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Beiträge zur Erziehungs- und Jugendgeschichte des Großherzogs Friedrich Franz I.



Autor: Carl Schröder
Erscheinungsjahr: 1912
Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde Bd. 77, 1912



Inhaltsverzeichnis
    Abschnitt 1. Herzog Christian Ludwig II., Herzoge von Mecklenburg-Schwerin, Prinz Ludwig, Prinzessin Charlotte Sophie von Sachsen-Coburg-Saalfeld, Geburt eines wohlgestalten Prinzen.

    Abschnitt 2. Etat des Prinzen, unter Aufsicht des Hof-Meisters, Kosten der Reisen, Decharge quitiret, Tafel-Wäsche, Lausanne, Suite des Prinzen.

    Abschnitt 3. Wert und Gaben, der Prinzen in Genf, erkrankt in Frankfurt, Schildts Rücktritt, der Posten eines Acciserats in Rostock, Professur der ökonomischen Wissenschaften in Bützow zu übertragen.

    Abschnitt 4
    Abschnitt 5
    Abschnitt 6
    Abschnitt 7
    Abschnitt 8
    Abschnitt 9
    Abschnitt 10
    Abschnitt 11
    Abschnitt 12
    Abschnitt 13
    Abschnitt 14
    Abschnitt 15
    Abschnitt 16
    Abschnitt 17
    Abschnitt 18
    Abschnitt 19
    Abschnitt 20
    Abschnitt 21


Vorbemerkung.

Den Stoff zu nachfolgender Skizze lieferten mir hauptsächlich die in vorliegendem Falle sehr unvollständigen Acta educationis principum. sodann die Acta matrimonialia im Grotz- herzoglichen Geheimen und Haupt-Archiv. Für die leider nur spärlichen Nachrichten über den Aufenthalt des Prinzen Friedrich Franz in der Schweiz bin ich den Herren Archivaren Notz in Lausanne und Roch in Genf zu Dank verbunden. Trotz der Lückenhaftigkeit des Materials und der damit zusammenhängenden Mängel vorliegender Arbeit glaubte ich doch sie nicht zurückhalten zu sollen, da die Literatur über den Großherzog Friedrich Franz I. vor seiner Thronbesteigung überaus dürftig ist.

Die Geburt dieses Prinzen wurde im ganzen Lande mit hellem Jubel begrüßt: beruhte doch lange Zeit - da auch von dem strelitzischen präsumtiven Thronfolger, dem Prinzen Karl, bis 1779 nur Töchter am Leben waren - auf ihm die ganze Hoffnung des mecklenburgischen Stammes. Der allgemeinen Freude liehen Johann Friedrich Löwen in einem von Johann Wilhelm Hertel vertonten „Sing-Gedicht“, die Colonie françoise établie à Butzaw in einer „Allégorie“ und Daniel Christoph Neumann in Jena - wohl ein dort studierender Mecklenburger - in einer „Ode“ auf die „hohe Geburt“ begeisterte Worte. Den „beglückten Hervorgang“ der Prinzessin feierten in Rostock der Professor Aepinus, dieser nicht nur mit einer Rede, zu der er den „Magnificus Dominus Rector, und die gesammten Einwohner dieser Stadt, die die glücklichen Begebenheiten der Mecklenburgischen Lande zum Vorwurf ihres Danks und ihrer Wünsche machen“ ergebenst einlud, sondern auch gleichzeitig mit einer Cantate, zu der der preußische Hof-Compositeur Agricola die Musik lieferte und die „an dem frohen Tage Desselben von dem musikalischen Collegio“ ausgeführt ward, sowie ein gewisser V. A. mit einem an demselben Tage im großen akademischen Hörsaal zu Gehör gebrachten „Sing-Gedicht“, dessen Komponisten wir nicht kennen.

Die Sorge für die Erziehung des Prinzen Friedrich Franz übernahm, wie die Akten ergeben, über den Kopf der Eltern hinweg ganz wesentlich Herzog Friedrich. Unterm 26. Juni 1762 wurde dem Prinzen ein „Hof-Meister“ bestellt in der Person des schwedischen Kammerherrn Carl Christian v. Usedom in Stockholm, dem Besitzer des Gutes Udars aus Rügen. Die Berufung diefes Mannes, der bis zum Jahre 1771 in seiner Stellung blieb, hatte der damals in diplomatischen Geschäften in Stockholm auwesende Baron v. Lützow vermittelt.

Erster Informator des Prinzen war der 1735 zu Guntersblum in der Rheinpfalz geborene Kandidat der Theologie Christian Ludwig Klotz, der am 8. Oktober 1760 angestellt wurde mit einem Jahresgehalt von 150 Talern, freiem Quartier im Schloß und freier Tafel am Pagentisch, aber nur bis Ende des Jahres 1764 in Tätigkeit war: angeblich Weil er sich mit Usedom nicht vertragen konnte, schied er aus serner Stellung aus. Unterm 3. Dezember 1764 wurde das Hofmarschallamt angewissen, „dem gewesenen Informator Klotzius seine Gage bis den letzten Tag seiner gethanen Information auszahlen zu lassen und zwar nicht an ihm selbst, sondern an denen Creditores, und was den übrig an ihn zu verabsenden“. Klotz wurde dann Pastor in Brüel; dort ist er, der 1807 Präpositus und nicht lange danach Kirchenrat wurde, 1813 gestorben. Neben ihm waren als Lehrer des Prinzen in einzelnen Fächern tätig seit dem 1. November 1763 der Sprachmeister Schmidt, seit dem 16. November desselben Jahres der Tanzmeister Dortu; ersterer erhielt 10, letzterer 15 Taler monatlich.

Wer Klotz’s Nachfolger wurde, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Im Frühjahr 1766 aber werden zwei Informatoren, Schildt und Ludewig (auch Ludwig geschrieben), genannt, die beide den Prinzen ins Ausland begleiten sollten, denn Herzog Friedrich hielt es für angebracht, die Ausbildung seines Neffen sich fern von Mecklenburg vollziehen zu lassen. So hatte es seinerzeit auch Herzog Friedrichs Vater Christian Ludwig mit seinem Sohne im Sinne gehabt, doch war es unter den damaligen Umständen nicht gelungen, die dazu notigen Mittel zu beschaffen. Die Vom 10. Juni 1766 datierte „Instruction, wonach Unser Hof-Meister von Usedom während seines Aufenthalts mit Unsers geliebtesten Neveu des Prinzen Friederich Franz zu Mecklenburg Liebd. in fremden Ländern sich zu richten hat“, lautet folgendermaßen:

Bey der Überzeugung, die Wir haben, daß die Erziehung Unsers geliebtesten Neveu des Prinzen Friederich Frantz zu Mecklenburg Liebden nach Unserm Wunsch und zum allgemeinen sowohl als zu Seinem eigenen Wohl am besten, bey einer Entfernung von hier, an auswärtigen Orten gerathen könne, sind Wir der Entschließung geworden, Denselben hinführo in fremden Ländern und zwar zuförderst zu Lausanne in der Schweiz erziehen zu laßen, und da Wir bisher mit besonderer gnädigsten Zufriedenheit und aller guten Hoffnung für die Zukunft das ganze Benehmen Unsers Hof-Meisters von Usedom bey der Education des Prinzen rühmlich gefunden haben; so vertrauen Wir demselben die weitere Ausführung dieser Erziehung und die PerSon Unsers Neveu Liebd., mithin Unsere und Unsers Herzoglichen Hauses vorzüglichste Hoffnung, hiedurch gnädigst an, in der gewißen Zuversicht, er werde sich dabey jederzeit dergestalt betragen, als vor Gott, Uns und Unserm Herzoglichen Hause und Lande er es in gutem Gewißen dereinst zu verantworten sich getrauet.
Friedrich Franz I.
Friedrich Franz I.