Briefe aus den Kriegsjahren 1812 - 1815


Die Geschichte der Prüfungen, Enttäuschungen, Hoffnungen und seelischen Erhebungen im Lande der Mecklenburger

Autor: Kurt Elsner von Gronow, Kriegsgerichtsrat, Danzig (Langfuhr).
Erscheinungsjahr: 1909


Aus: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde / Band 74
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Inhaltsverzeichnis
    15. Januar bis 19. Dezember 1812
    3. März bis 14. Mai 1813
    15. Mai bis 11. August 1813
    17. bis 31. August
    1. September bis 14. Dezember 1813
    26. Januar bis 2. Oktober 1814
    26. Februar bis 30. Dezember 1815

Themen

Mecklenburg, Mecklenburger, Russland, Marschall Davout, Befreiungskriege 1812-1815, Franzosen, Napoleon, Mecklenburgische Truppen, Briefe, Briefschreiber,


Einführung und erster Brief

Nun liegen sie ein Jahrhundert zurück, die trüben Zeiten, in denen die französische Gewaltherrschaft, wie ein schier unabwälzbares Joch, auf den Staaten Deutschlands lastete, und die doch dazu dienen sollten, den Stolz, den Mut, die Aufopferungsfreudigkeit zu beleben und das Bewusstsein von der Macht der Einigkeit wachzurufen, auf deren Quadern jetzt das Gebäude des Deutschen Reiches ruht. Preußen ward wohl von allen Ländern deutschen Gebietes am meisten heimgesucht, weil es wegen seiner Ausdehnung immerwährend von feindlichen und freundlichen Truppen durchschritten, besetzt und zum Kampfplatz ausersehen wurde; aber auch andere Staaten haben unendlich schwer unter dem Jammer der Kriegszeit zu leiden gehabt, nicht zum wenigsten das durch natürliche Reichtümer gesegnete Mecklenburg.

Es liegt vor mir ein interessantes Material von Briefen, das die Jahre 1812 bis 1815 umfasst und in großen Zügen die Geschichte der Prüfungen, Enttäuschungen, Hoffnungen und seelischen Erhebungen im Lande der Mecklenburger wiedergibt. Verfasser der Briefe ist in der Hauptsache Franz Christian Lorenz Karsten (geb. 25. April 1751 in Güstrow, gest. 28. Februar 1829 zu Neuenwerder bei Rostock). Er wirkte zunächst als Professor der Nationalökonomie in Bützow und Rostock und gründete im Jahre 1793 das landwirtschaftliche Institut in Neuenwerder. Gerichtet sind die Schreiben des Professors Karsten an meine Großmutter, Julie Elsner, geb. Rosenstiel, Tochter des Kgl. Staatsrates und Direktors der Kgl. Porzellanmanufaktur Philipp Rosenstiel, zur Zeit, als sie noch als Witwe erster Ehe (mit dem Oberbergmeister, d. i. Berghauptmann von Schlesien Pochhammer) im elterlichen Hause zu Berlin lebte. Eine ihrer Schwestern - Adelaide - war mit einem Sohne des Briefschreibers, dem Geh. Oberbergrat Karl Johann Bernhard K., dem berühmt gewordenen Begründer der Zinkgewinnung in Schlesien, verheiratet.

Erwähnt werden in den Briefen vielfach zwei Söhne des Professors Karsten: Detlof, der Senator und dann Bürgermeister von Rostock war, und Heinrich, der dem Lützowschen Freikorps zugehörte und zuletzt als Kirchenrat in Vilz (Mecklenburg) wirkte. Von ihm rühren auch einige der nachfolgenden Schreiben her.

Was die mir vorliegenden Briefe für die kriegerische Zeit der Jahre 1812 bis 1815 Interessantes darbieten, will ich nachstehend in der Überzeugung, dass es ein größeres Leserpublikum fesseln und anregen wird, der Öffentlichkeit übergeben.

Ich beginne mit einer Zuschrift von Lorenz Karsten, datiert Neuenwerder, den 5. Dezember 1811. In dieser heißt es:

. . . . . „Ich setze es nemlich voraus, wie wir dies von der Vorsehung erflehen, dass die itzigen Zurüstungen in den politischen Umgebungen nicht auf unruhige Zeiten hin deuten. Dass wir hier nicht bloß im Druck, sondern auch wegen der Dinge, die da kommen können, in großen Sorgen leben, das werden Sie sich leicht denken können. So, wie die Dinge itzt vor Augen liegen, ist es nicht wohl abzusehen, was draus werden wird; schwerlich hat Mecklenburg seit dem 30jährigen Kriege so viel gelitten als itzt. Es fehlt nur noch das Morden und Sengen und Brennen, so sind wir in eben der Lage, wie damals. Gott erhalte Ihnen die Ruhe, in der Sie itzt sind. Ich bin vor Kurzem ins Preußische Gebiet gewesen, und fand dort so treffliche Einrichtungen und eine so lobenswürdige Polizei, die auf alle Stände und Gewerbe so wohltätig wirkt, dass ich Ihr Land itzt für das glücklichste halte . . . . . .“



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