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Buch: Am Lagerfeuer - Jagdliche Mixed Pickles aus zwei Welten

Hurra, die Jagd geht auf!



Wer rastet, der rostet! Indolenz und Faulheit rächen sich immer, beim Jäger mindestens doppelt und dreifach. Wenn er im März die Büchse und Flinte gut eingeölt in den Gewehrschrank stellt, weil sämtliche Felder auf dem Jagdschein ihm schwarz entgegenstarren und damit dräuend völlige Schonzeit verkünden, und nun für lange Wochen sein Jagdrevier mit keinem Fuße betritt und sich in keiner Weise mehr darum bekümmert, so macht er sich ganz gröblicher Vergehen und mindestens sechs verschiedener Unterlassungssünden schuldig.

Wir wollen im folgenden den Beweis versuchen, weshalb gerade dann der Jäger mehr als sonst in seinem Revier tätig sein muß. Es soll gern zugegeben werden, daß es weder sehr amüsant, noch besonders der Gesundheit zuträglich ist, bei brausenden Frühlingsstürmen, ekligem Aprilwetter oder bindfadenmäßig herunterrieselndem Märzregen auf den grauen Wiesen, dem braunen Acker und im farblosen dunstigen Walde herumzurennen. Auch den Einwand, daß die teure Gattin daheim maßlos schimpfen wird, wenn der eifrige Jäger wieder und immer wieder von diesen Exkursionen beuteleer ins trauliche Heim zurückkehrt, kann ich nicht widerlegen. Aber im März wird, wenn das Revier wochenlang ohne Aufsicht ist, gewilddiebt, daß einem die Haare zu Berge stehen. Die Halunken und Gauner wissen sehr wohl, daß, wenn wirklich Jäger, Förster oder dergleichen vorhanden, diese jetzt von morgens bis abends bei den Kulturen beschäftigt und deshalb ungefährlich sind. Sitzt dann auch der Jagdherr sonstwo, nur nicht im Walde, so haben sie freie Bahn und können ihr Mütchen an dem sich gierig und hungrig auf die grünenden Saaten stürzenden Wilde nach Herzenslust kühlen. Der Schaden, den ein Wilddieb jetzt anrichtet, ist ein drei- bis dreißigfacher; jede Häsin, die er umbringt, hat ihr halbes Dutzend kleine Häslein irgendwo versteckt, sie müssen ebenfalls umkommen; auch die zwei Satz junge Hasen, die die alte mindestens im Jahr noch gebracht hätte, sind perdu, und schließlich hätten sich ja auch die ersten sechs voraussichtlich noch vermehrt; also was dieser eine Mord dem Revier kostet, kann kaum ein gewandter Rechenkünstler in 5 Minuten zusammenrechnen. Ähnlich so ist's mit alten Ricken oder gar Rottieren, man verliert nicht ein, sondern drei oder noch mehr Stücke auf einmal.

„Bei mir gibt's keine Wilderer“, wird mancher sagen und dabei die Augen unheildrohend rollen lassen. Schön, er mag ja recht haben, nur läßt sich die Tatsache nicht aus der Welt leugnen, daß, wo es Wild gibt, auch Wilderer existieren. Hat er also keine, so dürfte sein Revier auch an chronischem Wildmangel leiden, um so nötiger hat er es, diesen spärlichen Vertretern der heimischen Tierwelt besondere Sorgfalt zu widmen. Wenn ihm vielleicht auch notorische Wilderer keine Konkurrenz machen, so wird andererseits umherstromerndes Raubgesindel, wie wildernde Hunde, Katzen, Füchse, Marder, Iltis, Wiesel, Raubvögel und Krähen, doch genug vorhanden sein. Wenn er diesen armen Tieren vielleicht auch als weiser Mann ein Häslein oder ein Rebhuhn gönnt, die Rechnung bleibt doch dieselbe, ein Hase gilt für zwanzig bis dreißig und eine alte Rebhenne mindestens auch für zwanzig junge Rebhühner. Wer mehr Spaß davon hat, der Fuchs, wenn er eine alte, oder der Jäger, wenn er zwanzig junge Rebhühner verzehren kann, notabene mit Sauerkohl und Quetschkartoffeln, darüber kann es doch wohl im Ernst keinen Streit geben. Auch das Raubzeug rüstet jetzt seine Wochenstube, bei den milden Wintern meist früher, als man ahnt. Der Hunger ist um 100 bis 500 Prozent größer als sonst, das Raubbedürfnis ein ungeheures, dafür die Widerstandskraft und Vorsicht des Wildes gegen sonst erheblich geringer. Das Unheil, das die Bestien anrichten, ist also ebenfalls ein vierfaches. Das allein könnte einen schon reizen, ihnen höllisch auf den Balg zu rücken. Aber der Reiz müßte zur Leidenschaft werden, wenn man bedenkt, daß heute eine mit sauberer Kugel ins Jenseits beförderte Fuchsmama ebenfalls mit sechs bis zwölf kleinen Füchsen dick geht, man also mit einem Male einen ganzen Hexenkessel Füchse ausrottet. Wieviel gerettete Hasen das im Jahr bedeutet, wenn man pro Fuchs nur dreißig Stück zählt, also dreißig mal zwölf, – Himmel – mit schwindelt vor den Hasenmassen, die ich vor sicherem Tod bewahrt habe! Ich spreche jetzt von Niederwildrevieren im Gegensatz zum vorigen Kapitel, wo für Hochwildreviere eine gewisse Schonung des Raubzeugs anempfohlen wurde.

Auch das übrige Haarraubzeug muß man höllisch kurz halten, immer vorausgesetzt, daß es sich um Nieder Jagdreviere handelt, auf denen man gute Strecken erzielen will. Die Unterlassungssünden des Winters sind auch jetzt noch gut zu machen, wenn man eine ordentliche Portion Bälge aufs Brett bekommt. Aber fast ebenso gefährlich sind die Räuber der Lüfte, und was das Schlimme dabei ist, sie kommen bei dem Frühjahrszug aus aller Herren Ränder durchgewandert, halten sich manchmal nur Stunden, bisweilen aber auch tagelang im Revier auf, schlagen an Hasen, Hühnern, Enten und Fasanen, was sie nur kriegen können, und verschwinden dann auf Nimmerwiedersehen. Wer ihnen beizeiten Abbruch tun und das Handwerk versalzen will, muß fast täglich mit seinem Uhu in den Vormittagsstunden die Krähenhütte beziehen und namentlich Habicht, Falken, Weihen, Elstern und Krähen den Garaus machen. Die in Massen auf den Uhu stoßenden Bussarde kann man ruhig schonen, sie beleben ja nur die Landschaft und sind verhältnismäßig harmlos. Nebenbei ist die Jagd in der Krähenhütte recht amüsant, jedenfalls ist es ersprießlicher, als zu Hause zu sitzen. Ist der Raubvogelzug vorüber, benutze man den Uhu nach wie vor ein paarmal in der Woche, und sollte es auch nur gelten, die Krähen bis auf ein Minimum zu dezimieren. Diese Bestien sind ja viel schädlicher, als man sich gemeinhin träumen läßt, selbst ihre Nester plündere man und lasse sich die Eier gut schmecken, sie sind eine Delikatesse, bedeutend billiger und fast ebenso schmackhaft wie Kibitzeier. Der Kenner läßt sich sogar die jungen Krähen braten, man lade alle seine Freunde zu diesem Festmahl ein und schwindele ihnen vor, es seien junge Tauben, kein einziger wird es merken!

Hand in Hand mit dem Raubzeugkampf muß im März–April die Anlage von Wohlfahrtseinrichtungen für das Wild gehen; deren gibt es eine Unmenge, und eine ist so nötig wie die andere. Zunächst lege man Salzlecken an, soviel wie der Geldbeutel einem zu kaufen erlaubt; welche die besten sind, läßt sich schwer sagen, wenn man nicht in den Geruch, pro domo zu sprechen, kommen will. Salz braucht das Wild, besonders Hoch- und Rehwild, und gerade beim Übergang von der Winterfütterung zur Grünäsung. Es wirkt wohltuend auf den Organismus ein, befördert den Haarwechsel, trägt zur Erzielung guter Gehörne und Geweihe nicht wenig bei und fesselt das Wild an das Revier. Also nur der Dummkopf kommt ohne Salzlecken aus. Sogar der Hase liebt sie, und die wilden Tauben sind wie närrisch danach, wenn man ihnen ein bißchen Anispulver oder Anisöl beigibt. Die Anlage von künstlichen Suhlen, Hochsitzen, Birschsteigen möge nur beiläufig erwähnt sein, viel wichtiger oder besser gesagt notwendig ist es, gerade jetzt ein Netz von Wildäckem über das ganze Revier zu legen. Damit kann gar nicht früh genug angefangen werden, und hat man die Anpachtung geeigneter Parzellen im Herbst versäumt, so zögere man jetzt keinen Augenblick, sich deren so viel als möglich zu sichern. Von den Wildäckern hängt das Wohl und Wehe des gesamten Wildstandes ab und nicht zum mindesten auch für den Jagdherrn die Chance, im Sommer und Herbst brave Trophäen zu erbeuten.



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im Werk Am Lagerfeuer - Jagdliche Mixed Pickles aus zwei Welten
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