischer ersehend, befrug ich ihn und gelangte in den gesuchten Kanal. Weiden warfen willkommenen Schatten, der magentarote Weiderich, Schwanenbinsen und Vergißmeinnicht blühten, es war überaus hübsch, aber mit meinen langen Auslegerriemen kam ich bedenklich langsam von der Stelle. In einemfort verhedderte ich mich im Schilf, ich versuchte zu staken, das ging ganz glatt, als ich jedoch nach der Karte griff und ausrechnete, daß ich es nur zu zwei Kilometer die Stunde brachte, griff ich wieder zu den Riemen. Ehe ich endlich die Brücke und den großen Schweriner See vor mir sah, war die Hälfte der Zeit verstrichen und noch nicht annähernd die Hälfte des Weges vollbracht. In bedenklich blauer Ferne erhoben sich die tiefbeschatteten Waldufer, die Giebel des Wiligrader Schlosses, um sechs Uhr erwartete man mich dort, dabei fand ich statt der glasglatten Fläche der Ausfahrt kabbliges Wasser und einen widrigen Wind! Mir ahnte, daß ich es in der Zeit nicht machen würde, und bald wußte ich es genau. Ich legte mich in die Riemen, aber um sechs Uhr erschien mir das Walduferziel fast ebenso blau als vorhin. Endlich, endlich hörte ich eine Stimme und, mich wendend, erkannte ich den heranrudernden Herzog Johann Albrecht, der mich willkommen hieß. Nun hatte ich auch Landschutz, es ging rascher, ich kam in den schatten der Baumufer und landete im kleinen Hafen. Auf der kleinen Mole stand die weiß und blau gekleidete jugendliche Herzogin - wenige Frauen haben ein so anmutiges, ein so gewinnendes Lächeln! Durch die alten Buchen ging es zur Schloßterrasse hinauf, meine aus Berlin mit Koffern gekommene Jungfer hatte alles herausgelegt, in einer halben Stunde, buchstäblich in einer halben stunde, stand ich, durch das heiße Bad erfrischt, ordentlich fristert, in angemessener Kleidung in der hohen, getäfelten Halle, um mit der Oberhofmeisterin, den Hofherren und einem anderen Gast das Herzogspaar zu erwarten.
Wanderungen durch Deutschland - Original-Cover
Marie von Bunsen
Mecklenburgischer See.
Im kleinen mecklenburgischen Landstädtchen.
Fischerboote in Schaaksvitte - Kurische Nehrung
Arbeiterhäuschen im Leppetal - Rheinprovinz
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