5. April 2009
Reisen gestern und heute in
Mecklenburg-Vorpommern
Herzog Friedrich Franz I.
Mecklenburg-Vorpommern
zeigt sich krisenresistent, zumindest gab es im Jahr 2008 keinen Einbruch
bei den Übernachtungszahlen, sondern eine Steigerung. Der Tourismus in M-V
verbucht Jahr für Jahr Zuwachsraten, und das ist gut so. Die Schweriner
Landesregierung hat mit ihren Tourismusförderprogrammen zur Schaffung einer
stabilen Branche beigetragen und setzt damit eine jahrhundertealte Tradition
fort. Schon
Herzog Friedrich Franz I.
hat im Jahre 1793 die Weichen für die touristische Entwicklung seines
kleinen Herzogtums gestellt, man bedenke, zu einer Zeit, wo selbst Weichen
und deren Bedeutung unbekannt gewesen sind. Der umtriebige Landesvater hat
jedoch die Zeichen der Zeit erkannt und im besagten Jahr das
1. deutsche Seebad Heiligendamm gegründet. Was lag näher, als seine
liebgewonnene Sommerfrische
Doberan
(heute
staatlich anerkanntes Heilbad Bad Doberan), einen Flecken unweit der
Ostseeküste am
Heiligen Damm (heute Heiligendamm), in ein mondänes Seebad zu verwandeln.
Der verschlafene Ort, der nach der Säkularisierung seines ehemals
bedeutenden
Zisterzienserklosters nur noch als Marktflecken und wegen gelegentlicher
Sommeraufenthalte der herzoglichen Familie von sich Reden machte, erlebte
nun einen merklichen Aufschwung. Zwei Männer – Landbaumeister Carl Theodor
Severin, Schöpfer der vielen erhalten gebliebenen klassizistischen Bauten
des Seebades Doberan-Heiligendamm, und
Dr. Gottlieb Samuel Vogel, Professor an der Medizinischen Fakultät der
Universität zu Rostock und späterer Badearzt im 1. Seebad – dürfen in diesem
Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Während der erste mit seinem Wirken
das heutige Stadtbild Bad Doberan-Heiligendamms geprägt hat, sein Werk jedem
Besucher des behutsam restaurierten Städtchens den Glanz längst vergangener
Zeiten vor Augen führt, hat sich der andere um die Gesundheit der stetig
wachsenden Gästeschar Seiner Königlichen Hoheit verdient gemacht und der
Nachwelt viele medizinische Abhandlungen hinterlassen, so auch die
Allgemeinen Baderegeln: Ein Büchlein mit allerlei Tipps für den
ungeübten Badegast beim
Gebrauche der kalten Bäder, das auch als Leitfaden für junge Badeärzte
dienen sollte, denn sein Verfasser schöpfte aus vielen Erfahrungen. An
dieser Stelle sei auch auf die umfängliche Sammlung balneologischer
Schriften der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern hingewiesen, übrigens
der größten dieses Sammelgebietes in Deutschland. Was Wunder, wo der
Landesvater höchstselbst den Badewirt gegeben und allein mit seiner Person
eine Vielzahl illustrer Gäste angelockt hat. Ein Numerisches Verzeichnis …
bis zum Jahre 1839 angekommenen Curgäste und Fremden beeindruckt denn auch
mit der Aneinanderreihung von Celebritäten. Königliche Hoheiten, sogar
Majestäten, Fürsten, Grafen, Feldmarschälle, Wissenschaftler wie Hufeland
und Thaër, bedeutende Militärs wie
Fürst Blücher und Graf Nostiz saßen an der
Table d’hôte
und sprachen dem geselligen Badeleben zu. Doberan-Heiligendamm sollte schon
bald zum Vorbild für andere Badeorte entlang der deutschen Küste an Nord-
und Ostsee werden: Cuxhaven an der Elbmündung,
Warnemünde vor
Rostock
und
Putbus auf
Rügen folgten recht bald.
In der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts half die Erschließung des Landes
mit der Eisenbahn nicht nur der industriellen Entwicklung auf. Das Baden in
der See avancierte zum Massenvergnügen. Doch der terapeutische Ansatz eines
Prof. Dr. S. G. Vogel ist heute aktueller denn je. Mecklenburg-Vorpommern
mausert sich zum Gesundheitsland, die medizinisch motivierte Komponente in
den vielfältigen Kur- und Erholungsangeboten ist nicht mehr wegzudenken. Dr.
Vogel wird es freuen.